Anita Blake – Gierige Schatten

von Laurell K. Hamilton

auf Deutsch erschienen März 2006 im Bastei Lübbe Verlag
459 Seiten, Taschenbuchformat

Preis: EUR 7,95

ISBN: 3404154665
EAN: 9783404154661
Übersetzt von Angela Koonen

Fazit

Eine ganz neue Seite von Anita und drumherum ein spannender Krimi - kaufen!

Nachdem sich Anita darauf eingelassen hat, abwechselnd mit Jean-Claude und Richard auszugehen, beginnt ein seltsames Spiel. Anita fühlt sich zunehmend unwohl bei der Sache und auch ihr Wunsch, Richard zu heiraten, wird schwächer nachdem sie realisiert hat, dass er genauso wenig ein Mensch ist wie der Vampir Jean-Claude.
Trotzdem wird Anita mehr und mehr in die Welt der Gestaltwandler und Lykantropen hineingezogen und erfährt durch Richard viel Neues. Unter anderem auch, dass es Revierkämpfe bei den Werwölfen gibt, in die Richard selbst verwickelt ist. Doch bevor sich Anita darum kümmern kann, wird sie zu einem Tatort gerufen, bei dem ein Schlangenmensch gehäutet aufgefunden wurde. Es kristallisiert sich heraus, dass es eine Entführungs- und Mordserie an Gestaltwandlern gibt, die noch nicht aufgeklärt werden konnte. Anita hat zunächst keinen Verdacht, wer der Täter sein könnte und erschwerend kommt hinzu, dass es unter den Gestaltwandlern einige gibt, die zu Gewalt und Kriminalität neigen.
Anita macht gegenüber Richard klar, dass sie auch gegen Werwölfe vorgehen würde, was die Beziehung zu ihm weiter belastet. Doch die Ereignisse überschlagen sich, als Jason, ein unerfahrener Werwolf entführt wird. Anita holt sich ihren Profikiller Freund Edward zu Hilfe und zusammen gehen sie den Spuren nach.

Zum ersten Mal treffen wir hier auf eine Anita, die Emotionen zeigt, die Männern zugeneigt ist. Meiner Meinung nach war diese Wendung in der Entwicklung dieses Charakters auch dringend notwendig. Nur knallhart und professionell zu sein macht noch keine sympathische Heldin aus. Völlig ohne Kitsch liest man hier über die Schwierigkeiten einer Beziehung mit einem nicht-menschlichen Wesen, sei es Vampir oder Werwolf. Anitas Zerrissenheit zwischen Jean-Claude und Richard wird sehr gut dargestellt und man kann sich gut in ihre Rolle hineinversetzen. Natürlich kommt auch die Action nicht zu kurz und der Krimiteil des Buches ist super spannend und spitzt sich am Ende zu einem überraschenden Finale zu.
Auch wenn die Verwicklung um Anitas Liebesbeziehungen sich nicht auflöst, kommt nicht das Gefühl auf, hier einen willkürlichen Cliffhanger zu haben. Man freut sich vielmehr auf die kommenden Bände, durch die sich diese Konstellation wie ein roter Faden ziehen wird. L. Hamilton schafft es auf geniale Weise, jedes Buch für sich wirken zu lassen ohne uninteressante Details zu wiederholen. Sicher könnte man auch mitten in der Serie anfangen zu lesen, aber viel mehr Spaß bringt es, von Anfang an zu beginnen und immer mehr über Anita und ihre Freunde und Feinde zu erfahren. Auch über Edward, den Kopfgeldjäger, gibt es noch viele Geheimnisse zu lüften und die Autorin hält sich mit Enthüllungen sehr bedeckt.
Was mir an diesem Band nicht so sehr gefallen hat war das hohe Gewaltaufkommen am Ende. Sicherlich gehört es zu einem Krimi, sich üble Mordschauplätze anzusehen und ein paar blutige Details zu erfahren. Doch explizite Folter ist schon heftig. Nichts, aber absolut nichts für schwache Nerven. Das ist und wird auch kein Liebesroman werden.

Anita Blake – Zirkus der Verdammten

von Laurell K. Hamilton

auf Deutsch erschienen Sept 2005 im Bastei Lübbe Verlag
412 Seiten, Taschenbuchformat

Preis: EUR 7,95

ISBN: 3404153715
EAN: 9783404153718
Übersetzt von Angela Koonen

Fazit

Spannende Action, dieses Mal mit einem Hauch Romantik...der beste Anita-Blake-Roman bisher!

Dieses Mal bekommt es Anita mit militanten Vampirgegnern zu tun, der Humans First against Vampires. Zwei Männer versuchen sie zu überzeugen, den Namen des Meisters der Stadt und seinen Schlafplatz zu verraten. Doch Anita zögert, sie kann aus ihr noch nicht klaren Gründen Jean-Claude nicht ans Messer liefern. Sie will sich gedanklich auch nicht weiter damit befassen, denn sie hat eine Verabredung mit Richard, der für Jean-Claude arbeitet. Sie fühlt sich zu dem attraktiven und weltgewandten Mann hingezogen und hat ganz wider ihre Art einem Date zugestimmt. Dann jedoch erhält sie einen Anruf der Polizei und muss zu einem Tatort. Ein Mensch wurde offensichtlich von mehreren Vampiren ausgesaugt und getötet. Da es sehr ungewöhnlich ist, dass Vampire im Rudel jagen, ahnt Anita Schlimmes. Und tatsächlich macht sie bald Bekanntschaft mit der Vampirtruppe, die von einem sehr alten und mächtigen Meister namens Alejandro angeführt wird. Alejandro will Jean-Claude töten und Anita zu seinem menschlichen Diener machen.
Zum Glück können sich Anita und ihr neuer Animator-Schützling in Sicherheit bringen, tragen aber einen großen Schrecken davon. Anita ist im Zwiespalt: soll sie Jean-Claude verraten?
Durch die Humans First against Vampires lernt sie einen Vampir namens Oliver kennen, der übermächtig zu sein scheint. Doch augenscheinlich sind seine Motive ehrenwert: er will das Gleichgewicht zwischen Menschen und Vampiren wieder herstellen. Anita vertraut ihm nicht, doch genauso wenig glaubt sie Alejandro und Jean-Claude. Als Jean-Claude sie in den Zirkus der Verdammten bestellt um sie zur Rede zu stellen, kommt es zur Katastrophe und ein Kampf zwischen den Meistervampiren entbrennt, in dem Anita beinahe ihre Seele verliert.

Das erste, was nach der Lektüre an diesem Buch auffällt, ist das fulminante Ende. Noch mehr Action, Kampfszenen und Überraschungen. Meiner Meinung nach ist Zirkus der Verdammten noch besser als die beiden Vorgänger, noch bissiger, noch spannender, noch mehr abartige Kreaturen. Dieses Mal kommen auch ein wenig mehr Anitas Gefühle ins Spiel und ihre Beziehung zu Jean-Claude wird noch komplizierter als vorher.
Wieder eine gelungene Mischung von bekannten Charakteren und interessanten Neuvorstellungen. Anita ist teilweise auch nicht mehr ganz so cool wie zuvor, was sie in meinen Augen noch sympathischer macht. Natürlich ist sie immer noch bis an die Zähne bewaffnet, stürzt sich todesmutig in unrealistische Kämpfe und kommt mit ein paar blauen Flecken davon wo andere mehr als tot wären. Aber das ist die gewohnte Übertreibung von Ms Hamilton, und es macht einfach Spaß so etwas zu lesen. Ein wenig Superhelden-Image muss ja dabei sein.

Anita Blake – Blutroter Mond

von Laurell K. Hamilton

auf Deutsch erschienen Jan 2005 im Bastei Lübbe Verlag
413 Seiten, Taschenbuchformat

Preis: EUR 7,95

ISBN: 3404152581
EAN: 9783404152582
Übersetzt von Angela Koonen

Fazit

Würdiger Nachfolger des ersten Bandes, fesselnd!

Auch im zweiten Band der Serie hat Anita keine ruhige Minute. Das "Spukkommando" der Polizei ruft sie um Hilfe bei einem blutigen Mord an einer Familie. Anita ist entsetzt über die Gewalttätigkeit des Mordes und fest entschlossen, den Täter zu finden. Sie erkennt, dass es sich um einen uralten Zombie handeln muss, der von jemand sehr mächtigen erweckt worden sein muss. Auf ihrer Suche gelangt sie an die fiese Voodoomeisterin Dominga Salvador, die Anita zuerst auf ihre kriminelle Seite ziehen will. Als Anita jedoch ablehnt, zieht sie ganz andere Seiten auf und ab sofort ist Anitas Leben bedroht. Dominga hetzt Zombies auf sie, die ihre Wohnung verwüsten und Anita entgeht nur knapp dem Tode. Trotzdem kann sie nicht beweisen, dass die Voodoomeisterin auch für die Erweckung des Super-Zombies und damit auch für die Morde verantwortlich ist. Als wenn das nicht genug wäre, muss sich Anita nun auch noch vor den Häschern des geld- und machtgierigen Harold Gayner in Acht nehmen. Als Anita ablehnt, für Millionen von Dollar einen uralten Toten für Gaynor zu erwecken, gerät sie in seine Schusslinie. Seine perverse Vorliebe für verkrüppelte Geliebte macht sie misstrauisch und sie beginnt zu recherchieren. Bald kreuzen sich die Wege von Dominga Salvador und Harold Gaynor.

Laurell K. Hamilton bleibt auch im zweiten Band ihrem Stil perfekt treu. Viel Spannung und Tempo, tolle Kampfszenen und viele coole Sprüche. Viele Figuren des ersten Teils kommen auch wieder vor, unter anderem auch der charismatische Jean-Claude. Hier zeichnet sich eine interessante Romanze ab. Es ist fantastisch gelungen, ein Buch mit einer unabhängigen Geschichte zu schaffen, durch die sich dennoch ein roter Faden zieht. Auch ohne den ersten Band zu kennen, würde man viel Spaß beim Lesen haben, aber ich empfehle trotzdem ganz von vorne anzufangen mit der Serie. Es fließt auch hier wieder viel Blut und man bekommt explizite Gewaltszenen serviert. Anita ist nach wie vor der Liebe und allem anderen Kompliziertem völlig abgeneigt, aber das tut dem Buch überhaupt keinen Abbruch. Man weiß gar nicht, wo das noch vorkommen sollte bei all dem Tempo.

Anita Blake – Bittersüße Tode

von Laurell K. Hamilton

erscheint auf Deutsch im November 2003 im Luebbe Verlag
397 Seiten, Taschenbuchformat

Preis: EUR 7,95

ISBN: 3404150538
Übersetzt von Marie-Luise Betzenberger

Fazit

Vielversprechender Auftakt zu einer actionreichen und spannenden Serie - besser als Buffy!

Anita Blake ist eine vielbeschäftigte Frau. Sie ist Animatorin bei RIPT, einem kleinen Unternehmen, das Totenerweckungen anbietet. Hier steht sie jede Nacht auf Friedhöfen und erweckt mit ihrer Magie Zombies, die dann Testamente nachreichen oder Zeugenaussagen machen. Nebenbei arbeitet sie noch bei der Polizei, genauer gesagt für die Einheit, die für übernatürliche Verbrechen zuständig ist. Falls es Morde gibt, die im Zusammenhang mit Vampiren oder ähnlichen stehen, wird Anita zur Hilfe gerufen.
Dieses Mal ist es etwas anders: in St. Louis werden in regelmäßigen Abständen Vampire ermordet. Da Anita über ihren Job hinaus als "Scharfrichterin" mit untrüglichem Spürsinn bekannt ist, treten die Vampire an sie heran um sie um Hilfe bei der Suche nach dem Mörder zu bitten. Als Anita ablehnt, wird ihr Leben plötzlich sehr gefährlich. Die Meistervampirin der Stadt, die mächtige Nikolaos, lässt Anita entführen um sie durch Folter und Erpressung zur Mitarbeit zu zwingen. Doch es scheinen auch einige auf Anitas Seite zu sein: der geheimnisvolle Vampir Jean-Claude, die Gestaltwandler und vielleicht auch Edward, der ehrgeizige Kopfgeldjäger. Es kommt zu einer offenen Auseinandersetzung mit Nikolaos...

Das Tempo dieses Buchs haut einen um, wahrlich. Bereits nach den ersten paar Sätzen wird man in einen Strudel von Ereignissen reingezogen, der bis zum Ende nicht abreißt. Der Schreibstil ist realistisch, anschaulich und ehrlich. Sehr abwechslungsreiche Satzkonstruktionen und treffende Beschreibungen mit außergewöhnlichen Adjektiven machen auch nicht ganz so actionreiche Passagen interessant. Das ganze ist in der Ich-Perspektive geschrieben, also sehr auf Anita Blake bezogen. Rund um Anita werden bereits im ersten Band zahllose Nebencharaktere vorgestellt, die alle individuell dargestellt werden. Es gilt sich gut zu konzentrieren, um alle Namen einzuordnen.
Nach bewährter Krimi Manier wird die Geschichte straff von Anfang an aufgezogen und man kann bis zum Ende den Atem anhalten. Es gibt viele Wendungen, überraschende Momente und verblüffende Dialoge. Anitas coole Art und ihr trockener Humor sorgen für einige entspannte Augenblicke, aber kurz darauf wird sie schon wieder in Schwierigkeiten verwickelt. Das ist das einzige, was mich ein wenig stört, dass es nie Zeit zum Luft holen gibt, dass Anita eine unerschöpfliche Energie zu haben scheint. Das gibt so ein Superhelden Image, das klischeelastig ist. Ansonsten wird aber nicht sehr viel mit den üblichen Klischees gespielt. Es gibt keine romantischen Liebesszenen, kein Held, der Anita zur Seite steht und keine lauen Sommerabende auf dem Balkon. Vielmehr wird mit blutigen und gewaltsamen Szenen nicht gespart und teilweise ist der Roman nichts für schwache Nerven. Man fragt sich schon fast, wie die Autorin nach diesem ersten, rasanten Band das ganze noch toppen will.

Jäger der Dämmerung

von Cynthia Eden

erscheint auf Deutsch im April 2011 im Heyne Verlag.
Taschenbuch, Broschur, 432 Seiten

Preis: EUR 7,99

Fazit

Schnöder, mit Erotik gepuschter Thriller ohne Reiz und Spannung.

Seit sie von einem besessenen Gestaltwandler-Stalker verfolgt wird, der glaubt, sie sei seine Gefährtin, ist Erin auf der Flucht. Nichts wünscht sie sich mehr als ein normales Leben, so normal, wie sie es als Wolfshybride führen könnte. Beziehungen mit Menschen scheitern immer an ihrer Spezies-typischen, rauhen Art, auch wenn Erin sich nicht verwandeln kann. Als Staatsanwältin versucht Erin, in einer neuen Stadt ein neues Leben aufzubauen. Gleich nach wenigen Tagen begegnet sie dem attraktiven, verwegenen Kopfgeldjäger Jude. Er riecht sofort, dass Erin nicht menschlich ist und auch Erin kann sich seiner Anziehungskraft nicht erwehren. Jude arbeitet für die Agentur Night Watch, die sich der Suche nach paranormalen Kriminellen verschrieben hat. Als Jude und Erin sich näher kommen, wagt Erin zu hoffen, dass Jude ihr gegen den Stalker helfen kann...

Hier wurde leider soziemlich jedes vorhandene Potential verschenkt. Was ein spannender paranormaler Krimi mit sexy Gestaltwandlern hätte werden können, kommt bei mir nur noch als zäher, klischeelastiger CSI-Miami Verriss an, der mit stereotypen und lieblos platzierten Charakteren langweilt. Warum nur "eher schlecht" und nicht "übel"? Die - häufig eingestreuten - Sexszenen sind nicht gar so schlecht und Jude ist ein ultramaskuliner Tigerwandler-Macho, der ein bisschen was fürs "Auge" darstellt. Die ersten 50 Seiten waren sogar relativ unterhaltsam. Die Agentur Nightwatch fand ich auch sehenswert, ich hätte gern noch mehr über sie erfahren.

Nun, das war es dann aber auch schon an Positivem über diesen Roman. Aller Kritik voran: der Schreibstil der Autorin ist g-r-a-u-e-n-h-a-f-t. Mit stakkatohaft kurzen Sätzen, die oft nur zwei oder drei Worte haben, stottert sie die Geschichte zusammen, stolpert über Szenenwechsel, lässt ihre Figuren dümmliche Monologe führen und leiert immer und immer wieder das gleiche Vokabular herunter. Ständiges Einstreuen von Aufregern wie "NEIN!", "Verdammt!", "Beschädigt. Zerbrochen" etc. in die ohnehin zerklüfteten Absätze führt dazu, dass das Lesen extrem unflüssig wird. Und: warum muss man die Figuren immer "für den Leser" wiederholen lassen, was gesagt bzw. damit gemeint wurde? Irgendwann kommt man sich blöd vor bei Konstruktionen wie: "Du willst es wissen?" Ja, sie wollte es wissen. "Ja, ich will es wissen." "Dann sage ich es dir." Er sagte es ihr. "Ja, sag es mir." Versteht ich was ich meine? *Kopf-gegen-die-Wand-hau*

Die Protagonistin Erin ist eine vom Schicksal und ihrer bösen Kindheit - und auch noch von ihren Genen - gebeutelte, dennoch ultrastarke und erfolgreiche Frau, die total unnahbar ist. Sie fühlt sich "Beschädigt. Zerbrochen", und hat außerdem ein dunkles Geheimnis, das sie keinem erzählen kann. Sie träumt von einem normalen, menschlichen Leben, will aber insgeheim animalischen Sex. Wie passend, dass 20 Seiten später der hart im Nehmende Tigerwandler Jude auftaucht und sie ruckzuck verführen kann. Ab dem Zeitpunkt der ersten Erotikszene müssen wir uns als Leser dann permanent Selbstverleugnungen von Erin anhören, dass sie ihn ja niemals lieben könnte, dass das alles nichts bedeutet blabla. Viel mehr braucht man über diese Liebesgeschichte auch nicht erzählen, denn man kann sich denken, dass irgendwann die Seelenentblößung und Vergangenheitsbewältigung folgt und direkt in ein Ich-liebe-dich-für-immer-und-seit-dem-ersten-Augenblick-aber-ich-war-zu-dumm-es-zu-merken-Happy-End übergeht (sorry für diese Wortkonstruktion).

Parallel zu dieser Handlung läuft eine zähe, vermurkste und uninteressante Jagd nach dem Stalker, in die sich unzählige Randfiguren einmischen und alle ihr nicht witzige Sprüchlein ablassen müssen. Komprimiert hätte die Handlung auch auf 100 Seiten gepasst. Der Böse ist dermaßen überzogen dargestellt, ist wohl omnipräsent und übermächtig, kann Erin überall hin folgen, kommt aber nie an sie heran. Ich hasse es, wenn die Bösen immer nur im Dunklen hocken, vor sich hinsabbern und ihre Zeit mit Monologen verplämpern, wie sie am Ende triumphieren werden. Da hat es eindeutig an Substanz gefehlt und ein vorhersehbares Ende wird hier künstlich in die Länge gezogen bis auch noch der geduldigste Leser mit zehn Sexszenen zwischen Erin und Jude vollgestopft wurde. Es wird zwar nicht an expliziten Worten wie Schw... und f... gespart, aber ein Kribbeln kam kaum auf. Und so animalisch und wild, wie ständig behauptet wird, dass Erin es will, ist der Sex auf keinen Fall. Nichts, was andere Autoren mit weniger Worten schon wesentlich besser hinbekommen hätten. So geht dieser Titel unter im Sumpf des Sex-and-Crime Trash und ich werde es mir gut überlegen, ob ich dem zweiten Teil noch eine Chance gebe.

Nocturne City – Blutfehde

von Caitlin Kittredge

erscheint auf Deutsch im September 2010 im Egmont Lyx Verlag
Kartoniert mit Klappe, 432 Seiten

Preis: EUR 9,95

Fazit

Kühler, aggressiver Krimi.

Nach ihrer Auszeit ist die Werwölfin Luna Wilder wieder zurück im aktiven Polizeidienst in Nocturne City. Jeder weiß nun, dass sie kein Mensch ist und sie hat tagtäglich mit Anfeindungen zu kämpfen. Dann bekommt sie auch noch eine neue Chefin, die Luna überhaupt nicht leiden kann, und die ihr - als langjährige Einzelkämpferin - zuerst einmal eine Partnerin an die Seite stellt.
Luna streitet sich von Anfang an mit der gezierten Shelby, ist aber bald auf ihre Hilfe in einer Reihe von Mordfällen angewiesen, die wohl auf das Konto der ansässigen Hexenclans gehen. Caster und Bluthexen sind in der Stadt seit jeher verfeindet und Luna wird mitten in diesen Krieg gezogen.
Als dann auch noch ihr geliebter Dmitri auftaucht, ist Luna hin und hergerissen zwischen ihrer Wut, dass er sie einfach verlassen hat und der Sehnsucht, endlich ihre Einsamkeit zu beenden.

Nach den ersten paar Seiten habe ich mich ernsthaft gefragt, warum ich so einen unterhaltsamen, flotten und actionreichen Urban Fantasy-Krimi so lange im Regal schmoren ließ.
Caitlin Kittredge schreibt, wie ihr der Schnabel gewachsen ist, voll derbem Vokabular, flapsigen Dialogen und Zynismus. Ihre Story ist im düsteren, von Kriminalität gezeichneten Nocturne City angesiedelt, in dem ihre Hauptfigur Luna Wilder ihr anstrengendes Leben bestreiten muss.
Etwa hundert Seiten später dann wusste ich aber wieder, warum ich nie richtig warm geworden bin mit Lunas Welt. Sie ist ein extrem schwieriger Charakter, noch starrsinniger als Dante Valentine, noch mürrischer, cholerischer und uneinsichtiger. Ihre aufbrausende, gewalttätige Art und die Vehemenz, mit der sie auf ihre Umwelt losgeht, fand ich oft erschreckend, unpassend oder einfach nur traurig. Auch wenn das wohl ihrer Werwolfnatur zuzuschreiben ist, kann man sie ja nicht als schizophren darstellen und alle Aggressionen auf das Tier schieben. Also wundere ich mich darüber, dass sie einerseits alle vergrault und andererseits in Einsamkeit bittere Tränen weint. Gut, man bekommt nicht immer, was man will, und ein simples Happy End kann langweilig werden, aber bei Luna ist mir die Aneckerei irgendwann einfach zu hart geworden.

Die Krimipassagen sind recht gelungen, auch die Konflikte mit Lunas Partnerin Shelby sind trotz (oder manchmal auch wegen) ihrer Grobheit unterhaltsam. Die verkorkste Liebesgeschichte mit Dmitri ging für mich allerdings überhaupt nicht, vor allem, weil all ihre Szenen von Gewalt geprägt sind. Ich nahm weder Luna noch Dmitri zarte Empfindungen wie zum Beispiel Liebe ab, daher war das Wiedersehen seltsam kalt und distanziert. Spätere Annäherungen wirkten auf mich konstruiert und machten keinen von beiden sympathischer.
Insgesamt komme ich zu dem Schluss, dass ich Luna einfach NICHT MAG, es ist nichts gegen ihre ermittlerischen Fähigkeiten zu sagen, und auch mit Caitlin Kittredges ruppigem Schreibstil könnte ich leben. Doch ich habe keine Lust, noch mehr von der cholerischen "Ich-gegen-den-Rest-der-Welt-"-Kriegerin zu lesen und schicke die Serie hiermit auf den "abgebrochen" Stapel.

Nocturne City – Schattenwölfe

von Caitlin Kittredge

erscheint auf Deutsch im Februar 2010 im Egmont Lyx Verlag
432 Seiten, Taschenbuchformat

Preis: EUR 9,95

ISBN-13: 9783802582912
ISBN-10: 3802582918
 
Übersetzt von Daniel Müller

Fazit

Kühl-düsterer paranormaler Krimi mit einer schlagkräftigen, toughen Heldin.

Luna Wilder ist eine erfolgreiche und willensstarke Ermittlerin im Dienst der Polizei von Nocturne City, wo Werwolfrudel und Hexen mehr oder weniger friedlich mit der menschlichen Bevölkerung zusammenleben. Das Leben als rudellose Werwölfin ist hart für Luna, muss sie sich doch permanent gegen Vorurteile und Bedrohungen durchsetzen. Ein wenig Rückhalt findet sie nur bei ihrer magisch begabten Cousine Sunny, mit der sie zusammen ein kleines Haus am Rande der Stadt bewohnt. Eines Tages wird Luna mit der Ermittlung in einem blutigen Mordfall an einer jungen Frau beauftragt und gerät damit unwillentlich in einen höchst gefährlichen Korruptionsskandal. Ihr erster Verdacht fällt auf den charismatischen Werwolf Dmitri Sandowsky, doch bald kristallisiert sich für Luna heraus, dass der Täter ein anderer sein muss. Als ein zweites Opfer auftaucht, überschlagen sich die Ereignisse: es scheint, als sollten ihre Ermittlungen von ganz hoher Ebene aus unterbunden werden und Luna kämpft plötzlich gegen alle: die eigenen Polizeikollegen, den grausamen Mörder, rivalisierende Werwölfe und gegen die eigene Angst....

Der erste Teil der Nocturne City Reihe präsentiert sich als schneller, harter Polizeithriller mit einer toughen Werwölfin in der Hauptrolle. Das Konzept lehnt sich an bereits Bekanntes an: eine einzelgängerische Ermittlerin à la Anita Blake, eine futuristische Stadt wie bei Mercy Thompson und ein explizit-brutaler Krimiplot wie bei Wolfshadow oder Anna Strong. Luna Wilder ist in ihrer störrischen, zu Gewalt neigenden Art fast schon unweiblich und leidet augenscheinlich unter ihrer wilden, wölfischen Seite, auch wenn diese meiner Ansicht nach ihren grausamen Touch noch eher passend unterstreicht. Sie verkörpert im überspannten Maße das Ideal einer kompromisslosen Kämpferin, die gegen alle Fronten antreten muss und dabei noch eine traumatische Vergangenheit kompensiert. Soweit ganz gut, in ihrem kühlen, direkten Schreibstil entwickelt Caitlin Kittredge eine spannende Krimihandlung mit einigen Überraschungen und gespickt mit undurchsichtigen Gegenspielern und interessanten Nebencharakteren. Die Story schreitet schnell voran und trotz aller möglichen Widrigkeiten kämpft sich Luna bis zur Lösung des Falls durch. Dabei findet sich keine Zeit für Romantik, nähere Charakterbeschreibungen oder größere Szenenwechsel. Durch die Ich-Perspektive erfährt der Leser die Ereignisse nur aus Lunas Sichtweise, und die ist oft geprägt von ungerichteter Aggression oder wirrer Sehnsucht, Lust oder Verzweiflung.
Meiner Meinung nach liegt auch hier die größte Schwäche des Romans, denn durch den unausgeglichenen Charakter der Hauptfigur gerät auch der Rest in Unruhe. Luna kann sich weder darauf einlassen, für Dmitri etwas zu empfinden, noch möchte sie sich groß mit ihrem Werwolfdasein beschäftigen. Von Rache und Ehrgeiz getrieben, schlittert sie durch fahrige Polizeiarbeit und Indiana Jones-mäßige Einzelkämpferaktionen. Widersprüchlichkeiten findet man leider einige, nur ein Beispiel: erst beschwert sich Luna, dass ihr Kollege brutale Verhörmethoden anwendet und kurze Zeit später knallt sie selbst den Kopf eines Verdächtigen auf den Tisch....
Angekündigt war auch ein gewisser erotischer Inhalt, doch leider kann Schattenwölfe das kaum bieten. Es gibt da zwar etwas zwischen Luna und Dmitri, aber Luna stößt permanent alle und alles von sich. Bei einigen von ihren Sprüchen hätte ich an Dmitris Stelle schon längst abgewinkt. Physische Annäherungen sind wie alles geprägt von Gewalt und einer rigorosen Distanziertheit.
Schlussendlich ist das Buch ein unterhaltsamer Krimi, der nicht vor brutalen Szenen zurückschreckt und mit seiner abgeklärten Erzählweise rasant durch einen halsbrecherischen Thriller führt.

Der Kuss der Ewigkeit

von Kalayna Price

erscheint auf Deutsch im Dezember 2011 im Heyne Verlag
Taschenbuch, Broschur, ca. 366 Seiten

Preis: EUR 8,99

Fazit

Finger weg

Kita Nekai stammt aus einer Familie von mächtigen Gestaltwandlern. Ihre Geschwister verwandeln sich in Löwen, Tiger oder Panther. Nur Kita wird eine gefleckte Hauskatze. Als wäre das noch nicht schlimm genug, wird sie auch noch von einem Vampir gebissen, dann taucht ihr Exfreund wieder in ihrem Leben auf, und schließlich macht eine Magierschülerin sie zu ihrem Abschlussprojekt. Und um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, wird Kita zum Tode verurteilt. Wie soll sie nur das Chaos ihrer Gefühle bewältigen und aus alldem wieder lebend herauskommen?

Die Inhaltsangabe habe ich so vom Verlag übernommen, so bleibt sie wenigstens das einzig wertungsfreie an dieser Rezension - oder soll ich sagen das einzige, was nicht verrissen wird?
Mein Fazit vom "Kuss der Ewigkeit": eeeeewige Langeweile. Mit Ach und Krach habe ich es bis Seite 100 geschafft ohne das Querlesen zu beginnen. Dann aber war es vorbei und ich habe den Rest der zähen, mit Nichtigkeiten vollgestopften Seiten überflogen (und dabei absolut nichts verpasst).

Kita Nekai ist eine Gestaltwandlerin, die sich von den anderen ihrer Art abhebt: sie kann in ihrer Zwischengestalt bleiben und sie ist die Dyre ihres Volkes. Was wohl so etwas wie Thronerbin ist. Ihre Tiergestalt ist eine kleine Hauskatze, was wohl ziemlich ungewöhnlich ist, denn andere verwandeln sich meist in mächtigere Tiere. All das ist und bleibt aber die gesamte Story über unwichtig und unaufgeklärt. Kita ist auf der Flucht vor den Jägern, die sie nach Hause bringen wollen, damit sie ihre rechtmäßige Position antritt. Kita möchte das aber nicht, also hat sie sich für das Leben als Streuner entschieden.
Als Leser platzen wir mitten in ihr chaotisches Leben und werden auf den ersten Buchseiten von einer wahren Ereignisflut überschwemmt. Kita wird angegriffen, fast getötet, in einen Vampir verwandelt, trifft ihren Exfreund und wird von einem seltsamen Richter, der aus dem Nichts auftaucht, zum Tode verurteilt, wenn sie es nicht schafft, in 2 Tagen einen mordenden Einzelgänger ihres Volkes aufzuspüren. Und als wenn das nicht schon reichen würde, kommt auch noch eine kleine, nervige Gestalt namens Gil, die sich Kita als Forschungsobjekt (!) ausgesucht hat. Klingt alles abstrus, könnte amüsant sein, ist es aber nicht. Der Schreibstil von Kalayna Price ist zwar recht locker, die Dialoge gespickt mit Umgangssprache und frechen Sprüchen, die allgemeine Erzählweise ist jedoch leider grottenlangweilig und unspektakulär.

Meiner Meinung nach hat die Autorin überhaupt kein Gefühl für ihre Charaktere, für Stimmungen und Atmosphäre. Keine der haarklein beschriebenen Gegenden oder Möbel, Outfits etc. vermochte mich fesseln, alles versinkt nach wenigen Seiten im Einheitsbrei. Scheinbar ziellos lässt die Autorin ihre Protagonistin (die übrigens in der Ich-Form schreibt), in der konstruierten Story umherirren und versucht, eine kleine Krimihandlung aufzubauen mit der Suche nach dem Serienmörder. Das jedoch scheitert völlig an ständig wiederholten Dialogen, sinnlosem Rumgelatsche in der Stadt und einer schier nicht endenden Masse an gesichtslosen Nebenfiguren, deren zweisekündiger Auftritt mit 10 Seiten ausgeschmückt wird. Dabei hätte es auch interessante Aspekte geben können: der Vampir Nathanael verwandelt Kita in seinesgleichen (über die Motive sage ich lieber nichts, ich bekomme sonst einen Anfall) und weicht fortan nicht von ihrer Seite. Danach kann Kita wohl ihre Gestalt nicht mehr wechseln und gerät immer mehr in den Blutrausch. Die Beziehung Kita-Nathanael hätte intensiv, emotional und erotisch sein können, bleibt aber höchst oberflächlich und alles Potential unausgeschöpft.

Es gibt keine Liebesszenen in diesem Roman, keinen "Kuss der Ewigkeit", kein Prickeln, keine Spannung. Ich hatte mich auf eine Dreiecksgeschichte eingestellt, als klar wurde, das Bobby Kitas Exfreund ist, aber das wird nur ganz kurz angerissen. Kita selbst gibt sich auch so kratzbürstig und streitsüchtig, dass ich jeden Mann verstehen kann, der sich ihr nicht auf einen Kilometer nähert.

Doch genug der bösen Worte, bleibt zu sagen, dass dies eine Geldverschwendung erster Güte für mich war und die Serie ist damit vorzeitig beendet. Ob ich der bald erscheinenden Alex Craft Serie von Kalayna Price eine Chance geben werde, steht seit dieser Enttäuschung wieder in den Sternen. Ach und apropos Sternchen: ich habe nicht vergessen, dem Buch Sternchen für Romantik etc. zu geben...hier gibt es einfach nichts zu verteilen, beim besten Willen nicht.

Blutsbande – Asche zu Asche

von Jennifer Armintrout

erscheint auf Deutsch im November 2009 als Mira Taschenbuch im Cora Verlag
476 Seiten, Taschenbuchformat

Preis: EUR 7,95

übersetzt von Martha Windgassen
ISBN-10: 389941666X
ISBN-13: 978-3899416664

Fazit

Toller, spannender dritter Teil mit gewissenhaft aufgebauten Charakteren.

Nachdem Nathan von seinem Schöpfer besessen war, ist Carrie zu ihrem Freund Max nach Chicago geflohen um dort ein wenig Abstand zu ihrem Geliebten zu bekommen. Doch genausowenig wie sie ihren Schöpfer Nathan vergessen kann, kann Max die Werwölfin Bella aus seinem Kopf verbannen. Zwar will er sich nicht eingestehen, dass er sich zu ihr hingezogen fühlt, doch Carrie kennt Max gut genug, um es zu wissen. Dann eines Tages erhält sie einen Anruf von Nathan und die Vergangenheit holt Carrie ein. Sie wünscht sich nichts sehnlicher, als wieder friedlich mit ihm als Liebespaar zusammenleben zu können. Als sich Max, Bella, Nathan und Carrie endlich treffen erfahren sie Schreckliches: das Orakel, das die Bewegung der Vampire immer gefangen gehalten hatte, ist entkommen. Und Nathans Schöpfer, der Souleater, hat einen schrecklichen Plan, der irgendetwas mit dem Orakel zu tun hat. Carrie weiß, dass sie handeln müssen. Und als Bella plötzlich vom Orakel besessen ist und verkündet, dass sie alle sterben werden, wenn sie sich einmischen, geraten sie in große Gefahr. Bella und Max beschließen, das Orakel auf seiner Reise zu verfolgen und abzufangen. Nathan und Carrie bleiben in Grand Rapids um weiter Nachforschungen anzustellen. Dabei sollen auch die Hexe Dahlia und Cyrus, der jetzt ein normaler Mensch ist, helfen. Als Carrie zögernd Kontakt mit Cyrus aufnimmt, kommen alte, vergrabene Gefühle in ihr hoch. Immer war sie zwischen Nathan und Cyrus hin- und hergerissen - wird es wieder so sein?

Asche zu Asche ist eine absolut lesenswerte Fortsetzung der Reihe und steuert schon deutlich auf das Finale im 4. Band zu. Es ist nahezu unmöglich, die Geschichte richtig einzuordnen, wenn das Wissen aus den Vorbänden fehlt. Was mich überrascht hat, ist die Tatsache, dass Asche zu Asche fast schon mehr ein Liebesdrama als ein Thriller ist. Besonders in der ersten Hälfte des Buches geht es nahezu ausschließlich um die bekannte Dreiecksbeziehung zwischen Nathan, Carrie und Cyrus. Jennifer Armintrout macht es ihren Charakteren nie leicht und so müssen alle Beteiligten ordentlich leiden. Im Gegensatz zu vorher wird aber endlich mal Klartext geredet und Gefühle werden gezeigt. So kommt man den Protagonisten etwas näher und die Story verliert etwas an kühler Distanz. Max und Bella bekommen dieses Mal auch ordentlich viele Seiten eingeräumt. Die Geschichte spaltet sich schon sehr früh in die Ereignisse um Max und Bella und die um Nathan, Cyrus und Carrie. In gewohnt ausgereiftem, präszisem Schreibstil erhöht die Autorin ab Mitte des Buches bewusst die Spannung und gegen Ende gibt es nochmal richtig blutige, dramatische Action. Was mir immer wieder an J. Armintrouts Stil gefällt, sind die vielschichtigen, komplexen Charaktere, deren Verhalten nicht immer vorhersehbar ist. Es gibt kein wirkliches Gut und Böse, obwohl der Souleater und das Orakel natürlich klare Feindbilder sind. Immer wieder platziert die Autorin Sequenzen, in denen die Vergangenheit reflektiert wird, in denen die Personen sich selbst in Frage stellen und auch Entscheidungen treffen, die unerwartet sind. Cyrus ist eine faszinierende Persönlichkeit, die man als Leser halb hasst, halb bewundert. Alle haben sie ihre Fehler und es gibt keine "erlösende Situation" in der alle von ihren Schwächen geläutert werden und heile Welt eintritt. Die verzwickte Dreiecksgeschichte zwischen Nathan, Carrie und Cyrus hat mich so manches Mal die Haare raufen lassen. Alle Happy-End liebenden, harmoniesüchtigen Liebesromanleserinnen sollten lieber die Finger davon lassen. Fern von Stereotypen oder gar Kitsch wird hier eine Story weitererzählt, die zu keinem Zeitpunkt langweilig wird. Ein bisschen resistent gegen Blut, Folter und Gewalt - auch psychische - sollte man sein, dann hat man an dieser Lektüre wirklich Spaß

Blutsbande – Besessen

von Jennifer Armintrout

auf Deutsch erschienen im Okt 08 als Mira Taschenbuch im Cora Verlag
320 Seiten, Taschenbuchformat

Preis: EUR 7,95

ISBN: 3899415051
EAN: 9783899415056
Übersetzt von Lisa Kuppler

Fazit

Packender Thriller in schonungslosem Stil.

Nur eines stört die perfekte Harmonie zwischen Carrie und Nathan: er kann seine grausamen Vergangenheit und den Verlust seiner Frau Marianne nicht vergessen. Carrie hat schwer daran zu knabbern, ob sie ein Leben mit halbherziger Liebe seinerseits durchstehen kann. Eines Tages jedoch zerbricht all dies, als Nathan plötzlich zu einer wütenden Bestie wird. Im Wahn und offensichtlich besessen tötet er willenlos und greift sogar Carrie an. Dann verschwindet er. Für Carrie beginnt eine Zeit großen Leidens, denn als ihr zweiter Schöpfer steht ihr Nathan sehr nah und die Trennung schmerzt jede Sekunde mehr. Gleichzeitig beginnt die Geschichte um Cyrus, der von einer verrückten Vampirgang, den Fangs, ins Leben zurück geholt wird. Allerdings als Mensch. Die Fangs sperren ihn in der Wüste in einer Kirche in den Keller, nachdem sie den Pfarrer töteten. Zusammen mit der jungen Frau Stacey, genannt Mouse, fristet Cyrus die Tage in Gefangenschaft. Er fragt sich, ob sein Vater, der mächtige Souleater, ihn zurückholen ließ um ihn erneut zum Vampir zu machen. Zuerst ist Cyrus verärgert darüber, dass er ein Mensch ist, und vermisst die Lässigkeit, mit der er damals grausam war. Er bedroht Mouse und gibt sich arrogant und unnahbar. Doch da er körperlich sehr schwach ist, ist er auf die Hilfe der Frau angewiesen. Unterdessen machen sich Carrie und ihr Freund Max auf den Weg nach Spanien um im Hauptquartier der Vampirvereinigung den offiziellen Tötungsbefehl für Nathan aufzuhalten. Dort gelangt Carrie heimlich zu dem berüchtigten Orakel, das ihr einen verschlüsselten Hinweis zur Lösung des Falles gibt. Jetzt ist Carrie überzeugt, dass es ihre Aufgabe ist, Nathan zu finden und zu retten. Gleichzeitig jedoch macht sich die Werwölfin Bella auf die Suche nach Nathan um ihn zu töten. Die Tage vergehen, in denen Carrie im Auto auf dem Weg in die Wüste ist, um nach einer Spur von Cyrus zu suchen. Sie weiß, dass der Souleater mit Nathans Besessenheit zu tun haben muss und daher will sie Cyrus finden, der sein Sohn ist. Dieser hat sich mittlerweile an sein Menschsein gewöhnt und zarte Band mit Mouse geknüpft. Gemeinsam wollen sie fliehen. Als Carrie die Kirche in der Wüste findet, geht auf einmal alles sehr schnell: Sie holt Cyrus heraus und im Handgemenge lässt sie Mouse dort zurück. Als Cyrus zu sich kommt, muss er erkennen, dass seine junge Geliebte tot ist. Es kommt zum Konflikt zwischen Carrie und Cyrus. Doch zusammen fahren sie zurück zu Nathans Wohnung, wo Bella und Max berichten, dass sie mehrere Kontakte mit Nathan hatten, die allesamt blutig ausgingen. Für Carrie steht fest, dass es nur eine Möglichkeit gibt, Nathan zu retten: er muss seine Vergangenheit loslassen.

Besessen ist ein interessanter zweiter Teil der Blutsbande Serie, allerdings ein ganz anderer, als ich erwartet habe. Als erstes fällt die extreme Teilung der Geschichte in der ersten Hälfte auf. Jennifer Armintrout trennt die Story in zwei Hauptschauplätze: Carrie und Cyrus. Einige hundert Seiten bekommt der Leser abwechselnd die Erlebnisse von Cyrus und die von Carrie vorgesetzt und kann sich selbst ausrechnen wann und wie die beiden Handlungsstränge verschmelzen werden. Ich bin kein Fan von solch einem "Parallel- Erzählstil" und wurde irgendwann ziemlich ungeduldig. Ab der Mitte des Buches wird es dann allmählich besser und es kommt schreibtechnisch ein wenig Ruhe rein. Ansonsten ist von Ruhe nicht viel zu merken. Besessen ist ein emotional stark beladener Roman, in dem viel gelitten, gemordet, bereut und geweint wird. Zwischenmenschliche Beziehungen sind allesamt psychotisch und irgendwie hoffnungslos. Die zentrale Beziehung zwischen Carrie und Nathan ist wohl die unglücklichste, von der ich je in einem Paranormalen Roman gelesen habe. Die Autorin lässt den beiden keinen Platz um glücklich zu sein, bzw. beschreibt diesen Zustand einfach nicht. Auch Cyrus ist trotz seiner neu gewonnenen Menschlichkeit immer noch vorbelastet von seiner grausamen und gnadenlosen Existenz als Vampir. Insgesamt ist das Buch eher als schwere Kost einzuordnen, was der Spannung allerdings keinen Abbruch tut. Auch wenn die Lektüre durch die verkorksten Beziehungen der Charakter untereinander teilweise schmerzvoll war, konnte ich das Buch kaum aus der Hand legen. Wie auch der Vorgänger ist Besessen unglaublich spannend und mitreißend. Vielleicht sogar erst recht deshalb, weil die Personen so leiden. Denn man will endlich erfahren, ob eine Besserung in Sicht ist. Für schwache Nerven ist auch dieser Teil nichts, denn die Kampfszenen sind blutig und es wird ständig psychische und physische Gewalt ausgeübt. Faszinierend ist auch die Vielschichtigkeit der Charaktere, die besonders im Fall von Cyrus minutiös ausgearbeitet wird. Alle Facetten einer gestörten Persönlichkeit kommen zum Tragen, die aber ganz natürlich wirken. So werden Jennifer Armintrouts Figuren realistisch und lebendig, und man fragt sich, wie es sein kann, dass bei anderen Romanen immer alles so glatt läuft und sämtliche Personen einer Linie folgen. So überrascht es auch nicht, dass das Ende mehr oder weniger neutral ist und alle Happy-End-Fans enttäuschen wird (mich auch).