Anita Blake – Gierige Schatten

von Laurell K. Hamilton

auf Deutsch erschienen März 2006 im Bastei Lübbe Verlag
459 Seiten, Taschenbuchformat

Preis: EUR 7,95

ISBN: 3404154665
EAN: 9783404154661
Übersetzt von Angela Koonen

Fazit

Eine ganz neue Seite von Anita und drumherum ein spannender Krimi - kaufen!

Nachdem sich Anita darauf eingelassen hat, abwechselnd mit Jean-Claude und Richard auszugehen, beginnt ein seltsames Spiel. Anita fühlt sich zunehmend unwohl bei der Sache und auch ihr Wunsch, Richard zu heiraten, wird schwächer nachdem sie realisiert hat, dass er genauso wenig ein Mensch ist wie der Vampir Jean-Claude.
Trotzdem wird Anita mehr und mehr in die Welt der Gestaltwandler und Lykantropen hineingezogen und erfährt durch Richard viel Neues. Unter anderem auch, dass es Revierkämpfe bei den Werwölfen gibt, in die Richard selbst verwickelt ist. Doch bevor sich Anita darum kümmern kann, wird sie zu einem Tatort gerufen, bei dem ein Schlangenmensch gehäutet aufgefunden wurde. Es kristallisiert sich heraus, dass es eine Entführungs- und Mordserie an Gestaltwandlern gibt, die noch nicht aufgeklärt werden konnte. Anita hat zunächst keinen Verdacht, wer der Täter sein könnte und erschwerend kommt hinzu, dass es unter den Gestaltwandlern einige gibt, die zu Gewalt und Kriminalität neigen.
Anita macht gegenüber Richard klar, dass sie auch gegen Werwölfe vorgehen würde, was die Beziehung zu ihm weiter belastet. Doch die Ereignisse überschlagen sich, als Jason, ein unerfahrener Werwolf entführt wird. Anita holt sich ihren Profikiller Freund Edward zu Hilfe und zusammen gehen sie den Spuren nach.

Zum ersten Mal treffen wir hier auf eine Anita, die Emotionen zeigt, die Männern zugeneigt ist. Meiner Meinung nach war diese Wendung in der Entwicklung dieses Charakters auch dringend notwendig. Nur knallhart und professionell zu sein macht noch keine sympathische Heldin aus. Völlig ohne Kitsch liest man hier über die Schwierigkeiten einer Beziehung mit einem nicht-menschlichen Wesen, sei es Vampir oder Werwolf. Anitas Zerrissenheit zwischen Jean-Claude und Richard wird sehr gut dargestellt und man kann sich gut in ihre Rolle hineinversetzen. Natürlich kommt auch die Action nicht zu kurz und der Krimiteil des Buches ist super spannend und spitzt sich am Ende zu einem überraschenden Finale zu.
Auch wenn die Verwicklung um Anitas Liebesbeziehungen sich nicht auflöst, kommt nicht das Gefühl auf, hier einen willkürlichen Cliffhanger zu haben. Man freut sich vielmehr auf die kommenden Bände, durch die sich diese Konstellation wie ein roter Faden ziehen wird. L. Hamilton schafft es auf geniale Weise, jedes Buch für sich wirken zu lassen ohne uninteressante Details zu wiederholen. Sicher könnte man auch mitten in der Serie anfangen zu lesen, aber viel mehr Spaß bringt es, von Anfang an zu beginnen und immer mehr über Anita und ihre Freunde und Feinde zu erfahren. Auch über Edward, den Kopfgeldjäger, gibt es noch viele Geheimnisse zu lüften und die Autorin hält sich mit Enthüllungen sehr bedeckt.
Was mir an diesem Band nicht so sehr gefallen hat war das hohe Gewaltaufkommen am Ende. Sicherlich gehört es zu einem Krimi, sich üble Mordschauplätze anzusehen und ein paar blutige Details zu erfahren. Doch explizite Folter ist schon heftig. Nichts, aber absolut nichts für schwache Nerven. Das ist und wird auch kein Liebesroman werden.

Anita Blake – Zirkus der Verdammten

von Laurell K. Hamilton

auf Deutsch erschienen Sept 2005 im Bastei Lübbe Verlag
412 Seiten, Taschenbuchformat

Preis: EUR 7,95

ISBN: 3404153715
EAN: 9783404153718
Übersetzt von Angela Koonen

Fazit

Spannende Action, dieses Mal mit einem Hauch Romantik...der beste Anita-Blake-Roman bisher!

Dieses Mal bekommt es Anita mit militanten Vampirgegnern zu tun, der Humans First against Vampires. Zwei Männer versuchen sie zu überzeugen, den Namen des Meisters der Stadt und seinen Schlafplatz zu verraten. Doch Anita zögert, sie kann aus ihr noch nicht klaren Gründen Jean-Claude nicht ans Messer liefern. Sie will sich gedanklich auch nicht weiter damit befassen, denn sie hat eine Verabredung mit Richard, der für Jean-Claude arbeitet. Sie fühlt sich zu dem attraktiven und weltgewandten Mann hingezogen und hat ganz wider ihre Art einem Date zugestimmt. Dann jedoch erhält sie einen Anruf der Polizei und muss zu einem Tatort. Ein Mensch wurde offensichtlich von mehreren Vampiren ausgesaugt und getötet. Da es sehr ungewöhnlich ist, dass Vampire im Rudel jagen, ahnt Anita Schlimmes. Und tatsächlich macht sie bald Bekanntschaft mit der Vampirtruppe, die von einem sehr alten und mächtigen Meister namens Alejandro angeführt wird. Alejandro will Jean-Claude töten und Anita zu seinem menschlichen Diener machen.
Zum Glück können sich Anita und ihr neuer Animator-Schützling in Sicherheit bringen, tragen aber einen großen Schrecken davon. Anita ist im Zwiespalt: soll sie Jean-Claude verraten?
Durch die Humans First against Vampires lernt sie einen Vampir namens Oliver kennen, der übermächtig zu sein scheint. Doch augenscheinlich sind seine Motive ehrenwert: er will das Gleichgewicht zwischen Menschen und Vampiren wieder herstellen. Anita vertraut ihm nicht, doch genauso wenig glaubt sie Alejandro und Jean-Claude. Als Jean-Claude sie in den Zirkus der Verdammten bestellt um sie zur Rede zu stellen, kommt es zur Katastrophe und ein Kampf zwischen den Meistervampiren entbrennt, in dem Anita beinahe ihre Seele verliert.

Das erste, was nach der Lektüre an diesem Buch auffällt, ist das fulminante Ende. Noch mehr Action, Kampfszenen und Überraschungen. Meiner Meinung nach ist Zirkus der Verdammten noch besser als die beiden Vorgänger, noch bissiger, noch spannender, noch mehr abartige Kreaturen. Dieses Mal kommen auch ein wenig mehr Anitas Gefühle ins Spiel und ihre Beziehung zu Jean-Claude wird noch komplizierter als vorher.
Wieder eine gelungene Mischung von bekannten Charakteren und interessanten Neuvorstellungen. Anita ist teilweise auch nicht mehr ganz so cool wie zuvor, was sie in meinen Augen noch sympathischer macht. Natürlich ist sie immer noch bis an die Zähne bewaffnet, stürzt sich todesmutig in unrealistische Kämpfe und kommt mit ein paar blauen Flecken davon wo andere mehr als tot wären. Aber das ist die gewohnte Übertreibung von Ms Hamilton, und es macht einfach Spaß so etwas zu lesen. Ein wenig Superhelden-Image muss ja dabei sein.

Anita Blake – Blutroter Mond

von Laurell K. Hamilton

auf Deutsch erschienen Jan 2005 im Bastei Lübbe Verlag
413 Seiten, Taschenbuchformat

Preis: EUR 7,95

ISBN: 3404152581
EAN: 9783404152582
Übersetzt von Angela Koonen

Fazit

Würdiger Nachfolger des ersten Bandes, fesselnd!

Auch im zweiten Band der Serie hat Anita keine ruhige Minute. Das "Spukkommando" der Polizei ruft sie um Hilfe bei einem blutigen Mord an einer Familie. Anita ist entsetzt über die Gewalttätigkeit des Mordes und fest entschlossen, den Täter zu finden. Sie erkennt, dass es sich um einen uralten Zombie handeln muss, der von jemand sehr mächtigen erweckt worden sein muss. Auf ihrer Suche gelangt sie an die fiese Voodoomeisterin Dominga Salvador, die Anita zuerst auf ihre kriminelle Seite ziehen will. Als Anita jedoch ablehnt, zieht sie ganz andere Seiten auf und ab sofort ist Anitas Leben bedroht. Dominga hetzt Zombies auf sie, die ihre Wohnung verwüsten und Anita entgeht nur knapp dem Tode. Trotzdem kann sie nicht beweisen, dass die Voodoomeisterin auch für die Erweckung des Super-Zombies und damit auch für die Morde verantwortlich ist. Als wenn das nicht genug wäre, muss sich Anita nun auch noch vor den Häschern des geld- und machtgierigen Harold Gayner in Acht nehmen. Als Anita ablehnt, für Millionen von Dollar einen uralten Toten für Gaynor zu erwecken, gerät sie in seine Schusslinie. Seine perverse Vorliebe für verkrüppelte Geliebte macht sie misstrauisch und sie beginnt zu recherchieren. Bald kreuzen sich die Wege von Dominga Salvador und Harold Gaynor.

Laurell K. Hamilton bleibt auch im zweiten Band ihrem Stil perfekt treu. Viel Spannung und Tempo, tolle Kampfszenen und viele coole Sprüche. Viele Figuren des ersten Teils kommen auch wieder vor, unter anderem auch der charismatische Jean-Claude. Hier zeichnet sich eine interessante Romanze ab. Es ist fantastisch gelungen, ein Buch mit einer unabhängigen Geschichte zu schaffen, durch die sich dennoch ein roter Faden zieht. Auch ohne den ersten Band zu kennen, würde man viel Spaß beim Lesen haben, aber ich empfehle trotzdem ganz von vorne anzufangen mit der Serie. Es fließt auch hier wieder viel Blut und man bekommt explizite Gewaltszenen serviert. Anita ist nach wie vor der Liebe und allem anderen Kompliziertem völlig abgeneigt, aber das tut dem Buch überhaupt keinen Abbruch. Man weiß gar nicht, wo das noch vorkommen sollte bei all dem Tempo.

Anita Blake – Bittersüße Tode

von Laurell K. Hamilton

erscheint auf Deutsch im November 2003 im Luebbe Verlag
397 Seiten, Taschenbuchformat

Preis: EUR 7,95

ISBN: 3404150538
Übersetzt von Marie-Luise Betzenberger

Fazit

Vielversprechender Auftakt zu einer actionreichen und spannenden Serie - besser als Buffy!

Anita Blake ist eine vielbeschäftigte Frau. Sie ist Animatorin bei RIPT, einem kleinen Unternehmen, das Totenerweckungen anbietet. Hier steht sie jede Nacht auf Friedhöfen und erweckt mit ihrer Magie Zombies, die dann Testamente nachreichen oder Zeugenaussagen machen. Nebenbei arbeitet sie noch bei der Polizei, genauer gesagt für die Einheit, die für übernatürliche Verbrechen zuständig ist. Falls es Morde gibt, die im Zusammenhang mit Vampiren oder ähnlichen stehen, wird Anita zur Hilfe gerufen.
Dieses Mal ist es etwas anders: in St. Louis werden in regelmäßigen Abständen Vampire ermordet. Da Anita über ihren Job hinaus als "Scharfrichterin" mit untrüglichem Spürsinn bekannt ist, treten die Vampire an sie heran um sie um Hilfe bei der Suche nach dem Mörder zu bitten. Als Anita ablehnt, wird ihr Leben plötzlich sehr gefährlich. Die Meistervampirin der Stadt, die mächtige Nikolaos, lässt Anita entführen um sie durch Folter und Erpressung zur Mitarbeit zu zwingen. Doch es scheinen auch einige auf Anitas Seite zu sein: der geheimnisvolle Vampir Jean-Claude, die Gestaltwandler und vielleicht auch Edward, der ehrgeizige Kopfgeldjäger. Es kommt zu einer offenen Auseinandersetzung mit Nikolaos...

Das Tempo dieses Buchs haut einen um, wahrlich. Bereits nach den ersten paar Sätzen wird man in einen Strudel von Ereignissen reingezogen, der bis zum Ende nicht abreißt. Der Schreibstil ist realistisch, anschaulich und ehrlich. Sehr abwechslungsreiche Satzkonstruktionen und treffende Beschreibungen mit außergewöhnlichen Adjektiven machen auch nicht ganz so actionreiche Passagen interessant. Das ganze ist in der Ich-Perspektive geschrieben, also sehr auf Anita Blake bezogen. Rund um Anita werden bereits im ersten Band zahllose Nebencharaktere vorgestellt, die alle individuell dargestellt werden. Es gilt sich gut zu konzentrieren, um alle Namen einzuordnen.
Nach bewährter Krimi Manier wird die Geschichte straff von Anfang an aufgezogen und man kann bis zum Ende den Atem anhalten. Es gibt viele Wendungen, überraschende Momente und verblüffende Dialoge. Anitas coole Art und ihr trockener Humor sorgen für einige entspannte Augenblicke, aber kurz darauf wird sie schon wieder in Schwierigkeiten verwickelt. Das ist das einzige, was mich ein wenig stört, dass es nie Zeit zum Luft holen gibt, dass Anita eine unerschöpfliche Energie zu haben scheint. Das gibt so ein Superhelden Image, das klischeelastig ist. Ansonsten wird aber nicht sehr viel mit den üblichen Klischees gespielt. Es gibt keine romantischen Liebesszenen, kein Held, der Anita zur Seite steht und keine lauen Sommerabende auf dem Balkon. Vielmehr wird mit blutigen und gewaltsamen Szenen nicht gespart und teilweise ist der Roman nichts für schwache Nerven. Man fragt sich schon fast, wie die Autorin nach diesem ersten, rasanten Band das ganze noch toppen will.

Fallen Angels – die Ankunft

von J. R. Ward

erscheint auf Deutsch im Februar 2010 im Heyne Verlag
580 Seiten, broschiertes, größeres Taschenbuchformat

Preis: EUR 14,95


ISBN-10:
 345326664
ISBN-13: 978-3453266643
Übersetzt von Astrid Finke

Fazit

Überzogener, auf Klischees basierender Mystery-Roman für Fans der Autorin.

Jim Heron hat sein altes Leben hinter sich gelassen und arbeitet jetzt auf der Baustelle des vermögenden Geschäftsmannes Vin diPietro. Durch einen unglücklichen Unfall kommt Jim zu Tode, doch damit ist längst nicht alles vorbei. Er öffnet die Augen und währt sich im Himmel - da erblickt er einige seltsame Männer, die ihm erklären, dass er jetzt eine neue Rolle als entscheidender Krieger im Kampf zwischen Himmel und Hölle einnehmen wird. Gott und Luzifer haben vereinbart, dass die Weltherrschaft an diejenige Seite geht, die sieben Seelen auf der Erde für sich gewinnen kann. Jims erste Aufgabe ist es, ausgerechnet seinen Boss, Vin, auf die "gute" Seite zu ziehen. Ohne große Erklärungen katapultieren die Engel ihn wieder auf die Erde und Jim findet sich im Krankenhaus wieder. Sofort macht er sich an die Arbeit und versucht, Vin näher kennen zu lernen. Dabei lernt er auch Vins attraktive Freundin Devina kennen - und ist schockiert. Die verführerische Frau ist genau die, die er vor ein paar Tagen im Club Iron Mask nicht nur gesehen sondern auch "getröstet" hat. Mit der Beziehung zwischen Devina und Vin kann etwas nicht in Ordnung sein. Ist es Jims Aufgabe, das zu regeln? Dann gibt es noch die alleinerziehende Marie-Therese, die im Iron Mask als Prostituierte arbeitet um ihre Schulden zu begleichen. Zusammen mit ihrem Sohn ist sie vor ihrem gewalttätigen Ex-Mann geflohen. Was hat ihr Schicksal mit Vin zu tun? Jims Aufgabe gestaltet sich schwieriger als erwartet.

Es ist mir nicht leicht gefallen, das Buch nur als mittelmäßig einzustufen, immerhin hat man bei dieser Autorin stets die fantastische Black Dagger Serie als Referenz im Kopf. Genauer gesagt, die ersten Teile der Black Dagger Serie. Die letzten Teile haben mir nicht mehr so gut gefallen und diese Tendenz scheint sich jetzt auch bei ihrer neuen Reihe fortzusetzen. J. R. Wards Stil ist hier auch unverwechselbar zu erkennen: ausgeschmückter, ausgefallener Schreibstil in einer eigenwilligen Mischung aus derb-saloppem Jargon und blumigen Beschreibungen mit unzähligen Adjektiven und Metaphern. Die Autorin versucht permanent, das Rad neu zu erfinden und bringt Vergleiche, die sonst wohl keiner gewagt oder auch nur daran gedacht hätte. Wo mich dieser Schreibstil am Anfang noch begeistert hat, finde ich ihn in diesem vorliegenden Übermaß größtenteils nur noch aufgesetzt und anstrengend. Alles, jede noch so kleine Sekunde der Handlung wird dadurch überbewertet und hochstilisiert, das Ganze verliert jegliche Natürlichkeit. Auch wenn J. R. Ward mit der Figur des Jim Heron versucht, eine vordergründig "normal-bodenständige" Person als Hauptcharakter zu bringen, gelingt es ihr nicht, ihn mir sympathisch zu machen. Klar sind alle Personen dieses Buch "tortured heros" und versuchen sich mit ihren grauenhaften Vergangenheiten zu überbieten. Aber Jim Heron ist überdies auch noch unnahbar und rigoros - und das nicht mehr nur in dem Maße, dass es ihn interessant und geheimnisvoll macht. Auch die weiteren gefallenen Engel haben mir charakterlich überhaupt nicht gefallen. Die Gegenspielerin Devina ("Dev-il-ina" - wie geistreich) fand ich unspektakulär und durchsichtig. Insgesamt war mir für einen Paranormalen Roman einfach zu wenig "Paranormales" vorhanden. Es ist wie eine Geschichte aus einer US-Daily Soap, die mit ein wenig Mystery gewürzt wurde um auf der modernen Para-Welle mitzuschwimmen. Durch möglichst wenige Informationen versucht die Autorin eine mysteriöse, geheimniskrämerische Stimmung aufzubauen, die ich aber eher unangenehm und unnötig fand. Auch die permanenten Szenenwechsel können nicht verschleiern, dass in den 580 Seiten einfach zu wenig Inhalt ist.
Mit Vin und Marie-Therese bekommt man eine vorhersehbare Pretty Woman Love Story geboten, die vor Klischees nur so strotzt. Jims Rolle in dieser Liebesgeschichte bleibt hölzern und am Rande und eigentlich wollte ich gar nicht, dass er sich da einmischt mit seiner rohen Art. Die Sexszenen sind prickelnd und ausnahmslos gelungen - das kann sie wirklich, die liebe Frau Ward. Leider konnte mich der Rest nicht überzeugen. Die Lektüre hat sich bereits zu Beginn gezogen und kann auch am Ende mit keinen großen Überraschungen aufwarten. Da es sieben Todsünden gibt, werden wohl noch 6 Teile folgen, in denen sich die Autorin hoffentlich noch steigert!
Wenigstens bin ich froh, dass sich der Verlag dieses Mal gegen eine Teilung in zwei Extra-bände entschieden hat, wobei der Preis von EUR 14,95 auch kein Pappenstiel ist.

Roter Fluch

von Jaye Wells

erscheint auf Deutsch im August 2010 im Heyne Verlag
450 Seiten, Taschenbuchformat

Preis: EUR 8,95

ISBN-13: 9783453407046
ISBN-10: 3453407040
 
Übersetzt von Franziska Heel

Fazit

Schwache Charaktere in einer langatmigen Story ohne Highlights.

Nachdem Sabina Kane den Domninae und damit auch ihrer vampirischen Großmutter den Rücken zugekehrt hat, führt ihr Weg sie zu den Magiern und ihrer Zwillingsschwester Maisie. Sabina hatte ihr ganzes Leben lang nichts von ihr gewusst und so fällt das Wiedersehen etwas zurückhaltend aus. Noch kann Sabina ihr vampirisches Erbe nicht verdrängen, auch wenn sie zu gleichen Teilen Magierin ist. Der Magier Adam war ihr eine große Stütze, doch gleich bei ihrer Ankunft wird er auf eine Mission geschickt und Sabina ist auf sich allein gestellt. Nun soll sie ihre magischen Kräfte finden und ausbilden. Skeptisch lässt sie sich darauf ein, sinnt aber gleichzeitig auf eine Möglichkeit der Rache an ihrer Großmutter. Bald bekommt Sabina mit, dass sich ein Krieg zwischen den Vampiren und den Magiern abzeichnet und sie könnte eine entscheidende Rolle darin spielen...

Irgendwie habe ichin letzter Zeit kein Glück und greife nur die schlechten Bücher aus meinem Regal. Nachdem der erste Teil schon seit über einem Jahr gelesen im Schrank steht, war für mich dieser zweite Band wie ein neues Kennenlernen von Sabina Kane und ihren Freunden. Leider erschöpfte sich dieses Zusammentreffen bereits auf ca. Seite 100 und endete qualvoll in Querblättern und Überspringen.

Wenn man mal nicht schlafen kann oder aufgeregt ist, sollte man zu diesem Buch greifen. Es ist mir im Nachhinein fragwürdig, wie man 430 Seiten mit so wenig Handlung füllen kann ohne es als Autorin selbst zu merken, dass ABSOLUT NICHTS Interessantes passiert. Natürlich gibt es eine Art Story: Sabina wird mit ihrer Vergangenheit konfrontiert, Sabina erfährt von dem drohenden Krieg, Sabina fragt sich, ob sie in Adam verliebt ist. PUNKT. Vergeblich wartet man auf eine Art Pointe, Spannungsbogen oder auch nur Richtung der Geschichte. In zäher Langsamkeit irrt die Protagonistin durch eine zusammengestückelte Story und durch die Ich-Form sind wir extrem auf sie begrenzt. Gefühlte Ewigkeiten trainiert sie ihre magischen Fähigkeiten und wir beobachten ganz arg tolle Kämpfe ihres albernen Dämons Giguhl in der Arena. Wo ich anfangs eine Romanze zwischen Adam und Sabina vermutete, geriet ich abrupt in eine Sackgasse als die Autorin Adam ganz einfach mir nichts, dir nichts, verschwinden lässt. <br><br>Er taucht dann auch erst am Ende des Buches wieder auf. Also romantischer Inhalt passée. Es gibt keinen Nervenkitzel, keine flotten Dialoge, keine interessanten Nebenfiguren, nichts. Wenn man 50 Seiten überblättert findet man in einer Sekunde wieder in die Handlung, das kann es doch nicht sein. Lose zusammengestückelte Reflexionen der Hauptfigur bremsen jeglichen Ansatz von Action aus und man kann nach dem zehnten Mal Selbstverleugnung nicht mehr hören, dass sie ja üüüüüberhaupt nicht in Adam verliebt ist.

Sabina Kane ist eine zänkische, ungeduldige Person, die keine Ahnung hat, was sie will. Von niederen Emotionen geleitet, kann sie keine Entscheidungen treffen und wirkt meistens wie der Elefant im Porzellanladen. Guten Willen kann sie kaum erkennen und ist auch nicht bereit, sich groß zu ändern. Sturheit und Dummheit sind eine üble Kombination für eine Hauptperson, die auch noch mehrere Bände einer Serie füllen soll.

Ich bin grade am Überlegen, warum ich das Buch nicht in die "ÜBEL" Kategorie versetze, aber im Vergleich mit z.B. Nicole Peeler oder Chloe Neill war es noch halbwegs erträglich. Grottenlangweilig eben.

Rote Jägerin

von Jaye Wells

auf Deutsch erschienen Januar 2010 im Heyne Verlag
448 Seiten, Taschenbuchformat

Preis: EUR 8,95

ISBN-13: 9783453407039
ISBN-10: 3453407032
 
Übersetzt von Franziska Heel

Fazit

Recht spannender, aber unausgereifter Urban Fantasy Thriller.

Sabina Kane ist halb Vampirin, halb Magierin und als Auftragskillerin für den herrschende Vampirclan der Dominae unterwegs. Ihre Mentorin und Großmutter Lavinia hatte Sabina erzogen und ausgebildet, auch wenn die Schande immer über ihr hängt, die Tochter einer Vampirin und eines Magiers zu sein. Sabina hält dennoch an ihrem Ziel fest, den Dominae loyal zu sein und alles zu tun, um ihrer Großmutter zu gefallen. Also nimmt sie auch den gefährlichen Auftrag an, den Halb Dämon halb Vampir Clovis auszuspionieren und zu töten. Clovis soll eine stetig wachsende Gruppe verschiedener paranormaler Einheiten um sich scharen um alle zu vereinen und die Macht der Dominae zu schwächen. Sabina tut so, als würde sie sich von den Dominae abwenden und sich Clovis anschließen. Zuerst klappt die Infiltrierung ganz gut, doch Clovis stellt sich als undurchsichtiger, mächtiger Gegner heraus, der von Sabina als Treuebeweis gleich verlangt, ihm ihr Blut zu geben. Noch während sich Sabina mit der Fee Vinca und dem ursprünglich zu ihrer Ermordung gesendeten Dämon Giguhl anfreundet, wird sie von dem attraktiven Magier Adam aufgesucht, der angeblich im Namen ihrer Magier-Familie ausgeschickt wurde, Sabina zu finden und zu ihren Wurzeln zurückzuführen. Doch Lavina hatte Sabina immer weisgemacht, dass ihr Magiervater verstorben sei. War alles eine Lüge?

Rein inhaltlich ist das Debüt der Autorin Jaye Wells recht anständig aufgemacht und bietet eine nicht unbedingt originelle, aber streckenweise gut spannende, unterhaltsame Story. Eine junge Einzelkämpferin mit ungeahnten Fähigkeiten und potentiellem Auserwählten-Image findet ihren Weg aus der Unterdrückung und lernt, dass es neben blinder Auftragskillerei auch noch die Weltrettung und Völkervereinigung gibt. Aus einer eingeschränkten, kindischen, trotzigen Sichtweise soll eine selbstlose, weitsichtige, emotional offene Persönlichkeit werden. Auch wenn das überspitzt ausgedrückt ist, läuft die Entwicklung tatsächlich so stereotyp ab und ist demnach nicht sehr glaubwürdig.
Durch die Ich-Perspektive kommt der Leser sehr nah an Sabina Kane heran und nimmt teil an ihren Gedanken und Entscheidungen. Leider konnte ich mich mit ihr nur sehr wenig anfreunden und noch weniger identifizieren. Ihre Stimmungsschwankungen sind teilweise unnachvollziehbar und wirken in ihrer extremen Ausprägung irgendwie abgehoben und aufgesetzt. Erst killt sie scheinbar mühelos einen Freund, später noch weitere Vampire etc. und andererseits gibt es einen ach so empfindlichen Kern in ihr, der sie gegen Ende des Buches ständig in Tränen ausbrechen lässt. Was die Wahl ihrer Männer betrifft, kann sie sich auch weder entscheiden noch sympathisch verhalten. Einerseits möchte sie geliebt werden, andererseits hat sie unzählige Vorurteile, lässt beleidigende Kommentare ab und wirkt mehr als disintegrativ.
Bis auf den nervigen Side-kick Giguhl, der unzählige peinliche und humorfreie Auftritte hat, sind sämtliche Nebenfiguren blass und oft nicht mehr als seitenfüllende Nichtigkeiten. Jaye Wells kann sich streckenweise nicht entscheiden, ob sie lieber einen Krimi mit schlagfertigen, knappen Dialogen oder eine mit Rückblicken und Details angefüllte Beschreibung liefern soll. Der Stil wirkt unausgewogenen und holperig. Unwichtige Dinge werden künstlich in die Länge gezogen und für den Leser interessante Aspekte entweder vollständig ausgeblendet oder nur kurz am Rande abgehandelt. Dabei hätte man diesen Gewissenskonflikt von Sabina so schön ausarbeiten können, ebenso wie die Romanze mit dem Magier Adam....
Bleibt noch zu sagen, dass ich es einfach lächerlich finde, dass alle Vampire rote Haare haben müssen. Und den dummen, dummen Menschen fällt es in Jahrzehnten auch nicht auf, dass sich nachts in den Clubs immer ein Haufen Rothaarige zusammenrotten, die ganz zufällig nur rote Getränke an der Bar ausgeschenkt bekommen... Das kann mir doch keiner weismachen. Ich weiß es ist schwer, eine Paranormale Nebenwelt geheim zu halten und vor allem sich auszudenken, in welcher Weise das passieren kann. Ich finde aber, dass z. B. Patricia Briggs und Kelley Armstrong das wesentlich besser hinbekommen. Und man kann ja auch mit offenen Karten spielen wie bei Kim Harrisons Rachel Morgan.
Rote Jägerin ist ein ganz netter Auftakt zu einer Trilogie, die evtl. noch weiter fortgeführt wird. Das durchaus vorhandene Potential wurde aber bei weitem nicht ausgenutzt und der Roman ist nichts weiter als ein durchschnittlicher Urban Fantasy Thriller.

In den Fängen der Dunkelheit

von L.A. Banks

erscheint auf Deutsch im März 2012 im Heyne Verlag
Taschenbuch, Broschur, ca. 400 Seiten

Preis: EUR 7,99

Fazit

Fahrige, nichtssagende Aneinanderreihung von Vampirnonsens.

Damali Richards lebt ein Doppelleben, seitdem sie denken kann. Zusammen mit ihrer Ziehmutter und Mentorin Marlene und einer Handvoll harter Kerle leitet sie eine Band. Doch das Musikerdasein ist nur Tarnung, in Wirklichkeit jagt Damali Vampire. Ihre Bandmitglieder sind ausgebildete, talentierte Jäger, die ihren Schützling mit purer Waffengewalt umgeben.

Doch Damali hadert mit ihrem Schicksal, wünscht sich ein normales Leben und Liebe. Sie weiß noch nicht, dass es ihr bestimmt ist, die Neteru zu sein, die mächtigste Vampirjägerin der Welt.
Und während New Orleans von einer Reihe blutiger Vampirangriffe erschüttert wird, begegnet Damali ihrem alten Freund Carlos Rivera wieder, der sie als Kind aus der Gosse geholt hatte. Carlos hat sein Geld mit Drogen und Kriminalität gemacht, was Damali abschreckt. Doch niemals konnte sie ihn wirklich vergessen und als Carlos Verwandte grausam ermordet werden, will Damali alles daran setzen, den dämonischen Feind niederzustrecken.

Mit dieser Inhaltsangabe habe ich schon das Beste rausgeholt, was dieser Roman zu bieten hat. Ich hatte ja mit allem gerechnet: Ghettoslang, brutalste, sinnlose Gewalt, eine Anita-Blake-Kopie, rassistische Phrasen (gegen Weiße)...doch nie hätte ich damit gerechnet, L-A-N-G-E-W-E-I-L-E vorzufinden. Den Schreibstil der Autorin kann ich nur als absolut grauenhafte Zeitverschwendung beschreiben. Haltlos, planlos und in unendlichen Wiederholungen taumelt der Leser durch einen Abriss einer Story, die krude, nichtsnutzig und uninteressant ist.

Aus einer neutralen Erzählperspektive heraus lernt man Damali und ihre Band kennen, beobachtet ihr Verhalten in endlosen, leeren Dialogen. Lange Kapitel umhüllen mehrere, seitenlange Kammerspiele, in denen die Personen sich über Nichtigkeiten unterhalten und wirklich banalen Smalltalk machen. Damali will endlich Tacos essen, und Chips auch und der arme Joe hat seine Dee Dee an die Vampire verloren. Und es müsste mehr Bier geben und man sollte sich mal bei einem lockeren Fick vergnügen...

Vom Slang, der im Original so vorherrschend ist, merkt man in der deutschen Übersetzung gar nichts mehr. Die Sprache ist zwar nicht gehoben, man erkennt aber keinesfalls, dass die Personen aus dem Ghetto kommen sollen. Trotz all des wortreichen Geschwafel bleiben alle Figuren unnahbar, künstlich und starr. Ich konnte mir überhaupt keine Namen merken, weil alle - außer Damali und Carlos vielleicht - komplett austauschbar sind.
Die Geschichte, in der sich Damali und ihre Band befinden, beginnt wie eine normale Vampirjagd, hat mich irgendwie an 28 days later oder Will Smith's I am Legend erinnert. Vampire sind hier mordende, mutierte Bestien, die ihre Opfer regelrecht zerfleischen und auffressen. Trotzdem können sie auch wie normale Menschen aussehen. Ihr wahres Äußeres ist jedoch grauenhaft, sie sind verwesende, klauenbewehrte Monster, die ihre Kiefer aushaken und mit haifischartigen Zähnen zuschlagen. In diesem Buch bleiben die Vampire aber trotz ihrer Macht und Grausamkeit schattenhaft am Rand. Im Laufe des Buches werden einige okkulte Ansätze erläutert um die ganze Vampirlegende mit einem Hintergrund zu versehen, doch ich fand alles an den Haaren herbeigezogen und höchst uninteressant. Ab ca. Seite 60 habe ich quergelesen, ab Seite 200 ging auch das nicht mehr und ich habe ganze Passagen übersprungen. Das letzte Drittel des Buches ist aus der Sicht von Carlos geschrieben und lässt erkennen, dass die Autorin die Story immer weiter verkompliziert und in die Länge zieht. Das Buch endet mit einem Cliffhanger, was mich aber nicht sonderlich frustriert hat, da ich ohnehin nicht vorhabe, jemals wieder einen Roman dieser Autorin in die Hand zu nehmen. Ich bezweifle auch ganz stark, dass die folgenden 12 Bände der Reihe um Damali Richards übersetzt werden.

Die Schlagworte auf dem Klappentext "Gefährlich, sinnlich, unwiderstehlich", sind meiner Meinung nach Schall und Rauch, vor allem in Bezug auf "sinnlich". Es gibt keine Liebesszene in diesem Buch, keine romantische Situation, keinen Moment, wo ich emotional berührt wurde. Zwischen Carlos und Damali war wohl mal etwas, doch das ist so zerhackt und schwierig, dass es glaube ich der Autorin selbst entglitten ist. Damali verfährt sich in Zweifeln, Selbstvorwürfen, irrealen Wünschen und einem drogenartigen Wahn, der zwischen Blutgier und Trauma schwankt. Sie ist ein labiler, gefährdeter und unsympathischer Charakter, mit dem ich mich zu keinem Zeitpunkt identifizieren konnte. All ihr doch so großartiges Schicksal wird zu einem zerredeten Nichts, einer blutigen, sinnlosen Banalität. Und ich schlug das Buch zu und hatte nichts erlebt, keine Spannung, keinen Nervenkitzel, keine Emotionen.

Blutsbande – Nacht der Seelen

von Jennifer Armintrout

erscheint auf Deutsch im Juni 2010 als Mira Taschenbuch im Cora Verlag
476 Seiten, Taschenbuchformat

Preis: EUR 7,95

übersetzt von Matha Windgassen
ISBN-13: 9783899417296 ISBN-10: 3899417291

Fazit

Lesenswertes, spannendes Finale, das alles auflöst.

Auch wenn Carrie und Nathan sich gerne ihrer neu entdeckten Liebe widmen würden, wissen sie, dass der Kampf gegen den Souleater noch nicht vorbei ist. Sie haben sich in Max Wohnung verschanzt, der seinerseits mit seiner Bella nach Italien gegangen ist, um dort ihrem Werwolf Clan vorstellig zu werden. Jetzt, da Bella von Max ein Kind erwartet, möchte Max von ihrem Rudel akzeptiert werden.
Zufällig treffen Carrie und Nathan in Max Appartment auf den "Blutdealer" Bill, dem sie erst misstrauen, bald aber merken, dass er ein sympathischer und loyaler Mensch ist. Die Ereignisse überstürzen sich, als Nathan erfährt, dass sein Ziehsohn Ziggy noch bzw. wieder am Leben ist. Es ist klar, dass er ein Zögling des Souleaters ist und Carrie fürchtet zurecht, dass es eine Falle sein könnte. Doch Nathan lässt sich durch nichts davon abbringen, Ziggy zu retten, er will nicht glauben, dass sein Sohn ihn verraten könnte. Auf der Rettungsaktion jedoch gerät Nathan in die Hände des Souleaters und seiner sadistischen Helferin, der Hexe Dahlia. Kann Carrie nur mit Hilfe von Bill, Ziggy und dem hinzugekommenen Max ihren Geliebten retten und den Souleater besiegen? Und kann sie Ziggy vertrauen?

Nacht der Seelen ist ein würdiger, gut durchdachter Abschluss der Serie und bietet neben ordentlicher Spannung auch einige gelungene Überraschungen. Alles läuft auf einen Showdown, den Kampf gegen den Souleater, hinaus und es ist klar, dass Carrie diejenige sein wird, in deren Händen das Schicksal aller liegt. Sie hadert mit dieser Rolle, wächst aber im Laufe des Buches über sich hinaus und entdeckt neue, mächtige Kräfte in ihr. Jennifer Armintrout komponiert diesen letzten Teil als Wiedersehen aller Charaktere und Auflösung aller durch die Serie hindurch gezogenen Konflikte und Probleme. Das war einerseits sehr angenehm, andererseits kam die Entwirrung ziemlich schnell und gestrafft. Wo sie sich drei Teile lang Mühe gegeben hat, alles möglichst kompliziert zu machen, war sie hier wohl gezwungen, am Ende ein - etwas unglaubwürdiges - Happy End zu präsentieren.
Vorher gibt es noch blutige Kampfszenen, wirklich brutale Folterungen, deren Beschreibungen ins Horror-Genre fallen, und kitschfreie Liebesszenen. Der Homoerotik Einschlag hat mir persönlich jedoch nicht so gut gefallen.
Mit der Person Carrie werde ich wohl nie richtig warm werden und ich hatte auch wieder meine Probleme mit ihrer unnachvollziehbaren Unbeherrschtheit und dem Wechsel zwischen Naivität und fast schon souveräner Entschlossenheit. Sie will unbedingt von Nathan geliebt werden, nimmt sich aber selbst heraus, ihre Interessen auf andere auszuweiten. Der Einfluss von Cyrus bleibt nach wie vor unangetastet. Es gibt auch immer wieder Streit zwischen Nathan und Carrie und obwohl sie letzten Endes doch füreinander bestimmt sind, gefällt mir diese Konstellation nicht wirklich.
Insgesamt lässt sich der Roman flüssig lesen, am Schreibstil ist wirklich nichts auszusetzen: klar, treffend und abwechslungsreich. Zwischendurch gibt es immer mal wieder Wechsel der Erzählperspektive von der Ich-Erzählerin Carrie hin zur Dritten Person, wenn es um Ziggy, Bill oder Max geht.
Insgesamt war die Serie unterhaltsam, spannend und durchaus lesenswert, wenn man Vampirthriller mag, wie z. B. Jeanne C. Steins Anna Strong Serie. Ein wenig kühl, wenig aus der Masse hervorstechend aber mit vier Bänden nicht unnötig ausgedehnt.

Blutsbande – Asche zu Asche

von Jennifer Armintrout

erscheint auf Deutsch im November 2009 als Mira Taschenbuch im Cora Verlag
476 Seiten, Taschenbuchformat

Preis: EUR 7,95

übersetzt von Martha Windgassen
ISBN-10: 389941666X
ISBN-13: 978-3899416664

Fazit

Toller, spannender dritter Teil mit gewissenhaft aufgebauten Charakteren.

Nachdem Nathan von seinem Schöpfer besessen war, ist Carrie zu ihrem Freund Max nach Chicago geflohen um dort ein wenig Abstand zu ihrem Geliebten zu bekommen. Doch genausowenig wie sie ihren Schöpfer Nathan vergessen kann, kann Max die Werwölfin Bella aus seinem Kopf verbannen. Zwar will er sich nicht eingestehen, dass er sich zu ihr hingezogen fühlt, doch Carrie kennt Max gut genug, um es zu wissen. Dann eines Tages erhält sie einen Anruf von Nathan und die Vergangenheit holt Carrie ein. Sie wünscht sich nichts sehnlicher, als wieder friedlich mit ihm als Liebespaar zusammenleben zu können. Als sich Max, Bella, Nathan und Carrie endlich treffen erfahren sie Schreckliches: das Orakel, das die Bewegung der Vampire immer gefangen gehalten hatte, ist entkommen. Und Nathans Schöpfer, der Souleater, hat einen schrecklichen Plan, der irgendetwas mit dem Orakel zu tun hat. Carrie weiß, dass sie handeln müssen. Und als Bella plötzlich vom Orakel besessen ist und verkündet, dass sie alle sterben werden, wenn sie sich einmischen, geraten sie in große Gefahr. Bella und Max beschließen, das Orakel auf seiner Reise zu verfolgen und abzufangen. Nathan und Carrie bleiben in Grand Rapids um weiter Nachforschungen anzustellen. Dabei sollen auch die Hexe Dahlia und Cyrus, der jetzt ein normaler Mensch ist, helfen. Als Carrie zögernd Kontakt mit Cyrus aufnimmt, kommen alte, vergrabene Gefühle in ihr hoch. Immer war sie zwischen Nathan und Cyrus hin- und hergerissen - wird es wieder so sein?

Asche zu Asche ist eine absolut lesenswerte Fortsetzung der Reihe und steuert schon deutlich auf das Finale im 4. Band zu. Es ist nahezu unmöglich, die Geschichte richtig einzuordnen, wenn das Wissen aus den Vorbänden fehlt. Was mich überrascht hat, ist die Tatsache, dass Asche zu Asche fast schon mehr ein Liebesdrama als ein Thriller ist. Besonders in der ersten Hälfte des Buches geht es nahezu ausschließlich um die bekannte Dreiecksbeziehung zwischen Nathan, Carrie und Cyrus. Jennifer Armintrout macht es ihren Charakteren nie leicht und so müssen alle Beteiligten ordentlich leiden. Im Gegensatz zu vorher wird aber endlich mal Klartext geredet und Gefühle werden gezeigt. So kommt man den Protagonisten etwas näher und die Story verliert etwas an kühler Distanz. Max und Bella bekommen dieses Mal auch ordentlich viele Seiten eingeräumt. Die Geschichte spaltet sich schon sehr früh in die Ereignisse um Max und Bella und die um Nathan, Cyrus und Carrie. In gewohnt ausgereiftem, präszisem Schreibstil erhöht die Autorin ab Mitte des Buches bewusst die Spannung und gegen Ende gibt es nochmal richtig blutige, dramatische Action. Was mir immer wieder an J. Armintrouts Stil gefällt, sind die vielschichtigen, komplexen Charaktere, deren Verhalten nicht immer vorhersehbar ist. Es gibt kein wirkliches Gut und Böse, obwohl der Souleater und das Orakel natürlich klare Feindbilder sind. Immer wieder platziert die Autorin Sequenzen, in denen die Vergangenheit reflektiert wird, in denen die Personen sich selbst in Frage stellen und auch Entscheidungen treffen, die unerwartet sind. Cyrus ist eine faszinierende Persönlichkeit, die man als Leser halb hasst, halb bewundert. Alle haben sie ihre Fehler und es gibt keine "erlösende Situation" in der alle von ihren Schwächen geläutert werden und heile Welt eintritt. Die verzwickte Dreiecksgeschichte zwischen Nathan, Carrie und Cyrus hat mich so manches Mal die Haare raufen lassen. Alle Happy-End liebenden, harmoniesüchtigen Liebesromanleserinnen sollten lieber die Finger davon lassen. Fern von Stereotypen oder gar Kitsch wird hier eine Story weitererzählt, die zu keinem Zeitpunkt langweilig wird. Ein bisschen resistent gegen Blut, Folter und Gewalt - auch psychische - sollte man sein, dann hat man an dieser Lektüre wirklich Spaß