Anita Blake – Gierige Schatten

von Laurell K. Hamilton

auf Deutsch erschienen März 2006 im Bastei Lübbe Verlag
459 Seiten, Taschenbuchformat

Preis: EUR 7,95

ISBN: 3404154665
EAN: 9783404154661
Übersetzt von Angela Koonen

Fazit

Eine ganz neue Seite von Anita und drumherum ein spannender Krimi - kaufen!

Nachdem sich Anita darauf eingelassen hat, abwechselnd mit Jean-Claude und Richard auszugehen, beginnt ein seltsames Spiel. Anita fühlt sich zunehmend unwohl bei der Sache und auch ihr Wunsch, Richard zu heiraten, wird schwächer nachdem sie realisiert hat, dass er genauso wenig ein Mensch ist wie der Vampir Jean-Claude.
Trotzdem wird Anita mehr und mehr in die Welt der Gestaltwandler und Lykantropen hineingezogen und erfährt durch Richard viel Neues. Unter anderem auch, dass es Revierkämpfe bei den Werwölfen gibt, in die Richard selbst verwickelt ist. Doch bevor sich Anita darum kümmern kann, wird sie zu einem Tatort gerufen, bei dem ein Schlangenmensch gehäutet aufgefunden wurde. Es kristallisiert sich heraus, dass es eine Entführungs- und Mordserie an Gestaltwandlern gibt, die noch nicht aufgeklärt werden konnte. Anita hat zunächst keinen Verdacht, wer der Täter sein könnte und erschwerend kommt hinzu, dass es unter den Gestaltwandlern einige gibt, die zu Gewalt und Kriminalität neigen.
Anita macht gegenüber Richard klar, dass sie auch gegen Werwölfe vorgehen würde, was die Beziehung zu ihm weiter belastet. Doch die Ereignisse überschlagen sich, als Jason, ein unerfahrener Werwolf entführt wird. Anita holt sich ihren Profikiller Freund Edward zu Hilfe und zusammen gehen sie den Spuren nach.

Zum ersten Mal treffen wir hier auf eine Anita, die Emotionen zeigt, die Männern zugeneigt ist. Meiner Meinung nach war diese Wendung in der Entwicklung dieses Charakters auch dringend notwendig. Nur knallhart und professionell zu sein macht noch keine sympathische Heldin aus. Völlig ohne Kitsch liest man hier über die Schwierigkeiten einer Beziehung mit einem nicht-menschlichen Wesen, sei es Vampir oder Werwolf. Anitas Zerrissenheit zwischen Jean-Claude und Richard wird sehr gut dargestellt und man kann sich gut in ihre Rolle hineinversetzen. Natürlich kommt auch die Action nicht zu kurz und der Krimiteil des Buches ist super spannend und spitzt sich am Ende zu einem überraschenden Finale zu.
Auch wenn die Verwicklung um Anitas Liebesbeziehungen sich nicht auflöst, kommt nicht das Gefühl auf, hier einen willkürlichen Cliffhanger zu haben. Man freut sich vielmehr auf die kommenden Bände, durch die sich diese Konstellation wie ein roter Faden ziehen wird. L. Hamilton schafft es auf geniale Weise, jedes Buch für sich wirken zu lassen ohne uninteressante Details zu wiederholen. Sicher könnte man auch mitten in der Serie anfangen zu lesen, aber viel mehr Spaß bringt es, von Anfang an zu beginnen und immer mehr über Anita und ihre Freunde und Feinde zu erfahren. Auch über Edward, den Kopfgeldjäger, gibt es noch viele Geheimnisse zu lüften und die Autorin hält sich mit Enthüllungen sehr bedeckt.
Was mir an diesem Band nicht so sehr gefallen hat war das hohe Gewaltaufkommen am Ende. Sicherlich gehört es zu einem Krimi, sich üble Mordschauplätze anzusehen und ein paar blutige Details zu erfahren. Doch explizite Folter ist schon heftig. Nichts, aber absolut nichts für schwache Nerven. Das ist und wird auch kein Liebesroman werden.

Anita Blake – Zirkus der Verdammten

von Laurell K. Hamilton

auf Deutsch erschienen Sept 2005 im Bastei Lübbe Verlag
412 Seiten, Taschenbuchformat

Preis: EUR 7,95

ISBN: 3404153715
EAN: 9783404153718
Übersetzt von Angela Koonen

Fazit

Spannende Action, dieses Mal mit einem Hauch Romantik...der beste Anita-Blake-Roman bisher!

Dieses Mal bekommt es Anita mit militanten Vampirgegnern zu tun, der Humans First against Vampires. Zwei Männer versuchen sie zu überzeugen, den Namen des Meisters der Stadt und seinen Schlafplatz zu verraten. Doch Anita zögert, sie kann aus ihr noch nicht klaren Gründen Jean-Claude nicht ans Messer liefern. Sie will sich gedanklich auch nicht weiter damit befassen, denn sie hat eine Verabredung mit Richard, der für Jean-Claude arbeitet. Sie fühlt sich zu dem attraktiven und weltgewandten Mann hingezogen und hat ganz wider ihre Art einem Date zugestimmt. Dann jedoch erhält sie einen Anruf der Polizei und muss zu einem Tatort. Ein Mensch wurde offensichtlich von mehreren Vampiren ausgesaugt und getötet. Da es sehr ungewöhnlich ist, dass Vampire im Rudel jagen, ahnt Anita Schlimmes. Und tatsächlich macht sie bald Bekanntschaft mit der Vampirtruppe, die von einem sehr alten und mächtigen Meister namens Alejandro angeführt wird. Alejandro will Jean-Claude töten und Anita zu seinem menschlichen Diener machen.
Zum Glück können sich Anita und ihr neuer Animator-Schützling in Sicherheit bringen, tragen aber einen großen Schrecken davon. Anita ist im Zwiespalt: soll sie Jean-Claude verraten?
Durch die Humans First against Vampires lernt sie einen Vampir namens Oliver kennen, der übermächtig zu sein scheint. Doch augenscheinlich sind seine Motive ehrenwert: er will das Gleichgewicht zwischen Menschen und Vampiren wieder herstellen. Anita vertraut ihm nicht, doch genauso wenig glaubt sie Alejandro und Jean-Claude. Als Jean-Claude sie in den Zirkus der Verdammten bestellt um sie zur Rede zu stellen, kommt es zur Katastrophe und ein Kampf zwischen den Meistervampiren entbrennt, in dem Anita beinahe ihre Seele verliert.

Das erste, was nach der Lektüre an diesem Buch auffällt, ist das fulminante Ende. Noch mehr Action, Kampfszenen und Überraschungen. Meiner Meinung nach ist Zirkus der Verdammten noch besser als die beiden Vorgänger, noch bissiger, noch spannender, noch mehr abartige Kreaturen. Dieses Mal kommen auch ein wenig mehr Anitas Gefühle ins Spiel und ihre Beziehung zu Jean-Claude wird noch komplizierter als vorher.
Wieder eine gelungene Mischung von bekannten Charakteren und interessanten Neuvorstellungen. Anita ist teilweise auch nicht mehr ganz so cool wie zuvor, was sie in meinen Augen noch sympathischer macht. Natürlich ist sie immer noch bis an die Zähne bewaffnet, stürzt sich todesmutig in unrealistische Kämpfe und kommt mit ein paar blauen Flecken davon wo andere mehr als tot wären. Aber das ist die gewohnte Übertreibung von Ms Hamilton, und es macht einfach Spaß so etwas zu lesen. Ein wenig Superhelden-Image muss ja dabei sein.

Anita Blake – Bittersüße Tode

von Laurell K. Hamilton

erscheint auf Deutsch im November 2003 im Luebbe Verlag
397 Seiten, Taschenbuchformat

Preis: EUR 7,95

ISBN: 3404150538
Übersetzt von Marie-Luise Betzenberger

Fazit

Vielversprechender Auftakt zu einer actionreichen und spannenden Serie - besser als Buffy!

Anita Blake ist eine vielbeschäftigte Frau. Sie ist Animatorin bei RIPT, einem kleinen Unternehmen, das Totenerweckungen anbietet. Hier steht sie jede Nacht auf Friedhöfen und erweckt mit ihrer Magie Zombies, die dann Testamente nachreichen oder Zeugenaussagen machen. Nebenbei arbeitet sie noch bei der Polizei, genauer gesagt für die Einheit, die für übernatürliche Verbrechen zuständig ist. Falls es Morde gibt, die im Zusammenhang mit Vampiren oder ähnlichen stehen, wird Anita zur Hilfe gerufen.
Dieses Mal ist es etwas anders: in St. Louis werden in regelmäßigen Abständen Vampire ermordet. Da Anita über ihren Job hinaus als "Scharfrichterin" mit untrüglichem Spürsinn bekannt ist, treten die Vampire an sie heran um sie um Hilfe bei der Suche nach dem Mörder zu bitten. Als Anita ablehnt, wird ihr Leben plötzlich sehr gefährlich. Die Meistervampirin der Stadt, die mächtige Nikolaos, lässt Anita entführen um sie durch Folter und Erpressung zur Mitarbeit zu zwingen. Doch es scheinen auch einige auf Anitas Seite zu sein: der geheimnisvolle Vampir Jean-Claude, die Gestaltwandler und vielleicht auch Edward, der ehrgeizige Kopfgeldjäger. Es kommt zu einer offenen Auseinandersetzung mit Nikolaos...

Das Tempo dieses Buchs haut einen um, wahrlich. Bereits nach den ersten paar Sätzen wird man in einen Strudel von Ereignissen reingezogen, der bis zum Ende nicht abreißt. Der Schreibstil ist realistisch, anschaulich und ehrlich. Sehr abwechslungsreiche Satzkonstruktionen und treffende Beschreibungen mit außergewöhnlichen Adjektiven machen auch nicht ganz so actionreiche Passagen interessant. Das ganze ist in der Ich-Perspektive geschrieben, also sehr auf Anita Blake bezogen. Rund um Anita werden bereits im ersten Band zahllose Nebencharaktere vorgestellt, die alle individuell dargestellt werden. Es gilt sich gut zu konzentrieren, um alle Namen einzuordnen.
Nach bewährter Krimi Manier wird die Geschichte straff von Anfang an aufgezogen und man kann bis zum Ende den Atem anhalten. Es gibt viele Wendungen, überraschende Momente und verblüffende Dialoge. Anitas coole Art und ihr trockener Humor sorgen für einige entspannte Augenblicke, aber kurz darauf wird sie schon wieder in Schwierigkeiten verwickelt. Das ist das einzige, was mich ein wenig stört, dass es nie Zeit zum Luft holen gibt, dass Anita eine unerschöpfliche Energie zu haben scheint. Das gibt so ein Superhelden Image, das klischeelastig ist. Ansonsten wird aber nicht sehr viel mit den üblichen Klischees gespielt. Es gibt keine romantischen Liebesszenen, kein Held, der Anita zur Seite steht und keine lauen Sommerabende auf dem Balkon. Vielmehr wird mit blutigen und gewaltsamen Szenen nicht gespart und teilweise ist der Roman nichts für schwache Nerven. Man fragt sich schon fast, wie die Autorin nach diesem ersten, rasanten Band das ganze noch toppen will.

Shadowblade – Dunkle Fesseln

von Diana Pharaoh Francis

erscheint auf Deutsch im November 2010 im Knaur Verlag
432 Seiten, HC Klappenbroschur (nicht gebunden)

Preis: EUR 14,95

Fazit

Harter, spannender Urban Fantasy / Fantasy Roman mit einer facettenreichen Heldin.

Max ist eine Shadowblade, eine lebende Waffe. Einst war sie eine ganz normale junge Frau mit Familie und Freunden, bis sie auf die charismatische Giselle traf. Dass diese eine mächtige Hexe ist, erfährt Max zu spät: da hatte sie schon den seltsamen Fragen ob sie ewig leben wolle und unbesiegbar sein kann JA gesagt. Unter Schmerzen und Folter zwingt Giselle Max einen Bannzauber auf, der sie dazu bringt, die Hexe zu beschützen und sei es unter Einsatz ihres Lebens. Seither wehrt sich Max gegen diese Unterjochung, sie ist aufmüpfig und trotzig und plant ständig, wie sie Giselle töten und sich damit befreien kann.
Dann jedoch zieht ein welterschütternder Krieg am Horizont auf, in den alle Hexen verwickelt sind. Eine Prophezeihung wird ausgesprochen, dass Max in diesem Kampf eine entscheidende Rolle spielen wird. Max erhält den Auftrag, einen seltsamen magischen Angriff zu untersuchen und beobachtet, wie die Shadowblades einer verfeindeten Hexe versuchen, einer Wintergreisin den Zauberstab zu entreißen. Es kommt zum Kampf, in dem Max nur besteht, weil sie der Wintergreisin hilft. Hier passieren zwei entscheidende Dinge: Max erhält als Dank von der Wintergreisin ein magisches Hagelkorn, das einen Wunsch erfüllen kann. Und sie trifft Alexander, den Prime der Shadowblades der Hexe Solange. Sofort geschieht etwas zwischen Max und Alexander, eine tiefe Anziehungskraft. Doch er ist ihr Feind und sie hat den Auftrag, ihre Herrin zu beschützen.

hadowblade hat mich von der ersten Seite an gepackt und durch das hohe Erzähltempo und die spannende Story nicht mehr losgelassen. Kleine Längen im Mittelteil sind verschmerzbar und stören nicht sehr. Man merkt gleich am Anfang, dass hier eine härte Gangart eingelegt wird und lernt die Hauptfigur Max als eine zynische, todesmutige und kalte Frau kennen, die keine Kompromisse macht. In treffenden, gut gewählten Worten präsentiert uns die Autorin eine im wahrsten Sinne des Wortes gequälte Heldin, die ihre Gefühle tief in sich eingeschlossen hat. Hass und Rachsucht beherrschen ihr Denken und obwohl sie von Grund auf sehr loyal ist, will Max doch nichts anderes, als ihre Freiheit und eine Strafe für Giselle.
Nach kürzester Zeit gibt es schon die ersten Kämpfe, die allesamt blutig, brutal und fantastisch beschrieben sind. Eine Waffenliebhaberei ist hier - ganz ähnlich wie bei Dante Valentine - deutlich zu erkennen. Alle Waffen werden beim Namen genannt, erläutert und natürlich muss Max immer wie ein wahres Arsenal herumlaufen. Doch natürlich steckt in Max mehr als eine eiskalte Tötungsmaschine, ansonsten hätte die Story nicht mehr viel Inhalt. Aber vorerst ist die Autorin sehr zurückhaltend mit Gefühlsausdrücken und bleibt es auch mehr oder weniger bis zum Schluss. Nicht, dass es in Max drin eiskalt wäre, vielmehr brodelt es regelmäßig in ihrem Inneren und sie leidet unter unzähligen Gewissenskonflikten und Sehnsüchten, die sie sich nicht erlauben kann und will. Nach außen hin jedoch bleibt sie oft undurchdringlich und starr. So schwierig es ist, einen solch komplexen Hauptcharakter darzustellen, so bewundernswert gelingt es der Autorin. Trotz all ihrer Härte ist Max eine faszinierende, vielschichtige Person mit unglaublich viel Potiential. All ihre Interaktionen mit Haupt- und Nebenfiguren sind gut platziert und fern von Oberflächlichkeiten. Es wird nicht unbedingt viel gesprochen in diesem Roman, aber wenn, dann mit Nachdruck. Derbe Ausdrücke und Schimpfworte gibt es zu Hauf, aber auch einen feinen, bissigen Humor.
Viel Zeit verbringt man auch damit, Landschafts- und Zustandsbeschreibungen zu lesen. Auf Atmosphäre wird viel Wert gelegt und die Autorin erschafft neue Redewendungen, interessante Fantasy-Inhalte und Kreaturen und eine apokalyptische Hintergrundgeschichte, die von viel Arbeit und Kreativität zeugen. Das Thema "die magische Welt will die Menschen vernichten" ist jetzt zwar nicht neu, aber hervorragend umgesetzt. Dabei kommt in diesem ersten Teil noch nicht viel von jenem großen Krieg ans Tageslicht, es zeichnet sich jedoch ein ultimativer Showdown ab.
Die Erzählperspektive wechselt zwischen Max und Alexander hin und her, bleibt aber immer neutral in der dritten Person. Ab und zu gibt es Überschneidungen der Ereignisse, einmal aus Max und einmal aus Alexanders Sicht, das ist ein faszinierendes Stilmittel. Überhaupt habe ich sprachlich rein gar nichts auszusetzen und ein Hauptgrund für meinen postiven Gesamteindruck macht in jedem Fall der flüssige Erzählstil und die tolle Ausarbeitung der Hauptfiguren aus. Max und Alexander geraten ständig aneinander, misstrauen sich, streiten sich, nähern sich, helfen sich und all das ohne Klischees. Es gibt in ihrer zwischenmenschlichen Geschichte einige Überraschungen, die unvorhersehbar platziert sind. Von Romantik ist allerdings nicht viel zu sehen in diesem Roman, es gibt nur ganz am Rande ein kleines Aufblitzen. Vorrangig konzentriert sich die Story auf Max Rolle als Giselles Shadowblade, auf ihre Position in der Gruppe, ihren Konflikt mit der Hexe und natürlich auf das Abenteuer, das alle erleben. Zartbesaitet sollte man hier allerdings nicht sein, es gibt explizite Folterszenen und viel Blut. Teilweise war es mir zu sehr darauf angelegt, brutal zu wirken, nur deswegen - und eventuell wegen dem kleinen Hänger in der Mitte des Buches - keine Top Wertung. Ansonsten kann ich Shadowblade uneingeschränkt für alle Fans von Urban Fantasy empfehlen, vor allem für Anhänger von Dante Valentine, Elizabeth Phoenix, Anita Blake und anderen "toughen" Kämpferinnen.
Noch ein Wort zur Aufmachung: 14,95 EUR für ein Taschenbuch, und sei es noch so stabil und großformatig, ist viel Geld. Schimmernde Applikationen auf dem Cover und ein schöner Druck machen zwar was her, sind aber für mich kein Muss. Ich frage mich auch, wie man auf die Idee kommt, eine schwarzhaarige Frau abzubilden, denn Max ist weißblond...

Hexengift

von T. A. Pratt

erscheint auf Deutsch im Mai 2010 im Blanvalet Verlag
414 Seiten, Taschenbuchformat

Preis: EUR 8,95

ISBN-13: 9783442266906
ISBN-10: 3442266904
 
Übersetzt von Michael Pfingstl

Fazit

Marla ist einfach cool! Lesen!!

Als Magieroberhaupt der Stadt Felport ist die multi-talentierte Hexe Marla ständig im Stress. Aktuell wird sie in die städtische Irrenanstalt gerufen, wo die seit Jahren im künstlichen Tiefschlaf liegende Gedankenmanipulatorin Genevieve ausgebrochen ist. Marla vermutet sofort, dass jemand Genevieve bei der Flucht geholfen hat und sie als Druckmittel gegen Marla und Felport einsetzen will, denn Genevieve ist sehr mächtig: sie kann die Realität verändern. Nebenbei muss sich Marla auch noch um einen entlaufenen Meister-Attentäter kümmern, der seinen Amtskollegen entwischt ist und sich wahrscheinlich in Marlas Territorium aufhält. Die Gefahren lauern an jeder Ecke und Marla weiß, dass ihr Posten als magisches Oberhaupt der Stadt von vielen beneidet oder gar gehasst wird. Also herrscht sie mit rüder Dominanz und straffem Aktionismus.

Um die vielen Aufgaben in den Griff zu bekommen entschließt sich Marla, einen weiteren Assistenten neben Rondeau einzustellen und gabelt den ordnungsliebenden Ted von der Straße auf, der sich als sehr nützlich herausstellt. Und dann bekommt Marla noch Verstärkung von dem attraktiven Liebesflüsterer Joshua, dessen umwerfende Ausstrahlung sofort bleibenden Eindruck bei der ansonsten kühlen Marla hinterlässt. Zusammen mit seinem Charisma will sie ihre Machtposition bei den anderen Zauberern stärken, wird aber zunehmend selbst von Joshuas Charme eingewickelt. Dann überschlagen sich die Ereignisse: Genevieves Traumwelt gerät immer mehr in die Wirklichkeit und bringt auch ihre Alpträume ins Leben. Manifestiert als mächtiger Zauberer, wird ihr größter Alptraum nun auch eine Bedrohung für Felport. Und Marla selbst gerät ins Zielfernrohr des verschollenen Attentäters...

Der zweite Teil der Serie um die toughe Magierin Marla Mason ist eine rasante, spannende und vor allem wendungsreiche Urban Fantasy Geschichte, die absolut überzeugen kann. Der präzise, leicht ironische Schreibstil präsentiert die Charaktere sehr anschaulich und ich war immer wieder begeistert vom Einfallsreichtum des Autors und dem schier unendlichen Vorrat an Vokabeln um die magische Welt und deren Kreaturen zu beschreiben.

Von Anfang an herrscht ein hohes Erzähltempo, welches auch komplett bis zu letzten Seite durchgehalten wird. Es ist zwar eine typische "wir-jagen-den-Bösewicht" Handlung, aber ohne vorhersehbar oder klischeehaft zu sein. Allen voran ist Marla, die einfach nur genial ist. Sie ist stur, etwas brutal, extrem pragmatisch, zielgerichtet und zynisch. Ihre Loyalität zu ihrer Stadt ist beeindruckend und obwohl sie über große Kräfte verfügt, kommt sie nicht abgehoben daher. Sie ist derart bodenständig und teils sogar fast schon schäbig, dass man ihr eher noch die Rolle einer abgerissenen Einzelkämpferin zuordnet, als die einer mächtigen Hexenmeisterin. Wo sie im ersten Teil ausschließlich ihre grobe Seite zeigt, kommt in Hexengift in der Beziehung zu Joshua auch eine andere Seite Marlas hervor, die sehr interessant und verletzlich ist. Es entsteht aber keine großartig romantische Handlung! Es geht vorrangig um Action, Kampf und Strategie. Dabei wechselt die Erzählperspektive regelmäßig zwischen Marla und ihren Gegenspielern, so dass man die ganze Handlung aus mehreren Blickwinkeln mitbekommt. Das nimmt aber keinesfalls die Spannung sondern bringt eher noch mehr Farbe in das Ganze.

Es gibt wirklich wenige Bücher, die keine nervigen Nebencharaktere und/oder erzählerische Längen haben und so unterhaltsam sind wie die Romane um Marla Mason. Sie kann locker mithalten mit Kate Daniels, Rachel Morgan und den Charakteren von Kelley Armstrong. Was absolut überzeugend an diesem Buch ist, ist das ausgereifte Gefühl des Autors für mitreißende Dialoge, die gerade so lang sind um die Infos zu vermitteln, aber trotzdem so kurz wie möglich um nicht ins Wiederholen zu geraten. Nichts ist nerviger als wenn die Charaktere untereinander alles ständig wiederholen, so als ob sie den Leser für begriffstutzig halten würden...
Rür Romantasy-Fans und solchen, die Urban Fantasy mögen, welche recht nah an der Realität liegt (keine Fabelwesen und Parallelwelten etc.) ist Hexengift nicht so gut geeignet, aber wer auf spannende Action und klischeefreie Figuren steht, sollte einen Blick auf Hexengift werfen. Ich jedenfalls freue mich schon auf den nächsten Teil.

Hexenzorn

von T. A. Pratt

auf Deutsch erschienen im Januar 2010 im Blanvalet Verlag
414 Seiten, Taschenbuchformat

Preis: EUR 8,95

ISBN-13: 9783442266647
ISBN-10: 3442266645
 
Übersetzt von Michael Pfingstl

Fazit

Für abgehärtete Leser und Freunde von starken Heldinnen eine super-spannende Urban Fantasy Unterhaltung.

Die Hexe Marla Mason ist im Stress: ihre ärgste Konkurrentin Susan will ihr die Position als Herrin von Felport streitig machen indem sie einen Fluch windet, der Marla vom Erdboden tilgen soll. Gegen diesen mächtigen Zauber kann Marla direkt nichts ausrichten, also fliegt sie mit ihrem Vertrauten Rondeau nach San Francisco um den geheimnisvollen Grenzstein zu finden. Mithilfe dieses Artefakts könnte Marla Susans Zauber abwenden. Leider gestaltet sich die Such von Anfang an ziemlich schwierig: bereits der erste Magier, den Marla auf der Suche nach Informationen aufsuchen will, gibt keinen Ton mehr von sich: er wurde ermordet. Mit einem unguten Gefühl zieht Marla weitere Erkundigungen ein und trifft auch das hiesige Magieroberhaupt. Als dieser ihr Hilfe zusichert, scheint der Grenzstein in unmittelbare Nähe gerückt. Doch ein mächtiger Unbekannter kommt ihr zuvor und seine Spur zieren die Leichen von San Franciscos begabtesten Magiern. Also muss sich Marla ihm entgegenstellen bevor sie sich ihrem eigentlichen Problem zuwenden kann...

Auch wenn man von Urban Fantasy mit einer toughen Hexe in der Hauptrolle schon so einiges gelesen hat, bietet Hexenzorn temporeiche, spannende und interessante Unterhaltung mit viel Action und einer eigenwilligen Heldin. Marla Mason ist eine extrem derbere Variation aus Rachel Morgan, Kate Daniels und Dante Valentine. Sie ist maximal gewaltbereit, rücksichtslos, egozentrisch, unromantisch, zynisch, ungeduldig, arrogant und großmäulig. Mit all diesen Eigenschaften schlägt sie in ihrer Umwelt meist wie eine Bombe ein und erntet zuhauf Angst, Respekt oder Ärger. Marlas Kumpan Rondeau ist eine etwas emotionalere, weichere Figur, die oft versucht, Marlas krasse Gewaltanfälle abzubremsen oder sie mehr für die Gefühle anderer zu erwärmen, obwohl er selbst gar kein Mensch sondern ein seltsames Geisterwesen ist, das einen menschlichen Körper übernommen hat.
Hexenzorn ist ein straffer, handlungsorientierter Thriller, der mit vielen beeindruckenden Kreaturen und Wendungen aufwartet. T. A. Pratts Schreibstil ist nicht ganz so flüssig zu lesen, da er oftmals komplexe Situationen beschreibt oder sich in fremdwortlastigen Ausführungen über die Zukunft und alternative Realitäten auslässt. Das erzeugt aber keine Längen oder verwirrt unnötig, sondern ist ein gelungenes Stilmittel um dem Roman einen kleinen Touch Sci-fi zu verpassen. Der Autor schafft es mühelos, undurchsichtige Charaktere zu erschaffen, die Marla beeinflussen und verwirren können. Trotzdem lebt die Story vorrangig von Marlas starkem Willen, ihrem trockenen Humor und ihrem unerschütterlichen Selbstbewusstsein. Es hat Spaß gemacht, dieses Buch zu lesen, denn es ist sehr kurzweilig und bisweilen auch in seiner logischen Originalität faszinierend. Wenn die "mögliche Hexe" Marla in einer Raumfalte im Kerker von Alcatraz erzählen soll, wo sich am nächsten Tag eine gewisse Person aufhält und sich dafür mit einer "Zeitschuld" bezahlen lässt, kann man schon als Außenstehender die Augen verdrehen und meinen, was T. A. Pratt sich da für ein hanebüchenes Konzept von Matrix zusammengereimt hat. Aber wenn man sich reingelesen hat, bieten solch fantasievolle Eskapaden einen Extra-Lesespaß für all diejenigen, die abwegige Gedankengänge faszinierend finden.
Liebesromanleser und Fans von Romantic Fantasy werden sich bei Marla Mason eher nicht so aufgehoben fühlen, da sie von Romantik oder gar Liebe überhaupt nichts wissen will. Es gibt zwar auch sexuelle Situationen (nicht mit der Hauptfigur) in diesem Roman, aber das wird völlig neutral dargestellt. Zartbesaiteten Lesern wird auch die derbe, Schimpfwort-lastige Sprache negativ auffallen, sowie extreme Inhalte wie Kannibalismus, Vergewaltigung, BDSM, Folterung, explizite Gewaltbeschreibung und augenscheinlich unmoralisches Töten.
Mit 8,95 für ca. 400 Seiten liegt das Buch preislich knapp unter der magischen 9,95 Linie, leider finde ich das Cover sehr hässlich. Warum orientiert man sich da nicht mehr am Original? Fürchtet man, dass das Buch dadurch versehentlich von potentiellen Käufern als klassische Fantasy eingestuft werden könnte?

Nocturne City – Schattenwölfe

von Caitlin Kittredge

erscheint auf Deutsch im Februar 2010 im Egmont Lyx Verlag
432 Seiten, Taschenbuchformat

Preis: EUR 9,95

ISBN-13: 9783802582912
ISBN-10: 3802582918
 
Übersetzt von Daniel Müller

Fazit

Kühl-düsterer paranormaler Krimi mit einer schlagkräftigen, toughen Heldin.

Luna Wilder ist eine erfolgreiche und willensstarke Ermittlerin im Dienst der Polizei von Nocturne City, wo Werwolfrudel und Hexen mehr oder weniger friedlich mit der menschlichen Bevölkerung zusammenleben. Das Leben als rudellose Werwölfin ist hart für Luna, muss sie sich doch permanent gegen Vorurteile und Bedrohungen durchsetzen. Ein wenig Rückhalt findet sie nur bei ihrer magisch begabten Cousine Sunny, mit der sie zusammen ein kleines Haus am Rande der Stadt bewohnt. Eines Tages wird Luna mit der Ermittlung in einem blutigen Mordfall an einer jungen Frau beauftragt und gerät damit unwillentlich in einen höchst gefährlichen Korruptionsskandal. Ihr erster Verdacht fällt auf den charismatischen Werwolf Dmitri Sandowsky, doch bald kristallisiert sich für Luna heraus, dass der Täter ein anderer sein muss. Als ein zweites Opfer auftaucht, überschlagen sich die Ereignisse: es scheint, als sollten ihre Ermittlungen von ganz hoher Ebene aus unterbunden werden und Luna kämpft plötzlich gegen alle: die eigenen Polizeikollegen, den grausamen Mörder, rivalisierende Werwölfe und gegen die eigene Angst....

Der erste Teil der Nocturne City Reihe präsentiert sich als schneller, harter Polizeithriller mit einer toughen Werwölfin in der Hauptrolle. Das Konzept lehnt sich an bereits Bekanntes an: eine einzelgängerische Ermittlerin à la Anita Blake, eine futuristische Stadt wie bei Mercy Thompson und ein explizit-brutaler Krimiplot wie bei Wolfshadow oder Anna Strong. Luna Wilder ist in ihrer störrischen, zu Gewalt neigenden Art fast schon unweiblich und leidet augenscheinlich unter ihrer wilden, wölfischen Seite, auch wenn diese meiner Ansicht nach ihren grausamen Touch noch eher passend unterstreicht. Sie verkörpert im überspannten Maße das Ideal einer kompromisslosen Kämpferin, die gegen alle Fronten antreten muss und dabei noch eine traumatische Vergangenheit kompensiert. Soweit ganz gut, in ihrem kühlen, direkten Schreibstil entwickelt Caitlin Kittredge eine spannende Krimihandlung mit einigen Überraschungen und gespickt mit undurchsichtigen Gegenspielern und interessanten Nebencharakteren. Die Story schreitet schnell voran und trotz aller möglichen Widrigkeiten kämpft sich Luna bis zur Lösung des Falls durch. Dabei findet sich keine Zeit für Romantik, nähere Charakterbeschreibungen oder größere Szenenwechsel. Durch die Ich-Perspektive erfährt der Leser die Ereignisse nur aus Lunas Sichtweise, und die ist oft geprägt von ungerichteter Aggression oder wirrer Sehnsucht, Lust oder Verzweiflung.
Meiner Meinung nach liegt auch hier die größte Schwäche des Romans, denn durch den unausgeglichenen Charakter der Hauptfigur gerät auch der Rest in Unruhe. Luna kann sich weder darauf einlassen, für Dmitri etwas zu empfinden, noch möchte sie sich groß mit ihrem Werwolfdasein beschäftigen. Von Rache und Ehrgeiz getrieben, schlittert sie durch fahrige Polizeiarbeit und Indiana Jones-mäßige Einzelkämpferaktionen. Widersprüchlichkeiten findet man leider einige, nur ein Beispiel: erst beschwert sich Luna, dass ihr Kollege brutale Verhörmethoden anwendet und kurze Zeit später knallt sie selbst den Kopf eines Verdächtigen auf den Tisch....
Angekündigt war auch ein gewisser erotischer Inhalt, doch leider kann Schattenwölfe das kaum bieten. Es gibt da zwar etwas zwischen Luna und Dmitri, aber Luna stößt permanent alle und alles von sich. Bei einigen von ihren Sprüchen hätte ich an Dmitris Stelle schon längst abgewinkt. Physische Annäherungen sind wie alles geprägt von Gewalt und einer rigorosen Distanziertheit.
Schlussendlich ist das Buch ein unterhaltsamer Krimi, der nicht vor brutalen Szenen zurückschreckt und mit seiner abgeklärten Erzählweise rasant durch einen halsbrecherischen Thriller führt.

Blutsbande – Asche zu Asche

von Jennifer Armintrout

erscheint auf Deutsch im November 2009 als Mira Taschenbuch im Cora Verlag
476 Seiten, Taschenbuchformat

Preis: EUR 7,95

übersetzt von Martha Windgassen
ISBN-10: 389941666X
ISBN-13: 978-3899416664

Fazit

Toller, spannender dritter Teil mit gewissenhaft aufgebauten Charakteren.

Nachdem Nathan von seinem Schöpfer besessen war, ist Carrie zu ihrem Freund Max nach Chicago geflohen um dort ein wenig Abstand zu ihrem Geliebten zu bekommen. Doch genausowenig wie sie ihren Schöpfer Nathan vergessen kann, kann Max die Werwölfin Bella aus seinem Kopf verbannen. Zwar will er sich nicht eingestehen, dass er sich zu ihr hingezogen fühlt, doch Carrie kennt Max gut genug, um es zu wissen. Dann eines Tages erhält sie einen Anruf von Nathan und die Vergangenheit holt Carrie ein. Sie wünscht sich nichts sehnlicher, als wieder friedlich mit ihm als Liebespaar zusammenleben zu können. Als sich Max, Bella, Nathan und Carrie endlich treffen erfahren sie Schreckliches: das Orakel, das die Bewegung der Vampire immer gefangen gehalten hatte, ist entkommen. Und Nathans Schöpfer, der Souleater, hat einen schrecklichen Plan, der irgendetwas mit dem Orakel zu tun hat. Carrie weiß, dass sie handeln müssen. Und als Bella plötzlich vom Orakel besessen ist und verkündet, dass sie alle sterben werden, wenn sie sich einmischen, geraten sie in große Gefahr. Bella und Max beschließen, das Orakel auf seiner Reise zu verfolgen und abzufangen. Nathan und Carrie bleiben in Grand Rapids um weiter Nachforschungen anzustellen. Dabei sollen auch die Hexe Dahlia und Cyrus, der jetzt ein normaler Mensch ist, helfen. Als Carrie zögernd Kontakt mit Cyrus aufnimmt, kommen alte, vergrabene Gefühle in ihr hoch. Immer war sie zwischen Nathan und Cyrus hin- und hergerissen - wird es wieder so sein?

Asche zu Asche ist eine absolut lesenswerte Fortsetzung der Reihe und steuert schon deutlich auf das Finale im 4. Band zu. Es ist nahezu unmöglich, die Geschichte richtig einzuordnen, wenn das Wissen aus den Vorbänden fehlt. Was mich überrascht hat, ist die Tatsache, dass Asche zu Asche fast schon mehr ein Liebesdrama als ein Thriller ist. Besonders in der ersten Hälfte des Buches geht es nahezu ausschließlich um die bekannte Dreiecksbeziehung zwischen Nathan, Carrie und Cyrus. Jennifer Armintrout macht es ihren Charakteren nie leicht und so müssen alle Beteiligten ordentlich leiden. Im Gegensatz zu vorher wird aber endlich mal Klartext geredet und Gefühle werden gezeigt. So kommt man den Protagonisten etwas näher und die Story verliert etwas an kühler Distanz. Max und Bella bekommen dieses Mal auch ordentlich viele Seiten eingeräumt. Die Geschichte spaltet sich schon sehr früh in die Ereignisse um Max und Bella und die um Nathan, Cyrus und Carrie. In gewohnt ausgereiftem, präszisem Schreibstil erhöht die Autorin ab Mitte des Buches bewusst die Spannung und gegen Ende gibt es nochmal richtig blutige, dramatische Action. Was mir immer wieder an J. Armintrouts Stil gefällt, sind die vielschichtigen, komplexen Charaktere, deren Verhalten nicht immer vorhersehbar ist. Es gibt kein wirkliches Gut und Böse, obwohl der Souleater und das Orakel natürlich klare Feindbilder sind. Immer wieder platziert die Autorin Sequenzen, in denen die Vergangenheit reflektiert wird, in denen die Personen sich selbst in Frage stellen und auch Entscheidungen treffen, die unerwartet sind. Cyrus ist eine faszinierende Persönlichkeit, die man als Leser halb hasst, halb bewundert. Alle haben sie ihre Fehler und es gibt keine "erlösende Situation" in der alle von ihren Schwächen geläutert werden und heile Welt eintritt. Die verzwickte Dreiecksgeschichte zwischen Nathan, Carrie und Cyrus hat mich so manches Mal die Haare raufen lassen. Alle Happy-End liebenden, harmoniesüchtigen Liebesromanleserinnen sollten lieber die Finger davon lassen. Fern von Stereotypen oder gar Kitsch wird hier eine Story weitererzählt, die zu keinem Zeitpunkt langweilig wird. Ein bisschen resistent gegen Blut, Folter und Gewalt - auch psychische - sollte man sein, dann hat man an dieser Lektüre wirklich Spaß

Blutsbande – Besessen

von Jennifer Armintrout

auf Deutsch erschienen im Okt 08 als Mira Taschenbuch im Cora Verlag
320 Seiten, Taschenbuchformat

Preis: EUR 7,95

ISBN: 3899415051
EAN: 9783899415056
Übersetzt von Lisa Kuppler

Fazit

Packender Thriller in schonungslosem Stil.

Nur eines stört die perfekte Harmonie zwischen Carrie und Nathan: er kann seine grausamen Vergangenheit und den Verlust seiner Frau Marianne nicht vergessen. Carrie hat schwer daran zu knabbern, ob sie ein Leben mit halbherziger Liebe seinerseits durchstehen kann. Eines Tages jedoch zerbricht all dies, als Nathan plötzlich zu einer wütenden Bestie wird. Im Wahn und offensichtlich besessen tötet er willenlos und greift sogar Carrie an. Dann verschwindet er. Für Carrie beginnt eine Zeit großen Leidens, denn als ihr zweiter Schöpfer steht ihr Nathan sehr nah und die Trennung schmerzt jede Sekunde mehr. Gleichzeitig beginnt die Geschichte um Cyrus, der von einer verrückten Vampirgang, den Fangs, ins Leben zurück geholt wird. Allerdings als Mensch. Die Fangs sperren ihn in der Wüste in einer Kirche in den Keller, nachdem sie den Pfarrer töteten. Zusammen mit der jungen Frau Stacey, genannt Mouse, fristet Cyrus die Tage in Gefangenschaft. Er fragt sich, ob sein Vater, der mächtige Souleater, ihn zurückholen ließ um ihn erneut zum Vampir zu machen. Zuerst ist Cyrus verärgert darüber, dass er ein Mensch ist, und vermisst die Lässigkeit, mit der er damals grausam war. Er bedroht Mouse und gibt sich arrogant und unnahbar. Doch da er körperlich sehr schwach ist, ist er auf die Hilfe der Frau angewiesen. Unterdessen machen sich Carrie und ihr Freund Max auf den Weg nach Spanien um im Hauptquartier der Vampirvereinigung den offiziellen Tötungsbefehl für Nathan aufzuhalten. Dort gelangt Carrie heimlich zu dem berüchtigten Orakel, das ihr einen verschlüsselten Hinweis zur Lösung des Falles gibt. Jetzt ist Carrie überzeugt, dass es ihre Aufgabe ist, Nathan zu finden und zu retten. Gleichzeitig jedoch macht sich die Werwölfin Bella auf die Suche nach Nathan um ihn zu töten. Die Tage vergehen, in denen Carrie im Auto auf dem Weg in die Wüste ist, um nach einer Spur von Cyrus zu suchen. Sie weiß, dass der Souleater mit Nathans Besessenheit zu tun haben muss und daher will sie Cyrus finden, der sein Sohn ist. Dieser hat sich mittlerweile an sein Menschsein gewöhnt und zarte Band mit Mouse geknüpft. Gemeinsam wollen sie fliehen. Als Carrie die Kirche in der Wüste findet, geht auf einmal alles sehr schnell: Sie holt Cyrus heraus und im Handgemenge lässt sie Mouse dort zurück. Als Cyrus zu sich kommt, muss er erkennen, dass seine junge Geliebte tot ist. Es kommt zum Konflikt zwischen Carrie und Cyrus. Doch zusammen fahren sie zurück zu Nathans Wohnung, wo Bella und Max berichten, dass sie mehrere Kontakte mit Nathan hatten, die allesamt blutig ausgingen. Für Carrie steht fest, dass es nur eine Möglichkeit gibt, Nathan zu retten: er muss seine Vergangenheit loslassen.

Besessen ist ein interessanter zweiter Teil der Blutsbande Serie, allerdings ein ganz anderer, als ich erwartet habe. Als erstes fällt die extreme Teilung der Geschichte in der ersten Hälfte auf. Jennifer Armintrout trennt die Story in zwei Hauptschauplätze: Carrie und Cyrus. Einige hundert Seiten bekommt der Leser abwechselnd die Erlebnisse von Cyrus und die von Carrie vorgesetzt und kann sich selbst ausrechnen wann und wie die beiden Handlungsstränge verschmelzen werden. Ich bin kein Fan von solch einem "Parallel- Erzählstil" und wurde irgendwann ziemlich ungeduldig. Ab der Mitte des Buches wird es dann allmählich besser und es kommt schreibtechnisch ein wenig Ruhe rein. Ansonsten ist von Ruhe nicht viel zu merken. Besessen ist ein emotional stark beladener Roman, in dem viel gelitten, gemordet, bereut und geweint wird. Zwischenmenschliche Beziehungen sind allesamt psychotisch und irgendwie hoffnungslos. Die zentrale Beziehung zwischen Carrie und Nathan ist wohl die unglücklichste, von der ich je in einem Paranormalen Roman gelesen habe. Die Autorin lässt den beiden keinen Platz um glücklich zu sein, bzw. beschreibt diesen Zustand einfach nicht. Auch Cyrus ist trotz seiner neu gewonnenen Menschlichkeit immer noch vorbelastet von seiner grausamen und gnadenlosen Existenz als Vampir. Insgesamt ist das Buch eher als schwere Kost einzuordnen, was der Spannung allerdings keinen Abbruch tut. Auch wenn die Lektüre durch die verkorksten Beziehungen der Charakter untereinander teilweise schmerzvoll war, konnte ich das Buch kaum aus der Hand legen. Wie auch der Vorgänger ist Besessen unglaublich spannend und mitreißend. Vielleicht sogar erst recht deshalb, weil die Personen so leiden. Denn man will endlich erfahren, ob eine Besserung in Sicht ist. Für schwache Nerven ist auch dieser Teil nichts, denn die Kampfszenen sind blutig und es wird ständig psychische und physische Gewalt ausgeübt. Faszinierend ist auch die Vielschichtigkeit der Charaktere, die besonders im Fall von Cyrus minutiös ausgearbeitet wird. Alle Facetten einer gestörten Persönlichkeit kommen zum Tragen, die aber ganz natürlich wirken. So werden Jennifer Armintrouts Figuren realistisch und lebendig, und man fragt sich, wie es sein kann, dass bei anderen Romanen immer alles so glatt läuft und sämtliche Personen einer Linie folgen. So überrascht es auch nicht, dass das Ende mehr oder weniger neutral ist und alle Happy-End-Fans enttäuschen wird (mich auch).

Blutsbande – die Verwandlung

von Jennifer Armintrout

auf Deutsch erschienen im Okt 07 als Mira Taschenbuch im Cora Verlag
464 Seiten, Taschenbuchformat

Preis: EUR 7,95

ISBN: 3899414489
EAN: 9783899414486
Übersetzt von Martha Windgassen

Fazit

Unbedingt lesen! Wer nicht allzu sensibel bei Gewaltdarstellungen ist, hat hier ein exzellentes Buch vor sich!

Beruflich hat Carrie eigentlich alles erreicht, was man mit 28 erreichen kann: sie ist eine engagierte Ärztin in der Notaufnahme eines Krankenhauses. Doch als eines Nachts ein schrecklich zugerichteter Mann eingeliefert wird, muss sie Schwäche zeigen und den Raum verlassen. Später möchte sie sich ihren Mut beweisen und betritt die Leichenhalle um die Gestalt noch einmal zu sehen. Da passiert es: der Leichnam ist zum Leben erweckt und stillt seinen Hunger an Carrie. Sie überlebt den Biss und erwacht bald aus der Ohnmacht. Ab sofort verändert sich alles. Sie muss Sonnenlicht meiden, feste Nahrung ekelt sie an. Der seltsame Hunger nagt immer mehr an ihr und ihre Nerven sind ständig zum Zerreißen gespannt. Auf ihrer Suche nach Antworten trifft sie auf den charismatischen Nathan, der einer Vereinigung von Vampiren angehört, die die Menschheit vor ihrer eigenen blutsaugerischen Spezies beschützen wollen. Er lebt zusammen mit einem Teenager in einer kleinen Wohnung und betreibt einen esoterischen Buchladen. Nathan stellt sie vor die Wahl: entweder sie schließt sich der Bewegung an oder er muss Carrie bekämpfen. Carrie jedoch entwindet sich der übereilten Entscheidung und bittet um Bedenkzeit. Sie will herausfinden, wer ihr Schöpfer ist. Und natürlich findet sie ihn auch : Cyrus, den uralten, mächtigen und grausamen Vampir. Er wohnt in einem altmodischen Anwesen und schart lauter seltsame und gefährliche Gestalten um sich. Doch trotz ihrer Abneigung gegen sein Morden, kann sich Carrie seiner Anziehungskraft nicht lange entziehen.

Hier haben wir Spannung pur. Ich habe es kaum geschafft, dieses Buch für ein paar Minuten aus der Hand zu legen. Ein mystischer Thriller mit viel Gewalt und Blut und absolut nichts für schwache Nerven. Durch die Ich-Erzählperspektive geht zwar ein wenig an Objektivität verloren, aber der geniale Schreibstil macht das wieder wett. Explizite Erläuterungen und eine "Es-wird-kein-Blatt-vor-den- Mund-genommen"-Einstellungen garantieren ultimativen Lesespaß. Carrie ist eine sehr gut entwickelte und sympathische Hauptperson, die auch wirkliche Schwächen hat. Nathan ist nicht nur der ehrbare "Gute", sondern hat auch seine dunklen Geheimnisse. Und dann Cyrus, der sich trotz aller Brutalität nach Liebe sehnt. Die Grenze zwischen Gut und Böse verschwimmt zusehends und der Leser findet sich in einem undurchsichtigen Abenteuer wieder, das absolut fesselnd ist. Dabei darf man auf keinen Fall eine Liebesgeschichte erwarten. Es kommt zwar zu einigen Szenen, doch das ist meistens fern von Romantik im klassischen Sinne wie bei C. Feehan zum Beispiel. Es wird viel Wert auf die genaue Bearbeitung des Themas Vampirismus gelegt. Also warum und wie ist der Blutdurst, was für Konsequenzen hat das, wie leben die Vampire, was sind ihre Stärken und Schwächen, wie ist die Gesellschaft der Vampire organisiert und so weiter.  Natürlich wird auch mit hohem Tempo die Story vorangetrieben und es passiert so viel, dass allein schon eine Inhaltsangabe ein eigenes Buch darstellen würde. Gegen Ende überschlagen sich die Ereignisse und es gibt tolle Überraschungen. Am besten ist wirklich, dass sämtliche Charaktere vollkommen individuell und einzigartig sind und auch handeln. Cyrus ist ein überragender Charakter mit Kultstatus.