Anita Blake – Gierige Schatten

von Laurell K. Hamilton

auf Deutsch erschienen März 2006 im Bastei Lübbe Verlag
459 Seiten, Taschenbuchformat

Preis: EUR 7,95

ISBN: 3404154665
EAN: 9783404154661
Übersetzt von Angela Koonen

Fazit

Eine ganz neue Seite von Anita und drumherum ein spannender Krimi - kaufen!

Nachdem sich Anita darauf eingelassen hat, abwechselnd mit Jean-Claude und Richard auszugehen, beginnt ein seltsames Spiel. Anita fühlt sich zunehmend unwohl bei der Sache und auch ihr Wunsch, Richard zu heiraten, wird schwächer nachdem sie realisiert hat, dass er genauso wenig ein Mensch ist wie der Vampir Jean-Claude.
Trotzdem wird Anita mehr und mehr in die Welt der Gestaltwandler und Lykantropen hineingezogen und erfährt durch Richard viel Neues. Unter anderem auch, dass es Revierkämpfe bei den Werwölfen gibt, in die Richard selbst verwickelt ist. Doch bevor sich Anita darum kümmern kann, wird sie zu einem Tatort gerufen, bei dem ein Schlangenmensch gehäutet aufgefunden wurde. Es kristallisiert sich heraus, dass es eine Entführungs- und Mordserie an Gestaltwandlern gibt, die noch nicht aufgeklärt werden konnte. Anita hat zunächst keinen Verdacht, wer der Täter sein könnte und erschwerend kommt hinzu, dass es unter den Gestaltwandlern einige gibt, die zu Gewalt und Kriminalität neigen.
Anita macht gegenüber Richard klar, dass sie auch gegen Werwölfe vorgehen würde, was die Beziehung zu ihm weiter belastet. Doch die Ereignisse überschlagen sich, als Jason, ein unerfahrener Werwolf entführt wird. Anita holt sich ihren Profikiller Freund Edward zu Hilfe und zusammen gehen sie den Spuren nach.

Zum ersten Mal treffen wir hier auf eine Anita, die Emotionen zeigt, die Männern zugeneigt ist. Meiner Meinung nach war diese Wendung in der Entwicklung dieses Charakters auch dringend notwendig. Nur knallhart und professionell zu sein macht noch keine sympathische Heldin aus. Völlig ohne Kitsch liest man hier über die Schwierigkeiten einer Beziehung mit einem nicht-menschlichen Wesen, sei es Vampir oder Werwolf. Anitas Zerrissenheit zwischen Jean-Claude und Richard wird sehr gut dargestellt und man kann sich gut in ihre Rolle hineinversetzen. Natürlich kommt auch die Action nicht zu kurz und der Krimiteil des Buches ist super spannend und spitzt sich am Ende zu einem überraschenden Finale zu.
Auch wenn die Verwicklung um Anitas Liebesbeziehungen sich nicht auflöst, kommt nicht das Gefühl auf, hier einen willkürlichen Cliffhanger zu haben. Man freut sich vielmehr auf die kommenden Bände, durch die sich diese Konstellation wie ein roter Faden ziehen wird. L. Hamilton schafft es auf geniale Weise, jedes Buch für sich wirken zu lassen ohne uninteressante Details zu wiederholen. Sicher könnte man auch mitten in der Serie anfangen zu lesen, aber viel mehr Spaß bringt es, von Anfang an zu beginnen und immer mehr über Anita und ihre Freunde und Feinde zu erfahren. Auch über Edward, den Kopfgeldjäger, gibt es noch viele Geheimnisse zu lüften und die Autorin hält sich mit Enthüllungen sehr bedeckt.
Was mir an diesem Band nicht so sehr gefallen hat war das hohe Gewaltaufkommen am Ende. Sicherlich gehört es zu einem Krimi, sich üble Mordschauplätze anzusehen und ein paar blutige Details zu erfahren. Doch explizite Folter ist schon heftig. Nichts, aber absolut nichts für schwache Nerven. Das ist und wird auch kein Liebesroman werden.

Anita Blake – Blutroter Mond

von Laurell K. Hamilton

auf Deutsch erschienen Jan 2005 im Bastei Lübbe Verlag
413 Seiten, Taschenbuchformat

Preis: EUR 7,95

ISBN: 3404152581
EAN: 9783404152582
Übersetzt von Angela Koonen

Fazit

Würdiger Nachfolger des ersten Bandes, fesselnd!

Auch im zweiten Band der Serie hat Anita keine ruhige Minute. Das "Spukkommando" der Polizei ruft sie um Hilfe bei einem blutigen Mord an einer Familie. Anita ist entsetzt über die Gewalttätigkeit des Mordes und fest entschlossen, den Täter zu finden. Sie erkennt, dass es sich um einen uralten Zombie handeln muss, der von jemand sehr mächtigen erweckt worden sein muss. Auf ihrer Suche gelangt sie an die fiese Voodoomeisterin Dominga Salvador, die Anita zuerst auf ihre kriminelle Seite ziehen will. Als Anita jedoch ablehnt, zieht sie ganz andere Seiten auf und ab sofort ist Anitas Leben bedroht. Dominga hetzt Zombies auf sie, die ihre Wohnung verwüsten und Anita entgeht nur knapp dem Tode. Trotzdem kann sie nicht beweisen, dass die Voodoomeisterin auch für die Erweckung des Super-Zombies und damit auch für die Morde verantwortlich ist. Als wenn das nicht genug wäre, muss sich Anita nun auch noch vor den Häschern des geld- und machtgierigen Harold Gayner in Acht nehmen. Als Anita ablehnt, für Millionen von Dollar einen uralten Toten für Gaynor zu erwecken, gerät sie in seine Schusslinie. Seine perverse Vorliebe für verkrüppelte Geliebte macht sie misstrauisch und sie beginnt zu recherchieren. Bald kreuzen sich die Wege von Dominga Salvador und Harold Gaynor.

Laurell K. Hamilton bleibt auch im zweiten Band ihrem Stil perfekt treu. Viel Spannung und Tempo, tolle Kampfszenen und viele coole Sprüche. Viele Figuren des ersten Teils kommen auch wieder vor, unter anderem auch der charismatische Jean-Claude. Hier zeichnet sich eine interessante Romanze ab. Es ist fantastisch gelungen, ein Buch mit einer unabhängigen Geschichte zu schaffen, durch die sich dennoch ein roter Faden zieht. Auch ohne den ersten Band zu kennen, würde man viel Spaß beim Lesen haben, aber ich empfehle trotzdem ganz von vorne anzufangen mit der Serie. Es fließt auch hier wieder viel Blut und man bekommt explizite Gewaltszenen serviert. Anita ist nach wie vor der Liebe und allem anderen Kompliziertem völlig abgeneigt, aber das tut dem Buch überhaupt keinen Abbruch. Man weiß gar nicht, wo das noch vorkommen sollte bei all dem Tempo.

Shadowblade – Dunkle Fesseln

von Diana Pharaoh Francis

erscheint auf Deutsch im November 2010 im Knaur Verlag
432 Seiten, HC Klappenbroschur (nicht gebunden)

Preis: EUR 14,95

Fazit

Harter, spannender Urban Fantasy / Fantasy Roman mit einer facettenreichen Heldin.

Max ist eine Shadowblade, eine lebende Waffe. Einst war sie eine ganz normale junge Frau mit Familie und Freunden, bis sie auf die charismatische Giselle traf. Dass diese eine mächtige Hexe ist, erfährt Max zu spät: da hatte sie schon den seltsamen Fragen ob sie ewig leben wolle und unbesiegbar sein kann JA gesagt. Unter Schmerzen und Folter zwingt Giselle Max einen Bannzauber auf, der sie dazu bringt, die Hexe zu beschützen und sei es unter Einsatz ihres Lebens. Seither wehrt sich Max gegen diese Unterjochung, sie ist aufmüpfig und trotzig und plant ständig, wie sie Giselle töten und sich damit befreien kann.
Dann jedoch zieht ein welterschütternder Krieg am Horizont auf, in den alle Hexen verwickelt sind. Eine Prophezeihung wird ausgesprochen, dass Max in diesem Kampf eine entscheidende Rolle spielen wird. Max erhält den Auftrag, einen seltsamen magischen Angriff zu untersuchen und beobachtet, wie die Shadowblades einer verfeindeten Hexe versuchen, einer Wintergreisin den Zauberstab zu entreißen. Es kommt zum Kampf, in dem Max nur besteht, weil sie der Wintergreisin hilft. Hier passieren zwei entscheidende Dinge: Max erhält als Dank von der Wintergreisin ein magisches Hagelkorn, das einen Wunsch erfüllen kann. Und sie trifft Alexander, den Prime der Shadowblades der Hexe Solange. Sofort geschieht etwas zwischen Max und Alexander, eine tiefe Anziehungskraft. Doch er ist ihr Feind und sie hat den Auftrag, ihre Herrin zu beschützen.

hadowblade hat mich von der ersten Seite an gepackt und durch das hohe Erzähltempo und die spannende Story nicht mehr losgelassen. Kleine Längen im Mittelteil sind verschmerzbar und stören nicht sehr. Man merkt gleich am Anfang, dass hier eine härte Gangart eingelegt wird und lernt die Hauptfigur Max als eine zynische, todesmutige und kalte Frau kennen, die keine Kompromisse macht. In treffenden, gut gewählten Worten präsentiert uns die Autorin eine im wahrsten Sinne des Wortes gequälte Heldin, die ihre Gefühle tief in sich eingeschlossen hat. Hass und Rachsucht beherrschen ihr Denken und obwohl sie von Grund auf sehr loyal ist, will Max doch nichts anderes, als ihre Freiheit und eine Strafe für Giselle.
Nach kürzester Zeit gibt es schon die ersten Kämpfe, die allesamt blutig, brutal und fantastisch beschrieben sind. Eine Waffenliebhaberei ist hier - ganz ähnlich wie bei Dante Valentine - deutlich zu erkennen. Alle Waffen werden beim Namen genannt, erläutert und natürlich muss Max immer wie ein wahres Arsenal herumlaufen. Doch natürlich steckt in Max mehr als eine eiskalte Tötungsmaschine, ansonsten hätte die Story nicht mehr viel Inhalt. Aber vorerst ist die Autorin sehr zurückhaltend mit Gefühlsausdrücken und bleibt es auch mehr oder weniger bis zum Schluss. Nicht, dass es in Max drin eiskalt wäre, vielmehr brodelt es regelmäßig in ihrem Inneren und sie leidet unter unzähligen Gewissenskonflikten und Sehnsüchten, die sie sich nicht erlauben kann und will. Nach außen hin jedoch bleibt sie oft undurchdringlich und starr. So schwierig es ist, einen solch komplexen Hauptcharakter darzustellen, so bewundernswert gelingt es der Autorin. Trotz all ihrer Härte ist Max eine faszinierende, vielschichtige Person mit unglaublich viel Potiential. All ihre Interaktionen mit Haupt- und Nebenfiguren sind gut platziert und fern von Oberflächlichkeiten. Es wird nicht unbedingt viel gesprochen in diesem Roman, aber wenn, dann mit Nachdruck. Derbe Ausdrücke und Schimpfworte gibt es zu Hauf, aber auch einen feinen, bissigen Humor.
Viel Zeit verbringt man auch damit, Landschafts- und Zustandsbeschreibungen zu lesen. Auf Atmosphäre wird viel Wert gelegt und die Autorin erschafft neue Redewendungen, interessante Fantasy-Inhalte und Kreaturen und eine apokalyptische Hintergrundgeschichte, die von viel Arbeit und Kreativität zeugen. Das Thema "die magische Welt will die Menschen vernichten" ist jetzt zwar nicht neu, aber hervorragend umgesetzt. Dabei kommt in diesem ersten Teil noch nicht viel von jenem großen Krieg ans Tageslicht, es zeichnet sich jedoch ein ultimativer Showdown ab.
Die Erzählperspektive wechselt zwischen Max und Alexander hin und her, bleibt aber immer neutral in der dritten Person. Ab und zu gibt es Überschneidungen der Ereignisse, einmal aus Max und einmal aus Alexanders Sicht, das ist ein faszinierendes Stilmittel. Überhaupt habe ich sprachlich rein gar nichts auszusetzen und ein Hauptgrund für meinen postiven Gesamteindruck macht in jedem Fall der flüssige Erzählstil und die tolle Ausarbeitung der Hauptfiguren aus. Max und Alexander geraten ständig aneinander, misstrauen sich, streiten sich, nähern sich, helfen sich und all das ohne Klischees. Es gibt in ihrer zwischenmenschlichen Geschichte einige Überraschungen, die unvorhersehbar platziert sind. Von Romantik ist allerdings nicht viel zu sehen in diesem Roman, es gibt nur ganz am Rande ein kleines Aufblitzen. Vorrangig konzentriert sich die Story auf Max Rolle als Giselles Shadowblade, auf ihre Position in der Gruppe, ihren Konflikt mit der Hexe und natürlich auf das Abenteuer, das alle erleben. Zartbesaitet sollte man hier allerdings nicht sein, es gibt explizite Folterszenen und viel Blut. Teilweise war es mir zu sehr darauf angelegt, brutal zu wirken, nur deswegen - und eventuell wegen dem kleinen Hänger in der Mitte des Buches - keine Top Wertung. Ansonsten kann ich Shadowblade uneingeschränkt für alle Fans von Urban Fantasy empfehlen, vor allem für Anhänger von Dante Valentine, Elizabeth Phoenix, Anita Blake und anderen "toughen" Kämpferinnen.
Noch ein Wort zur Aufmachung: 14,95 EUR für ein Taschenbuch, und sei es noch so stabil und großformatig, ist viel Geld. Schimmernde Applikationen auf dem Cover und ein schöner Druck machen zwar was her, sind aber für mich kein Muss. Ich frage mich auch, wie man auf die Idee kommt, eine schwarzhaarige Frau abzubilden, denn Max ist weißblond...

Roter Fluch

von Jaye Wells

erscheint auf Deutsch im August 2010 im Heyne Verlag
450 Seiten, Taschenbuchformat

Preis: EUR 8,95

ISBN-13: 9783453407046
ISBN-10: 3453407040
 
Übersetzt von Franziska Heel

Fazit

Schwache Charaktere in einer langatmigen Story ohne Highlights.

Nachdem Sabina Kane den Domninae und damit auch ihrer vampirischen Großmutter den Rücken zugekehrt hat, führt ihr Weg sie zu den Magiern und ihrer Zwillingsschwester Maisie. Sabina hatte ihr ganzes Leben lang nichts von ihr gewusst und so fällt das Wiedersehen etwas zurückhaltend aus. Noch kann Sabina ihr vampirisches Erbe nicht verdrängen, auch wenn sie zu gleichen Teilen Magierin ist. Der Magier Adam war ihr eine große Stütze, doch gleich bei ihrer Ankunft wird er auf eine Mission geschickt und Sabina ist auf sich allein gestellt. Nun soll sie ihre magischen Kräfte finden und ausbilden. Skeptisch lässt sie sich darauf ein, sinnt aber gleichzeitig auf eine Möglichkeit der Rache an ihrer Großmutter. Bald bekommt Sabina mit, dass sich ein Krieg zwischen den Vampiren und den Magiern abzeichnet und sie könnte eine entscheidende Rolle darin spielen...

Irgendwie habe ichin letzter Zeit kein Glück und greife nur die schlechten Bücher aus meinem Regal. Nachdem der erste Teil schon seit über einem Jahr gelesen im Schrank steht, war für mich dieser zweite Band wie ein neues Kennenlernen von Sabina Kane und ihren Freunden. Leider erschöpfte sich dieses Zusammentreffen bereits auf ca. Seite 100 und endete qualvoll in Querblättern und Überspringen.

Wenn man mal nicht schlafen kann oder aufgeregt ist, sollte man zu diesem Buch greifen. Es ist mir im Nachhinein fragwürdig, wie man 430 Seiten mit so wenig Handlung füllen kann ohne es als Autorin selbst zu merken, dass ABSOLUT NICHTS Interessantes passiert. Natürlich gibt es eine Art Story: Sabina wird mit ihrer Vergangenheit konfrontiert, Sabina erfährt von dem drohenden Krieg, Sabina fragt sich, ob sie in Adam verliebt ist. PUNKT. Vergeblich wartet man auf eine Art Pointe, Spannungsbogen oder auch nur Richtung der Geschichte. In zäher Langsamkeit irrt die Protagonistin durch eine zusammengestückelte Story und durch die Ich-Form sind wir extrem auf sie begrenzt. Gefühlte Ewigkeiten trainiert sie ihre magischen Fähigkeiten und wir beobachten ganz arg tolle Kämpfe ihres albernen Dämons Giguhl in der Arena. Wo ich anfangs eine Romanze zwischen Adam und Sabina vermutete, geriet ich abrupt in eine Sackgasse als die Autorin Adam ganz einfach mir nichts, dir nichts, verschwinden lässt. <br><br>Er taucht dann auch erst am Ende des Buches wieder auf. Also romantischer Inhalt passée. Es gibt keinen Nervenkitzel, keine flotten Dialoge, keine interessanten Nebenfiguren, nichts. Wenn man 50 Seiten überblättert findet man in einer Sekunde wieder in die Handlung, das kann es doch nicht sein. Lose zusammengestückelte Reflexionen der Hauptfigur bremsen jeglichen Ansatz von Action aus und man kann nach dem zehnten Mal Selbstverleugnung nicht mehr hören, dass sie ja üüüüüberhaupt nicht in Adam verliebt ist.

Sabina Kane ist eine zänkische, ungeduldige Person, die keine Ahnung hat, was sie will. Von niederen Emotionen geleitet, kann sie keine Entscheidungen treffen und wirkt meistens wie der Elefant im Porzellanladen. Guten Willen kann sie kaum erkennen und ist auch nicht bereit, sich groß zu ändern. Sturheit und Dummheit sind eine üble Kombination für eine Hauptperson, die auch noch mehrere Bände einer Serie füllen soll.

Ich bin grade am Überlegen, warum ich das Buch nicht in die "ÜBEL" Kategorie versetze, aber im Vergleich mit z.B. Nicole Peeler oder Chloe Neill war es noch halbwegs erträglich. Grottenlangweilig eben.

Rote Jägerin

von Jaye Wells

auf Deutsch erschienen Januar 2010 im Heyne Verlag
448 Seiten, Taschenbuchformat

Preis: EUR 8,95

ISBN-13: 9783453407039
ISBN-10: 3453407032
 
Übersetzt von Franziska Heel

Fazit

Recht spannender, aber unausgereifter Urban Fantasy Thriller.

Sabina Kane ist halb Vampirin, halb Magierin und als Auftragskillerin für den herrschende Vampirclan der Dominae unterwegs. Ihre Mentorin und Großmutter Lavinia hatte Sabina erzogen und ausgebildet, auch wenn die Schande immer über ihr hängt, die Tochter einer Vampirin und eines Magiers zu sein. Sabina hält dennoch an ihrem Ziel fest, den Dominae loyal zu sein und alles zu tun, um ihrer Großmutter zu gefallen. Also nimmt sie auch den gefährlichen Auftrag an, den Halb Dämon halb Vampir Clovis auszuspionieren und zu töten. Clovis soll eine stetig wachsende Gruppe verschiedener paranormaler Einheiten um sich scharen um alle zu vereinen und die Macht der Dominae zu schwächen. Sabina tut so, als würde sie sich von den Dominae abwenden und sich Clovis anschließen. Zuerst klappt die Infiltrierung ganz gut, doch Clovis stellt sich als undurchsichtiger, mächtiger Gegner heraus, der von Sabina als Treuebeweis gleich verlangt, ihm ihr Blut zu geben. Noch während sich Sabina mit der Fee Vinca und dem ursprünglich zu ihrer Ermordung gesendeten Dämon Giguhl anfreundet, wird sie von dem attraktiven Magier Adam aufgesucht, der angeblich im Namen ihrer Magier-Familie ausgeschickt wurde, Sabina zu finden und zu ihren Wurzeln zurückzuführen. Doch Lavina hatte Sabina immer weisgemacht, dass ihr Magiervater verstorben sei. War alles eine Lüge?

Rein inhaltlich ist das Debüt der Autorin Jaye Wells recht anständig aufgemacht und bietet eine nicht unbedingt originelle, aber streckenweise gut spannende, unterhaltsame Story. Eine junge Einzelkämpferin mit ungeahnten Fähigkeiten und potentiellem Auserwählten-Image findet ihren Weg aus der Unterdrückung und lernt, dass es neben blinder Auftragskillerei auch noch die Weltrettung und Völkervereinigung gibt. Aus einer eingeschränkten, kindischen, trotzigen Sichtweise soll eine selbstlose, weitsichtige, emotional offene Persönlichkeit werden. Auch wenn das überspitzt ausgedrückt ist, läuft die Entwicklung tatsächlich so stereotyp ab und ist demnach nicht sehr glaubwürdig.
Durch die Ich-Perspektive kommt der Leser sehr nah an Sabina Kane heran und nimmt teil an ihren Gedanken und Entscheidungen. Leider konnte ich mich mit ihr nur sehr wenig anfreunden und noch weniger identifizieren. Ihre Stimmungsschwankungen sind teilweise unnachvollziehbar und wirken in ihrer extremen Ausprägung irgendwie abgehoben und aufgesetzt. Erst killt sie scheinbar mühelos einen Freund, später noch weitere Vampire etc. und andererseits gibt es einen ach so empfindlichen Kern in ihr, der sie gegen Ende des Buches ständig in Tränen ausbrechen lässt. Was die Wahl ihrer Männer betrifft, kann sie sich auch weder entscheiden noch sympathisch verhalten. Einerseits möchte sie geliebt werden, andererseits hat sie unzählige Vorurteile, lässt beleidigende Kommentare ab und wirkt mehr als disintegrativ.
Bis auf den nervigen Side-kick Giguhl, der unzählige peinliche und humorfreie Auftritte hat, sind sämtliche Nebenfiguren blass und oft nicht mehr als seitenfüllende Nichtigkeiten. Jaye Wells kann sich streckenweise nicht entscheiden, ob sie lieber einen Krimi mit schlagfertigen, knappen Dialogen oder eine mit Rückblicken und Details angefüllte Beschreibung liefern soll. Der Stil wirkt unausgewogenen und holperig. Unwichtige Dinge werden künstlich in die Länge gezogen und für den Leser interessante Aspekte entweder vollständig ausgeblendet oder nur kurz am Rande abgehandelt. Dabei hätte man diesen Gewissenskonflikt von Sabina so schön ausarbeiten können, ebenso wie die Romanze mit dem Magier Adam....
Bleibt noch zu sagen, dass ich es einfach lächerlich finde, dass alle Vampire rote Haare haben müssen. Und den dummen, dummen Menschen fällt es in Jahrzehnten auch nicht auf, dass sich nachts in den Clubs immer ein Haufen Rothaarige zusammenrotten, die ganz zufällig nur rote Getränke an der Bar ausgeschenkt bekommen... Das kann mir doch keiner weismachen. Ich weiß es ist schwer, eine Paranormale Nebenwelt geheim zu halten und vor allem sich auszudenken, in welcher Weise das passieren kann. Ich finde aber, dass z. B. Patricia Briggs und Kelley Armstrong das wesentlich besser hinbekommen. Und man kann ja auch mit offenen Karten spielen wie bei Kim Harrisons Rachel Morgan.
Rote Jägerin ist ein ganz netter Auftakt zu einer Trilogie, die evtl. noch weiter fortgeführt wird. Das durchaus vorhandene Potential wurde aber bei weitem nicht ausgenutzt und der Roman ist nichts weiter als ein durchschnittlicher Urban Fantasy Thriller.

Nocturne City – Blutfehde

von Caitlin Kittredge

erscheint auf Deutsch im September 2010 im Egmont Lyx Verlag
Kartoniert mit Klappe, 432 Seiten

Preis: EUR 9,95

Fazit

Kühler, aggressiver Krimi.

Nach ihrer Auszeit ist die Werwölfin Luna Wilder wieder zurück im aktiven Polizeidienst in Nocturne City. Jeder weiß nun, dass sie kein Mensch ist und sie hat tagtäglich mit Anfeindungen zu kämpfen. Dann bekommt sie auch noch eine neue Chefin, die Luna überhaupt nicht leiden kann, und die ihr - als langjährige Einzelkämpferin - zuerst einmal eine Partnerin an die Seite stellt.
Luna streitet sich von Anfang an mit der gezierten Shelby, ist aber bald auf ihre Hilfe in einer Reihe von Mordfällen angewiesen, die wohl auf das Konto der ansässigen Hexenclans gehen. Caster und Bluthexen sind in der Stadt seit jeher verfeindet und Luna wird mitten in diesen Krieg gezogen.
Als dann auch noch ihr geliebter Dmitri auftaucht, ist Luna hin und hergerissen zwischen ihrer Wut, dass er sie einfach verlassen hat und der Sehnsucht, endlich ihre Einsamkeit zu beenden.

Nach den ersten paar Seiten habe ich mich ernsthaft gefragt, warum ich so einen unterhaltsamen, flotten und actionreichen Urban Fantasy-Krimi so lange im Regal schmoren ließ.
Caitlin Kittredge schreibt, wie ihr der Schnabel gewachsen ist, voll derbem Vokabular, flapsigen Dialogen und Zynismus. Ihre Story ist im düsteren, von Kriminalität gezeichneten Nocturne City angesiedelt, in dem ihre Hauptfigur Luna Wilder ihr anstrengendes Leben bestreiten muss.
Etwa hundert Seiten später dann wusste ich aber wieder, warum ich nie richtig warm geworden bin mit Lunas Welt. Sie ist ein extrem schwieriger Charakter, noch starrsinniger als Dante Valentine, noch mürrischer, cholerischer und uneinsichtiger. Ihre aufbrausende, gewalttätige Art und die Vehemenz, mit der sie auf ihre Umwelt losgeht, fand ich oft erschreckend, unpassend oder einfach nur traurig. Auch wenn das wohl ihrer Werwolfnatur zuzuschreiben ist, kann man sie ja nicht als schizophren darstellen und alle Aggressionen auf das Tier schieben. Also wundere ich mich darüber, dass sie einerseits alle vergrault und andererseits in Einsamkeit bittere Tränen weint. Gut, man bekommt nicht immer, was man will, und ein simples Happy End kann langweilig werden, aber bei Luna ist mir die Aneckerei irgendwann einfach zu hart geworden.

Die Krimipassagen sind recht gelungen, auch die Konflikte mit Lunas Partnerin Shelby sind trotz (oder manchmal auch wegen) ihrer Grobheit unterhaltsam. Die verkorkste Liebesgeschichte mit Dmitri ging für mich allerdings überhaupt nicht, vor allem, weil all ihre Szenen von Gewalt geprägt sind. Ich nahm weder Luna noch Dmitri zarte Empfindungen wie zum Beispiel Liebe ab, daher war das Wiedersehen seltsam kalt und distanziert. Spätere Annäherungen wirkten auf mich konstruiert und machten keinen von beiden sympathischer.
Insgesamt komme ich zu dem Schluss, dass ich Luna einfach NICHT MAG, es ist nichts gegen ihre ermittlerischen Fähigkeiten zu sagen, und auch mit Caitlin Kittredges ruppigem Schreibstil könnte ich leben. Doch ich habe keine Lust, noch mehr von der cholerischen "Ich-gegen-den-Rest-der-Welt-"-Kriegerin zu lesen und schicke die Serie hiermit auf den "abgebrochen" Stapel.

Nocturne City – Schattenwölfe

von Caitlin Kittredge

erscheint auf Deutsch im Februar 2010 im Egmont Lyx Verlag
432 Seiten, Taschenbuchformat

Preis: EUR 9,95

ISBN-13: 9783802582912
ISBN-10: 3802582918
 
Übersetzt von Daniel Müller

Fazit

Kühl-düsterer paranormaler Krimi mit einer schlagkräftigen, toughen Heldin.

Luna Wilder ist eine erfolgreiche und willensstarke Ermittlerin im Dienst der Polizei von Nocturne City, wo Werwolfrudel und Hexen mehr oder weniger friedlich mit der menschlichen Bevölkerung zusammenleben. Das Leben als rudellose Werwölfin ist hart für Luna, muss sie sich doch permanent gegen Vorurteile und Bedrohungen durchsetzen. Ein wenig Rückhalt findet sie nur bei ihrer magisch begabten Cousine Sunny, mit der sie zusammen ein kleines Haus am Rande der Stadt bewohnt. Eines Tages wird Luna mit der Ermittlung in einem blutigen Mordfall an einer jungen Frau beauftragt und gerät damit unwillentlich in einen höchst gefährlichen Korruptionsskandal. Ihr erster Verdacht fällt auf den charismatischen Werwolf Dmitri Sandowsky, doch bald kristallisiert sich für Luna heraus, dass der Täter ein anderer sein muss. Als ein zweites Opfer auftaucht, überschlagen sich die Ereignisse: es scheint, als sollten ihre Ermittlungen von ganz hoher Ebene aus unterbunden werden und Luna kämpft plötzlich gegen alle: die eigenen Polizeikollegen, den grausamen Mörder, rivalisierende Werwölfe und gegen die eigene Angst....

Der erste Teil der Nocturne City Reihe präsentiert sich als schneller, harter Polizeithriller mit einer toughen Werwölfin in der Hauptrolle. Das Konzept lehnt sich an bereits Bekanntes an: eine einzelgängerische Ermittlerin à la Anita Blake, eine futuristische Stadt wie bei Mercy Thompson und ein explizit-brutaler Krimiplot wie bei Wolfshadow oder Anna Strong. Luna Wilder ist in ihrer störrischen, zu Gewalt neigenden Art fast schon unweiblich und leidet augenscheinlich unter ihrer wilden, wölfischen Seite, auch wenn diese meiner Ansicht nach ihren grausamen Touch noch eher passend unterstreicht. Sie verkörpert im überspannten Maße das Ideal einer kompromisslosen Kämpferin, die gegen alle Fronten antreten muss und dabei noch eine traumatische Vergangenheit kompensiert. Soweit ganz gut, in ihrem kühlen, direkten Schreibstil entwickelt Caitlin Kittredge eine spannende Krimihandlung mit einigen Überraschungen und gespickt mit undurchsichtigen Gegenspielern und interessanten Nebencharakteren. Die Story schreitet schnell voran und trotz aller möglichen Widrigkeiten kämpft sich Luna bis zur Lösung des Falls durch. Dabei findet sich keine Zeit für Romantik, nähere Charakterbeschreibungen oder größere Szenenwechsel. Durch die Ich-Perspektive erfährt der Leser die Ereignisse nur aus Lunas Sichtweise, und die ist oft geprägt von ungerichteter Aggression oder wirrer Sehnsucht, Lust oder Verzweiflung.
Meiner Meinung nach liegt auch hier die größte Schwäche des Romans, denn durch den unausgeglichenen Charakter der Hauptfigur gerät auch der Rest in Unruhe. Luna kann sich weder darauf einlassen, für Dmitri etwas zu empfinden, noch möchte sie sich groß mit ihrem Werwolfdasein beschäftigen. Von Rache und Ehrgeiz getrieben, schlittert sie durch fahrige Polizeiarbeit und Indiana Jones-mäßige Einzelkämpferaktionen. Widersprüchlichkeiten findet man leider einige, nur ein Beispiel: erst beschwert sich Luna, dass ihr Kollege brutale Verhörmethoden anwendet und kurze Zeit später knallt sie selbst den Kopf eines Verdächtigen auf den Tisch....
Angekündigt war auch ein gewisser erotischer Inhalt, doch leider kann Schattenwölfe das kaum bieten. Es gibt da zwar etwas zwischen Luna und Dmitri, aber Luna stößt permanent alle und alles von sich. Bei einigen von ihren Sprüchen hätte ich an Dmitris Stelle schon längst abgewinkt. Physische Annäherungen sind wie alles geprägt von Gewalt und einer rigorosen Distanziertheit.
Schlussendlich ist das Buch ein unterhaltsamer Krimi, der nicht vor brutalen Szenen zurückschreckt und mit seiner abgeklärten Erzählweise rasant durch einen halsbrecherischen Thriller führt.

Blutsbande – Nacht der Seelen

von Jennifer Armintrout

erscheint auf Deutsch im Juni 2010 als Mira Taschenbuch im Cora Verlag
476 Seiten, Taschenbuchformat

Preis: EUR 7,95

übersetzt von Matha Windgassen
ISBN-13: 9783899417296 ISBN-10: 3899417291

Fazit

Lesenswertes, spannendes Finale, das alles auflöst.

Auch wenn Carrie und Nathan sich gerne ihrer neu entdeckten Liebe widmen würden, wissen sie, dass der Kampf gegen den Souleater noch nicht vorbei ist. Sie haben sich in Max Wohnung verschanzt, der seinerseits mit seiner Bella nach Italien gegangen ist, um dort ihrem Werwolf Clan vorstellig zu werden. Jetzt, da Bella von Max ein Kind erwartet, möchte Max von ihrem Rudel akzeptiert werden.
Zufällig treffen Carrie und Nathan in Max Appartment auf den "Blutdealer" Bill, dem sie erst misstrauen, bald aber merken, dass er ein sympathischer und loyaler Mensch ist. Die Ereignisse überstürzen sich, als Nathan erfährt, dass sein Ziehsohn Ziggy noch bzw. wieder am Leben ist. Es ist klar, dass er ein Zögling des Souleaters ist und Carrie fürchtet zurecht, dass es eine Falle sein könnte. Doch Nathan lässt sich durch nichts davon abbringen, Ziggy zu retten, er will nicht glauben, dass sein Sohn ihn verraten könnte. Auf der Rettungsaktion jedoch gerät Nathan in die Hände des Souleaters und seiner sadistischen Helferin, der Hexe Dahlia. Kann Carrie nur mit Hilfe von Bill, Ziggy und dem hinzugekommenen Max ihren Geliebten retten und den Souleater besiegen? Und kann sie Ziggy vertrauen?

Nacht der Seelen ist ein würdiger, gut durchdachter Abschluss der Serie und bietet neben ordentlicher Spannung auch einige gelungene Überraschungen. Alles läuft auf einen Showdown, den Kampf gegen den Souleater, hinaus und es ist klar, dass Carrie diejenige sein wird, in deren Händen das Schicksal aller liegt. Sie hadert mit dieser Rolle, wächst aber im Laufe des Buches über sich hinaus und entdeckt neue, mächtige Kräfte in ihr. Jennifer Armintrout komponiert diesen letzten Teil als Wiedersehen aller Charaktere und Auflösung aller durch die Serie hindurch gezogenen Konflikte und Probleme. Das war einerseits sehr angenehm, andererseits kam die Entwirrung ziemlich schnell und gestrafft. Wo sie sich drei Teile lang Mühe gegeben hat, alles möglichst kompliziert zu machen, war sie hier wohl gezwungen, am Ende ein - etwas unglaubwürdiges - Happy End zu präsentieren.
Vorher gibt es noch blutige Kampfszenen, wirklich brutale Folterungen, deren Beschreibungen ins Horror-Genre fallen, und kitschfreie Liebesszenen. Der Homoerotik Einschlag hat mir persönlich jedoch nicht so gut gefallen.
Mit der Person Carrie werde ich wohl nie richtig warm werden und ich hatte auch wieder meine Probleme mit ihrer unnachvollziehbaren Unbeherrschtheit und dem Wechsel zwischen Naivität und fast schon souveräner Entschlossenheit. Sie will unbedingt von Nathan geliebt werden, nimmt sich aber selbst heraus, ihre Interessen auf andere auszuweiten. Der Einfluss von Cyrus bleibt nach wie vor unangetastet. Es gibt auch immer wieder Streit zwischen Nathan und Carrie und obwohl sie letzten Endes doch füreinander bestimmt sind, gefällt mir diese Konstellation nicht wirklich.
Insgesamt lässt sich der Roman flüssig lesen, am Schreibstil ist wirklich nichts auszusetzen: klar, treffend und abwechslungsreich. Zwischendurch gibt es immer mal wieder Wechsel der Erzählperspektive von der Ich-Erzählerin Carrie hin zur Dritten Person, wenn es um Ziggy, Bill oder Max geht.
Insgesamt war die Serie unterhaltsam, spannend und durchaus lesenswert, wenn man Vampirthriller mag, wie z. B. Jeanne C. Steins Anna Strong Serie. Ein wenig kühl, wenig aus der Masse hervorstechend aber mit vier Bänden nicht unnötig ausgedehnt.

Blutsbande – die Verwandlung

von Jennifer Armintrout

auf Deutsch erschienen im Okt 07 als Mira Taschenbuch im Cora Verlag
464 Seiten, Taschenbuchformat

Preis: EUR 7,95

ISBN: 3899414489
EAN: 9783899414486
Übersetzt von Martha Windgassen

Fazit

Unbedingt lesen! Wer nicht allzu sensibel bei Gewaltdarstellungen ist, hat hier ein exzellentes Buch vor sich!

Beruflich hat Carrie eigentlich alles erreicht, was man mit 28 erreichen kann: sie ist eine engagierte Ärztin in der Notaufnahme eines Krankenhauses. Doch als eines Nachts ein schrecklich zugerichteter Mann eingeliefert wird, muss sie Schwäche zeigen und den Raum verlassen. Später möchte sie sich ihren Mut beweisen und betritt die Leichenhalle um die Gestalt noch einmal zu sehen. Da passiert es: der Leichnam ist zum Leben erweckt und stillt seinen Hunger an Carrie. Sie überlebt den Biss und erwacht bald aus der Ohnmacht. Ab sofort verändert sich alles. Sie muss Sonnenlicht meiden, feste Nahrung ekelt sie an. Der seltsame Hunger nagt immer mehr an ihr und ihre Nerven sind ständig zum Zerreißen gespannt. Auf ihrer Suche nach Antworten trifft sie auf den charismatischen Nathan, der einer Vereinigung von Vampiren angehört, die die Menschheit vor ihrer eigenen blutsaugerischen Spezies beschützen wollen. Er lebt zusammen mit einem Teenager in einer kleinen Wohnung und betreibt einen esoterischen Buchladen. Nathan stellt sie vor die Wahl: entweder sie schließt sich der Bewegung an oder er muss Carrie bekämpfen. Carrie jedoch entwindet sich der übereilten Entscheidung und bittet um Bedenkzeit. Sie will herausfinden, wer ihr Schöpfer ist. Und natürlich findet sie ihn auch : Cyrus, den uralten, mächtigen und grausamen Vampir. Er wohnt in einem altmodischen Anwesen und schart lauter seltsame und gefährliche Gestalten um sich. Doch trotz ihrer Abneigung gegen sein Morden, kann sich Carrie seiner Anziehungskraft nicht lange entziehen.

Hier haben wir Spannung pur. Ich habe es kaum geschafft, dieses Buch für ein paar Minuten aus der Hand zu legen. Ein mystischer Thriller mit viel Gewalt und Blut und absolut nichts für schwache Nerven. Durch die Ich-Erzählperspektive geht zwar ein wenig an Objektivität verloren, aber der geniale Schreibstil macht das wieder wett. Explizite Erläuterungen und eine "Es-wird-kein-Blatt-vor-den- Mund-genommen"-Einstellungen garantieren ultimativen Lesespaß. Carrie ist eine sehr gut entwickelte und sympathische Hauptperson, die auch wirkliche Schwächen hat. Nathan ist nicht nur der ehrbare "Gute", sondern hat auch seine dunklen Geheimnisse. Und dann Cyrus, der sich trotz aller Brutalität nach Liebe sehnt. Die Grenze zwischen Gut und Böse verschwimmt zusehends und der Leser findet sich in einem undurchsichtigen Abenteuer wieder, das absolut fesselnd ist. Dabei darf man auf keinen Fall eine Liebesgeschichte erwarten. Es kommt zwar zu einigen Szenen, doch das ist meistens fern von Romantik im klassischen Sinne wie bei C. Feehan zum Beispiel. Es wird viel Wert auf die genaue Bearbeitung des Themas Vampirismus gelegt. Also warum und wie ist der Blutdurst, was für Konsequenzen hat das, wie leben die Vampire, was sind ihre Stärken und Schwächen, wie ist die Gesellschaft der Vampire organisiert und so weiter.  Natürlich wird auch mit hohem Tempo die Story vorangetrieben und es passiert so viel, dass allein schon eine Inhaltsangabe ein eigenes Buch darstellen würde. Gegen Ende überschlagen sich die Ereignisse und es gibt tolle Überraschungen. Am besten ist wirklich, dass sämtliche Charaktere vollkommen individuell und einzigartig sind und auch handeln. Cyrus ist ein überragender Charakter mit Kultstatus.