Anita Blake – Finsteres Verlangen

von Laurell K. Hamilton

erscheint auf Deutsch im Juni 2012 im Bastei Lübbe Verlag
399 Seiten, Taschenbuchformat

Preis: EUR 9,99

Fazit

Nutzlos, seelenlos.

Anita muss mal wieder an allen Fronten kämpfen: die Vampirmeisterin La Belle Morte schickt eine grausame Abgesandte in die Stadt, es gibt einen Serienmörder und zu alledem macht Anita immer noch die Ardeur zu schaffen.
Ihre Beziehung zu Jean-Claude ist stabil, dennoch unterhält Anita sexuelle Kontakte zu Anderen, da sie sonst die Ardeur nicht unter Kontrolle bekommen kann. Das Auftauchen der Abgesandten Musette bringt alles durcheinander, denn sie fordert Asher als ihr Eigentum. Anita kann ihn nur beschützen, wenn er ihr Liebhaber wird...

Im Grunde genommen ist dieser Roman ziemlicher Schrott.
Zusammengefasst würde ich ihn als eine übelst in die Länge gezogene Aneinanderreihung von sexuellen Nichtigkeiten und hochgestochenem Palaver bezeichnen. Es ist tatsächlich nur die wehmütig-schöne Erinnerung an die frühere Anita und der einigermaßen erträgliche Schreibstil der Autorin, die es hier vor dem totalen Verriss retten.

Ich hatte große Schwierigkeiten, das Buch überhaupt zu beenden und habe bereits nach wenigen Seiten begonnen, Passagen zu überfliegen. Leider komme ich mit der wahllos sexuell aktiven Anita überhaupt nicht zurecht, ich finde das Motiv der Ardeur abschreckend und vor allem ganz schlecht in die Story eingepasst. Durch diesen Aspekt wird jeder klitzekleine Ansatz einer "normalen" Handlung zersplittert und ad absurdum geführt. Die nichtssagende Episode um den Serienmörder hätte man sich getrost sparen können, da war überhaupt keine Spannung, keine Überraschung...nichts außer ein paar ekligen Details.

Mittlerweile werden mir bedauerlicherweise auch liebgewonnene Charaktere wie der zynische, depressive Richard und der charmante, altmodische Jean-Claude unsympathisch, was vor allem an der Instrumentalisierung dieser Figuren liegt. Laurell Hamilton benutzt sie alle nur noch, um für Anita noch mehr Bettszenen zu kreieren, und was einstmals noch eine prickelnde Dreiecksgeschichte war, verkommt jetzt zu einer sexlastigen Farce, in der Anita scheinbar auch keine Wahl hat - durch die Ardeur will sie einfach jeden f.....

Seitenweise gähnende Langeweile entsteht zudem durch politisches, überkompliziertes Gerede zwischen Musette, Anita und Konsorten. Gefühlte Ewigkeiten wird diskutiert, was wäre wenn die Konstellation so und so wäre...blabla... Nichts mehr übrig von der anpackenden, wortkargen Anita, die weiß was sie will. Eigentlich ist Finsteres Verlange schon ziemlich von dem Genre Urban Fantasy entfernt, es ist vielmehr eine brutalisierte Erotic Fantasy mit für mich großen Enttäuschungen.

Die beiden folgenden Bände stehen bei mir schon im Regal, aber es wird wohl noch einige Zeit dauern, bis ich mich da herantraue.

Anita Blake – Nacht der Schatten

von Laurell K. Hamilton

erscheint auf Deutsch im Oktober 2011 im Bastei Lübbe Verlag
399 Seiten, Taschenbuchformat

Preis: EUR 9,99

Fazit

Anita am Rande ihrer selbst.

Da Anita während eines Kampfes von einem ihrer eigenen Leoparden schwer verletzt wurde, schwebt sie jetzt in der Gefahr, selbst zum Leoparden zu werden. Voller Wut, dass Anita ihm somit vielleicht entrissen wurde, nimmt Richard den Schuldigen gefangen und will ihn exekutieren lassen. Denn wenn Anita ein Leopard wird, kann sie nicht mehr die Lupa des Werwolfrudels sein. Doch Anita will ihren Leoparden um jeden Preis zurück erobern, und sei es, dass sie sich Richard und den Werwölfen in einer Prüfung stellen muss. Gleichzeitig werden sämtliche Gestaltwandler der Stadt immer noch von einem unbekannten Entführer bedroht, der verängstigte Gestaltwandler aller Art veranlasst, Anita um Hilfe zu bitten. Mitten in ihrer Sorge ob ihrer eigenen möglichen Verwandlung und der Dreiecksliebesgeschichte zwischen ihr, Jean-Claude und Richard, muss sich Anita jetzt auch der Tatsache stellen, dass sie mit Micah, dem Anführer eines anderen Leopardenrudels, einen Seelenverwandten gefunden hat.

Nacht der Schatten setzt nahtlos an den Ereignissen von Jägerin des Zwielichts an, es fängt sogar nicht einmal mehr neu mit Kapitel eins an. Völlig ausgeschlossen, dass Neueinsteiger hier an dieser Stelle irgendetwas von der Hintergrundgeschichte verstehen. Für alle, die der Serie chronologisch folgen, gibt es hier den zweiten Teil von "Narcissus in Chains", in dem Anita sich einmal mehr zum Retter aller aufschwingt. Grundsätzlich bietet diese Hälfte mehr Action und weniger Erotikszenen, leidet aber auch unter einer flatterhaften und fremdgesteuerten Anita.

Was hat mir gefallen?
Es gibt wieder eine große Anzahl an unterschiedlichsten paranormalen Kreaturen, die schillernd und anschaulich beschrieben sind. Extreme Abartigkeiten und blutige Details blitzen immer mal wieder hervor, haben aber auch teilweise ihren Reiz. Gut fand ich die Gruppendynamik innerhalb Anitas Leopardenrudels und all die kleinen Gestaltwandlertypischen Eigenheiten, die die Autorin ständig beschreibt. Die Kampfszenen haben Nacht der Schatten auch keinesfalls geschadet und Anita war insgesamt nicht ganz so sexlastig wie vorher. Der Leoparden Nimir-Raj Micah ist eine interessante Person, deren androgyne, metrosexuelle Art zwar nicht mein Ding ist, doch er kann durch charismatisches Auftreten punkten. All diese Punkte hätten diesen Teil sogar zu einer GUT Wertung bringen können...

Aber:
Die Auflösung der Konfliktsituation zwischen Richard und Anita hat mir überhaupt nicht gefallen. Eine enttäuschende Wendung, die sich anfühlt, als würde Laurell Hamilton ihren gehegten Charakter Richard wie Müll wegschmeißen. Ich konnte auch Anitas Einstellung zu Richard überhaupt nicht mehr nachvollziehen, da sie fast schon schizoid von Minute zu Minute wechselt. Mal liebt sie ihn, dann verachtet sie ihn wieder, dann tut er ihr leid, dann will sie ihn töten etc etc. Zwar bezeichnet sich Anita selbst mehrfach als soziopathisch, doch für mein eigenes Lesevergnügen hat das gar nichts beigetragen.
Die "Ardeur", das unkontrollierte Verlangen, das Anita regelmäßig überkommt, weil sie Jean-Claudes "Leiden" übernommen hat, ist in meinen Augen eine armselige Begründung der Autorin, Seiten mit Orgienhaften Sexszenen zu füllen, deren Lieblosigkeit der Sympathie mit den Charakteren nachhaltig schadet. Zwar dosiert sie diese Szenen in Nacht der Schatten etwas, postiert Anita aber wieder als sexuellen Spielball zwischen Micah, Jean-Claude, Asher, Nathananel und weiteren. Und schließlich komme ich manchmal wirklich nicht mit diesen Gefühl zurecht, dass man den Eindruck hat, die Autorin will ihren Figuren im Roman WIRKLICH weh tun. Die Folterszenen sind dermaßen genüsslich ausgeschlachtet (üble Formulierung ich weiß), dass man Anita das Grauen darüber nicht so recht abnehmen mag, denn im Hintergrund kam es mir immer so vor, als hätte Frau Hamilton zu viel Spaß daran.

Ab dem letzten Drittel des Buches kam dann so ein bisschen Wehmut bei mir auf, schließlich habe ich Anita jetzt ein paar Jahre lang verfolgt und die ersten Teile waren richtige Kracher. Was soll nur aus ihr werden? Wohin geht der Weg? Hierzu ein Zitat der Autorin aus einem Interview mit Dionne Charlet, New Orleans Literature Examiner vom 04.10.2011 (gefunden auf der Homepage der Autorin): (...)I would have bet good money that she would never date Jean-Claude, let alone be living with him. I might have bet that she would be happily married to Richard Zeeman, our local Ulfric, wolf king and junior high science teacher, but that so hasn't worked as I planned. I didn't know the character of Micah Callahan even existed in the form that he insisted on being written, and had no idea how important he would be to Anita. Nathaniel Graison was the one that Anita and I fought the longest against loving, and now he totally has her heart. I never foresaw that Anita would have a U. S. Marshal's badge and be a ‘real’ law officer. I never planned on Edward, assassin to the monsters, would be a major guest star in the series, and one of Anita's closest friends. I guess, what I'm saying is that when I've been this surprised by my own characters and world, all bets are off, I have little idea of what will happen to Anita next. I've been wrong too often to hazard a guess anymore.”

Anita Blake – Jägerin des Zwielichts

von Laurell K. Hamilton

erscheint auf Deutsch im Mai 2011 im Bastei Lübbe Verlag
399 Seiten, Taschenbuchformat

Preis: EUR 9,99

Fazit

Ich erkenne Anita nicht wieder.

Ein halbes Jahr war Anita von der Bildfläche verschwunden, hatte sich zurückgezogen um einerseits der Dreiecksgeschichte zwischen Jean-Claude und Richard zu entgehen, und andererseits um sich ihrer Kräfte wirklich gewahr zu werden. Als sie wieder zurück ist, erwartet sie leider eine Hiobsbotschaft: einer der Leoparden ihres Rudels, dessen Nimir-Ra Anita übergangsweise ist, wurde entführt und wird wahrscheinlich gefoltert. Anita muss handeln, weiß aber, dass sie sich mit mächtigen Gestaltwandlern anlegt. Ihr bleibt nichts anderes übrig, als um Hilfe zu bitten, und wer wäre mächtiger als St. Louis' Vampirmeister Jean-Claude?

Als sie ihn wiedersieht, flammen die alten Gefühle wieder auf, und Anita fällt es schwer, sachlich zu bleiben. Um ihren Leoparden zu retten, müssen Anita und Jean-Claude ihre Kräfte vereinen, doch Anita hat keine Ahnung, was diese Verschmelzung in ihr auslösen wird. Dann, während des Kampfes für die Befreiung des Leoparden, kommt es zu einem schicksalsschweren Unfall...

Nachdem Göttin der Dunkelheit und Herrscher der Finsternis die reinsten, kaltblütigen Thriller sind, wechselt Laurell K. Hamilton in Jägerin des Zwielichts wieder zu der sexuell "aufgeladenen" Anita, zu einer fast willenlosen, zwischen verschiedenen Gelüsten umhertaumelnden Heldin. Es ist ein wenig Zeit vergangen, seit der letzten Episode, und man meint, Anita hätte sich durch den Abstand zu Jean-Claude und Richard etwas abgekühlt. Die Geschichte beginnt auch mit einer typischen Anita Blake Situation: jemand, der ihr nahe steht wird entführt und Anita setzt sofort alles daran, zur Hilfe zu eilen. Was eine actionreiche Urban Fantasy Story hätte werden können, wird mit jeder Seite mehr ein skurriles BDSM Sex-Abenteuer mit unzähligen komplexen Beziehungskisten und verworrenen Anziehungskräften. Ich finde es teilweise so schade, denn ich mag den Schreibstil der Autorin nach wie vor sehr!

Sie ist immer noch fähig, bissigen Humor zu entwickeln, amüsant und kurzweilig zu schreiben, ihren Figuren Leben einzuhauchen. Ich mag ihre Fantasie, ihren tollen Einfallsreichtum und ihre animalischen Anwandlungen. Die Story in Jägerin des Zwielichts ist auch an sich nicht verkehrt (wenn man sie zwischen all den Sexszene überhaupt erkennen kann): Anita wird während der Rettung ihres Leoparden gebissen und bangt nun um ihre Menschlichkeit. Zwischen all dem Chaos gibt es noch Jean-Claude und Richard, die beide auf ihre unterschiedliche Art und Weise nicht die Finger von Anita lassen können.

Leider verwandelt Laurell K. Hamilton diesen guten Stoff zusehends in ein versextes Zerrbild und lässt ihre Hauptfigur auf eine Art "verlottern", die mir überhaupt nicht gefällt. Klar gerät Anita durch ihre außergewöhnliche Macht und ihr gutes Aussehen in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit, aber JEDER in diesem Roman ist irgendwie scharf auf sie und das Schlimme daran ist, JEDER kommt auch zum Zuge. Anitas Promiskuität, und sei sie auch noch so durch Beeinflussung hervorgerufen, ist in meinen Augen eine Herabsetzung ihres Charakters auf ein billiges Niveau. Ich will jetzt nicht nuttig oder so benutzen, aber an manchen Stellen habe ich mich wirklich gefragt, wo denn jetzt bitte die klar denkende, willensstarke und konservative Anita geblieben ist.

Wie bereits schon angedeutet, ist der immer beharrlichere Hang der Autorin zu BDSM nicht mehr wegzureden. Ihre männlichen Gestalten werden immer androgyner, immer düsterer, blutlüsterner. Es werden Lack und Latex getragen, Leute werden gefesselt, gefoltert, gebissen, vergewaltigt. Und Anita selbst ist auch dabei bzw. macht mit. Es gibt mehrere Dinge, die ich mittlerweile an ihr abstoßend finde, u.a. der Hunger nach Fleisch. Sie hat das Bedürfnis, ihre Sexpartner zu beißen, ihr Blut zu trinken und ihr Fleisch zu FRESSEN. Wenn der Charakter Anita Blake schon immer so gewesen wäre, nun gut. Aber wer sie seit dem ersten Teil kennt wird denken: was für eine abartige Anita ist das denn?!
Nun, bleibt zu sagen, dass ich immer noch ein Fan von Jean-Claude und auch von Richard bin, dass mich Anitas Schicksal weiterhin interessiert, aber dass sie in meinen Augen jegliche Autorität verloren hat. Sie ist nicht länger eine Urban Fantasy Heldin auf dem Niveau von Kate Daniels, Mercy Thompson oder Rachel Morgan. Sie ist ein versexter Spielball in einer blutigen Massenorgie, eine fahrige, willenlose Puppe in einem Erotik-Trash-Thriller, die von einem Abglanz lebt, der bald verblichen sein wird. Ich bewerte das Buch als durchschnittlich teils aus sentimentalen Gründen, teils weil es meine sensationsgeile Seite befriedigt *ähem*.

Anita Blake – Herrscher der Finsternis

von Laurell K. Hamilton

erscheint auf Deutsch im Mai 2010 im Bastei Lübbe Verlag
399 Seiten, Taschenbuchformat

Preis: EUR 9,99

Fazit

Ultrabrutaler, harter und spannender Thriller mit einer unbarmherzigen Anita.

Anita und Edward sind immer noch auf der Suche nach dem Serienmörder, der in Edwards Heimatstadt grausame, verstümmelnde Morde begeht. Es scheint, als führe die neueste Spur zu dem mächtigen Nekromanten Nicky Baco, der durch das hiesige Werwolfrudel geschützt wird. Als Anita und Bernardo in seinem Unterschlupf aufkreuzen, weht ihnen eisige Feindschaft entgegen, zusammen mit einigen blutrünstigen, schlagkräftigen Werwölfen, die sich durch Anitas Anwesenheit bedroht fühlen. Baco beteuert, nichts mit den Morden zu tun zu haben, und Anita kann sich kurzfristig vorstellen, seine Hilfe bei der Suche nach dem wahren Täter in Anspruch zu nehmen. Dann passiert etwas Schreckliches: die ins Krankenhaus eingelieferten Opfer, die sich in unaussprechlich verstümmeltem Zustand befinden erwachen wie ferngesteuert zum Leben und töten wahllos Unschuldige. Als Anita zum Tatort kommt, bietet sich ihr ein Bild des Grauens und im anschließenden Kampf wird sie schwer verletzt. So langsam wird auch Edward klar, dass bei diesem Fall alle, auch die Härtesten, ihr Leben lassen könnten.

Herrscher der Finsternis knüpft nahtlos an das Geschehen in Göttin der Dunkelheit an, welches im ersten Teil willkürlich abgeschnitten wurde. Man sollte also mit der Lektüre warten, bis beide Bücher einträchtig im Regal stehen. Trotzdem glaubt man fast, dass hier zwei komplett unterschiedliche Bände vorliegen, denn in Herrscher der Finsternis schlägt Laurell K. Hamilton einen ungleich härteren Ton an als vorher. Nach dem etwas in die Länge gezogenen Geplänkel und der Ermittlerei kommt es hier Schlag auf Schlag und das mit ungehemmter und expliziter Brutalität. Ganz ehrlich, ich würde dem Buch FSK 16 geben und es auf das Titelbild drucken. Anita und Edward werden immer tiefer in diese unfassbar grausamen Mordfälle verwickelt und geraten selbst unweigerlich in eine Gewaltspirale. Anitas Monologe häufen sich: bin ich wirklich eine gefühllose Tötungsmaschine? Bin ich so eiskalt wie Edward? Kann Edward überhaupt seine "Familie" lieben? Doch das Hinterfragen der Gewalt bleibt im Hintergrund, vorranig wird sie ausgelebt und das in allen ekelhaften Facetten. Besonders das letzte Drittel ist wahrhaft nichts für schwache Nerven und wer nicht lesen will, wie Kinder gefoltert, verstümmelt und sexuell misshandelt werden, sollte die Finger davon lassen. Blut, Blut ist überall und allgegenwärtig, es spritzt, man rutscht auf dessen Lachen aus und wird davon bis zur Unkenntlichkeit verschmiert. Und mittendrin eine Anita, die sich nahezu nur auf Waffengewalt verlassen kann, vieles ihrer feinsinnigen Raffiniertheit ist in unmittelbarer Brutalität untergegangen. Sicher, sie ist immer noch schlagfertig, doch auf eine seltsam obszöne Art und Weise, die ich nicht so an ihr mag.

Abgesehen von der schockierenden Gewalt, die einem während des Lesens immer wieder eiskalte Gänsehaut verursacht, mag man sich fragen, wie um alles in der Welt ein Mensch so viel Grausamkeit ertragen kann ohne verrückt zu werden. Die Autorin versucht mit allen Mitteln, Anita menschlich zu halten, doch oft ist sie ganz weit weg davon. Wie eine roboterartige, hübsche Puppe zieht sie ihren Auftrag durch und lässt sich scheinbar durch nichts erweichen. Ihre Moralität tut da nichts zur Sache und auch die Anziehungskraft der Männer auf sie nicht. Die anfangs erfrischende Anita ist abgegriffen, substanzlos geworden. Hoffentlich geht sie wieder zurück zu Richard und Jean-Claude und findet ihr altes Format wieder, ihre entwaffnende Individualität, ihre unbestechliche Geradlinigkeit, und ganz wichtig: ihre Weiblichkeit. Und bitte ganz ohne gefühllosen Sex mit abgedrifteten Monstern, Anita hat ein wenig Menschlichkeit nötig, bitte.

Anita Blake – Göttin der Dunkelheit

von Laurell K. Hamilton

erscheint auf Deutsch im März 2010 im Bastei Lübbe Verlag
576 Seiten, Taschenbuchformat

Preis: EUR 9,99

übersetzt von Angela Koonen
ISBN-10: 3404164105
ISBN-13: 978-3404164103

Fazit

Brutaler, spannender Krimi mit der mutigen und faszinierenden Anita Blake.

Vampirhenker Anita Blake ist ihrem Freund Edward noch einen Gefallen schuldig. Und diesen fordert er ein, indem er sie bittet, ihm in Santa Fé bei der Aufklärung einer besonders grausamen Mordserie zu helfen. Mit Edward verbindet Anita eine seltsame Seelenverwandschaft, und doch ist jeder für sich ein misstrauischer Killer. Wird Edward eines Tages Jagd auf sie machen? Anita weiß es nicht. Vorerst jedoch reist sie nach Mexiko und wird dort völlig überrascht von einem Edward, der sich unter einer falschen Identität namens Ted Forrester ein scheinbar idyllisches Familienleben mit der Frau Donna und ihren zwei Kindern aufgebaut hat. Anita ist fassunglos angesichts der Tatsache, dass Edward sein Killerdasein vor der Familie verbirgt und ihnen falsche Tatsachen vorspiegelt. Obwohl sie sich nicht einmischen will, gerät Anita in einen moralischen Konflikt: kann sie Edward seiner Familie entreißen? Vorerst konzentriert sie sich aber auf den Fall, und ist erschrocken von der Brutalität, mit der der Mörder seine Opfer gehäutet und verstümmelt hat. Für Anita ist klar, dass ein Monster diese Tat begangen hat, kein Mensch wäre dazu fähig. Die Polizei verhält sich Anita gegenüber misstrauisch und auch Edward gibt sich geheimnisvoll. Edwards Gehilfen Olaf und Bernardo, von denen jeder seine Leichen im Keller hat, tun ihr übriges um Anita in Alarmbereitschaft zu versetzen. Trotz ihrer Bemühungen gibt es keine Spur von dem Täter. Dann erfährt Anita von der hiesigen Vampirmeisterin, genannt Obsidian Schmetterling. Und diese ist mächtiger, als sie je geahnt hätte...

Nachdem Anita im vorigen Teil "Ruf des Blutes" in einen wahren Sextaumel geraten war, der wohl viele Leser verschreckt und mich ziemlich irritiert hat, präsentiert sie sich in Göttin der Dunkelheit wieder in altbekannter Ermittler-Manier. Dieser Teil ist komplett Anita und Edward gewidmet und verliert kaum ein Wort über Richard und Jean-Claude, was ich persönlich etwas schade finde. Das interessanteste an der Reihe ist immer noch das Dreiecksverhältnis zwischen Anita, ihrem Werwolf und dem Vampirmeister. Doch so wird Anita in einen grausamen Fall hineingezogen, der eigentlich ihre volle Aufmerksamkeit fordert - wäre sie nicht so verwirrt über Edwards schizophrenes Verwirrspiel mit der Familie und ihre eigenen unerfüllten Bedürfnisse. So ganz cool angesichts eines schönen Männerkörpers wird Anita wohl nie mehr werden und es gab einige Situationen in denen mir diese Entwicklung ihrer Persönlichkeit missfallen hat. Es ist etwas verloren gegangen von der souveränen, gefassten, zielstrebigen Anita, die weiß was sie will und was sie nicht will. Immerhin hat sie weder ihre detektivische Beobachtungsgabe noch ihre Fertigkeiten im Umgang mit Waffen verloren und manövriert sich geschickt zwischen den undurchsichtigen Personen hindurch, immer auf der Suche nach dem monströsen Täter. Nichts für schwache Nerven sind die Tatortbeschreibungen und zahlreichen Gewaltdarstellungen, die selbst die abgebrühte Anita schockieren.
Stellenweise kam es mir vor, als hätte Laurell K. Hamilton ihren Schreibstil etwas geändert und neigt nun vermehrt dazu, Detailbeschreibungen in die Länge zu ziehen und das Gleichgewicht von Dialogen und Monologen in Richtung der letzteren zu verschieben. Das schadet dem Erzähltempo etwas, schafft aber gleichzeitig mehr Atmosphäre. Ich persönlich ziehe den strafferen, dialogreicheren Stil vor, das gibt Anita mehr Möglichkeiten, ihre Schlagfertigkeit zu zeigen. Durch diesen Umstand passierte es wohl auch, dass der Originalroman die 500 Seiten Grenze sprengte und der Bastei Lübbe Verlag die Entscheidung traf, in Deutsch zwei Bücher darauf zu machen. Finanziell ist das nicht optimal, immerhin zahlt man so 2x 9,99 EUR für ein Buch, das umgerechnet im Original 5,80 EUR kostet.
Inhaltlich gesehen schmälert diese - zugegeben ärgerliche - Tatsache jedoch nichts, und Göttin der Dunkelheit ist nach wie vor ein spannender, ideenreicher Thriller, der bestens unterhält und Platz für viele schillernde, geheimnisvolle Figuren hat. Ich bin ein Fan von Anita und auch wenn sie meiner Meinung nach etwas schwächer geworden ist, bleibt sie eine unverzichtbare Größe im Urban Fantasy Universum. Das Fehlen von ausschweifenden Erotikszenen in diesem Teil hat übrigens nicht geschadet und vielleicht erholt sich Anita ja von ihrem zweifelhaften Image, das sie sich durch den vorherigen Band eingehandelt hat.

Anita Blake – Ruf des Blutes

von Laurell K. Hamilton

auf Deutsch erschienen im Feb 09 im Bastei Lübbe Verlag
576 Seiten, Taschenbuchformat

Preis: EUR 9,95 - Preiserhöhung!

ISBN: 3404159721
EAN: 9783404159727
Übersetzt von Angela Koonen

Fazit

Rasante, blutige Action und viel nackte Haut - eine neue, veränderte Anita.

Anitas Ex-Werwolf-Freund Richard ist in Schwierigkeiten: Er wurde mit der Anklage der Vergewaltigung im Nachbarstaat ins Gefängnis gebracht. Sein Bruder ruft Anita um Hilfe und die entscheidet sich gegen Jean-Claudes Einwände dazu, Richard zu befreien. Gefahr dabei ist der Meistervampir der Gegend, Colin. Der mächtige Nachtmahr fürchtet eine Übernahme seines Territoriums durch Anita und droht, sie zu vernichten, wenn es ein Aufeinandertreffen gibt. Anita geht das Risiko ein und begibt sich zusammen mit ihrem Leopardenrudel, einigen Werwölfen und dem Vampiren Asher und Damian in das kleine Dorf, wo Richard im Knast sitzt. Bald stellt sich heraus, dass die Sache komplizierter ist, als angenommen. Es scheint, als wäre die Vergewaltigungsanklage nur ein Vorwand, um Richard ruhig zu stellen, da er in viel brisantere Angelegenheiten verwickelt ist. Seine biologischen Forschungen über Trolle beziehen ein Gebiet mit ein, dass wohl für Colin aus anderen Gründen sehr interessant ist. Anita kann leider keinen kühlen Kopf bewahren, da ihre verdrängten Gefühle für Richard ständig wieder hochkommen, und er keine Möglichkeit auslässt, sie zu verführen. Ein Kampf zwischen den Vampiren unter Colin und Anita ist unausweichlich. Doch das ist nicht das einzige Problem. Sowohl das örtliche Werwolfrudel als auch eine Band von korrupten Polizisten bedrohen Anitas Sicherheit. Voller Misstrauen kann sie sich nur auf sich selbst verlassen. Dann kommt der schicksalshafte Tag, wo Anita vom Geist der toten Werwölfin Raina befallen wird, ein katastrophales Szenario bahnt sich an...

Ruf des Blutes setzt sich deutlich von sämtlichen Vorgängern ab. Hier gibt es eine neue Anita, eine, die Teile ihrer Coolness eingebüßt hat und dafür Emotionen aller Art zeigt. Bei gleichbleibend rasantem und direktem Schreibstil, der kein Blatt vor den Mund nimmt und keine blutige Szene auslässt, formt die Autorin ihre Hauptdarstellerin Anita immer mehr zu einer "nicht-menschlichen" Gestalt. Das mag zwar auch am immer extremer werdenden Umfeld liegen, doch es ist auch Anita selbst, die immer mehr an Vernunft und Rationaliät zu verlieren scheint. Am auffälligsten ist, dass das Buch im Gegensatz zu den Vorgängern sehr sexuell ist. Anita ist schier umzingelt von gierigen, instinktgesteuerten Kreaturen, die alle mit ihrer Andersartigkeit auf sie einstürmen und nicht mehr in Ruhe lassen. Ihr neues Leopardenrudel verwirrt sie mit tierischen Gesten und dem Wunsch nach Schutz und körperlicher Nähe. Die Vampire verkörpern den unwiderstehlichen Jean-Claude und schließlich ist da Richard, den Anita nie vergessen konnte.
Mit fast schwärmerischen Worten beschreibt die Autorin hier den Ulfric Richard und es ist mehr als klar, dass Anita ihm nicht widerstehen kann. Doch sie kann auch Jean-Claude nicht verlassen. Oder ihre Leoparden, oder den armen Jason... So viele Leute wollen etwas von ihr, dass dem Leser fast schwindlig wird.
Anita verliert durch diesen "Gott-Status" an Menschlichkeit und ich konnte mich nicht mehr so gut in sie hineinversetzen. Was natürlich auch an dieser konstruierten und unnatürlichen Dreiecksbeziehung liegt. Es ist für mich unfassbar, wie man sich nicht entscheiden kann. Das hinterlässt beim Leser eine Art Unzufriedenheit. Sex bekommt auf einmal einen großen Stellenwert in Anitas Leben, und das kannte ich vorher überhaupt nicht von ihr.
Also stürzen wir uns in ein atemloses Abenteuer, das mehr als je zuvor pures Sex & Crime ist und nichts weiter. Sicher sind die Kampfszenen blutig, mitreißend und spannend, es gibt viel Waffen-Zur-Schaustellung und sexy Outfits. Doch ein wenig Charme ist verloren gegangen, ein wenig erfrischende Emanzipation, ein wenig Originalität. Bitte, Frau Hamilton, besinnen Sie sich wieder auf die ersten Bände.

Anita Blake – Dunkle Glut

von Laurell K. Hamilton

auf Deutsch erschienen Sept 07 im Bastei Lübbe Verlag
555 Seiten, Taschenbuchformat

Preis: EUR 7,95

ISBN: 3404157567
EAN: 9783404157563
Übersetzt von Angela Koonen

Fazit

Anitas Geschichte geht weiter: brutal, direkt und voller Chaos.

Nachdem Anita die Beziehung zu Richard gelöst hat, verbringt sie ihre Abende und Nächte mit Jean-Claude. Sie ist zwar traurig, Richard verloren zu haben, doch über ihr Entsetzen als er in Wolfsgestalt seinen Konkurrenten Marcus verspeist hat, kommt sie nicht hinweg.
Eines Tages sucht ein Mann sie in ihrem Büro auf und bittet um Hilfe bei der Suche nach einem gefährlichen Pyrokinetiker, jemandem, der mit Geisteskraft Feuer entzünden kann. Anita weiß nicht so recht, wie sie helfen kann und zögert, da bekommt sie die Nachricht, sofort ins Krankenhaus zu kommen. Stephen, ein Werwolf, der ihr schon einmal das Leben gerettet hat, bittet um Hilfe für seinen Freund Nathanael, der vergewaltigt und schwer verletzt wurde. Als Anita im Krankenhaus ankommt, sieht sie, dass Nathanael ein Werleopard ist. Seit Gabriel tot ist, haben diese keinen Anführer mehr und der Schutz durch die Werwölfe ist nicht gewährt. Es kommt soweit, dass die Werleoparden um Anitas Schutz bitten, da sie immer noch die Lupa des Rudels ist. Anita willigt ein und macht sich somit zur Zielscheibe der mächtigen Werwölfin Sylvie, die die Macht im Rudel an sich reißen will. Doch dann taucht ein viel größeres Problem auf: der Rat der Meistervampire ist in der Stadt und sieht Jean-Claude als Bedrohung an. Speziell Jean-Claude's früherer Gefährte Asher ist voll von Rachegelüsten. Aber Anita und Jean-Claude müssen gute Miene zum bösen Spiel machen, denn der Rat ist mächtiger als alle anderen. Jetzt muss Anita alles unter einen Hut bringen: den Schutz für die Leoparden, die Suche nach dem Pyrokinetiker und vor allem das Problem mit dem Rat der Vampire, der die ganze Stadt in Unruhe versetzt.

Dunkle Glut führt die Geschichte um Anita und ihre beiden Gefährten Richard und Jean-Claude weiter. Wie gewohnt ist das Buch sehr actionreich und kommt mit direktem und explizitem Schreibstil daher. Gegenüber den ersten Bänden ist durchaus eine Entwicklung zu betrachten. Anita wird immer mächtiger und gerät immer mehr in die Welt der "Monster". Wo sie am Anfang noch unabhängig und liberal war, ist sie jetzt sowohl an Jean-Claude als auch an Richard gebunden. Zusätzlich kommt sie noch in ein Gefühlschaos nach dem anderen. Ihr Leben ist schwieriger und gefährlicher geworden und daher schlägt die Autorin auch manchmal einen noch härteren Ton an als in den ersten Büchern. Vergewaltigung, Verstümmelung, alles wird beschrieben und ist definitiv nichts für empfindliche Leser. Generell fände ich es sehr zuträglich, wenn sich Anita mal entscheiden könnte, bei wem sie bleiben will, denn irgendwie ist sowohl Richard als auch Jean-Claude nicht der richtige für sie. Doch immer, wenn es dazu kommt, dass sie darüber nachdenken kann, passiert das nächste Unglück. Anita wird im Laufe der Zeit so sehr vollgeladen mit Aufgaben, Verantwortungen und Gefühlen, dass man das meiner Meinung nach als "normaler" Mensch nicht mehr schaffen kann. Sie hat nie Freizeit, schläft fast nicht und isst eigentlich nichts. Und das alles mit Anfang zwanzig. Nichtsdestotrotz ist das Buch sehr spannend und die neuen Charaktere allesamt super beschreiben und einzigartig.

Anita Blake – Tanz der Toten

von Laurell K. Hamilton

auf Deutsch erschienen Jan 07 im Bastei Lübbe Verlag
556 Seiten, Taschenbuchformat

Preis: EUR 7,95

ISBN: 3404156269
EAN: 9783404156269
Übersetzt von Angela Koonen

Fazit

Auch wenn ein wenig untypisch für Anita Blake, hat der Leser hier einen spannenden und nervenzerreißenden Thriller vor sich.

Eines Morgens erhält Anita von ihrem guten Freund und Kopfgeldjäger Edward eine Hiobsbotschaft: Es wurde eine halbe Million Dollar für Anitas Tod geboten. Ab sofort befindet sie sich also in unmittelbarer Gefahr, denn seltsamerweise muss der Auftrag auch in 24 Stunden ausgeführt werden. Nicht, dass Anita nicht schon genug andere Probleme hätte. Ihre Beziehung zu Richard gestaltet sich immer schwieriger, da sie beide unterschiedlicher Meinung sind, was Gewalt und Töten anbetrifft. Richard versucht, seinen Konkurrenten Marcus und dessen sadistische Gefährtin Raina auszustechen, allerdings nur mit friedlichen Mitteln. Doch ein Rudel Werwölfe lässt sich nicht gewaltfrei unter Kontrolle bringen und beherrschen, das muss Richard einsehen, findet Anita.
Für Beziehungsstreit bleibt aber keine Zeit, Anita hat Glück, dass ein Killer, der ihr in ihrer Wohnung auflauerte, nicht zum Zuge kommt. Noch während sie in der Vernehmung sitzt um sich für den Mord zu rechtfertigen, kommt ihr Kollege Dolph vorbei und nimmt sie zu einem Tatort mit. Anita kennt den Vampir, der ermordet wurde, kann sich aber keinen Reim aus der Sache machen und müsste eine Hexe zur Beratung hinzuziehen. Mit Sabin, einem uralten, aber mächtigen Vampir, der neu in der Stadt ist, kommt ein potenzieller Verdächtiger hinzu. Sabin ist scheinbar unheilbar krank und verwest bei lebendigem Leibe. Er bittet Anita um Hilfe, doch sie weiß nicht wie sie ihm helfen kann.
Zwischenzeitlich muss sie der Sicherheit halber aus ihrer Wohnung ausziehen und kommt bei Jean-Claude im Zirkus der Verdammten unter. Eigentlich ist ihr das überhaupt nicht recht, denn das macht die Dreiecksbeziehung zwischen ihr, Jean-Claude und Richard auch nicht leichter. Während sich Anita dort versteckt, stellt sich heraus, dass Jean-Claude für Richards Revolte gegen Marcus Partei ergriffen hat und ein Kampf gegen den aktuellen Rudelführer scheint unausweichlich. Anita und ihre beiden "Männer" suchen nach einer Möglichkeit, Marcus und Raina zu besiegen und kommen auf die Idee, ihre Kräfte zu bündeln, was unglaubliches geschehen lässt...

Achtung Spoiler! Tanz der Toten ist kein ganz so typischer Anita Blake Roman. Anfangs schon, aber am Ende kommt es ganz schön heftig. Man kann wirklich sehen, wie jegliche Coolness von Anita abfällt und man könnte die Handlung schon als tragisch bezeichnen. L. Hamilton scheint immer mehr von der Dreiecksbeziehung zwischen Jean-Claude, Richard und Anita begeistert zu sein, denn mit jedem neuen Band werden mehr Seiten dafür verwendet. Was ich absolut perfekt finde! In Tanz der Toten findet diese Ménage à trois nun endlich ihren Höhepunkt und vorläufigen Abschluss in einem fulminanten Action-Finale. Schwerpunkte liegen zwar immer noch auf der "unbesiegbaren" Anita-Rolle und den Bösewichten, die sie zur Strecke bringt, aber immer mehr drängt ihr Gewissen ans Tageslicht und ihre Gefühle für Richard und Jean-Claude. Wo man in den anderen Büchern locker dem Geschehen folgen kann und sich am Nervenkitzel erfreut, wird man hier ziemlich gequält und hin und hergerissen. Sicherlich spaltet sich spätestens jetzt die Fangemeinde in Jean-Claude und Richard Fans. Ich muss ehrlich gestehen, ich weiß es nicht. Vielleicht hab ich mich zu sehr mit Anita identifiziert. Richard wäre sicher der "menschlichere" Partner was Emotionen und Lebensweise im Alltag angeht. Auch scheint er eher zur Liebe fähig zu sein als der berechnende und durch nichts zu erschütternde Jean-Claude. Doch passt Richard wirklich zu Anita? Diese Fragen werden zentral und rücken die eigentliche Geschichte um den Mörder, der auf Anita angesetzt wurde, in den Hintergrund.
Insgesamt muss ich sagen, ist Tanz der Toten der erste der Reihe, wo ich mit dem Ende unzufrieden bin. Die ganze Handlung hat sich von einer gewissen Neutralität zu extremem Gefühlschaos entwickelt, was man noch im ersten Band nie erwartet hätte.

Anita Blake – Bleiche Stille

von Laurell K. Hamilton

auf Deutsch erschienen Sept 2006 im Bastei Lübbe Verlag
509 Seiten, Taschenbuchformat

Preis: EUR 7,95

ISBN: 3404155483
EAN: 9783404155484
Übersetzt von Angela Koonen

Fazit

Unterhaltung auf gutem Niveau, viel Action und keine Langeweile!

Dieses Mal bekommt Anita als Totenbeschwörerin einen herausfordernden Auftrag: sie soll auf einem abgelegenen Hügel ein ganzes Massengrab von mehreren Jahrhunderte alten Leichen erwecken. Auftraggeber ist ein undurchsichtiger, wohlhabender Geschäftsmann, der mit der Erweckung beweisen will, dass es sich nicht um Vorfahren desjenigen handelt, dem das Land gehört, auf dem er ein Hotel und Siedlungen bauen will. Von Anfang an wittert Anita hier Betrug und Gefahr. Doch es kommt noch etwas anderes dazwischen: sie wird von der Polizei in ein nahegelegenes Dorf gerufen, wo eine Leiche gefunden wurde. Ein junges Mädchen liegt von einem Vampir ausgesaugt auf ihrem Bett, die Eltern hatten nichts bemerkt. Anita sieht sofort, dass der unerfahrene Vampir noch in der Nähe sein muss und begibt sich zusammen mit ihrem Azubi Larry und anderen Polizisten auf die Jagd. Unterwegs werden sie von einer Truppe mächtiger Vampire angefallen und Anita ist sich sicher, dass hinter dem Mord mehr stecken muss. Widerwillig ruft sie Jean-Claude zur Hilfe.
Als Jean-Claude zusammen mit dem Werwolf Jason angereist ist, machen sich die drei auf die Suche nach dem Meistervampir der Gegend. Doch Seraphina ist kein leichter Gegner. Sie scheint mächtiger als Jean-Claude und hat selbst andere machtvolle Vampire zu ihrem Gefolge gemacht.

Zwischendurch trifft Anita auf den geheimnisvollen Elf Magnus Bouvier, dem anscheinend das Land gehört, auf dem Anita die Toten erwecken soll. Magnus versucht Anita in die Irre zu führen, doch sie kommt ihm auf die Schliche. Es muss einen Grund geben, warum er sein Land so vehement verteidigt und wer mordet die Jugendlichen in der Region? Anita ist sich sicher, dass es eine höhere Macht geben muss als Elfen oder Vampire.

Eine richtig spannende Geschichte, da kann man nichts sagen. Mehrere Handlungsbögen fließen ineinander und bilden ein harmonisches Gesamtbild. Anita ist nach wie vor technisch sehr souverän, doch ihre Kontrolle was ihre Neigung zu Jean-Claude betrifft, schwindet alsbald. Die Spannung zwischen Jean-Claude und Anita ist sehr gut dargestellt, wie er sie verlockt und sie sich kaum wehren kann. Richard kommt überhaupt nicht vor in diesem Buch. Der "Ausflug" zu den Elfen war auch sehr interessant, es kommt sehr viel Fantasie in diesem Band zu Tage, und L. Hamilton spart nicht an außergewöhnlichen Kreaturen. Gegen Ende wird es dann wie gewohnt etwas brutaler und blutiger, aber den Kampf gegen das Böse gewinnt Anita ja meistens. Nur ihre persönliche Beziehung zu Jean-Claude, die bleibt nach wie vor etwas seltsam. Sehr schön ist auch die Tatsache, dass sich Azubi Larry deutlich weiter entwickelt. Vom schüchternen College-Absolventen mausert er sich solangsam zu einem wertvollen Helfer beim Kampf gegen Vampire und andere Monster.
Wie immer liest sich das Buch super flüssig dank der vielen gut strukturierten Kapitel und der alltagstauglichen Sprache. Anita hat herzerfrischend derben und trockenen Humor und kommt oft sehr cool rüber. Es wird Zeit, dass sich ihre weiche Seite mehr zeigt.

Anita Blake – Gierige Schatten

von Laurell K. Hamilton

auf Deutsch erschienen März 2006 im Bastei Lübbe Verlag
459 Seiten, Taschenbuchformat

Preis: EUR 7,95

ISBN: 3404154665
EAN: 9783404154661
Übersetzt von Angela Koonen

Fazit

Eine ganz neue Seite von Anita und drumherum ein spannender Krimi - kaufen!

Nachdem sich Anita darauf eingelassen hat, abwechselnd mit Jean-Claude und Richard auszugehen, beginnt ein seltsames Spiel. Anita fühlt sich zunehmend unwohl bei der Sache und auch ihr Wunsch, Richard zu heiraten, wird schwächer nachdem sie realisiert hat, dass er genauso wenig ein Mensch ist wie der Vampir Jean-Claude.
Trotzdem wird Anita mehr und mehr in die Welt der Gestaltwandler und Lykantropen hineingezogen und erfährt durch Richard viel Neues. Unter anderem auch, dass es Revierkämpfe bei den Werwölfen gibt, in die Richard selbst verwickelt ist. Doch bevor sich Anita darum kümmern kann, wird sie zu einem Tatort gerufen, bei dem ein Schlangenmensch gehäutet aufgefunden wurde. Es kristallisiert sich heraus, dass es eine Entführungs- und Mordserie an Gestaltwandlern gibt, die noch nicht aufgeklärt werden konnte. Anita hat zunächst keinen Verdacht, wer der Täter sein könnte und erschwerend kommt hinzu, dass es unter den Gestaltwandlern einige gibt, die zu Gewalt und Kriminalität neigen.
Anita macht gegenüber Richard klar, dass sie auch gegen Werwölfe vorgehen würde, was die Beziehung zu ihm weiter belastet. Doch die Ereignisse überschlagen sich, als Jason, ein unerfahrener Werwolf entführt wird. Anita holt sich ihren Profikiller Freund Edward zu Hilfe und zusammen gehen sie den Spuren nach.

Zum ersten Mal treffen wir hier auf eine Anita, die Emotionen zeigt, die Männern zugeneigt ist. Meiner Meinung nach war diese Wendung in der Entwicklung dieses Charakters auch dringend notwendig. Nur knallhart und professionell zu sein macht noch keine sympathische Heldin aus. Völlig ohne Kitsch liest man hier über die Schwierigkeiten einer Beziehung mit einem nicht-menschlichen Wesen, sei es Vampir oder Werwolf. Anitas Zerrissenheit zwischen Jean-Claude und Richard wird sehr gut dargestellt und man kann sich gut in ihre Rolle hineinversetzen. Natürlich kommt auch die Action nicht zu kurz und der Krimiteil des Buches ist super spannend und spitzt sich am Ende zu einem überraschenden Finale zu.
Auch wenn die Verwicklung um Anitas Liebesbeziehungen sich nicht auflöst, kommt nicht das Gefühl auf, hier einen willkürlichen Cliffhanger zu haben. Man freut sich vielmehr auf die kommenden Bände, durch die sich diese Konstellation wie ein roter Faden ziehen wird. L. Hamilton schafft es auf geniale Weise, jedes Buch für sich wirken zu lassen ohne uninteressante Details zu wiederholen. Sicher könnte man auch mitten in der Serie anfangen zu lesen, aber viel mehr Spaß bringt es, von Anfang an zu beginnen und immer mehr über Anita und ihre Freunde und Feinde zu erfahren. Auch über Edward, den Kopfgeldjäger, gibt es noch viele Geheimnisse zu lüften und die Autorin hält sich mit Enthüllungen sehr bedeckt.
Was mir an diesem Band nicht so sehr gefallen hat war das hohe Gewaltaufkommen am Ende. Sicherlich gehört es zu einem Krimi, sich üble Mordschauplätze anzusehen und ein paar blutige Details zu erfahren. Doch explizite Folter ist schon heftig. Nichts, aber absolut nichts für schwache Nerven. Das ist und wird auch kein Liebesroman werden.