Roter Fluch

von Jaye Wells

erscheint auf Deutsch im August 2010 im Heyne Verlag
450 Seiten, Taschenbuchformat

Preis: EUR 8,95

ISBN-13: 9783453407046
ISBN-10: 3453407040
 
Übersetzt von Franziska Heel

Fazit

Schwache Charaktere in einer langatmigen Story ohne Highlights.

Nachdem Sabina Kane den Domninae und damit auch ihrer vampirischen Großmutter den Rücken zugekehrt hat, führt ihr Weg sie zu den Magiern und ihrer Zwillingsschwester Maisie. Sabina hatte ihr ganzes Leben lang nichts von ihr gewusst und so fällt das Wiedersehen etwas zurückhaltend aus. Noch kann Sabina ihr vampirisches Erbe nicht verdrängen, auch wenn sie zu gleichen Teilen Magierin ist. Der Magier Adam war ihr eine große Stütze, doch gleich bei ihrer Ankunft wird er auf eine Mission geschickt und Sabina ist auf sich allein gestellt. Nun soll sie ihre magischen Kräfte finden und ausbilden. Skeptisch lässt sie sich darauf ein, sinnt aber gleichzeitig auf eine Möglichkeit der Rache an ihrer Großmutter. Bald bekommt Sabina mit, dass sich ein Krieg zwischen den Vampiren und den Magiern abzeichnet und sie könnte eine entscheidende Rolle darin spielen...

Irgendwie habe ichin letzter Zeit kein Glück und greife nur die schlechten Bücher aus meinem Regal. Nachdem der erste Teil schon seit über einem Jahr gelesen im Schrank steht, war für mich dieser zweite Band wie ein neues Kennenlernen von Sabina Kane und ihren Freunden. Leider erschöpfte sich dieses Zusammentreffen bereits auf ca. Seite 100 und endete qualvoll in Querblättern und Überspringen.

Wenn man mal nicht schlafen kann oder aufgeregt ist, sollte man zu diesem Buch greifen. Es ist mir im Nachhinein fragwürdig, wie man 430 Seiten mit so wenig Handlung füllen kann ohne es als Autorin selbst zu merken, dass ABSOLUT NICHTS Interessantes passiert. Natürlich gibt es eine Art Story: Sabina wird mit ihrer Vergangenheit konfrontiert, Sabina erfährt von dem drohenden Krieg, Sabina fragt sich, ob sie in Adam verliebt ist. PUNKT. Vergeblich wartet man auf eine Art Pointe, Spannungsbogen oder auch nur Richtung der Geschichte. In zäher Langsamkeit irrt die Protagonistin durch eine zusammengestückelte Story und durch die Ich-Form sind wir extrem auf sie begrenzt. Gefühlte Ewigkeiten trainiert sie ihre magischen Fähigkeiten und wir beobachten ganz arg tolle Kämpfe ihres albernen Dämons Giguhl in der Arena. Wo ich anfangs eine Romanze zwischen Adam und Sabina vermutete, geriet ich abrupt in eine Sackgasse als die Autorin Adam ganz einfach mir nichts, dir nichts, verschwinden lässt. <br><br>Er taucht dann auch erst am Ende des Buches wieder auf. Also romantischer Inhalt passée. Es gibt keinen Nervenkitzel, keine flotten Dialoge, keine interessanten Nebenfiguren, nichts. Wenn man 50 Seiten überblättert findet man in einer Sekunde wieder in die Handlung, das kann es doch nicht sein. Lose zusammengestückelte Reflexionen der Hauptfigur bremsen jeglichen Ansatz von Action aus und man kann nach dem zehnten Mal Selbstverleugnung nicht mehr hören, dass sie ja üüüüüberhaupt nicht in Adam verliebt ist.

Sabina Kane ist eine zänkische, ungeduldige Person, die keine Ahnung hat, was sie will. Von niederen Emotionen geleitet, kann sie keine Entscheidungen treffen und wirkt meistens wie der Elefant im Porzellanladen. Guten Willen kann sie kaum erkennen und ist auch nicht bereit, sich groß zu ändern. Sturheit und Dummheit sind eine üble Kombination für eine Hauptperson, die auch noch mehrere Bände einer Serie füllen soll.

Ich bin grade am Überlegen, warum ich das Buch nicht in die "ÜBEL" Kategorie versetze, aber im Vergleich mit z.B. Nicole Peeler oder Chloe Neill war es noch halbwegs erträglich. Grottenlangweilig eben.

Poltergeist

von Kat Richardson

auf Deutsch erschienen im Dezember 2008 im Heyne Verlag
498 Seiten, Taschenbuchformat

Preis: EUR 8,95

übersetzt von Franziska Heel
ISBN-10: 3453524861
ISBN-13: 978-3453524866

Fazit

Unterkühlte Krimiunterhaltung mit einer unsympathischen Hauptfigur.

Solangsam gewöhnt sich die Privatdetektivin Harper Blaine an ihr Dasein als Grauwandlerin. Über zu wenige Aufträge kann sie sich eigentlich nicht beschweren. Obwohl er ihr unsympathisch ist, nimmt sie von Psychologie-Professor Tuckman den Job an, seine Séance-Gruppe auf Sabotage zu überprüfen. Anlässlich eines Uni-Studienprojektes hat Prof. Tuckman eine Gruppe aus verschiedensten Leuten zusammengestellt, die sich wöchentlich treffen um mittels ihrer gebündelten mentalen Kräfte einen Geist zu erschaffen. Als sich Harper genauer mit der Sache beschäftigt, stellt sie fest, dass tatsächlich getrickst wurde, um den Teilnehmern vorzugaukeln, dass ein Geist anwesend sei. Das Gespenst wurde Celia getauft und bekam auch einen ausführlichen Lebenslauf und zahlreiche Charaktereigenschaften angedichtet. Harper beobachtet dann zum ersten Mal live eine Séance und ihr fallen sofort die seltsamen Energiefäden im Grau auf, die sich währenddessen zeigen. Im weiteren Verlauf stellt Harper fest, dass auf keinen Fall alles mit rechten Dingen zugeht, denn als Möbel und Gegenstände im Raum herumfliegen, kann nur eine übersinnliche Erscheinung dafür verantwortlich sein. Das ganze wird zu einer bedrohlichen Sache, als einer der Teilnehmer brutal ermordet wird. Harper befürchtet, dass der Poltergeist Celia dafür verantwortlich sein könnte. Doch woher nimmt er seine unglaubliche Macht?

Der zweite Teil der Harper Blaine Serie konnte mich leider noch weniger überzeugen als der erste. Kat Richardson Stil langweilt mich zusehends und es kommt keine Auflockerung in ihre kühle Distanz zu sämtlichen Personen. Die Hauptfigur Harper kämpft sich in Poltergeist durch zähe Ermittlungen und führt mit ihrer sachlich-professionellen Art unzählige Gespräche und Monologe ohne dabei etwas von sich selbst preiszugeben. Für den Leser ist sie immer noch eine unbekannte Person, die nur für ihre Arbeit lebt. Die Autorin macht kaum den Versuch, Harper ein wenig Leben, Emotionen und Vergangenheit angedeihen zu lassen, dafür ergeht sie sich lieber in ellenlangen, ständig wiederkehrenden Beschreibungen der Stadt Seattle, in dem die Geschichte spielt. Es wird klar, dass Kat Richardson lieber von unbelebten Dingen schreibt, als von lebendigen. Jede Örtlichkeit, jede Straße, jedes Gebäude in Seattle wird benannt, beschrieben und liebevoll in das Gesamtbild eingefügt. Leider reicht das nicht, um Spannung zu erzeugen. Ok, irgendwo hinter all den überlangen, mit Fachausdrücken und komplizierten Satzstrukturen gespickten Dialogen, den nichtssagenden Monologen und detailverliebten Seattle-Ansichten, lauert eine Grundspannung, die dadurch erzeugt wird, dass man bis zum Schluss nicht weiß, wer wirklich für die Untaten des Poltergeists verantwortlich ist. Handwerklich steckt hier ganz nette Krimi-Arbeit dahinter. Nur es fehlen völlig Zutaten wie Charme, Gefühl, Witz, Tempo, Überraschungen und vor allem: eine Hauptfigur, mit der man sich identifizieren kann. Harper kann man fachlich zwar ernst nehmen, menschlich jedoch kann ich absolut nichts mit ihr anfangen. Ihr Liebesleben ist so gut wie nicht existent, und es scheint sie auch nur oberflächlich zu stören. Ihre Beziehung zu Freunden ist ambivalent, mal braucht sie sie, mal ist sie von Gesellschaftlichkeit geradezu angewidert.
Obwohl das Grau, Geister und Vampire eine gewisse Rolle in dieser Serie spielen, kommt meiner Meinung nach nicht die Stimmung eines paranormalen Romans auf. Es ist eher ein düsterer Mystery-Krimi, der fallbezogene Elemente logisch nacheinander abspult und Übersinnliches eher ablehnt oder gerade mal duldet. Harper steht ihrer Rolle als Grauwandlerin auch immer noch skeptisch gegenüber und wirkt oft hölzern, ängstlich oder einfach nur stur. Wo soll das noch hinführen? Es gibt wirklich keinen Anreiz, noch weitere Stories der Privatdetektivin zu lesen.