Dark Future – Herz aus Feuer

von Eve Kenin

erscheint auf Deutsch im Februar 2012 im Knaur Verlag
Taschenbuch, Klappenbroschur 350 Seiten

Preis: EUR 9,99

Fazit

Sci-Fi Abenteuer mit prickelnder Romantik. Toll!

Lange war Tatiana die Gefangene des skrupellosen Wissenschaftlers Gavin Ward, der an der genetisch veränderten Frau Experimente machte und versuchte, ihre Andersartigkeit in todbringende Waffen einzubringen.
Doch irgendwann gelang ihr die Flucht und seither zieht sie durch das nördliche Ödland, verdingt sich in der Eiseskälte als Auftragskillerin. Körperlich stärker als normale Menschen, vermag sie gefährliche Aufträge zu erfüllen.
Eines Tages begegnet ihr an einer Station ein seltsamer, verhüllter Mann, der es anscheinend auch auf Rache abgesehen hat. Vom ersten Moment an ist Tatiana fasziniert von ihm und im Kampf gegen gemeinsame Feinde kommen sie sich näher. Tatiana folgt Tristan in seine Behausung, ein weit verzweigtes Höhlensystem. Doch kann sie ihm trauen?

Wie auch schon in Herz aus Eis platziert Eve Kenin ihre Geschichte in die ferne Zukunft, in der die Erde ein unwirtlicher Ort voller Gefahren und Verbrechen geworden ist.
Tatiana kennen wir schon ansatzweise aus dem ersten Teil, nun bekommt sie ihre eigene, spannende Story, die sich absolut flüssig und unterhaltsam liest.
Eine vom Leben gezeichnete, misstrauische und starke Frau gerät an einen verschlossenen, dominanten und doch einfühlsamen Mann - eine unwiderstehliche Konstellation. Eve Kenin nutzt dieses Potential auch wohlweislich aus und kreiert Dialoge voller zarter Anzüglichkeiten und eine ständige Phase der Annäherung die in gut platzierten Liebesszenen gipfelt. Diese stehen aber niemals im Vordergrund, in erster Linie ist Herz aus Feuer ein actionreicher Sci-Fi-Abenteuerroman, der von seiner Heldin lebt. In einer wechselnden neutralen Erzählperspektive bekommt der Leser mit, was Tatiana und Tristan erleben, und bis zum Schluss hebt sich die Autorin den Showdown auf. Voller Wendungen, in unaufdringlichem, klaren und leicht kühlen Schreibstil, ist das Buch schnell gelesen und macht Lust auf mehr. Man sollte natürlich ein wenig auf technische Begriffe, ein apokalyptisches Setting und jene Story-Elemente stehen, die allesamt mit Genforschung, Waffen, synthetischen Lebensmitteln etc. zu tun haben. Die Welt, die Eve Kenin baut, kommt weitestgehend ohne Bäume, Sonnenuntergänge und Tiere aus, wirkt daher stellenweise etwas klinisch und irgendwie tot. Aber die Figuren sind sehr lebendig und ich mochte die toughe, zielstrebige Tatiana, die sich in ihrer Mission von (fast) nichts beirren lässt.

Aliens in Armani

von Gini Koch

erscheint auf Deutsch im Oktober 2011 im Piper Verlag
Taschenbuch, ca. 400 Seiten

Preis: EUR 8,95

Fazit

Bunter, völlig überdrehter Sci-Fi-Romantasy Comic.

Eines schönen Tages wird die schlagfertige und mutige Marketingmanagerin
Katherine Katt, genannt Kitty, Zeuge eines Ehestreits auf öffentlicher Straße, während dessen sich der Mann in ein Monster verwandelt und wild unschuldige Zivilisten abschlachtet. Kurzerhand schnappt sich Kitty ihren teuren Füller und stürzt sich auf das Monster. Durch ihren heldenhaften Einsatz werden alle gerettet und sie gerät ins Zentrum der Aufmerksamkeit von seltsamen, in Armani Anzüge gekleidete Herren.

Ehe sie sich's versieht, findet sich Kitty in einer Limousine auf dem Weg ins Einsatzzentrum der Aliens wieder. Denn, so erfährt sie, handelt es ich bei den schicken - und allesamt höchst attraktiven - Männern um Aliens vom Planeten Alpha Centauri, die auf der Erde in einer Art Menschheits-Schutz-Mission sind. Kitty ist erschrocken, als sie lernt, dass außerirdischen Parasiten die Menschen befallen und zu willenlosen Sklaven machen. Zum Glück gibt es die übersinnlich starken und schnellen Aliens, die alles tun, um die Parasiten aufzuhalten. Gleich zu Beginn ist Kitty fasziniert von dem charmanten und sexy Jeff Martini, der ihr von der ersten Minute an Heiratsanträge macht. Da weiß Kitty noch nicht, dass sie in einen gefährlichen und aufregenden Krieg verwickelt werden wird...

Ich hatte alle "Vorbereitungen" getroffen, um diesen Roman zu mögen: 1. ich wollte nichts davon ernst nehmen, 2. ich wollte nicht nach logischen Schlussfolgerungen suchen, 3. ich wollte großzügig über pseudocoole Lückenfüllerdialoge hinwegsehen und 4. war ich sogar bereit, ultra-nervige Sidekicks zu ertragen. Allesamt gute - und notwendige! - Voraussetzungen, um mit Aliens in Armani Spaß zu haben. Leider haben meine besten Vorsätze nicht ganz gereicht, aber dazu gleich. Grundsätzlich wird man durch dieses Buch extrem gut unterhalten, es gibt skurrile, lustige und auch einige ernste Momente. Ein ordentlicher Schuss - teilweise sehr seichte - Romantik/Erotik und haarsträubende Einfälle der Autorin bringen Tempo und reichlich Abwechslung.

Natürlich hat der Roman ein wenig den "Genre-Pionier-Bonus", denn es ist der erste Sci-Fi-Romantasy, den ich je gelesen habe. Also war ich ganz gespannt, wie die Autorin die Herkunft der Aliens erklärt und all das Warum und Wieso drumherum. Jeff Martini und seine Mitstreiter vom Planeten Alpha Centauri waren mir auch ganz sympathisch, auch wenn sie mir trotz ihrer tollen Fähigkeiten definitiv zu "menschlich" rüberkamen. Und alle sind supersexy und männlich und laufen in Armani Anzügen herum... na ja. Ich will nicht spoilern, daher nur ganz kurz zur Hintergrundgeschichte: die Begründung der Autorin, warum die Aliens auf die Erde kamen und wie das mit den Parasiten und der Alpha Centauri Gesellschaftsstruktur zusammenhängt, ist für mich eines der größten Mankos dieses Buches. Ich habe nicht viel erwartet, bei weitem nicht, aber die wirren Erklärungsversuche mit religiösen und politischen Inhalten hätte sich Gini Koch auch sparen können. Es gibt viele viele Passagen, die man hätte streichen können in diesem Buch und das hätte dem Lesefluss eher gut getan.

Genauso wenig gelungen ist die Darstellung der Parasiten und warum sie die Menschen befallen und sie aber nur teilweise und temporär verwandeln etc. Gini Koch ergeht sich hier in Interpretationen und das schlimme ist, das wir das alles anhand von Monologen der Hauptfigur erfahren müssen. Kitty erzählt alles als Ich-Erzähler, und obwohl sie - unfassbar - gewitzt und fix ist, wälzt sie das Thema Herkunft und Legitimation des Alienproblems ewig lange herum.

Kitty selbst ist eine toughe Frau, die weder auf den Mund gefallen ist noch Berührungsängste hat. Zwischendurch fand ich sie leider ein wenig schlampig, auch leicht in sexueller Hinsicht. Natürlich müssen die weiblichen Hauptfiguren keine streng monogamen Moralapostel sein, um mir zu gefallen, doch Kitty hat so etwas lässiges, oberflächliches an sich, das mir stellenweise nicht so passte. An ihrer Seite ist der ewig baggernde Charmeur Jeff, der im Grunde genommen charakterlos ist. Er ist zwar ein Empath und damit fähig, sämtliche Gefühle anderer Wesen zu spüren, er selbst bleibt aber ziemlich blass und voller abgegriffener Sprüche. Gleich zu Beginn hat er wohl entschieden, dass er Kitty heiraten wird und dabei bleibt er dann auch. Und da er hübsch anzusehen ist, hat Kitty auch nichts dagegen, mit ihm in die Kiste zu steigen. Und sein Cousin Christopher? Ja, der ist auch nicht schlecht. Ob er genauso gut im Bett ist? So überdurchschnittlich schlau und spontan Kitty im Bezug auf Gegenstände ist, die man als Waffen benutzen könnte, so minderbemittelt stellt sie sich in emotionalen Dingen an. Große Teile des Romans sind wie eine Mischung aus Sex-and-the-City und Man in Black oder Independence Day.
Dass die Autorin von Comics begeistert sein muss, beweist ihre übertriebene und bildhafte Sprache in allen überdrehten Kampfszenen der Aliens mit den Parasiten. Da kommen irrwitzige Kreaturen daher, riesige Schnecken werden mit Salzwasser (das aus Kampfjets der Army gegossen wird) besiegt und Haarspray ist überhaupt das beste Mittel gegen Riesenmonster. Kittys Mut und Handlungsfähigkeit fand ich dabei außerirdischer als alle Talente der wirklichen Aliens.

Soweit so gut, das hätte wirklich noch für eine gute Bewertung gereicht. Und dann hat sich die Autorin entschlossen, Kittys Familie in den Plot zu nehmen. Mit Mum und Dad und den drei Hunden und zwei Katzen kommt der Moralapostel hinzu und es endet in zahllosen, für mich überflüssigen Mutter-Tochter Dialogen. Bald zieht Gini Koch eine hanebüchene Begründung nach der anderen aus der Tasche um Kittys Eltern von zwei ganz normalen Menschen zu quasi global wichtigen Superhelden zu machen. Ein sehr lästiger Einsatz von Superlativen presst die Story immer weiter in ein anstrengendes Paralleluniversum und je mehr Geschütze aufgefahren wurden, desto unsympathischer wurde mir Kitty.
Die Liebesszenen - vor allem aber die romantischen Momente - hingegen sind gut gelungen, die angedeutete Dreiecksgeschichte ist zwar nichts neues, aber ok. Zum Humor: ich habe nicht ein einziges Mal gelacht, vielleicht die Augen verdreht höchstens. Irgendwie ist das nicht meine Art Humor...Dennoch werde ich dem zweiten Teil wohl noch eine Chance geben.

Das zweite Zeichen des Zodiac

von Vicki Pettersson

auf Deutsch erschienen im Februar 2009 im Blanvalet Verlag
572 Seiten, Taschenbuchformat

Preis: EUR 8,95

ISBN: 3442265649
EAN: 978-3442265640
Übersetzt von Simon Weinert und Hannes Riffel

Fazit

Interessanter aber etwas zäher zweiter Teil einer Serie mit komplexen Charakteren. Erfordert Geduld.

Nachdem Joanna alias Olivia Archer nun Mitglied der Lichtagenten des Zodiac geworden ist, scheint sich ein Gleichgewicht zwischen Licht und Schatten eingependelt haben. Doch endgültig kann sich Joanna weder mit ihrer Rolle als Kairos noch mit ihrer emotionalen Situation abfinden. Immer wieder sorgen ihre Gefühls- und Racheausbrüche in der Zuflucht für Misstrauen und Angst bei ihren Kameraden, vor allem aber bei ihrem Anführer Warren. Stets hat Joanna die Vergeltung an dem Schattenagent Joaquin vor Augen, der sie damals brutal missbrauchte. Doch sie leidet auch an der Isolation von der normalen Menschenwelt und ihrer gescheiterten Liebe zu Ben Traina. Annäherungsversuche des attraktiven Hunter kann Joanna nur abwehren. Eines Tages trifft sie auf die Schattenadeptin Regan DuPree, die bestens über Joannas geheime Identität Bescheid weiß. Sie verspricht Joanna die Möglichkeit, an Joaquin Rache zu nehmen. Als Gegenleistung verlangt sie Stillschweigen und die Chance darauf, dass Joanna irgendwann mit ihr zusammen auf der Schattenseite stehen und kämpfen wird. Ohne viel zu überlegen nimmt Joanna an, völlig besessen von der Rache an ihrem Vergewaltiger. Doch dabei übersieht sie völlig, dass sie sich zur Marionette des bösen Planes des Tulpa gemacht hat, der an einer Schlacht zwischen Schatten und Licht feilt - dem Eintreffen des Zweiten Zeichen des Zodiac. Die Schlacht auf dem verfluchten Schlachtfeld. Zu spät merkt Joanna, dass sie Regan nicht hätte vertrauen dürfen und dass sie der Schlüssel für die Vernichtung der gesamten Zuflucht des Lichts ist. Kann sie im Alleingang die Situation retten?

Das Zweite Zeichen des Zodiac schließt direkt an den Vorgänger an und bietet Einsteigern ohne Vorwissen nur ganz wenige Andeutungen auf den Gesamtzusammenhang. Wie gewohnt ist der Schreibstil sehr komplex, etwas langatmig, detailverliebt und ausführlich. Man bekommt als Leser wirklich alles mit: wie sich Joanna fühlt, wie sie sich bewegt, wie sie aussieht, wie die Umgebung aussieht, wie andere Leute aussehen, was sie denkt etc etc. Das füllt Seiten ohne Ende, allein schon mit Monologen. Dabei kann man nicht sagen, dass nichts geschieht. Genauer gesagt passiert sogar ziemlich viel, mehr als im ersten Band. Daher hat mir das zweite Zeichen auch ein wenig besser gefallen als der erste Teil und ich konnte ab der Hälfte flüssig durchlesen. Durch die Ich-Perspektive liegt der Schwerpunkt natürlich auf Joanna und ihren Taten, aber sie nimmt ihre Umwelt so genau wahr, dass man sich auch gut in andere Personen versetzen kann. Leider komme ich immer noch nicht so gut mit ihrem Charakter zurecht. Sie ist stets noch dermaßen bockig, aufbrausend, unfair und ausfallend, dass sie sich dauernd deshalb in unmögliche Situationen bringt bzw. andere gefährdet. Klar ist das Absicht der Autorin, aber es fällt mir schwer, so jemanden über 500 Seiten "um mich herum" zu haben, das ermüdet schnell oder ich muss entnervt Lesepausen einlegen. Zum Glück scheint Joanna mit der Zeit an ihren Aufgaben zu wachsen und gegen Ende des Buches wächst die Hoffnung, dass da noch nicht Hopfen und Malz verloren ist. Insgesamt ist die Geschichte recht spannend und teils wie ein Krimi dargestellt. Es gibt nicht mehr so unzählige Kammerspiel- Dialoge wie im ersten Teil und manchmal kommt richtig frischer Wind auf mit Verfolgungsjagden und Kampfszenen. Das hat dann etwas von Anita Blake oder Kate Daniels. Den Klappentext kann man völlig vergessen. Die ganze Situation mit Ben Traina ist ein absoluter Randeffekt und füllt kaum 10 Seiten. Es ist auch überhaupt keine nennenswerte Liebesgeschichte vorhanden. Zwar empfindet Joanna immer noch Liebe für Ben, doch die kann wohl nie erfüllt werden und andere Dinge sind wichtiger, zum Beispiel die Welt vor dem Tulpa retten. Das Buch hat ein offenes Ende und bietet unglaublich viel Stoff für mehrere Fortsetzungen. Das ganze Thema Familie ist noch völlig undurchsichtig, sowohl über Joannas Tochter als auch über ihre verschollene Mutter findet man nur ganz wenig heraus. Und der Kampf zwischen Schatten und Licht kann ewig so weiter gehen. Diese ganz interessante Offenheit lege ich dem Roman gleichzeitig aber auch als Schwäche aus, denn so verzettelt sich die Autorin immer mehr und manchmal weiß man gar nicht, was eigentlich der rote Faden sein soll. Die Ereignisse verschwimmen ineinander und heben sich gegenseitig auf. So liest man 500 Seiten einer actionreichen Buchmasse und hat doch am Schluss das Gefühl, nur kurz den Finger in ein nebliges, tief-komplexes Fantasy-Etwas gehalten zu haben.

Das erste Zeichen des Zodiac

von Vicki Pettersson

auf Deutsch erschienen im September 2008 im Blanvalet Verlag
580 Seiten, Taschenbuchformat
Preis: EUR 8,95

ISBN: 3442265630
EAN: 978-3442265633
Übersetzt von Simon Weinert und Hannes Riffel

Fazit

Breit angelegtes Science-Fiction Epos mit vielschichtiger Heldin und viel Hintergrundinformation.

Joanna Archer führt ein zurückgezogenes Leben und widmet sich der Fotografie und Kampfkunst. Ganz anders als ihre hübsche und lebenslustige Schwester Olivia, die auch der Liebling ihres Vaters Xavier Archer ist, einem der reichsten und einflussreichsten Geschäftsmänner in Las Vegas. Erst als Joanna ihre Jugendliebe Ben Traina wiedertrifft, scheint das Eis in ihr etwas aufzubrechen. Seit ihrer Vergewaltigung mit sechzehn Jahren hatte Joanna jegliche Beziehung vermieden. Mit Ben ist alles wieder wie früher und Joanna genießt die Zeit mit ihm. Dann jedoch gerät ihr Leben komplett aus den Fugen, als sie eines Abends einen Penner anfährt. Dieser stellt sich als Anführer einer geheimen Truppe namens Zodiac vor, und Joanna soll dazu gehören. Zuerst hält sie das für kompletten Schwachsinn, doch die Ereignisse sollen sie eines Besseren belehren. In der gleichen Nacht noch stirbt ihre Schwester Olivia durch einen Angriff der Schattenagenten und Joanna selbst gerät in Lebensgefahr. Der als Penner getarnte Warren rettet sie und erklärt ihr, dass sie ab sofort nicht mehr in der Menschenwelt existieren darf. Zu Joannas großem Schrecken operieren die Lichtagenten sie so um, dass sie wie ihre verstorbene Schwester Olivia aussieht und komplett deren Identität annehmen kann. Verzweifelt hadert Joanna mit ihrem Schicksal. Eigentlich möchte sie nur ein ganz normales, zurückgezogenes Leben führen. Doch als sie an ihrem 25. Geburtstag eine Verwandlung durchlebt und ihre neuen Kräfte sich ihr erschließen, weiß sie, dass es kein Zurück mehr gibt. Sie muss sich in die Zodiac Truppe integrieren um das Erbe ihrer Mutter anzutreten und die Schattenagenten zu bekämpfen. Olivias Tod muss gerächt werden, doch es ist ausgerechnet Xavier Archer, der hinter den Feindeslinien steht. Joanna erkennt, dass in ihr sowohl das Licht als auch der Schatten regiert und das macht sie zu einer besonderen Person, zum "Ersten Zeichen", das endgültig den Kampf entscheiden soll.

Mit "Das erste Zeichen des Zodiac" bringt Vicki Pettersson einen detailiert aufgemachten und komplexen Science Fiction/Fantasy Roman, der den klassischen Kampf Gut gegen Böse thematisiert. Ganz ausführlich holt sie zu Beginn des Buches aus, um Joanna und ihre Situation zu erklären, weitere Personen vorzustellen und die Atmosphäre der Stadt Las Vegas zu kreieren. Mit teils gewagten Metaphern und Redewendungen, die man sonst nie liest, schmückt sie ihre Sätze aus und prägt einen ganz eigenen Schreibstil. Dadurch wird jedoch verursacht, dass man automatisch langsamer und konzentrierter lesen muss. Es ist nicht ganz so locker und einfach, den Ereignissen zu folgen wie z.B. bei Kim Harrison oder Patricia Briggs. Es gibt nicht so viele Dialoge, dafür umso mehr Monologe aus der Ich-Perspektive. Manchmal kam es mir denn etwas zäh vor und ich hätte die Handlung gern schneller vorangetrieben. Allein die Phase, in der Joanna mit ihrem Schicksal hadert und wie sie zur Zodiac Truppe stößt, nimmt 200 Seiten und mehr ein. In der fiktiven Welt, die hier kreiert wird, spielen die Menschen nur eine untergeordnete Rolle. Im Vordergrund stehen die Licht- und Schattenagenten, die das Gleichgewicht der Macht aufrecht erhalten sollen. In Comics (!) werden ihre Taten für die Ewigkeit festgeschrieben. Teilweise wirken die Erfindungen der Autorin etwas unglaubwürdig oder trashig. Dass die Zuflucht der Lichtagenten nur erreicht werden kann, indem man mit dem Auto vollgas gegen eine Mauer fährt erinnert mich ein wenig zu sehr an Zurück in die Zukunft. Vor allem in der zweiten Hälfte des Buches steigt man voll in die Science-Fiction Handlung ein und jeder Bezug zur Wirklichkeit wird abgebrochen. Auch Joannas reales Leben endet aprupt und die zarte Liebesgeschichte mit Ben ist Vergangenheit. Sehr schade. Also Liebesromanfans werden hier sicher enttäuscht. Es herrscht ein durchweg harter Umgangston und es gibt unzählige Konflikte. Auch die Nebenfiguren sind detailliert entwickelt und haben alle so ihre Probleme mit Joanna, was langwierige Diskussionen nach sich zieht. Wo ich anfangs dachte, dass im Laufe des Buches immer mehr Action aufkommt, irrte ich mich. Es gibt vielmehr eine Multi-Verstrickung von Verrat, Intrigen, Sympathien und persönlicher Entwicklung. Sehr komplex, sehr langatmig. Die Spannung wird zwar latent aufrecht erhalten, doch so weit, wie die Autorin ausholt, kann man mit vielen vielen Bänden der Serie rechnen.