Jäger der Dämmerung

von Cynthia Eden

erscheint auf Deutsch im April 2011 im Heyne Verlag.
Taschenbuch, Broschur, 432 Seiten

Preis: EUR 7,99

Fazit

Schnöder, mit Erotik gepuschter Thriller ohne Reiz und Spannung.

Seit sie von einem besessenen Gestaltwandler-Stalker verfolgt wird, der glaubt, sie sei seine Gefährtin, ist Erin auf der Flucht. Nichts wünscht sie sich mehr als ein normales Leben, so normal, wie sie es als Wolfshybride führen könnte. Beziehungen mit Menschen scheitern immer an ihrer Spezies-typischen, rauhen Art, auch wenn Erin sich nicht verwandeln kann. Als Staatsanwältin versucht Erin, in einer neuen Stadt ein neues Leben aufzubauen. Gleich nach wenigen Tagen begegnet sie dem attraktiven, verwegenen Kopfgeldjäger Jude. Er riecht sofort, dass Erin nicht menschlich ist und auch Erin kann sich seiner Anziehungskraft nicht erwehren. Jude arbeitet für die Agentur Night Watch, die sich der Suche nach paranormalen Kriminellen verschrieben hat. Als Jude und Erin sich näher kommen, wagt Erin zu hoffen, dass Jude ihr gegen den Stalker helfen kann...

Hier wurde leider soziemlich jedes vorhandene Potential verschenkt. Was ein spannender paranormaler Krimi mit sexy Gestaltwandlern hätte werden können, kommt bei mir nur noch als zäher, klischeelastiger CSI-Miami Verriss an, der mit stereotypen und lieblos platzierten Charakteren langweilt. Warum nur "eher schlecht" und nicht "übel"? Die - häufig eingestreuten - Sexszenen sind nicht gar so schlecht und Jude ist ein ultramaskuliner Tigerwandler-Macho, der ein bisschen was fürs "Auge" darstellt. Die ersten 50 Seiten waren sogar relativ unterhaltsam. Die Agentur Nightwatch fand ich auch sehenswert, ich hätte gern noch mehr über sie erfahren.

Nun, das war es dann aber auch schon an Positivem über diesen Roman. Aller Kritik voran: der Schreibstil der Autorin ist g-r-a-u-e-n-h-a-f-t. Mit stakkatohaft kurzen Sätzen, die oft nur zwei oder drei Worte haben, stottert sie die Geschichte zusammen, stolpert über Szenenwechsel, lässt ihre Figuren dümmliche Monologe führen und leiert immer und immer wieder das gleiche Vokabular herunter. Ständiges Einstreuen von Aufregern wie "NEIN!", "Verdammt!", "Beschädigt. Zerbrochen" etc. in die ohnehin zerklüfteten Absätze führt dazu, dass das Lesen extrem unflüssig wird. Und: warum muss man die Figuren immer "für den Leser" wiederholen lassen, was gesagt bzw. damit gemeint wurde? Irgendwann kommt man sich blöd vor bei Konstruktionen wie: "Du willst es wissen?" Ja, sie wollte es wissen. "Ja, ich will es wissen." "Dann sage ich es dir." Er sagte es ihr. "Ja, sag es mir." Versteht ich was ich meine? *Kopf-gegen-die-Wand-hau*

Die Protagonistin Erin ist eine vom Schicksal und ihrer bösen Kindheit - und auch noch von ihren Genen - gebeutelte, dennoch ultrastarke und erfolgreiche Frau, die total unnahbar ist. Sie fühlt sich "Beschädigt. Zerbrochen", und hat außerdem ein dunkles Geheimnis, das sie keinem erzählen kann. Sie träumt von einem normalen, menschlichen Leben, will aber insgeheim animalischen Sex. Wie passend, dass 20 Seiten später der hart im Nehmende Tigerwandler Jude auftaucht und sie ruckzuck verführen kann. Ab dem Zeitpunkt der ersten Erotikszene müssen wir uns als Leser dann permanent Selbstverleugnungen von Erin anhören, dass sie ihn ja niemals lieben könnte, dass das alles nichts bedeutet blabla. Viel mehr braucht man über diese Liebesgeschichte auch nicht erzählen, denn man kann sich denken, dass irgendwann die Seelenentblößung und Vergangenheitsbewältigung folgt und direkt in ein Ich-liebe-dich-für-immer-und-seit-dem-ersten-Augenblick-aber-ich-war-zu-dumm-es-zu-merken-Happy-End übergeht (sorry für diese Wortkonstruktion).

Parallel zu dieser Handlung läuft eine zähe, vermurkste und uninteressante Jagd nach dem Stalker, in die sich unzählige Randfiguren einmischen und alle ihr nicht witzige Sprüchlein ablassen müssen. Komprimiert hätte die Handlung auch auf 100 Seiten gepasst. Der Böse ist dermaßen überzogen dargestellt, ist wohl omnipräsent und übermächtig, kann Erin überall hin folgen, kommt aber nie an sie heran. Ich hasse es, wenn die Bösen immer nur im Dunklen hocken, vor sich hinsabbern und ihre Zeit mit Monologen verplämpern, wie sie am Ende triumphieren werden. Da hat es eindeutig an Substanz gefehlt und ein vorhersehbares Ende wird hier künstlich in die Länge gezogen bis auch noch der geduldigste Leser mit zehn Sexszenen zwischen Erin und Jude vollgestopft wurde. Es wird zwar nicht an expliziten Worten wie Schw... und f... gespart, aber ein Kribbeln kam kaum auf. Und so animalisch und wild, wie ständig behauptet wird, dass Erin es will, ist der Sex auf keinen Fall. Nichts, was andere Autoren mit weniger Worten schon wesentlich besser hinbekommen hätten. So geht dieser Titel unter im Sumpf des Sex-and-Crime Trash und ich werde es mir gut überlegen, ob ich dem zweiten Teil noch eine Chance gebe.

In den Fängen der Dunkelheit

von L.A. Banks

erscheint auf Deutsch im März 2012 im Heyne Verlag
Taschenbuch, Broschur, ca. 400 Seiten

Preis: EUR 7,99

Fazit

Fahrige, nichtssagende Aneinanderreihung von Vampirnonsens.

Damali Richards lebt ein Doppelleben, seitdem sie denken kann. Zusammen mit ihrer Ziehmutter und Mentorin Marlene und einer Handvoll harter Kerle leitet sie eine Band. Doch das Musikerdasein ist nur Tarnung, in Wirklichkeit jagt Damali Vampire. Ihre Bandmitglieder sind ausgebildete, talentierte Jäger, die ihren Schützling mit purer Waffengewalt umgeben.

Doch Damali hadert mit ihrem Schicksal, wünscht sich ein normales Leben und Liebe. Sie weiß noch nicht, dass es ihr bestimmt ist, die Neteru zu sein, die mächtigste Vampirjägerin der Welt.
Und während New Orleans von einer Reihe blutiger Vampirangriffe erschüttert wird, begegnet Damali ihrem alten Freund Carlos Rivera wieder, der sie als Kind aus der Gosse geholt hatte. Carlos hat sein Geld mit Drogen und Kriminalität gemacht, was Damali abschreckt. Doch niemals konnte sie ihn wirklich vergessen und als Carlos Verwandte grausam ermordet werden, will Damali alles daran setzen, den dämonischen Feind niederzustrecken.

Mit dieser Inhaltsangabe habe ich schon das Beste rausgeholt, was dieser Roman zu bieten hat. Ich hatte ja mit allem gerechnet: Ghettoslang, brutalste, sinnlose Gewalt, eine Anita-Blake-Kopie, rassistische Phrasen (gegen Weiße)...doch nie hätte ich damit gerechnet, L-A-N-G-E-W-E-I-L-E vorzufinden. Den Schreibstil der Autorin kann ich nur als absolut grauenhafte Zeitverschwendung beschreiben. Haltlos, planlos und in unendlichen Wiederholungen taumelt der Leser durch einen Abriss einer Story, die krude, nichtsnutzig und uninteressant ist.

Aus einer neutralen Erzählperspektive heraus lernt man Damali und ihre Band kennen, beobachtet ihr Verhalten in endlosen, leeren Dialogen. Lange Kapitel umhüllen mehrere, seitenlange Kammerspiele, in denen die Personen sich über Nichtigkeiten unterhalten und wirklich banalen Smalltalk machen. Damali will endlich Tacos essen, und Chips auch und der arme Joe hat seine Dee Dee an die Vampire verloren. Und es müsste mehr Bier geben und man sollte sich mal bei einem lockeren Fick vergnügen...

Vom Slang, der im Original so vorherrschend ist, merkt man in der deutschen Übersetzung gar nichts mehr. Die Sprache ist zwar nicht gehoben, man erkennt aber keinesfalls, dass die Personen aus dem Ghetto kommen sollen. Trotz all des wortreichen Geschwafel bleiben alle Figuren unnahbar, künstlich und starr. Ich konnte mir überhaupt keine Namen merken, weil alle - außer Damali und Carlos vielleicht - komplett austauschbar sind.
Die Geschichte, in der sich Damali und ihre Band befinden, beginnt wie eine normale Vampirjagd, hat mich irgendwie an 28 days later oder Will Smith's I am Legend erinnert. Vampire sind hier mordende, mutierte Bestien, die ihre Opfer regelrecht zerfleischen und auffressen. Trotzdem können sie auch wie normale Menschen aussehen. Ihr wahres Äußeres ist jedoch grauenhaft, sie sind verwesende, klauenbewehrte Monster, die ihre Kiefer aushaken und mit haifischartigen Zähnen zuschlagen. In diesem Buch bleiben die Vampire aber trotz ihrer Macht und Grausamkeit schattenhaft am Rand. Im Laufe des Buches werden einige okkulte Ansätze erläutert um die ganze Vampirlegende mit einem Hintergrund zu versehen, doch ich fand alles an den Haaren herbeigezogen und höchst uninteressant. Ab ca. Seite 60 habe ich quergelesen, ab Seite 200 ging auch das nicht mehr und ich habe ganze Passagen übersprungen. Das letzte Drittel des Buches ist aus der Sicht von Carlos geschrieben und lässt erkennen, dass die Autorin die Story immer weiter verkompliziert und in die Länge zieht. Das Buch endet mit einem Cliffhanger, was mich aber nicht sonderlich frustriert hat, da ich ohnehin nicht vorhabe, jemals wieder einen Roman dieser Autorin in die Hand zu nehmen. Ich bezweifle auch ganz stark, dass die folgenden 12 Bände der Reihe um Damali Richards übersetzt werden.

Die Schlagworte auf dem Klappentext "Gefährlich, sinnlich, unwiderstehlich", sind meiner Meinung nach Schall und Rauch, vor allem in Bezug auf "sinnlich". Es gibt keine Liebesszene in diesem Buch, keine romantische Situation, keinen Moment, wo ich emotional berührt wurde. Zwischen Carlos und Damali war wohl mal etwas, doch das ist so zerhackt und schwierig, dass es glaube ich der Autorin selbst entglitten ist. Damali verfährt sich in Zweifeln, Selbstvorwürfen, irrealen Wünschen und einem drogenartigen Wahn, der zwischen Blutgier und Trauma schwankt. Sie ist ein labiler, gefährdeter und unsympathischer Charakter, mit dem ich mich zu keinem Zeitpunkt identifizieren konnte. All ihr doch so großartiges Schicksal wird zu einem zerredeten Nichts, einer blutigen, sinnlosen Banalität. Und ich schlug das Buch zu und hatte nichts erlebt, keine Spannung, keinen Nervenkitzel, keine Emotionen.

Der Kuss der Ewigkeit

von Kalayna Price

erscheint auf Deutsch im Dezember 2011 im Heyne Verlag
Taschenbuch, Broschur, ca. 366 Seiten

Preis: EUR 8,99

Fazit

Finger weg

Kita Nekai stammt aus einer Familie von mächtigen Gestaltwandlern. Ihre Geschwister verwandeln sich in Löwen, Tiger oder Panther. Nur Kita wird eine gefleckte Hauskatze. Als wäre das noch nicht schlimm genug, wird sie auch noch von einem Vampir gebissen, dann taucht ihr Exfreund wieder in ihrem Leben auf, und schließlich macht eine Magierschülerin sie zu ihrem Abschlussprojekt. Und um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, wird Kita zum Tode verurteilt. Wie soll sie nur das Chaos ihrer Gefühle bewältigen und aus alldem wieder lebend herauskommen?

Die Inhaltsangabe habe ich so vom Verlag übernommen, so bleibt sie wenigstens das einzig wertungsfreie an dieser Rezension - oder soll ich sagen das einzige, was nicht verrissen wird?
Mein Fazit vom "Kuss der Ewigkeit": eeeeewige Langeweile. Mit Ach und Krach habe ich es bis Seite 100 geschafft ohne das Querlesen zu beginnen. Dann aber war es vorbei und ich habe den Rest der zähen, mit Nichtigkeiten vollgestopften Seiten überflogen (und dabei absolut nichts verpasst).

Kita Nekai ist eine Gestaltwandlerin, die sich von den anderen ihrer Art abhebt: sie kann in ihrer Zwischengestalt bleiben und sie ist die Dyre ihres Volkes. Was wohl so etwas wie Thronerbin ist. Ihre Tiergestalt ist eine kleine Hauskatze, was wohl ziemlich ungewöhnlich ist, denn andere verwandeln sich meist in mächtigere Tiere. All das ist und bleibt aber die gesamte Story über unwichtig und unaufgeklärt. Kita ist auf der Flucht vor den Jägern, die sie nach Hause bringen wollen, damit sie ihre rechtmäßige Position antritt. Kita möchte das aber nicht, also hat sie sich für das Leben als Streuner entschieden.
Als Leser platzen wir mitten in ihr chaotisches Leben und werden auf den ersten Buchseiten von einer wahren Ereignisflut überschwemmt. Kita wird angegriffen, fast getötet, in einen Vampir verwandelt, trifft ihren Exfreund und wird von einem seltsamen Richter, der aus dem Nichts auftaucht, zum Tode verurteilt, wenn sie es nicht schafft, in 2 Tagen einen mordenden Einzelgänger ihres Volkes aufzuspüren. Und als wenn das nicht schon reichen würde, kommt auch noch eine kleine, nervige Gestalt namens Gil, die sich Kita als Forschungsobjekt (!) ausgesucht hat. Klingt alles abstrus, könnte amüsant sein, ist es aber nicht. Der Schreibstil von Kalayna Price ist zwar recht locker, die Dialoge gespickt mit Umgangssprache und frechen Sprüchen, die allgemeine Erzählweise ist jedoch leider grottenlangweilig und unspektakulär.

Meiner Meinung nach hat die Autorin überhaupt kein Gefühl für ihre Charaktere, für Stimmungen und Atmosphäre. Keine der haarklein beschriebenen Gegenden oder Möbel, Outfits etc. vermochte mich fesseln, alles versinkt nach wenigen Seiten im Einheitsbrei. Scheinbar ziellos lässt die Autorin ihre Protagonistin (die übrigens in der Ich-Form schreibt), in der konstruierten Story umherirren und versucht, eine kleine Krimihandlung aufzubauen mit der Suche nach dem Serienmörder. Das jedoch scheitert völlig an ständig wiederholten Dialogen, sinnlosem Rumgelatsche in der Stadt und einer schier nicht endenden Masse an gesichtslosen Nebenfiguren, deren zweisekündiger Auftritt mit 10 Seiten ausgeschmückt wird. Dabei hätte es auch interessante Aspekte geben können: der Vampir Nathanael verwandelt Kita in seinesgleichen (über die Motive sage ich lieber nichts, ich bekomme sonst einen Anfall) und weicht fortan nicht von ihrer Seite. Danach kann Kita wohl ihre Gestalt nicht mehr wechseln und gerät immer mehr in den Blutrausch. Die Beziehung Kita-Nathanael hätte intensiv, emotional und erotisch sein können, bleibt aber höchst oberflächlich und alles Potential unausgeschöpft.

Es gibt keine Liebesszenen in diesem Roman, keinen "Kuss der Ewigkeit", kein Prickeln, keine Spannung. Ich hatte mich auf eine Dreiecksgeschichte eingestellt, als klar wurde, das Bobby Kitas Exfreund ist, aber das wird nur ganz kurz angerissen. Kita selbst gibt sich auch so kratzbürstig und streitsüchtig, dass ich jeden Mann verstehen kann, der sich ihr nicht auf einen Kilometer nähert.

Doch genug der bösen Worte, bleibt zu sagen, dass dies eine Geldverschwendung erster Güte für mich war und die Serie ist damit vorzeitig beendet. Ob ich der bald erscheinenden Alex Craft Serie von Kalayna Price eine Chance geben werde, steht seit dieser Enttäuschung wieder in den Sternen. Ach und apropos Sternchen: ich habe nicht vergessen, dem Buch Sternchen für Romantik etc. zu geben...hier gibt es einfach nichts zu verteilen, beim besten Willen nicht.