Nocturne City – Schattenwölfe

von Caitlin Kittredge

erscheint auf Deutsch im Februar 2010 im Egmont Lyx Verlag
432 Seiten, Taschenbuchformat

Preis: EUR 9,95

ISBN-13: 9783802582912
ISBN-10: 3802582918
 
Übersetzt von Daniel Müller

Fazit

Kühl-düsterer paranormaler Krimi mit einer schlagkräftigen, toughen Heldin.

Luna Wilder ist eine erfolgreiche und willensstarke Ermittlerin im Dienst der Polizei von Nocturne City, wo Werwolfrudel und Hexen mehr oder weniger friedlich mit der menschlichen Bevölkerung zusammenleben. Das Leben als rudellose Werwölfin ist hart für Luna, muss sie sich doch permanent gegen Vorurteile und Bedrohungen durchsetzen. Ein wenig Rückhalt findet sie nur bei ihrer magisch begabten Cousine Sunny, mit der sie zusammen ein kleines Haus am Rande der Stadt bewohnt. Eines Tages wird Luna mit der Ermittlung in einem blutigen Mordfall an einer jungen Frau beauftragt und gerät damit unwillentlich in einen höchst gefährlichen Korruptionsskandal. Ihr erster Verdacht fällt auf den charismatischen Werwolf Dmitri Sandowsky, doch bald kristallisiert sich für Luna heraus, dass der Täter ein anderer sein muss. Als ein zweites Opfer auftaucht, überschlagen sich die Ereignisse: es scheint, als sollten ihre Ermittlungen von ganz hoher Ebene aus unterbunden werden und Luna kämpft plötzlich gegen alle: die eigenen Polizeikollegen, den grausamen Mörder, rivalisierende Werwölfe und gegen die eigene Angst....

Der erste Teil der Nocturne City Reihe präsentiert sich als schneller, harter Polizeithriller mit einer toughen Werwölfin in der Hauptrolle. Das Konzept lehnt sich an bereits Bekanntes an: eine einzelgängerische Ermittlerin à la Anita Blake, eine futuristische Stadt wie bei Mercy Thompson und ein explizit-brutaler Krimiplot wie bei Wolfshadow oder Anna Strong. Luna Wilder ist in ihrer störrischen, zu Gewalt neigenden Art fast schon unweiblich und leidet augenscheinlich unter ihrer wilden, wölfischen Seite, auch wenn diese meiner Ansicht nach ihren grausamen Touch noch eher passend unterstreicht. Sie verkörpert im überspannten Maße das Ideal einer kompromisslosen Kämpferin, die gegen alle Fronten antreten muss und dabei noch eine traumatische Vergangenheit kompensiert. Soweit ganz gut, in ihrem kühlen, direkten Schreibstil entwickelt Caitlin Kittredge eine spannende Krimihandlung mit einigen Überraschungen und gespickt mit undurchsichtigen Gegenspielern und interessanten Nebencharakteren. Die Story schreitet schnell voran und trotz aller möglichen Widrigkeiten kämpft sich Luna bis zur Lösung des Falls durch. Dabei findet sich keine Zeit für Romantik, nähere Charakterbeschreibungen oder größere Szenenwechsel. Durch die Ich-Perspektive erfährt der Leser die Ereignisse nur aus Lunas Sichtweise, und die ist oft geprägt von ungerichteter Aggression oder wirrer Sehnsucht, Lust oder Verzweiflung.
Meiner Meinung nach liegt auch hier die größte Schwäche des Romans, denn durch den unausgeglichenen Charakter der Hauptfigur gerät auch der Rest in Unruhe. Luna kann sich weder darauf einlassen, für Dmitri etwas zu empfinden, noch möchte sie sich groß mit ihrem Werwolfdasein beschäftigen. Von Rache und Ehrgeiz getrieben, schlittert sie durch fahrige Polizeiarbeit und Indiana Jones-mäßige Einzelkämpferaktionen. Widersprüchlichkeiten findet man leider einige, nur ein Beispiel: erst beschwert sich Luna, dass ihr Kollege brutale Verhörmethoden anwendet und kurze Zeit später knallt sie selbst den Kopf eines Verdächtigen auf den Tisch....
Angekündigt war auch ein gewisser erotischer Inhalt, doch leider kann Schattenwölfe das kaum bieten. Es gibt da zwar etwas zwischen Luna und Dmitri, aber Luna stößt permanent alle und alles von sich. Bei einigen von ihren Sprüchen hätte ich an Dmitris Stelle schon längst abgewinkt. Physische Annäherungen sind wie alles geprägt von Gewalt und einer rigorosen Distanziertheit.
Schlussendlich ist das Buch ein unterhaltsamer Krimi, der nicht vor brutalen Szenen zurückschreckt und mit seiner abgeklärten Erzählweise rasant durch einen halsbrecherischen Thriller führt.

Blutsbande – Nacht der Seelen

von Jennifer Armintrout

erscheint auf Deutsch im Juni 2010 als Mira Taschenbuch im Cora Verlag
476 Seiten, Taschenbuchformat

Preis: EUR 7,95

übersetzt von Matha Windgassen
ISBN-13: 9783899417296 ISBN-10: 3899417291

Fazit

Lesenswertes, spannendes Finale, das alles auflöst.

Auch wenn Carrie und Nathan sich gerne ihrer neu entdeckten Liebe widmen würden, wissen sie, dass der Kampf gegen den Souleater noch nicht vorbei ist. Sie haben sich in Max Wohnung verschanzt, der seinerseits mit seiner Bella nach Italien gegangen ist, um dort ihrem Werwolf Clan vorstellig zu werden. Jetzt, da Bella von Max ein Kind erwartet, möchte Max von ihrem Rudel akzeptiert werden.
Zufällig treffen Carrie und Nathan in Max Appartment auf den "Blutdealer" Bill, dem sie erst misstrauen, bald aber merken, dass er ein sympathischer und loyaler Mensch ist. Die Ereignisse überstürzen sich, als Nathan erfährt, dass sein Ziehsohn Ziggy noch bzw. wieder am Leben ist. Es ist klar, dass er ein Zögling des Souleaters ist und Carrie fürchtet zurecht, dass es eine Falle sein könnte. Doch Nathan lässt sich durch nichts davon abbringen, Ziggy zu retten, er will nicht glauben, dass sein Sohn ihn verraten könnte. Auf der Rettungsaktion jedoch gerät Nathan in die Hände des Souleaters und seiner sadistischen Helferin, der Hexe Dahlia. Kann Carrie nur mit Hilfe von Bill, Ziggy und dem hinzugekommenen Max ihren Geliebten retten und den Souleater besiegen? Und kann sie Ziggy vertrauen?

Nacht der Seelen ist ein würdiger, gut durchdachter Abschluss der Serie und bietet neben ordentlicher Spannung auch einige gelungene Überraschungen. Alles läuft auf einen Showdown, den Kampf gegen den Souleater, hinaus und es ist klar, dass Carrie diejenige sein wird, in deren Händen das Schicksal aller liegt. Sie hadert mit dieser Rolle, wächst aber im Laufe des Buches über sich hinaus und entdeckt neue, mächtige Kräfte in ihr. Jennifer Armintrout komponiert diesen letzten Teil als Wiedersehen aller Charaktere und Auflösung aller durch die Serie hindurch gezogenen Konflikte und Probleme. Das war einerseits sehr angenehm, andererseits kam die Entwirrung ziemlich schnell und gestrafft. Wo sie sich drei Teile lang Mühe gegeben hat, alles möglichst kompliziert zu machen, war sie hier wohl gezwungen, am Ende ein - etwas unglaubwürdiges - Happy End zu präsentieren.
Vorher gibt es noch blutige Kampfszenen, wirklich brutale Folterungen, deren Beschreibungen ins Horror-Genre fallen, und kitschfreie Liebesszenen. Der Homoerotik Einschlag hat mir persönlich jedoch nicht so gut gefallen.
Mit der Person Carrie werde ich wohl nie richtig warm werden und ich hatte auch wieder meine Probleme mit ihrer unnachvollziehbaren Unbeherrschtheit und dem Wechsel zwischen Naivität und fast schon souveräner Entschlossenheit. Sie will unbedingt von Nathan geliebt werden, nimmt sich aber selbst heraus, ihre Interessen auf andere auszuweiten. Der Einfluss von Cyrus bleibt nach wie vor unangetastet. Es gibt auch immer wieder Streit zwischen Nathan und Carrie und obwohl sie letzten Endes doch füreinander bestimmt sind, gefällt mir diese Konstellation nicht wirklich.
Insgesamt lässt sich der Roman flüssig lesen, am Schreibstil ist wirklich nichts auszusetzen: klar, treffend und abwechslungsreich. Zwischendurch gibt es immer mal wieder Wechsel der Erzählperspektive von der Ich-Erzählerin Carrie hin zur Dritten Person, wenn es um Ziggy, Bill oder Max geht.
Insgesamt war die Serie unterhaltsam, spannend und durchaus lesenswert, wenn man Vampirthriller mag, wie z. B. Jeanne C. Steins Anna Strong Serie. Ein wenig kühl, wenig aus der Masse hervorstechend aber mit vier Bänden nicht unnötig ausgedehnt.

Blutsbande – Asche zu Asche

von Jennifer Armintrout

erscheint auf Deutsch im November 2009 als Mira Taschenbuch im Cora Verlag
476 Seiten, Taschenbuchformat

Preis: EUR 7,95

übersetzt von Martha Windgassen
ISBN-10: 389941666X
ISBN-13: 978-3899416664

Fazit

Toller, spannender dritter Teil mit gewissenhaft aufgebauten Charakteren.

Nachdem Nathan von seinem Schöpfer besessen war, ist Carrie zu ihrem Freund Max nach Chicago geflohen um dort ein wenig Abstand zu ihrem Geliebten zu bekommen. Doch genausowenig wie sie ihren Schöpfer Nathan vergessen kann, kann Max die Werwölfin Bella aus seinem Kopf verbannen. Zwar will er sich nicht eingestehen, dass er sich zu ihr hingezogen fühlt, doch Carrie kennt Max gut genug, um es zu wissen. Dann eines Tages erhält sie einen Anruf von Nathan und die Vergangenheit holt Carrie ein. Sie wünscht sich nichts sehnlicher, als wieder friedlich mit ihm als Liebespaar zusammenleben zu können. Als sich Max, Bella, Nathan und Carrie endlich treffen erfahren sie Schreckliches: das Orakel, das die Bewegung der Vampire immer gefangen gehalten hatte, ist entkommen. Und Nathans Schöpfer, der Souleater, hat einen schrecklichen Plan, der irgendetwas mit dem Orakel zu tun hat. Carrie weiß, dass sie handeln müssen. Und als Bella plötzlich vom Orakel besessen ist und verkündet, dass sie alle sterben werden, wenn sie sich einmischen, geraten sie in große Gefahr. Bella und Max beschließen, das Orakel auf seiner Reise zu verfolgen und abzufangen. Nathan und Carrie bleiben in Grand Rapids um weiter Nachforschungen anzustellen. Dabei sollen auch die Hexe Dahlia und Cyrus, der jetzt ein normaler Mensch ist, helfen. Als Carrie zögernd Kontakt mit Cyrus aufnimmt, kommen alte, vergrabene Gefühle in ihr hoch. Immer war sie zwischen Nathan und Cyrus hin- und hergerissen - wird es wieder so sein?

Asche zu Asche ist eine absolut lesenswerte Fortsetzung der Reihe und steuert schon deutlich auf das Finale im 4. Band zu. Es ist nahezu unmöglich, die Geschichte richtig einzuordnen, wenn das Wissen aus den Vorbänden fehlt. Was mich überrascht hat, ist die Tatsache, dass Asche zu Asche fast schon mehr ein Liebesdrama als ein Thriller ist. Besonders in der ersten Hälfte des Buches geht es nahezu ausschließlich um die bekannte Dreiecksbeziehung zwischen Nathan, Carrie und Cyrus. Jennifer Armintrout macht es ihren Charakteren nie leicht und so müssen alle Beteiligten ordentlich leiden. Im Gegensatz zu vorher wird aber endlich mal Klartext geredet und Gefühle werden gezeigt. So kommt man den Protagonisten etwas näher und die Story verliert etwas an kühler Distanz. Max und Bella bekommen dieses Mal auch ordentlich viele Seiten eingeräumt. Die Geschichte spaltet sich schon sehr früh in die Ereignisse um Max und Bella und die um Nathan, Cyrus und Carrie. In gewohnt ausgereiftem, präszisem Schreibstil erhöht die Autorin ab Mitte des Buches bewusst die Spannung und gegen Ende gibt es nochmal richtig blutige, dramatische Action. Was mir immer wieder an J. Armintrouts Stil gefällt, sind die vielschichtigen, komplexen Charaktere, deren Verhalten nicht immer vorhersehbar ist. Es gibt kein wirkliches Gut und Böse, obwohl der Souleater und das Orakel natürlich klare Feindbilder sind. Immer wieder platziert die Autorin Sequenzen, in denen die Vergangenheit reflektiert wird, in denen die Personen sich selbst in Frage stellen und auch Entscheidungen treffen, die unerwartet sind. Cyrus ist eine faszinierende Persönlichkeit, die man als Leser halb hasst, halb bewundert. Alle haben sie ihre Fehler und es gibt keine "erlösende Situation" in der alle von ihren Schwächen geläutert werden und heile Welt eintritt. Die verzwickte Dreiecksgeschichte zwischen Nathan, Carrie und Cyrus hat mich so manches Mal die Haare raufen lassen. Alle Happy-End liebenden, harmoniesüchtigen Liebesromanleserinnen sollten lieber die Finger davon lassen. Fern von Stereotypen oder gar Kitsch wird hier eine Story weitererzählt, die zu keinem Zeitpunkt langweilig wird. Ein bisschen resistent gegen Blut, Folter und Gewalt - auch psychische - sollte man sein, dann hat man an dieser Lektüre wirklich Spaß

Greywalker

von Kat Richardson

auf Deutsch erschienen im August 2008 im Heyne Verlag
400 Seiten, Taschenbuchformat

Preis: EUR 8,95

übersetzt von Franziska Heel
ISBN-10: 3453433106
ISBN-13: 978-3453433106

Fazit

Recht spannender, paranormaler Krimi in düsterem, kühlen Gewand.

Dass sie einen gefährlichen Job hat, weiß Harper Blaine. Doch mit einem brutalen Überfall auf ihre Person hat sie nicht gerechnet. Direkt vor ihrer Wohnung wird sie angegriffen und brutal zusammengeschlagen. Als sie später aus der Ohnmacht erwacht, merkt sie, dass mit ihrer Wahrnehmung etwas nicht stimmt. Harper glaubt, Halluzinationen zu haben, denn sie sieht Gestalten, die für andere unsichtbar sind und ihr ist permanent schwindlig. Erst nach mehrmaligem Nachfragen eröffnet man ihr, dass sie volle 2 Minuten tot war und dann reanimiert wurde. Ein Arzt empfiehlt ihr das Ehepaar Mara und Ben Danziger als Berater in diesem seltsamen Fall, der sich jeglichem medizinischen Wissen entzieht. Skeptisch sucht Harper die beiden auf und erfährt, dass sie nun ein sogenannter "Grauwandler" ist. Sie kann zwischen der Welt der Lebenden und der Welt der Toten und Paranormalen hin- und herspringen bzw. beide Welten gleichzeitig sehen. Zuerst will Harper das alles nicht glauben und versucht ihren Alltag normal weiterzuleben. Sie hat zwei Fälle an denen sie arbeitet: sie soll den verschollenen Sohn einer reichen Dame finden und ein russischer Klient ist auf der Suche nach einem antiken Möbelstück, dessen Spur verlorenging. Harper lässt sich von dem sympathischen Bastler Quinton erst einmal eine Alarmeinlage einbauen und stürzt sich dann in Arbeit. Doch das Grau lässt ihr keine Ruhe, immer wieder gerät sie in seine Fänge und ihr bleibt nichts anderes übrig, als sich mit ihrer neuen Gabe zu konfrontieren. Zusammen mit Mara und Ben lässt sie sich darauf ein, das Grau genauer zu erforschen und ihre Fähigkeiten zu trainieren.

Mit Greywalker bringt Kat Richardson einen recht soliden, spannenden Krimi, der einige paranormale Elemente enthält. Der Schreibstil ist angenehm nüchtern, teils etwas langatmig und ansonsten nichts besonderes. Harper ist eine ordentliche, gebildete Person mit Ecken und Kanten, die jedoch nicht sehr stören. Vielmals wurde negativ ausgelegt, dass sie sich anfangs so gegen ihre "Gabe" wehrt, doch das halte ich für eine nachvollziehbare Entwicklung. Auf einmal Geister zu sehen wird wohl kaum jemand sofort als Normalität ansehen. Trotzdem konnte ich mit Harper nicht warm werden. Sie ist sehr analytisch, manchmal unglaublich leichtsinnig und furchtlos und dann wieder extrem ängstlich und zurückhaltend. Als sie sich von Cameron in den gefährlichen Vampirauftrag verwickeln lässt, hätte sie eigentlich abschätzen müssen, wie lebensgefährlich das Ganze ist. Die Krimihandlung an sich ist ganz unterhaltsam, aber langsam foranschreitend, recht vorhersehbar und irgendwie steif. Man verzeihe das banale Wortspiel, aber die Geschichte ist ziemlich "grau in grau". Harper stolpert so durch die Ereignisse und obwohl sie diejenige ist, die die Ermittlungen führt, scheint sie seltsam abwesend und emotional nicht sehr involviert. Die Kälte, die daraus entsteht, mindert den Lesespaß deutlich und man wartet vergeblich auf Sympathieträger (außer vielleicht das Frettchen Chaos). Auch negativ aufgefallen sind mir mehrere Rechtschreib-, und was gravierender ist: mehrere Logikfehler in der Handlung. So schlau wie Harper dargestellt wird, so dämlich ist manchmal ihre Vorgehensweise. Am schlimmsten fand ich, dass sie jedem alles auf die Nase binden muss, von ihrem Beruf über sämtliche Details des Falls. Sie spielt also ständig mit offenen Karten und macht sich zur Zielscheibe von allem und jedem. Aber es ist ja nicht so, dass sie nur knapp dem Tode entronnen wäre... Auch Harpers Umgang mit Männern ist irgendwie unnatürlich und führt zu unbefriedigenden Konstellationen. Ganz kleine Flirt-Ansätze werden grob im Keim erstickt oder Harper manövriert sich selbst in unmögliche Situationen. Ihr Privatleben steht an ganz letzter Stelle und das tollste Abendessen wird für einen Anruf in den Wind geschossen. Sehr pflichtbewusst, doch aber auch sehr sehr kalt. Nichtsdestotrotz kann Greywalker neben anderen Krimis ganz gut bestehen und lässt jedenfalls auf einen sympathischeren Nachfolger hoffen. Mit Vorreitern wie Dante Valentine, Mercy Thompson, Morgan Kingsley oder gar Rachel Morgan kann Harper Blaine allerdings nicht mithalten.

Die dunkle Macht des Mondes

von Susan Krinard

auf Deutsch erschienen im Mai 09 als Mira Taschenbuch im CORA Verlag
ca. 500 Seiten, Taschenbuchformat

Preis: EUR 7,95

ISBN: 3899416120
EAN: 9783899416121
Übersetzt von Justine Kapeller

Fazit

Solider, spannender Thriller mit vielschichtigen Charakteren, die faszinieren.

Bei ihren eigenmächtigen Recherchen in einer seltsamen Mordserie an den New Yorker Docks wird die junge attraktive Reporterin Gwen selbst Opfer eines Anschlags und wird in letzter Sekunde von Dorian Black vor dem Ertrinken gerettet. Obwohl er sich am Rande der Gesellschaft aufhält, kann Dorian die Frau nicht sterben lassen und nimmt sie mit in seinen ärmlichen Verschlag. Als Gwen zu sich kommt, ist sie voll Dankbarkeit und Hilfsbereitschaft für ihren Retter. Sie setzt sich über seine ablehnende Haltung hinweg und sucht ihn immer wieder auf, besorgt ihm einen Job. Gegen seinen Willen ist Dorian von Gwen fasziniert und sehnt sich nicht nur nach ihrem Blut. Sie scheint ihn als einzige aus seiner lebensverneinenden Lethargie erwecken zu können und es baut sich zwischen ihnen ein rauschendes Verlangen auf. Doch Dorian will Gwen seine wahre Identität nicht preisgeben, kann sie aber gleichzeitig nicht alleine lassen, denn ihre Nachforschungen in dem Mordfall sollen sie in große Gefahr bringen. In New York kämpfen zwei verfeindete Vampirclans (genannt Strigoi) um die Vorherrschaft und im Zuge dessen gibt es einige Opfer, die auch die Aufmerksamkeit der Menschen auf sich ziehen. Tragischerweise werden alle Zeugen sofort umgebracht. Dorian muss Gwen vor diesem Schicksal bewahren, auch wenn er dafür außergewöhnliche Maßnahmen ergreifen muss.

Völlig im Gegensatz zu dem grässlichen Coverbild und dem unmöglichen Titel hat mir das Buch sehr viel Spaß gemacht. Die dunkle Macht des Mondes ist ein spannender und abwechslungsreicher Thriller mit gut ausgefeilten Charakteren und sehr vielen Wendungen. Der Schreibstil der Autorin ist angenehm neutral, gut entwickelt und präzise. Es wird sich ganz Thriller-like nicht mit langen Dialogen oder Beschreibungen aufgehalten, die Handlung wird unerbittlich vorangetrieben. Es erinnert mich ziemlich an Jennifer Armintrouts Blutsbande. Schwerpunkt liegt zum einen auf der Konstellation Dorian - Gwen, zum anderen aber auch auf der komplexen Struktur und Entwicklung der Vampirclans in New York und deren Kampf bzw. Probleme. Mit über 500 Seiten ist dieser in sich abgeschlossene Roman recht umfangreich und kann in 3 Abschnitte aufgeteilt werden: 1. Die Begegnung, 2. Die Annäherung/der Konflikt, 3. die Auflösung. Damit folgt er einem gut durchdachten Muster ohne langweilig zu sein. Vielmehr müssen sich die Charaktere den Anforderungen der Geschichte stellen und an ihnen wachsen. Gwen ist eine tolle Frau, modern ohne zickig zu sein, unabhängig ohne eiskalt zu wirken. Sie geht ihren Weg und bleibt Dorian treu, auch wenn dieser wahrlich kein einfacher Mann ist. Sie machen es sich nicht einfach und bis zum Schluss gibt es ernste Probleme und ständig müssen sich die beiden Hauptpersonen neu finden, auseinandersetzen und erklären. Da gibt es keine Klischees bezüglich der Liebesgeschichte und ein Happy End ist lange nicht in Sicht. Dieser komplexe Umgang mit Gefühlen, menschlichem und vampirischem Verhalten, Vergangenheitsbewältigung und tief empfundener Liebe hat mir sehr gut gefallen. So nach dem ersten Drittel des Buches war ich vollkommen gefesselt und konnte es absolut nicht aus der Hand legen. Leider hat mir der Schluss nicht ganz so gelegen, was auch dazu führt, dass ich das Buch nicht mit voller Punktzahl bewerte. Der Aspekt dieser weltverbessernden Vampirsekte Pax unter dem wahnsinnig gewordenen Leiter Sammael nimmt gegen Ende des Buches starke Ausmaße an und dominiert die gesamte Handlung. Was also im kleinen Rahmen zwischen Dorian und Gwen begann, weitet sich später als globale Angelegenheit aus und auf einmal kommen Gwen großartige Aufgaben zu und Dorian ist der dunkle Engel, von dessen Wahnsinn oder Klarheit das Schicksal der Menschheit abhängt. Hier hätte es meiner Ansicht nach durchaus gereicht, etwas kleinere Brötchen zu backen und mehr auf Dorian und Gwen zu schauen. Nichtsdestotrotz werde ich weitere Titel von Susan Krinard im Auge behalten, denn ihr erzählerisches Potential ist bemerkenswert.