Anita Blake – Bittersüße Tode

von Laurell K. Hamilton

erscheint auf Deutsch im November 2003 im Luebbe Verlag
397 Seiten, Taschenbuchformat

Preis: EUR 7,95

ISBN: 3404150538
Übersetzt von Marie-Luise Betzenberger

Fazit

Vielversprechender Auftakt zu einer actionreichen und spannenden Serie - besser als Buffy!

Anita Blake ist eine vielbeschäftigte Frau. Sie ist Animatorin bei RIPT, einem kleinen Unternehmen, das Totenerweckungen anbietet. Hier steht sie jede Nacht auf Friedhöfen und erweckt mit ihrer Magie Zombies, die dann Testamente nachreichen oder Zeugenaussagen machen. Nebenbei arbeitet sie noch bei der Polizei, genauer gesagt für die Einheit, die für übernatürliche Verbrechen zuständig ist. Falls es Morde gibt, die im Zusammenhang mit Vampiren oder ähnlichen stehen, wird Anita zur Hilfe gerufen.
Dieses Mal ist es etwas anders: in St. Louis werden in regelmäßigen Abständen Vampire ermordet. Da Anita über ihren Job hinaus als "Scharfrichterin" mit untrüglichem Spürsinn bekannt ist, treten die Vampire an sie heran um sie um Hilfe bei der Suche nach dem Mörder zu bitten. Als Anita ablehnt, wird ihr Leben plötzlich sehr gefährlich. Die Meistervampirin der Stadt, die mächtige Nikolaos, lässt Anita entführen um sie durch Folter und Erpressung zur Mitarbeit zu zwingen. Doch es scheinen auch einige auf Anitas Seite zu sein: der geheimnisvolle Vampir Jean-Claude, die Gestaltwandler und vielleicht auch Edward, der ehrgeizige Kopfgeldjäger. Es kommt zu einer offenen Auseinandersetzung mit Nikolaos...

Das Tempo dieses Buchs haut einen um, wahrlich. Bereits nach den ersten paar Sätzen wird man in einen Strudel von Ereignissen reingezogen, der bis zum Ende nicht abreißt. Der Schreibstil ist realistisch, anschaulich und ehrlich. Sehr abwechslungsreiche Satzkonstruktionen und treffende Beschreibungen mit außergewöhnlichen Adjektiven machen auch nicht ganz so actionreiche Passagen interessant. Das ganze ist in der Ich-Perspektive geschrieben, also sehr auf Anita Blake bezogen. Rund um Anita werden bereits im ersten Band zahllose Nebencharaktere vorgestellt, die alle individuell dargestellt werden. Es gilt sich gut zu konzentrieren, um alle Namen einzuordnen.
Nach bewährter Krimi Manier wird die Geschichte straff von Anfang an aufgezogen und man kann bis zum Ende den Atem anhalten. Es gibt viele Wendungen, überraschende Momente und verblüffende Dialoge. Anitas coole Art und ihr trockener Humor sorgen für einige entspannte Augenblicke, aber kurz darauf wird sie schon wieder in Schwierigkeiten verwickelt. Das ist das einzige, was mich ein wenig stört, dass es nie Zeit zum Luft holen gibt, dass Anita eine unerschöpfliche Energie zu haben scheint. Das gibt so ein Superhelden Image, das klischeelastig ist. Ansonsten wird aber nicht sehr viel mit den üblichen Klischees gespielt. Es gibt keine romantischen Liebesszenen, kein Held, der Anita zur Seite steht und keine lauen Sommerabende auf dem Balkon. Vielmehr wird mit blutigen und gewaltsamen Szenen nicht gespart und teilweise ist der Roman nichts für schwache Nerven. Man fragt sich schon fast, wie die Autorin nach diesem ersten, rasanten Band das ganze noch toppen will.

Fallen Angels – die Ankunft

von J. R. Ward

erscheint auf Deutsch im Februar 2010 im Heyne Verlag
580 Seiten, broschiertes, größeres Taschenbuchformat

Preis: EUR 14,95


ISBN-10:
 345326664
ISBN-13: 978-3453266643
Übersetzt von Astrid Finke

Fazit

Überzogener, auf Klischees basierender Mystery-Roman für Fans der Autorin.

Jim Heron hat sein altes Leben hinter sich gelassen und arbeitet jetzt auf der Baustelle des vermögenden Geschäftsmannes Vin diPietro. Durch einen unglücklichen Unfall kommt Jim zu Tode, doch damit ist längst nicht alles vorbei. Er öffnet die Augen und währt sich im Himmel - da erblickt er einige seltsame Männer, die ihm erklären, dass er jetzt eine neue Rolle als entscheidender Krieger im Kampf zwischen Himmel und Hölle einnehmen wird. Gott und Luzifer haben vereinbart, dass die Weltherrschaft an diejenige Seite geht, die sieben Seelen auf der Erde für sich gewinnen kann. Jims erste Aufgabe ist es, ausgerechnet seinen Boss, Vin, auf die "gute" Seite zu ziehen. Ohne große Erklärungen katapultieren die Engel ihn wieder auf die Erde und Jim findet sich im Krankenhaus wieder. Sofort macht er sich an die Arbeit und versucht, Vin näher kennen zu lernen. Dabei lernt er auch Vins attraktive Freundin Devina kennen - und ist schockiert. Die verführerische Frau ist genau die, die er vor ein paar Tagen im Club Iron Mask nicht nur gesehen sondern auch "getröstet" hat. Mit der Beziehung zwischen Devina und Vin kann etwas nicht in Ordnung sein. Ist es Jims Aufgabe, das zu regeln? Dann gibt es noch die alleinerziehende Marie-Therese, die im Iron Mask als Prostituierte arbeitet um ihre Schulden zu begleichen. Zusammen mit ihrem Sohn ist sie vor ihrem gewalttätigen Ex-Mann geflohen. Was hat ihr Schicksal mit Vin zu tun? Jims Aufgabe gestaltet sich schwieriger als erwartet.

Es ist mir nicht leicht gefallen, das Buch nur als mittelmäßig einzustufen, immerhin hat man bei dieser Autorin stets die fantastische Black Dagger Serie als Referenz im Kopf. Genauer gesagt, die ersten Teile der Black Dagger Serie. Die letzten Teile haben mir nicht mehr so gut gefallen und diese Tendenz scheint sich jetzt auch bei ihrer neuen Reihe fortzusetzen. J. R. Wards Stil ist hier auch unverwechselbar zu erkennen: ausgeschmückter, ausgefallener Schreibstil in einer eigenwilligen Mischung aus derb-saloppem Jargon und blumigen Beschreibungen mit unzähligen Adjektiven und Metaphern. Die Autorin versucht permanent, das Rad neu zu erfinden und bringt Vergleiche, die sonst wohl keiner gewagt oder auch nur daran gedacht hätte. Wo mich dieser Schreibstil am Anfang noch begeistert hat, finde ich ihn in diesem vorliegenden Übermaß größtenteils nur noch aufgesetzt und anstrengend. Alles, jede noch so kleine Sekunde der Handlung wird dadurch überbewertet und hochstilisiert, das Ganze verliert jegliche Natürlichkeit. Auch wenn J. R. Ward mit der Figur des Jim Heron versucht, eine vordergründig "normal-bodenständige" Person als Hauptcharakter zu bringen, gelingt es ihr nicht, ihn mir sympathisch zu machen. Klar sind alle Personen dieses Buch "tortured heros" und versuchen sich mit ihren grauenhaften Vergangenheiten zu überbieten. Aber Jim Heron ist überdies auch noch unnahbar und rigoros - und das nicht mehr nur in dem Maße, dass es ihn interessant und geheimnisvoll macht. Auch die weiteren gefallenen Engel haben mir charakterlich überhaupt nicht gefallen. Die Gegenspielerin Devina ("Dev-il-ina" - wie geistreich) fand ich unspektakulär und durchsichtig. Insgesamt war mir für einen Paranormalen Roman einfach zu wenig "Paranormales" vorhanden. Es ist wie eine Geschichte aus einer US-Daily Soap, die mit ein wenig Mystery gewürzt wurde um auf der modernen Para-Welle mitzuschwimmen. Durch möglichst wenige Informationen versucht die Autorin eine mysteriöse, geheimniskrämerische Stimmung aufzubauen, die ich aber eher unangenehm und unnötig fand. Auch die permanenten Szenenwechsel können nicht verschleiern, dass in den 580 Seiten einfach zu wenig Inhalt ist.
Mit Vin und Marie-Therese bekommt man eine vorhersehbare Pretty Woman Love Story geboten, die vor Klischees nur so strotzt. Jims Rolle in dieser Liebesgeschichte bleibt hölzern und am Rande und eigentlich wollte ich gar nicht, dass er sich da einmischt mit seiner rohen Art. Die Sexszenen sind prickelnd und ausnahmslos gelungen - das kann sie wirklich, die liebe Frau Ward. Leider konnte mich der Rest nicht überzeugen. Die Lektüre hat sich bereits zu Beginn gezogen und kann auch am Ende mit keinen großen Überraschungen aufwarten. Da es sieben Todsünden gibt, werden wohl noch 6 Teile folgen, in denen sich die Autorin hoffentlich noch steigert!
Wenigstens bin ich froh, dass sich der Verlag dieses Mal gegen eine Teilung in zwei Extra-bände entschieden hat, wobei der Preis von EUR 14,95 auch kein Pappenstiel ist.

Magie im Blut

von Devon Monk

erscheint auf Deutsch im Oktober 2010 im Heyne Verlag
390 Seiten, Taschenbuchformat

Preis: EUR 8,99

Fazit

Etwas bemühter erster Teil mit einer distanzierten Heldin, aber durchaus entwickelbar.

Allie Beckstrom lebt in einer Welt, aus der die Magie nicht mehr wegzudenken ist. Magie wird durch Städte geleitet, gespeichert und vielfältig eingesetzt. Als Tochter eines der reichsten Konzerngiganten der Region könnte Allie eigentlich ein schönes, ruhiges Leben führen. Doch sie hat sich von ihrem manipulativen und distanzierten Vater entfernt und seinen Ratschlägen und Beeinflussungen den Rücken gekehrt. Jetzt schlägt sie sich als "Spürhund" durch, und verdient ein wenig Geld mit Aufträgen bei denen sie verübte Magie auf ihren Initiator zurückführen kann. Leider bringt das Wirken von Magie auch immer Nachteile mit sich, so leidet Allie an Gedächtnisverlust und ständigen körperlichen Schmerzen.

Eines Tages wird sie zu einem kleinen Jungen gerufen, der durch Magiekontamination in Lebensgefahr gebracht wurde. Allie erkennt im Tätermuster überrascht ihres Vaters Signatur wieder und will ihn wutschnaubend zur Rede stellen. Also trifft sie sich nach Jahren wieder mit ihm und muss zusehen, wie er jede Schuld von sich weist. Aber Allie lässt nicht locker. Zusammen mit dem geheimnisvollen Zayvion Jones macht sie sich auf die Suche nach dem wahren Täter und gerät dabei selbst in Lebensgefahr.

Der Auftakt zu dieser neuen Urban Fantasy Serie hat es (bei mir) nicht leicht gehabt, immerhin gibt es schon ruhmreiche Vorgänger, z. B. Rachel Morgan oder Marla Mason. Nachdem sich dann Allie Beckstrom auf den ersten Seiten auch als quengelige, Kaffeesüchtige und chaotische Heldin entpuppt hat, stellte sich bei mir leichte Enttäuschung ein. Sie führt das typische Leben einer Querulantin mit allen zynischen Ecken und Kanten, die so ein Charakter nun eben hat. Zerwürfnis mit der Familie, wenige Freunde, ein schlecht bezahlter Job, ständig Probleme mit ihrer Gesundheit durch die Magieschuld, das zeichnet Allie aus. Erschwerend kam hinzu, dass mir sämtliche Nebenfiguren zu Beginn sehr unsympathisch waren, inklusive dem betont geheimnisvoll gehaltenen Zayvion Jones. Vertrauen ist etwas, das sich Allie nicht leisten kann und so ist hinter jeder Ecke ein potentieller Feind.

Der Ich-Erzählstil ist für Urban Fantasy ja bereits fast Standard, brilliert hier aber nicht unbedingt durch Authentizität und Nähe zur Hauptfigur. Die Autorin neigt ein wenig zu ausschweifenden Zustandsbeschreibungen, alles riecht oder stinkt irgendwie und wabert magisch durch die Gegend. Manchmal greift sie aber auch interessante Details auf und schafft so eine spannungsgelanden Atmosphäre. Zynisch und gut platziert ist Allies Humor, der in trockenen, kurzen Kommentaren ans Tageslicht kommt. Nicht sehr gut gefallen hat mir der Perspektivenwechsel hin zum "Bösen", der zwar sehr stark verschleiert ist, aber kurz nach dem Start des Romans sofort ins Auge fällt. Die meiste Zeit jedoch spielt die Handlung rein aus Allies Sicht.
Nach dem meiner Meinung nach etwas zähen Anfang entwickelt sich die Story aber recht gut und hebt sich stellenweise positiv aus der simplen "Kick-ass-Heldin-sucht-Verbrecher" Masche heraus. Allies Beziehung zu Zayvion bleibt undurchsichtig und spannungsgeladen. Es gibt einige prickelnde Szenen, auf Romantik wird generell aber wenig Wert gelegt. Es wird auch nicht allzu explizit, dabei aber sprachlich klischeefrei und wohlüberlegt.

Überhaupt gewinnt Magie im Blut ab der Hälfte zunehmend an Substanz und Erzähltiefe, Allie ist mir zwar bis zum Schluss etwas fremd geblieben, sie manövriert sich aber dann doch ganz ordentlich durch die Widrigkeiten. Die Dialoge werden besser, treffender und mitreißender. Bald war meine Neugier darüber geweckt, was es nun mit Zayvion auf sich hat und welche Position Allie im großen Machtspiel um die Magie einnehmen wird. Auch gibt es für sie eine persönliche Entwicklung und ihre Kräfte sind noch lange nicht alle aufgedeckt oder gar genutzt. Das macht Lust auf die Folgebände.
Bis zum Schluss schwergetan habe ich mich allerdings mit der von Devon Monk konstruierten Welt, in der die Magie für fast alle nutzbar gemacht wurde. Magie fließt durch Kupferrohre und kann mittels Blitzableiter gefangen werden? Magie ist hier irgendwie wie ein Gift, dessen Anwendung demjenigen schadet und daher immer gefährlich ist. Schließlich geht es, den Schaden - illegalerweise - auf jemand anderen zu projizieren. Auch die Art, wie Magie mittels Mantras und Handbewegungen ausgelöst wird und dann in Form von Glyphen "in der Luft hängt", finde ich etwas ungeschickt dargestellt. Aber nun gut, immerhin finden sich die Hauptcharaktere einigermaßen in dieser Welt zurecht.
Insgesamt ein recht ansehnlicher Serienauftakt mit einigen Schwächen, die hoffentlich in den Folgebänden ausgebügelt werden. Ein weiterer ist ja schon angekündigt, ich hoffe inständig, dass trotz sinkender Verkaufszahlen im Urban Fantasy Bereich hier keine Welle von Serieneinstellungen folgt.

Shadowblade – Dunkle Fesseln

von Diana Pharaoh Francis

erscheint auf Deutsch im November 2010 im Knaur Verlag
432 Seiten, HC Klappenbroschur (nicht gebunden)

Preis: EUR 14,95

Fazit

Harter, spannender Urban Fantasy / Fantasy Roman mit einer facettenreichen Heldin.

Max ist eine Shadowblade, eine lebende Waffe. Einst war sie eine ganz normale junge Frau mit Familie und Freunden, bis sie auf die charismatische Giselle traf. Dass diese eine mächtige Hexe ist, erfährt Max zu spät: da hatte sie schon den seltsamen Fragen ob sie ewig leben wolle und unbesiegbar sein kann JA gesagt. Unter Schmerzen und Folter zwingt Giselle Max einen Bannzauber auf, der sie dazu bringt, die Hexe zu beschützen und sei es unter Einsatz ihres Lebens. Seither wehrt sich Max gegen diese Unterjochung, sie ist aufmüpfig und trotzig und plant ständig, wie sie Giselle töten und sich damit befreien kann.
Dann jedoch zieht ein welterschütternder Krieg am Horizont auf, in den alle Hexen verwickelt sind. Eine Prophezeihung wird ausgesprochen, dass Max in diesem Kampf eine entscheidende Rolle spielen wird. Max erhält den Auftrag, einen seltsamen magischen Angriff zu untersuchen und beobachtet, wie die Shadowblades einer verfeindeten Hexe versuchen, einer Wintergreisin den Zauberstab zu entreißen. Es kommt zum Kampf, in dem Max nur besteht, weil sie der Wintergreisin hilft. Hier passieren zwei entscheidende Dinge: Max erhält als Dank von der Wintergreisin ein magisches Hagelkorn, das einen Wunsch erfüllen kann. Und sie trifft Alexander, den Prime der Shadowblades der Hexe Solange. Sofort geschieht etwas zwischen Max und Alexander, eine tiefe Anziehungskraft. Doch er ist ihr Feind und sie hat den Auftrag, ihre Herrin zu beschützen.

hadowblade hat mich von der ersten Seite an gepackt und durch das hohe Erzähltempo und die spannende Story nicht mehr losgelassen. Kleine Längen im Mittelteil sind verschmerzbar und stören nicht sehr. Man merkt gleich am Anfang, dass hier eine härte Gangart eingelegt wird und lernt die Hauptfigur Max als eine zynische, todesmutige und kalte Frau kennen, die keine Kompromisse macht. In treffenden, gut gewählten Worten präsentiert uns die Autorin eine im wahrsten Sinne des Wortes gequälte Heldin, die ihre Gefühle tief in sich eingeschlossen hat. Hass und Rachsucht beherrschen ihr Denken und obwohl sie von Grund auf sehr loyal ist, will Max doch nichts anderes, als ihre Freiheit und eine Strafe für Giselle.
Nach kürzester Zeit gibt es schon die ersten Kämpfe, die allesamt blutig, brutal und fantastisch beschrieben sind. Eine Waffenliebhaberei ist hier - ganz ähnlich wie bei Dante Valentine - deutlich zu erkennen. Alle Waffen werden beim Namen genannt, erläutert und natürlich muss Max immer wie ein wahres Arsenal herumlaufen. Doch natürlich steckt in Max mehr als eine eiskalte Tötungsmaschine, ansonsten hätte die Story nicht mehr viel Inhalt. Aber vorerst ist die Autorin sehr zurückhaltend mit Gefühlsausdrücken und bleibt es auch mehr oder weniger bis zum Schluss. Nicht, dass es in Max drin eiskalt wäre, vielmehr brodelt es regelmäßig in ihrem Inneren und sie leidet unter unzähligen Gewissenskonflikten und Sehnsüchten, die sie sich nicht erlauben kann und will. Nach außen hin jedoch bleibt sie oft undurchdringlich und starr. So schwierig es ist, einen solch komplexen Hauptcharakter darzustellen, so bewundernswert gelingt es der Autorin. Trotz all ihrer Härte ist Max eine faszinierende, vielschichtige Person mit unglaublich viel Potiential. All ihre Interaktionen mit Haupt- und Nebenfiguren sind gut platziert und fern von Oberflächlichkeiten. Es wird nicht unbedingt viel gesprochen in diesem Roman, aber wenn, dann mit Nachdruck. Derbe Ausdrücke und Schimpfworte gibt es zu Hauf, aber auch einen feinen, bissigen Humor.
Viel Zeit verbringt man auch damit, Landschafts- und Zustandsbeschreibungen zu lesen. Auf Atmosphäre wird viel Wert gelegt und die Autorin erschafft neue Redewendungen, interessante Fantasy-Inhalte und Kreaturen und eine apokalyptische Hintergrundgeschichte, die von viel Arbeit und Kreativität zeugen. Das Thema "die magische Welt will die Menschen vernichten" ist jetzt zwar nicht neu, aber hervorragend umgesetzt. Dabei kommt in diesem ersten Teil noch nicht viel von jenem großen Krieg ans Tageslicht, es zeichnet sich jedoch ein ultimativer Showdown ab.
Die Erzählperspektive wechselt zwischen Max und Alexander hin und her, bleibt aber immer neutral in der dritten Person. Ab und zu gibt es Überschneidungen der Ereignisse, einmal aus Max und einmal aus Alexanders Sicht, das ist ein faszinierendes Stilmittel. Überhaupt habe ich sprachlich rein gar nichts auszusetzen und ein Hauptgrund für meinen postiven Gesamteindruck macht in jedem Fall der flüssige Erzählstil und die tolle Ausarbeitung der Hauptfiguren aus. Max und Alexander geraten ständig aneinander, misstrauen sich, streiten sich, nähern sich, helfen sich und all das ohne Klischees. Es gibt in ihrer zwischenmenschlichen Geschichte einige Überraschungen, die unvorhersehbar platziert sind. Von Romantik ist allerdings nicht viel zu sehen in diesem Roman, es gibt nur ganz am Rande ein kleines Aufblitzen. Vorrangig konzentriert sich die Story auf Max Rolle als Giselles Shadowblade, auf ihre Position in der Gruppe, ihren Konflikt mit der Hexe und natürlich auf das Abenteuer, das alle erleben. Zartbesaitet sollte man hier allerdings nicht sein, es gibt explizite Folterszenen und viel Blut. Teilweise war es mir zu sehr darauf angelegt, brutal zu wirken, nur deswegen - und eventuell wegen dem kleinen Hänger in der Mitte des Buches - keine Top Wertung. Ansonsten kann ich Shadowblade uneingeschränkt für alle Fans von Urban Fantasy empfehlen, vor allem für Anhänger von Dante Valentine, Elizabeth Phoenix, Anita Blake und anderen "toughen" Kämpferinnen.
Noch ein Wort zur Aufmachung: 14,95 EUR für ein Taschenbuch, und sei es noch so stabil und großformatig, ist viel Geld. Schimmernde Applikationen auf dem Cover und ein schöner Druck machen zwar was her, sind aber für mich kein Muss. Ich frage mich auch, wie man auf die Idee kommt, eine schwarzhaarige Frau abzubilden, denn Max ist weißblond...

Teufelskreise

von Linda Robertson

erscheint auf Deutsch im März 2011 im Egmont Lyx Verlag
400 Seiten, Taschenbuchformat

Preis: EUR 9,95


ISBN 10: 3802583515

ISBN 13: 978-3802583513
Übersetzt von Stefanie Zeller

Fazit

Ganz unterhaltsamer Urban Fantasy Mix, der aber nicht aus der Masse heraussticht.

Persephone Alcmedi ist eine begabte Hexe, dennoch hält sie sich mit Tarotkartenlegen und dem Schreiben einer Werwolf-Kolumne über Wasser. Seitdem ihre Großmutter Demeter, genannt Nana, bei ihr eingezogen ist, kommen noch mehr Stress und Geldsorgen auf sie zu. Eigentlich müsste ihr der Auftrag von der Hohepriesterin Vivian, den Mörder der kleinen Lorrie zu fassen und zu töten, gerade recht kommen, denn Persephone bräuchte das Geld. Doch sie zögert, denn Auftragsmord verstößt gegen ihre moralischen Prinzipien und gegen die Lehren der weißen Magie. Doch die Wut auf den Mörder siegt und Persephone möchte das kleine Mädchen schützen, das so plötzlich ihrer Mutter beraubt wurde.

Als Freundin der Werwölfe macht es Persephone auch nichts aus, dass Lorries Mutter ein Werwolf war. Da sie aber ahnt, dass dieser Auftrag lebensgefährlich werden könnte, bittet sie sowohl den attraktiven Werwolf Johnny, als auch die Ermittlerin Theo um Hilfe. Die Spur führt zu einem mächtigen Vampir und seinem Untergebenen Goliath. Dann passiert Theo ein schrecklicher Unfall und Persephone wird klar, dass sie sich und alle, die ihr etwas bedeuten, in Gefahr gebracht hat.

Gute Kritiken des des Originals und meine Begeisterung für alles, was Urban Fantasy ist, haben keinen Zweifel daran gelassen, dass ich Teufelskreise lesen muss.
Leider stellte sich bereits nach wenigen Seiten eine Ernüchterung ein, die auch nicht mehr nachließ. Die Autorin hat es geschafft, eine Geschichte, die durchaus Potential gehabt hätte, mittels unlogischer Wendungen und unsympathischer Figuren zu einem nichtssagenden Einheitsbrei zu machen, der streckenweise einfach nur langweilig ist. In Persephones Welt leben Hexen, Vampire und Werwölfe neben den Menschen, sie haben ihre Existenz offenbart, kämpfen aber mit zahlreichen Vorurteilen. Vor allem die Werwölfe, die sich zu Vollmond immer verwandeln, müssen sich freiwillig in Zwinger begeben. Persephone hat netterweise ihren Keller dafür zur Verfügung gestellt und serviert dort auch Frühstück am nächsten Morgen. So lernte sie auch Johnny kennen, obwohl sie sich anfangs vor seinen unheimlichen Tättowierungen fürchtete.

Ich merke schon, dass ich selbst beim Schreiben der Rezension ins Schwafeln gerate, was wohl daran liegt, dass in diesem Buch vorrangig nur geschwafelt wird. Unter all diesen Oberflächlichkeiten liegt zugeschwallt eine ganz ernste, ergreifende Story um einen Mord, eine Protagonistin, die ihre Vergangenheit bewältigen möchte, Konflikte und Vorurteile zwischen Menschen, Vampiren und Werwölfen und eine ganz zarte Liebesgeschichte. Leider gibt es keinen Roten Faden und die Figuren gleiten der Autorin scheinbar aus der Hand. Manchmal hatte ich den Eindruck, sie wusste überhaupt nicht, was sie mit ihren Helden anfangen soll, also erfand sie allerlei Albernes um von ihrer schlechten Storyline abzulenken. So debattiert Persephone ewig und drei Tage mit ihrer Großmutter, regt sich über den Hund Poopsie auf, verliert sich in Monologen über ihre Kindheit und was sie nun eigentlich von dem ach so unheimlichen Johnny halten soll, dessen Annäherungsversuche sie trotz allem interessieren.

Als dann der Mordauftrag auf Persephone zukommt, sie in Gewissenskonflikte gerät und die Story eine gewisse Dynamik entwickelt, hatte ich schon gehofft, dass das Anfangsgeplänkel einfach nur Startschwierigkeiten waren. Doch schnell bremst sich die Story selbst wieder aus, viel zu viele Personen geraten in das Zentrum der Aufmerksamkeit, haben Unwichtiges zu sagen und machen alberne Sprüche. Immer mehr verzettelt sich die Autorin in Klischees und Diskussionen und verliert meiner Meinung nach das Wesentliche aus den Augen. Zudem gab es einige haarsträubende Situationen, die einfach gar nicht gingen, zum Beispiel (Achtung leichter Spoiler): Als Persephone den wahren Täter entlarvt, wird "er" an einen Stuhl gefesselt und jeder, der da ist, darf sich mal im Foltern üben. Vor den Augen einer ohnehin schon traumatisierten Zehnjährigen reißt Persephone der Schuldigen grob an den Haaren, schlägt sie, knebelt sie etc.
Die Moralität, die ganz deutlich mit diesem Roman vermittelt werden soll, hat sich durch solche Fauxpas einfach nur verabschiedet. Diese unangenehme Charakterschwäche haben aber zahlreiche Figuren, auch der anfangs so saloppe und liebenswerte Johnny hält nicht unbedingt, was er verspricht. Oft hatte ich das Gefühl, die Autorin legt ihren Personen einfach etwas in den Mund, weil es jetzt zur Situation passt, und nicht, weil es ihre Art wäre. Rasch waren mir dann alle, inklusive Persephone unsympathisch. Und wenn die Figuren sich in ihrer eigenen Geschichte nicht authentisch bewegen, kann man auch als Leser nicht den Funken überspringen spüren. Daher fand ich auch die Magie, sämtliche Rituale und alles, was Persephones Hexendasein ausmacht, schlichtweg lächerlich. Sie spricht Mantras in Reimen, hat Visionen in ihren Meditationen und errichtet Bannkreise. Aber eine "magische" Person ist sie nicht, ihr haftet nichts Übersinnliches an und ich war von der Plattheit ihrer Auslegungen oft enttäuscht.

Sehr ernüchternd ist auch der Hauch - und es ist wirklich nur ein Hauch - einer Liebesgeschichte, die diesen Roman würzen soll. Zwischen Johnny und Seph ist etwas, was man vielleicht als pubertäre Anziehungskraft bezeichnen könnte, da gibt es keinen Tiefgang sondern nur Erwähnungen von Oberflächlichkeiten. Hier ein knackiger Po, da seine männlichen Attribute. Doch der Mann Johnny hat überhaupt keinen Rahmen um sich zu entwickeln und Seph achtet auch nicht darauf. Wahllos geht sie von anfänglicher Skepsis zu teeniehafter Schwärmerei über. Da helfen auch all ihre Monologe über die scheinbare Überwindung von Vorurteilen nichts.
Außerdem, und das ist mittlerweile bei mir schon eine persönliche Aversion, NERVEN mich diese Anspielungen auf amerikanische Popkultur. Wir trinken keinen Kaffee, nein, es heißt ja Chocolate Chip latte von der berühmten Kette XYZ. Ständig werden Markennamen von Kleidungsstücken, Schmuck, Parfum oder Einrichtung erwähnt, alles muss hip sein oder irgendwie stylish. Man glaubt gar nicht, wie sehr mich dieser Pseudo-Sex-and-the-City-Stil ankotzt, wenn es gleichzeitig um einen Mord geht.

Ich hatte eigentlich vor, nur 1 oder 2 Sterne zu vergeben, aber es gibt 3 für die darunterliegenden, guten Ansätze. Vielleicht kommt im zweiten Teil ja mehr heraus.