Hexenzorn

von T. A. Pratt

auf Deutsch erschienen im Januar 2010 im Blanvalet Verlag
414 Seiten, Taschenbuchformat

Preis: EUR 8,95

ISBN-13: 9783442266647
ISBN-10: 3442266645
 
Übersetzt von Michael Pfingstl

Fazit

Für abgehärtete Leser und Freunde von starken Heldinnen eine super-spannende Urban Fantasy Unterhaltung.

Die Hexe Marla Mason ist im Stress: ihre ärgste Konkurrentin Susan will ihr die Position als Herrin von Felport streitig machen indem sie einen Fluch windet, der Marla vom Erdboden tilgen soll. Gegen diesen mächtigen Zauber kann Marla direkt nichts ausrichten, also fliegt sie mit ihrem Vertrauten Rondeau nach San Francisco um den geheimnisvollen Grenzstein zu finden. Mithilfe dieses Artefakts könnte Marla Susans Zauber abwenden. Leider gestaltet sich die Such von Anfang an ziemlich schwierig: bereits der erste Magier, den Marla auf der Suche nach Informationen aufsuchen will, gibt keinen Ton mehr von sich: er wurde ermordet. Mit einem unguten Gefühl zieht Marla weitere Erkundigungen ein und trifft auch das hiesige Magieroberhaupt. Als dieser ihr Hilfe zusichert, scheint der Grenzstein in unmittelbare Nähe gerückt. Doch ein mächtiger Unbekannter kommt ihr zuvor und seine Spur zieren die Leichen von San Franciscos begabtesten Magiern. Also muss sich Marla ihm entgegenstellen bevor sie sich ihrem eigentlichen Problem zuwenden kann...

Auch wenn man von Urban Fantasy mit einer toughen Hexe in der Hauptrolle schon so einiges gelesen hat, bietet Hexenzorn temporeiche, spannende und interessante Unterhaltung mit viel Action und einer eigenwilligen Heldin. Marla Mason ist eine extrem derbere Variation aus Rachel Morgan, Kate Daniels und Dante Valentine. Sie ist maximal gewaltbereit, rücksichtslos, egozentrisch, unromantisch, zynisch, ungeduldig, arrogant und großmäulig. Mit all diesen Eigenschaften schlägt sie in ihrer Umwelt meist wie eine Bombe ein und erntet zuhauf Angst, Respekt oder Ärger. Marlas Kumpan Rondeau ist eine etwas emotionalere, weichere Figur, die oft versucht, Marlas krasse Gewaltanfälle abzubremsen oder sie mehr für die Gefühle anderer zu erwärmen, obwohl er selbst gar kein Mensch sondern ein seltsames Geisterwesen ist, das einen menschlichen Körper übernommen hat.
Hexenzorn ist ein straffer, handlungsorientierter Thriller, der mit vielen beeindruckenden Kreaturen und Wendungen aufwartet. T. A. Pratts Schreibstil ist nicht ganz so flüssig zu lesen, da er oftmals komplexe Situationen beschreibt oder sich in fremdwortlastigen Ausführungen über die Zukunft und alternative Realitäten auslässt. Das erzeugt aber keine Längen oder verwirrt unnötig, sondern ist ein gelungenes Stilmittel um dem Roman einen kleinen Touch Sci-fi zu verpassen. Der Autor schafft es mühelos, undurchsichtige Charaktere zu erschaffen, die Marla beeinflussen und verwirren können. Trotzdem lebt die Story vorrangig von Marlas starkem Willen, ihrem trockenen Humor und ihrem unerschütterlichen Selbstbewusstsein. Es hat Spaß gemacht, dieses Buch zu lesen, denn es ist sehr kurzweilig und bisweilen auch in seiner logischen Originalität faszinierend. Wenn die "mögliche Hexe" Marla in einer Raumfalte im Kerker von Alcatraz erzählen soll, wo sich am nächsten Tag eine gewisse Person aufhält und sich dafür mit einer "Zeitschuld" bezahlen lässt, kann man schon als Außenstehender die Augen verdrehen und meinen, was T. A. Pratt sich da für ein hanebüchenes Konzept von Matrix zusammengereimt hat. Aber wenn man sich reingelesen hat, bieten solch fantasievolle Eskapaden einen Extra-Lesespaß für all diejenigen, die abwegige Gedankengänge faszinierend finden.
Liebesromanleser und Fans von Romantic Fantasy werden sich bei Marla Mason eher nicht so aufgehoben fühlen, da sie von Romantik oder gar Liebe überhaupt nichts wissen will. Es gibt zwar auch sexuelle Situationen (nicht mit der Hauptfigur) in diesem Roman, aber das wird völlig neutral dargestellt. Zartbesaiteten Lesern wird auch die derbe, Schimpfwort-lastige Sprache negativ auffallen, sowie extreme Inhalte wie Kannibalismus, Vergewaltigung, BDSM, Folterung, explizite Gewaltbeschreibung und augenscheinlich unmoralisches Töten.
Mit 8,95 für ca. 400 Seiten liegt das Buch preislich knapp unter der magischen 9,95 Linie, leider finde ich das Cover sehr hässlich. Warum orientiert man sich da nicht mehr am Original? Fürchtet man, dass das Buch dadurch versehentlich von potentiellen Käufern als klassische Fantasy eingestuft werden könnte?

Die Schwarzen Juwelen – Dämmerung

von Anne Bishop

auf Deutsch erschienen im Oktober 2007 im Heyne Verlag
575 Seiten, Taschenbuchformat

Preis EUR 8,95

ISBN: 3453530632
EAN: 9783453530638
Übersetzt von Ute Brammertz

Fazit

Komplexe, klassische Fantasy-Unterhaltung ganz ohne Liebesromantouch.

Nachdem ihre Eltern Jaenelle in ein zwielichtes Kinderheim abgeschoben hatten, geschieht dort das Schlimmste: die junge Jaenelle wird sexuell missbraucht und misshandelt. Völlig zerbrochen an Körper und Geist trennt sie die beiden und ihr Geist entschwindet in das Verzerrte Reich. Saetan und sein Hof sind am Boden zerstört. Immer wieder versucht Saetan, mit Hilfe der Kraft seines Schwarzen Juwels, Jaenelle zu erreichen, doch er scheitert.
Gleichzeitig leidet auch Daemon Sadi unter Jaenelles Verschwinden. Da es ihm unmöglich ist, sie zu retten, beschließt er, etwas anderes Gutes zu tun: er will seinen Halbbruder Lucifer aus dem Kerkern von Pruuhl befreien, wo dieser seit Jahren als Sklave ein elendes Dasein fristet. Doch Lucifer ist verblendet und sieht in Daemon den Schänder Jaenelles. Nach dieser schmachvollen Zurückweisung zerbricht auch Daemon und stürzt ins Verzerrte Reich. Voller Wut flieht Lucifer aus seinem Gefängnis, er kann nicht glauben, dass man Jaenelle aufgegeben hat. Doch er weiß nicht, dass es Saetan inzwischen gelungen ist, Jaenelle zu retten, und er kann sie ganz behutsam wieder an das normale Leben gewöhnen. Das Mädchen hat durch dieses Trauma viel ihrer Kindlichkeit verloren und wird zu einer mächtigen und temperamentvollen jungen Frau. Zusammen leben sie auf seinem Landsitz in Kaeleer, dem Schattenreich. Jaenelle braucht lange, um sich emotional ihm und ihren vielen Freunden zu nähern, doch nach und nach füllt sich die Burg mit Leben und Saetan sieht, wieviele unterschiedliche Lebewesen Jaenelle, Hexe, um sich geschart hat. Alle wollen sie ihr dienen und erstarren vor ihrer unglaublichen Macht. Mit dieser Macht gelingt es Jaenelle auch, Lucifer vor dem Tode zu retten und sie nimmt ihn mit zu sich und er wird ihr eifriger Beschützer.
Unterdessen bedroht die eifersüchtige und gemeine Hekatah das aufstrebende Glück. Sie versucht, den Dunklen Rat zu infiltrieren um Saetan Jaenelle zu entreißen. Sie wagt es sogar, einen Krieg anzuzetteln, der Jaenelles Freunde, die sogenannten Verwandten, das sind Tiere mit Kraft des Blutes, zu vernichten. Doch Jaenelle stellt sich mit all ihrer Kraft gegen sie.

Wie auch der erste Teil ist Dämmerung langwierige und recht schwere Kost. Ganz langsam und bedächtig wird der Leser an die Tatsache herangeführt, dass Jaenelle das Leben wieder lernen muss. In vielen Details ergeht sich die Autorin bei der Beschreibung der Gefühle des Höllenfürsten und wie er immer wieder vor Jaenelles Macht zurückweichen muss. Überhaupt ist der Schreibstil von emotionalen Superlativen geprägt. Sämtliche Hauptpersonen sind mit einem fast als aggressiv zu bezeichnenden Temperament ausgestattet und können sich oftmals kaum beherrschen. Da fallen gestandene Männer in Ohnmacht, verwüsten ganze Zimmer und rammen sich vor Anspannung zentimeterlange Fingernägel in die Arme. Das wirkt vor allem in der Häufigkeit oftmals etwas albern. Ich musste teilweise schmunzeln, wenn der Höllenfürst zum dritten Mal am Tage einen Schwächeanfall erleidet, weil Jaenelle ihn mit ihrem Mitternachtsblick bedacht hat - der Höllenfürst!
Schwerpunkt liegt auf der minutiös ausgerollten Fantasygeschichte, die epochale Züge annimmt. Von Erotik ist hier absolut überhaupt nichts zu finden! Die auf der Rückseite des Buches abgedruckte Bewertung, die von knisternder Erotik spricht ist einfach nur falsch! In diesem Buch geht es noch nicht einmal um Liebe, geschweige denn um Erotik. Nur, weil jemand einen Ring um sein Geschlecht trägt, entspannt sich noch lange keine erotische Geschichte!
Es geht auch wieder recht blutig und brutal zu im zweiten Teil. Vor allem herrscht psychische Gewalt, Unterdrückung und Geheimnistuerei. Immerhin ist Lucifer ein ziemlich ansehnlicher Charakter. Von Daemon Sadi, der ja im ersten Teil eine Hauptrolle spielte, erfahren wir hier so gut wie gar nichts. Was mich immer noch kolossal genervt hat, waren die Temperamentsausbrüche von Jaenelle, und dass sie einen ultimativen Helferkomplex hat und einen ganz grässlichen Sinn für Humor. Ständig sind alle hinter ihr her. Ok, sie ist Hexe, aber das sieht manchmal echt nach Kindergarten aus, wenn der Höllenfürst und seine mächtigen Untergebenen wie die Gänsemütter hinter einem wildgewordenen Teenager her rennen.
Trotz allem aber ist das Buch irgendwie gut. Vielleicht liegt es daran, dass es so anders ist als alles andere. Man braucht aber nach wie vor Geduld und einen gewissen Sinn für langwierige Fantasy Epen.

Die Schwarzen Juwelen – Dunkelheit

von Anne Bishop

auf Deutsch erschienen im April 2005 im Heyne Verlag
558 Seiten, Taschenbuchformat

Preis EUR 8,95

ISBN: 3453530160
EAN: 9783453530164

Fazit

Exzentrisches Fantasy-Epos mit dämonischem Flair.

Das Buch erzählt die Geschichte des Mädchens Jaenelle, das von Geburt an 13 schwarzen Juwelen trägt und damit Hexe werden kann, die Königin aller Völker. Die Menschen und Lebewesen dieser Welt sind aufgeteilt in Landen (ohne Blut) und Blutsleute (von besserer Herkunft und mit magischen Fähigkeiten ausgestattet). Die Kraft eines jeden wird durch die Art und Menge der Juwelen bestimmt, die er oder sie trägt. Angefangen mit den hellen Farben ist das höchste das schwarze Juwel. Die Welt ist unterjocht von der Matriarchie, grausame, mächtige Königinnen herrschen über die einzelnen Gebiete und halten sich Männer als Lustsklaven. Daemon ist ein Lustsklave, der durch einen Ring des Gehorsams um seinen ... gefügig gemacht wird. Er wartet sein ganzes Leben schon auf die Retterin, die alle Völker gerecht vereinen wird. Genauso geht es seinem Vater, dem Höllenfürsten Saetan. Eines Tages dann werden sie auf ein ungewöhnliches Mädchen aufmerksam, das im Land der Dämonen wandelt und dort verschiedenen Menschen bzw. Toten hilft. Als Saetan das Mädchen zum ersten Mal sieht, weiß er sofort, dass sie Hexe ist. Da sie aber erst 12 Jahre alt ist, kann sie ihren Platz als Herrscherin noch nicht einnehmen. Also beginnt er, sie darauf vorzubereiten und sie in der Kunst zu unterweisen. Jaenelle selbst lebt bei ihrer Familie, die von Intrigen und Gewalt zerrüttet ist. Ihre Eltern wissen nicht, dass sie hochbegabt ist und halten sie eher für zurückgeblieben und verwirrt. Als Daemon von Jaenelle erfährt, macht er alles möglich, um in ihrer Nähe zu sein und schleicht sich in den Haushalt ihrer Eltern ein. Er versucht, sie vor dem Bösen zu beschützen, doch das Kind hat viele Feinde.

Hier haben wir ein hochkomplexes, episches Werk, das stilistisch so gar nichts mit den anderen Paranormalen Romanen zu tun hat, die ich gelesen habe. Zum einen kann ich sehr gut verstehen, dass sich hier die Geister scheiden und die einen völlig begeistert sind, die anderen nach 100 Seiten entnervt aufgeben. Ich war auch nach der Hälfte des Buches noch nicht sicher, was ich davon halten soll und musste es mehrere Male weglegen. Bereits zu Beginn wird der Leser überschüttet mit Begriffen, Namen und Szenenwechseln. Alles ist so verwirrend angelegt, dass man das Gefühl hat, nur in Situationen reinzuplatzen ohne wirklich zu verstehen warum. Aber mit der Zeit laufen alle die weit entfernten Fäden vom Anfang zusammen und die Personen, die vorher zusammenhangslos wirkten, treffen sich unter interagieren. Allerdings passiert das sehr sehr langsam und es gibt viel Pathos dazwischen. Nicht unbedingt Landschaftsbeschreibungen oder Monologe, sondern vielmehr haarkleine Abhandlungen über Geschehnisse, die storytechnisch irrelevant sind. Wie es zum Beispiel ist, wenn die Hure Surreal Freier empfängt und wie Jaenelle ein besonderes Pferd beschreibt etc. Das erfordert Geduld und Einfühlungsvermögen vom Leser. Auch die Namensgebung der Charaktere ist höchst gewöhnungsbedürftig. Den Höllenfürsten Saetan und seinen Sohn Daemon zu nennen scheint mehr als einfallslos. Dann aber heißen andere wieder Manny (als Frau!) und man glaubt sich im tiefsten Volksdialekt. Entweder hat hier die Übersetzung versagt oder es ist echt daneben gegangen. Es dauert auch geraume Zeit, bis man sich an die dauernden Szenenwechsel gewöhnt hat und verstanden hat, wo jetzt Unterwelt und so weiter ist.
Dazu braucht man locker die Hälfte des Buches, und wenn man bis dahin nicht aufgegen hat, wird es ein super Leseerlebnis. Erst dann kann man richtig mitfiebern und versteht das Wesen von Daemon und Jaenelle. Es wird auch dann erst spannend und man spürt, dass es eine Geschichte ist und nicht nur eine wahllose Aneinanderreihung von Szenen.
Von Erotik allerdings habe ich nicht viel gemerkt. Die Romanreihe wird als Meisterwerk der düsteren Erotik angepriesen, aber auf erotische Szenen entfallen vielleicht insgesamt 2 der 558 Seiten. Und dann ist es auch eher Quälerei und SM, unpersönlich und nicht gerade erotisch. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es jemand anregend findet, zu lesen, wie einem Mann bei vollem Bewusstsein mit einer Rasierklinge die Geschlechtsteile abgeschnitten werden. Viel Action gibt es auch nicht, alles zieht sich ein wenig träge dahin, was aber nicht unbedingt unangenehm zu lesen ist. Es ist eben etwas ganz anderes als gewohnt und hat durchaus auch seine Qualitäten. Allerdings nichts für Fans von leichter Unterhaltung für zwischendurch!