Shadowblade – Dunkle Fesseln

von Diana Pharaoh Francis

erscheint auf Deutsch im November 2010 im Knaur Verlag
432 Seiten, HC Klappenbroschur (nicht gebunden)

Preis: EUR 14,95

Fazit

Harter, spannender Urban Fantasy / Fantasy Roman mit einer facettenreichen Heldin.

Max ist eine Shadowblade, eine lebende Waffe. Einst war sie eine ganz normale junge Frau mit Familie und Freunden, bis sie auf die charismatische Giselle traf. Dass diese eine mächtige Hexe ist, erfährt Max zu spät: da hatte sie schon den seltsamen Fragen ob sie ewig leben wolle und unbesiegbar sein kann JA gesagt. Unter Schmerzen und Folter zwingt Giselle Max einen Bannzauber auf, der sie dazu bringt, die Hexe zu beschützen und sei es unter Einsatz ihres Lebens. Seither wehrt sich Max gegen diese Unterjochung, sie ist aufmüpfig und trotzig und plant ständig, wie sie Giselle töten und sich damit befreien kann.
Dann jedoch zieht ein welterschütternder Krieg am Horizont auf, in den alle Hexen verwickelt sind. Eine Prophezeihung wird ausgesprochen, dass Max in diesem Kampf eine entscheidende Rolle spielen wird. Max erhält den Auftrag, einen seltsamen magischen Angriff zu untersuchen und beobachtet, wie die Shadowblades einer verfeindeten Hexe versuchen, einer Wintergreisin den Zauberstab zu entreißen. Es kommt zum Kampf, in dem Max nur besteht, weil sie der Wintergreisin hilft. Hier passieren zwei entscheidende Dinge: Max erhält als Dank von der Wintergreisin ein magisches Hagelkorn, das einen Wunsch erfüllen kann. Und sie trifft Alexander, den Prime der Shadowblades der Hexe Solange. Sofort geschieht etwas zwischen Max und Alexander, eine tiefe Anziehungskraft. Doch er ist ihr Feind und sie hat den Auftrag, ihre Herrin zu beschützen.

hadowblade hat mich von der ersten Seite an gepackt und durch das hohe Erzähltempo und die spannende Story nicht mehr losgelassen. Kleine Längen im Mittelteil sind verschmerzbar und stören nicht sehr. Man merkt gleich am Anfang, dass hier eine härte Gangart eingelegt wird und lernt die Hauptfigur Max als eine zynische, todesmutige und kalte Frau kennen, die keine Kompromisse macht. In treffenden, gut gewählten Worten präsentiert uns die Autorin eine im wahrsten Sinne des Wortes gequälte Heldin, die ihre Gefühle tief in sich eingeschlossen hat. Hass und Rachsucht beherrschen ihr Denken und obwohl sie von Grund auf sehr loyal ist, will Max doch nichts anderes, als ihre Freiheit und eine Strafe für Giselle.
Nach kürzester Zeit gibt es schon die ersten Kämpfe, die allesamt blutig, brutal und fantastisch beschrieben sind. Eine Waffenliebhaberei ist hier - ganz ähnlich wie bei Dante Valentine - deutlich zu erkennen. Alle Waffen werden beim Namen genannt, erläutert und natürlich muss Max immer wie ein wahres Arsenal herumlaufen. Doch natürlich steckt in Max mehr als eine eiskalte Tötungsmaschine, ansonsten hätte die Story nicht mehr viel Inhalt. Aber vorerst ist die Autorin sehr zurückhaltend mit Gefühlsausdrücken und bleibt es auch mehr oder weniger bis zum Schluss. Nicht, dass es in Max drin eiskalt wäre, vielmehr brodelt es regelmäßig in ihrem Inneren und sie leidet unter unzähligen Gewissenskonflikten und Sehnsüchten, die sie sich nicht erlauben kann und will. Nach außen hin jedoch bleibt sie oft undurchdringlich und starr. So schwierig es ist, einen solch komplexen Hauptcharakter darzustellen, so bewundernswert gelingt es der Autorin. Trotz all ihrer Härte ist Max eine faszinierende, vielschichtige Person mit unglaublich viel Potiential. All ihre Interaktionen mit Haupt- und Nebenfiguren sind gut platziert und fern von Oberflächlichkeiten. Es wird nicht unbedingt viel gesprochen in diesem Roman, aber wenn, dann mit Nachdruck. Derbe Ausdrücke und Schimpfworte gibt es zu Hauf, aber auch einen feinen, bissigen Humor.
Viel Zeit verbringt man auch damit, Landschafts- und Zustandsbeschreibungen zu lesen. Auf Atmosphäre wird viel Wert gelegt und die Autorin erschafft neue Redewendungen, interessante Fantasy-Inhalte und Kreaturen und eine apokalyptische Hintergrundgeschichte, die von viel Arbeit und Kreativität zeugen. Das Thema "die magische Welt will die Menschen vernichten" ist jetzt zwar nicht neu, aber hervorragend umgesetzt. Dabei kommt in diesem ersten Teil noch nicht viel von jenem großen Krieg ans Tageslicht, es zeichnet sich jedoch ein ultimativer Showdown ab.
Die Erzählperspektive wechselt zwischen Max und Alexander hin und her, bleibt aber immer neutral in der dritten Person. Ab und zu gibt es Überschneidungen der Ereignisse, einmal aus Max und einmal aus Alexanders Sicht, das ist ein faszinierendes Stilmittel. Überhaupt habe ich sprachlich rein gar nichts auszusetzen und ein Hauptgrund für meinen postiven Gesamteindruck macht in jedem Fall der flüssige Erzählstil und die tolle Ausarbeitung der Hauptfiguren aus. Max und Alexander geraten ständig aneinander, misstrauen sich, streiten sich, nähern sich, helfen sich und all das ohne Klischees. Es gibt in ihrer zwischenmenschlichen Geschichte einige Überraschungen, die unvorhersehbar platziert sind. Von Romantik ist allerdings nicht viel zu sehen in diesem Roman, es gibt nur ganz am Rande ein kleines Aufblitzen. Vorrangig konzentriert sich die Story auf Max Rolle als Giselles Shadowblade, auf ihre Position in der Gruppe, ihren Konflikt mit der Hexe und natürlich auf das Abenteuer, das alle erleben. Zartbesaitet sollte man hier allerdings nicht sein, es gibt explizite Folterszenen und viel Blut. Teilweise war es mir zu sehr darauf angelegt, brutal zu wirken, nur deswegen - und eventuell wegen dem kleinen Hänger in der Mitte des Buches - keine Top Wertung. Ansonsten kann ich Shadowblade uneingeschränkt für alle Fans von Urban Fantasy empfehlen, vor allem für Anhänger von Dante Valentine, Elizabeth Phoenix, Anita Blake und anderen "toughen" Kämpferinnen.
Noch ein Wort zur Aufmachung: 14,95 EUR für ein Taschenbuch, und sei es noch so stabil und großformatig, ist viel Geld. Schimmernde Applikationen auf dem Cover und ein schöner Druck machen zwar was her, sind aber für mich kein Muss. Ich frage mich auch, wie man auf die Idee kommt, eine schwarzhaarige Frau abzubilden, denn Max ist weißblond...

Das zweite Zeichen des Zodiac

von Vicki Pettersson

auf Deutsch erschienen im Februar 2009 im Blanvalet Verlag
572 Seiten, Taschenbuchformat

Preis: EUR 8,95

ISBN: 3442265649
EAN: 978-3442265640
Übersetzt von Simon Weinert und Hannes Riffel

Fazit

Interessanter aber etwas zäher zweiter Teil einer Serie mit komplexen Charakteren. Erfordert Geduld.

Nachdem Joanna alias Olivia Archer nun Mitglied der Lichtagenten des Zodiac geworden ist, scheint sich ein Gleichgewicht zwischen Licht und Schatten eingependelt haben. Doch endgültig kann sich Joanna weder mit ihrer Rolle als Kairos noch mit ihrer emotionalen Situation abfinden. Immer wieder sorgen ihre Gefühls- und Racheausbrüche in der Zuflucht für Misstrauen und Angst bei ihren Kameraden, vor allem aber bei ihrem Anführer Warren. Stets hat Joanna die Vergeltung an dem Schattenagent Joaquin vor Augen, der sie damals brutal missbrauchte. Doch sie leidet auch an der Isolation von der normalen Menschenwelt und ihrer gescheiterten Liebe zu Ben Traina. Annäherungsversuche des attraktiven Hunter kann Joanna nur abwehren. Eines Tages trifft sie auf die Schattenadeptin Regan DuPree, die bestens über Joannas geheime Identität Bescheid weiß. Sie verspricht Joanna die Möglichkeit, an Joaquin Rache zu nehmen. Als Gegenleistung verlangt sie Stillschweigen und die Chance darauf, dass Joanna irgendwann mit ihr zusammen auf der Schattenseite stehen und kämpfen wird. Ohne viel zu überlegen nimmt Joanna an, völlig besessen von der Rache an ihrem Vergewaltiger. Doch dabei übersieht sie völlig, dass sie sich zur Marionette des bösen Planes des Tulpa gemacht hat, der an einer Schlacht zwischen Schatten und Licht feilt - dem Eintreffen des Zweiten Zeichen des Zodiac. Die Schlacht auf dem verfluchten Schlachtfeld. Zu spät merkt Joanna, dass sie Regan nicht hätte vertrauen dürfen und dass sie der Schlüssel für die Vernichtung der gesamten Zuflucht des Lichts ist. Kann sie im Alleingang die Situation retten?

Das Zweite Zeichen des Zodiac schließt direkt an den Vorgänger an und bietet Einsteigern ohne Vorwissen nur ganz wenige Andeutungen auf den Gesamtzusammenhang. Wie gewohnt ist der Schreibstil sehr komplex, etwas langatmig, detailverliebt und ausführlich. Man bekommt als Leser wirklich alles mit: wie sich Joanna fühlt, wie sie sich bewegt, wie sie aussieht, wie die Umgebung aussieht, wie andere Leute aussehen, was sie denkt etc etc. Das füllt Seiten ohne Ende, allein schon mit Monologen. Dabei kann man nicht sagen, dass nichts geschieht. Genauer gesagt passiert sogar ziemlich viel, mehr als im ersten Band. Daher hat mir das zweite Zeichen auch ein wenig besser gefallen als der erste Teil und ich konnte ab der Hälfte flüssig durchlesen. Durch die Ich-Perspektive liegt der Schwerpunkt natürlich auf Joanna und ihren Taten, aber sie nimmt ihre Umwelt so genau wahr, dass man sich auch gut in andere Personen versetzen kann. Leider komme ich immer noch nicht so gut mit ihrem Charakter zurecht. Sie ist stets noch dermaßen bockig, aufbrausend, unfair und ausfallend, dass sie sich dauernd deshalb in unmögliche Situationen bringt bzw. andere gefährdet. Klar ist das Absicht der Autorin, aber es fällt mir schwer, so jemanden über 500 Seiten "um mich herum" zu haben, das ermüdet schnell oder ich muss entnervt Lesepausen einlegen. Zum Glück scheint Joanna mit der Zeit an ihren Aufgaben zu wachsen und gegen Ende des Buches wächst die Hoffnung, dass da noch nicht Hopfen und Malz verloren ist. Insgesamt ist die Geschichte recht spannend und teils wie ein Krimi dargestellt. Es gibt nicht mehr so unzählige Kammerspiel- Dialoge wie im ersten Teil und manchmal kommt richtig frischer Wind auf mit Verfolgungsjagden und Kampfszenen. Das hat dann etwas von Anita Blake oder Kate Daniels. Den Klappentext kann man völlig vergessen. Die ganze Situation mit Ben Traina ist ein absoluter Randeffekt und füllt kaum 10 Seiten. Es ist auch überhaupt keine nennenswerte Liebesgeschichte vorhanden. Zwar empfindet Joanna immer noch Liebe für Ben, doch die kann wohl nie erfüllt werden und andere Dinge sind wichtiger, zum Beispiel die Welt vor dem Tulpa retten. Das Buch hat ein offenes Ende und bietet unglaublich viel Stoff für mehrere Fortsetzungen. Das ganze Thema Familie ist noch völlig undurchsichtig, sowohl über Joannas Tochter als auch über ihre verschollene Mutter findet man nur ganz wenig heraus. Und der Kampf zwischen Schatten und Licht kann ewig so weiter gehen. Diese ganz interessante Offenheit lege ich dem Roman gleichzeitig aber auch als Schwäche aus, denn so verzettelt sich die Autorin immer mehr und manchmal weiß man gar nicht, was eigentlich der rote Faden sein soll. Die Ereignisse verschwimmen ineinander und heben sich gegenseitig auf. So liest man 500 Seiten einer actionreichen Buchmasse und hat doch am Schluss das Gefühl, nur kurz den Finger in ein nebliges, tief-komplexes Fantasy-Etwas gehalten zu haben.

Das erste Zeichen des Zodiac

von Vicki Pettersson

auf Deutsch erschienen im September 2008 im Blanvalet Verlag
580 Seiten, Taschenbuchformat
Preis: EUR 8,95

ISBN: 3442265630
EAN: 978-3442265633
Übersetzt von Simon Weinert und Hannes Riffel

Fazit

Breit angelegtes Science-Fiction Epos mit vielschichtiger Heldin und viel Hintergrundinformation.

Joanna Archer führt ein zurückgezogenes Leben und widmet sich der Fotografie und Kampfkunst. Ganz anders als ihre hübsche und lebenslustige Schwester Olivia, die auch der Liebling ihres Vaters Xavier Archer ist, einem der reichsten und einflussreichsten Geschäftsmänner in Las Vegas. Erst als Joanna ihre Jugendliebe Ben Traina wiedertrifft, scheint das Eis in ihr etwas aufzubrechen. Seit ihrer Vergewaltigung mit sechzehn Jahren hatte Joanna jegliche Beziehung vermieden. Mit Ben ist alles wieder wie früher und Joanna genießt die Zeit mit ihm. Dann jedoch gerät ihr Leben komplett aus den Fugen, als sie eines Abends einen Penner anfährt. Dieser stellt sich als Anführer einer geheimen Truppe namens Zodiac vor, und Joanna soll dazu gehören. Zuerst hält sie das für kompletten Schwachsinn, doch die Ereignisse sollen sie eines Besseren belehren. In der gleichen Nacht noch stirbt ihre Schwester Olivia durch einen Angriff der Schattenagenten und Joanna selbst gerät in Lebensgefahr. Der als Penner getarnte Warren rettet sie und erklärt ihr, dass sie ab sofort nicht mehr in der Menschenwelt existieren darf. Zu Joannas großem Schrecken operieren die Lichtagenten sie so um, dass sie wie ihre verstorbene Schwester Olivia aussieht und komplett deren Identität annehmen kann. Verzweifelt hadert Joanna mit ihrem Schicksal. Eigentlich möchte sie nur ein ganz normales, zurückgezogenes Leben führen. Doch als sie an ihrem 25. Geburtstag eine Verwandlung durchlebt und ihre neuen Kräfte sich ihr erschließen, weiß sie, dass es kein Zurück mehr gibt. Sie muss sich in die Zodiac Truppe integrieren um das Erbe ihrer Mutter anzutreten und die Schattenagenten zu bekämpfen. Olivias Tod muss gerächt werden, doch es ist ausgerechnet Xavier Archer, der hinter den Feindeslinien steht. Joanna erkennt, dass in ihr sowohl das Licht als auch der Schatten regiert und das macht sie zu einer besonderen Person, zum "Ersten Zeichen", das endgültig den Kampf entscheiden soll.

Mit "Das erste Zeichen des Zodiac" bringt Vicki Pettersson einen detailiert aufgemachten und komplexen Science Fiction/Fantasy Roman, der den klassischen Kampf Gut gegen Böse thematisiert. Ganz ausführlich holt sie zu Beginn des Buches aus, um Joanna und ihre Situation zu erklären, weitere Personen vorzustellen und die Atmosphäre der Stadt Las Vegas zu kreieren. Mit teils gewagten Metaphern und Redewendungen, die man sonst nie liest, schmückt sie ihre Sätze aus und prägt einen ganz eigenen Schreibstil. Dadurch wird jedoch verursacht, dass man automatisch langsamer und konzentrierter lesen muss. Es ist nicht ganz so locker und einfach, den Ereignissen zu folgen wie z.B. bei Kim Harrison oder Patricia Briggs. Es gibt nicht so viele Dialoge, dafür umso mehr Monologe aus der Ich-Perspektive. Manchmal kam es mir denn etwas zäh vor und ich hätte die Handlung gern schneller vorangetrieben. Allein die Phase, in der Joanna mit ihrem Schicksal hadert und wie sie zur Zodiac Truppe stößt, nimmt 200 Seiten und mehr ein. In der fiktiven Welt, die hier kreiert wird, spielen die Menschen nur eine untergeordnete Rolle. Im Vordergrund stehen die Licht- und Schattenagenten, die das Gleichgewicht der Macht aufrecht erhalten sollen. In Comics (!) werden ihre Taten für die Ewigkeit festgeschrieben. Teilweise wirken die Erfindungen der Autorin etwas unglaubwürdig oder trashig. Dass die Zuflucht der Lichtagenten nur erreicht werden kann, indem man mit dem Auto vollgas gegen eine Mauer fährt erinnert mich ein wenig zu sehr an Zurück in die Zukunft. Vor allem in der zweiten Hälfte des Buches steigt man voll in die Science-Fiction Handlung ein und jeder Bezug zur Wirklichkeit wird abgebrochen. Auch Joannas reales Leben endet aprupt und die zarte Liebesgeschichte mit Ben ist Vergangenheit. Sehr schade. Also Liebesromanfans werden hier sicher enttäuscht. Es herrscht ein durchweg harter Umgangston und es gibt unzählige Konflikte. Auch die Nebenfiguren sind detailliert entwickelt und haben alle so ihre Probleme mit Joanna, was langwierige Diskussionen nach sich zieht. Wo ich anfangs dachte, dass im Laufe des Buches immer mehr Action aufkommt, irrte ich mich. Es gibt vielmehr eine Multi-Verstrickung von Verrat, Intrigen, Sympathien und persönlicher Entwicklung. Sehr komplex, sehr langatmig. Die Spannung wird zwar latent aufrecht erhalten, doch so weit, wie die Autorin ausholt, kann man mit vielen vielen Bänden der Serie rechnen.