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Wächterschwingen: Herzen aus Stein

von Inka Loreen Minden

Erscheinungsdatum: September 2012
Verlag: Sieben-Verlag
Ausgabe: Taschenbuch, broschiert, größeres Format
Preis: EUR 14.90


Romantik Erotik Spannung Action Anspruch Humor Preis/Leistung
3222012

Fantasievolle, aber sehr süßliche Romanze.

    

Seit ihre Eltern bei einem grausamen Angriff von Dämonen

ums Leben kamen, hat sich die Hexe Noir der Jagd auf die Höllengeschöpfe verschrieben. Als Einzelkämpferin gibt sie die Hoffnung nicht auf, auch nach vielen Jahren ihren verschollenen Bruder wiederzufinden. Seit jeher sind die Mitglieder ihrer Familie Hüter eines mächtigen Artefakts, das niemals in die Hände der Dämonen gelangen darf. So zieht Noir in Europa umher und weiß nicht, dass sie immer einen Beschützer an ihrer Seite hat: den Halb-Gargoyle Vincent. Gargoyles leben, um die Menschen im Geheimen zu beschützen und als Mischling ist Vincent ohnehin bei seinem Klan nicht allzu beliebt. Als Warnung, dass er nicht den gleichen Fehler wie sein Vater begeht und eine Menschenfrau zu Gefährtin nimmt, wurde Vincent verflucht und alles was er mit seinen Händen berührt, wird zu Stein. Eine Frau zu lieben und zu berühren scheint für immer tabu.

An anderer Stelle trifft der verführerisch schöne Engel Kara in einem kleinen Laden auf den Dämon Ash. Kara hat eine wichtige Aufgabe erhalten und außerdem die Prophezeihung, dass mit ihrem Handeln mehrere Schicksale entschieden werden. Sie trägt eine Sanduhr bei sich, mit der Zeitreisen möglich sind, und soll sie an diesem Treffpunkt einer Hexe übergeben. Dass sie auf einen attraktiven Dämon trifft, damit hat Kara nicht gerechnet, und vor allem auch nicht mit der Wirkung, die dieser auf sie hat.

Das Thema Gargoyles hat mich fasziniert, seit ich damals als Kind "Disney's Gargoyles" gesehen habe (insbesondere Goliath und Elisa).

Inka Loreen Minden hat hier eine interessante Welt geschaffen, in der Engel und Dämonen direkt ins menschliche Geschehen eingreifen und Gargoyles die geheimen Beschützer sind. Hexen, Vampire und andere paranormale Kreaturen leben unentdeckt neben den "Normalen" und beeinflussen mit ihren Mächten das Gleichgewicht zwischen Gut und Böse.
Aus einer neutralen Erzählperspektive heraus präsentiert die Autorin eine Geschichte, die sich hauptsächlich aus zwei parallel laufenden Liebesgeschichten zusammensetzt. Darin verwoben ist ein relativ komplexer Kampf zwischen Dämonen und Engeln, der Suche nach Artefakten und der Rettung von Noirs Bruder Jamie.

Durch das traumatische Ereignis in ihrer Kindheit, das in einigen Rückblenden blutig aufgegriffen wird, ist die Noir eine verschlossene, von Rache getriebene Frau, die keine Bindungen eingehen will. Zuerst fand ich ihren Charakter faszinierend, doch schnell zeigte sie deutliche Schwächen und seltsam motivierte Handlungen. Ich will nicht zu viel vorgreifen, aber ihre distanzierte Haltung wechselt zu rasch in eine sabbernde Groupie-Attitüde.

Vincent ist rein äußerlich ein sehr interessanter Charakter und durch viele Beschreibungen konnte ich ihn mir gut vorstellen. Seine Andersartigkeit hätte ein wahrhaft prickelndes Element in dieser Romanze sein können, doch leider wird es durch die Tatsache abgemildert, dass Vince komplett menschliches Aussehen annehmen kann. Da hilft es auch nicht, dass er ab und zu Krallen hat oder seine Flügel ausbreitet. Im Endeffekt hatte ich von ihm eher den Eindruck eines weichgespülten Bodybuilders. Denn ganz im Gegensatz zu seinem groben Erscheinungsbild, ist Vince ein sanfter, zarter Charakter, der mir an vielen Stellen zu viel gejammert hat. Wenn ich an ihn denke, fallen mir als erstes Worte ein wie "süß" oder "goldig" *schüttel*
Seit jeher ist Vincent in Noir verliebt und verzehrt sich nach ihr, und als er sich ihr endlich - unwillentlich - zu erkennen gibt, kann er sich auch nicht mehr lange zurückhalten. Natürlich möchte Noir nichts von sich preisgeben und erst recht keine Gefühle zeigen, doch schnell siegt die sexuelle Gier. Leider schafft es die Autorin nicht, hier lange eine Spannung aufzubauen oder ihre Figuren näher aufeinander abzustimmen, sie bedient sich roher Begierde um möglichst schnell zu Bettszenen zu kommen. Ich hätte nicht gedacht, dass dieser Roman so sehr auf Erotik abzielt, aber wenn man sich die zweite Romanze um Kara und Ash ansieht, bleibt außer Sex nicht viel übrig. Kara ist ein sehr vollbusiger Engel, der immer nur knappe Tops trägt, damit die Flügel nicht die Kleidung zerreißen. Als absolut unschuldiges, vom Bösen nichts ahnendes Engelchen trifft sie bei ihrer Mission, der Hexe die Uhr zu geben, auf den gerissenen Dämon Ash. Dieser möchte ihr am liebsten die Uhr abluchsen und setzt dafür gefühlte 2 Sekunden seinen höllischen Charme ein. Tadaaaa, Kara ist ihm verfallen und sehnt sich nur noch nach Schweinereien. Auch der hinterhältige Ash vergisst seine böse Seite und verfällt dem Engel mit den flauschigen Flügeln. Alles weitere ist Geschichte.

Wie man bereits erkennen kann, war ich leider nicht allzu begeistert von "Herzen aus Stein". Aus diesem toll zusammengebastelten Stoff mit den liebenswerten Charakteren hätte man viel viel mehr machen können! Zwischendurch habe ich immer wieder enttäuscht aufgeblickt und den Kopf geschüttelt über diese Verschwendung von Fantasie und Einfallsreichtum. Viele im Grunde tolle Inhalte gehen in banalen Dialogen, flapsigen unter-der-Gürtellinie-Kommentaren und haarsträubenden Details unter. Als Vincent und Noir in den BDSM Club gehen (und wie sie sich darauf vorbereiten), war für mich die Spitze der Verballhornung erreicht. An sich soll es ja um durchaus ernste Themen gehen: Noirs Rache, Ash Rettung, Karas Schicksal und Vincents Leben. Doch die Autorin lässt ihre Figuren in weichgespülten Dialogen untergehen und alle waren irgendwie nur noch "lieb" (und wollten Sex). Am schlimmsten finde ich es immer, wenn die Charaktere selbst im Angesicht der größten Not und Panik an nichts anderes denken können als an den knackigen Hintern des Gegenübers. Dadurch wird alles herabgewürdigt und das spannende Abenteuer ist nur noch Beiwerk für eine Aneinanderreihung von (immerhin gar nicht so schlechten) Erotikszenen. Also bleibt dieser Roman für mich nur halbwegs gute Unterhaltung mit klischeehaften Figuren und einer naiven Grundhaltung, die sich im begrenzten Schreibstil widerspiegelt. Viele sehr kurze Sätze (unter 10 Worte) sind hier kein Stilmittel, sondern eher Ausdruck von simpler Sprache, die mich nach kurzer Zeit sehr gelangweilt hat. Auch die fantasievolle Ausschmückung von Gegenden (in Paris zum Beispiel), kann nicht über mangelnde Logik und Tiefe hinwegtrösten. Ich werde das Buch mal ins Regal stellen und vielleicht habe ich ja irgendwann Lust, den zweiten Teil zu lesen. Doch im Bereich Romantasy gibt es wesentlich Besseres!

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Herzen aus Stein




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Boo, 02. Dezember 2012, 15:37