Das zweite Zeichen des Zodiac

von Vicki Pettersson

auf Deutsch erschienen im Februar 2009 im Blanvalet Verlag
572 Seiten, Taschenbuchformat

Preis: EUR 8,95

ISBN: 3442265649
EAN: 978-3442265640
Übersetzt von Simon Weinert und Hannes Riffel

Fazit

Interessanter aber etwas zäher zweiter Teil einer Serie mit komplexen Charakteren. Erfordert Geduld.

Nachdem Joanna alias Olivia Archer nun Mitglied der Lichtagenten des Zodiac geworden ist, scheint sich ein Gleichgewicht zwischen Licht und Schatten eingependelt haben. Doch endgültig kann sich Joanna weder mit ihrer Rolle als Kairos noch mit ihrer emotionalen Situation abfinden. Immer wieder sorgen ihre Gefühls- und Racheausbrüche in der Zuflucht für Misstrauen und Angst bei ihren Kameraden, vor allem aber bei ihrem Anführer Warren. Stets hat Joanna die Vergeltung an dem Schattenagent Joaquin vor Augen, der sie damals brutal missbrauchte. Doch sie leidet auch an der Isolation von der normalen Menschenwelt und ihrer gescheiterten Liebe zu Ben Traina. Annäherungsversuche des attraktiven Hunter kann Joanna nur abwehren. Eines Tages trifft sie auf die Schattenadeptin Regan DuPree, die bestens über Joannas geheime Identität Bescheid weiß. Sie verspricht Joanna die Möglichkeit, an Joaquin Rache zu nehmen. Als Gegenleistung verlangt sie Stillschweigen und die Chance darauf, dass Joanna irgendwann mit ihr zusammen auf der Schattenseite stehen und kämpfen wird. Ohne viel zu überlegen nimmt Joanna an, völlig besessen von der Rache an ihrem Vergewaltiger. Doch dabei übersieht sie völlig, dass sie sich zur Marionette des bösen Planes des Tulpa gemacht hat, der an einer Schlacht zwischen Schatten und Licht feilt - dem Eintreffen des Zweiten Zeichen des Zodiac. Die Schlacht auf dem verfluchten Schlachtfeld. Zu spät merkt Joanna, dass sie Regan nicht hätte vertrauen dürfen und dass sie der Schlüssel für die Vernichtung der gesamten Zuflucht des Lichts ist. Kann sie im Alleingang die Situation retten?

Das Zweite Zeichen des Zodiac schließt direkt an den Vorgänger an und bietet Einsteigern ohne Vorwissen nur ganz wenige Andeutungen auf den Gesamtzusammenhang. Wie gewohnt ist der Schreibstil sehr komplex, etwas langatmig, detailverliebt und ausführlich. Man bekommt als Leser wirklich alles mit: wie sich Joanna fühlt, wie sie sich bewegt, wie sie aussieht, wie die Umgebung aussieht, wie andere Leute aussehen, was sie denkt etc etc. Das füllt Seiten ohne Ende, allein schon mit Monologen. Dabei kann man nicht sagen, dass nichts geschieht. Genauer gesagt passiert sogar ziemlich viel, mehr als im ersten Band. Daher hat mir das zweite Zeichen auch ein wenig besser gefallen als der erste Teil und ich konnte ab der Hälfte flüssig durchlesen. Durch die Ich-Perspektive liegt der Schwerpunkt natürlich auf Joanna und ihren Taten, aber sie nimmt ihre Umwelt so genau wahr, dass man sich auch gut in andere Personen versetzen kann. Leider komme ich immer noch nicht so gut mit ihrem Charakter zurecht. Sie ist stets noch dermaßen bockig, aufbrausend, unfair und ausfallend, dass sie sich dauernd deshalb in unmögliche Situationen bringt bzw. andere gefährdet. Klar ist das Absicht der Autorin, aber es fällt mir schwer, so jemanden über 500 Seiten "um mich herum" zu haben, das ermüdet schnell oder ich muss entnervt Lesepausen einlegen. Zum Glück scheint Joanna mit der Zeit an ihren Aufgaben zu wachsen und gegen Ende des Buches wächst die Hoffnung, dass da noch nicht Hopfen und Malz verloren ist. Insgesamt ist die Geschichte recht spannend und teils wie ein Krimi dargestellt. Es gibt nicht mehr so unzählige Kammerspiel- Dialoge wie im ersten Teil und manchmal kommt richtig frischer Wind auf mit Verfolgungsjagden und Kampfszenen. Das hat dann etwas von Anita Blake oder Kate Daniels. Den Klappentext kann man völlig vergessen. Die ganze Situation mit Ben Traina ist ein absoluter Randeffekt und füllt kaum 10 Seiten. Es ist auch überhaupt keine nennenswerte Liebesgeschichte vorhanden. Zwar empfindet Joanna immer noch Liebe für Ben, doch die kann wohl nie erfüllt werden und andere Dinge sind wichtiger, zum Beispiel die Welt vor dem Tulpa retten. Das Buch hat ein offenes Ende und bietet unglaublich viel Stoff für mehrere Fortsetzungen. Das ganze Thema Familie ist noch völlig undurchsichtig, sowohl über Joannas Tochter als auch über ihre verschollene Mutter findet man nur ganz wenig heraus. Und der Kampf zwischen Schatten und Licht kann ewig so weiter gehen. Diese ganz interessante Offenheit lege ich dem Roman gleichzeitig aber auch als Schwäche aus, denn so verzettelt sich die Autorin immer mehr und manchmal weiß man gar nicht, was eigentlich der rote Faden sein soll. Die Ereignisse verschwimmen ineinander und heben sich gegenseitig auf. So liest man 500 Seiten einer actionreichen Buchmasse und hat doch am Schluss das Gefühl, nur kurz den Finger in ein nebliges, tief-komplexes Fantasy-Etwas gehalten zu haben.

Das erste Zeichen des Zodiac

von Vicki Pettersson

auf Deutsch erschienen im September 2008 im Blanvalet Verlag
580 Seiten, Taschenbuchformat
Preis: EUR 8,95

ISBN: 3442265630
EAN: 978-3442265633
Übersetzt von Simon Weinert und Hannes Riffel

Fazit

Breit angelegtes Science-Fiction Epos mit vielschichtiger Heldin und viel Hintergrundinformation.

Joanna Archer führt ein zurückgezogenes Leben und widmet sich der Fotografie und Kampfkunst. Ganz anders als ihre hübsche und lebenslustige Schwester Olivia, die auch der Liebling ihres Vaters Xavier Archer ist, einem der reichsten und einflussreichsten Geschäftsmänner in Las Vegas. Erst als Joanna ihre Jugendliebe Ben Traina wiedertrifft, scheint das Eis in ihr etwas aufzubrechen. Seit ihrer Vergewaltigung mit sechzehn Jahren hatte Joanna jegliche Beziehung vermieden. Mit Ben ist alles wieder wie früher und Joanna genießt die Zeit mit ihm. Dann jedoch gerät ihr Leben komplett aus den Fugen, als sie eines Abends einen Penner anfährt. Dieser stellt sich als Anführer einer geheimen Truppe namens Zodiac vor, und Joanna soll dazu gehören. Zuerst hält sie das für kompletten Schwachsinn, doch die Ereignisse sollen sie eines Besseren belehren. In der gleichen Nacht noch stirbt ihre Schwester Olivia durch einen Angriff der Schattenagenten und Joanna selbst gerät in Lebensgefahr. Der als Penner getarnte Warren rettet sie und erklärt ihr, dass sie ab sofort nicht mehr in der Menschenwelt existieren darf. Zu Joannas großem Schrecken operieren die Lichtagenten sie so um, dass sie wie ihre verstorbene Schwester Olivia aussieht und komplett deren Identität annehmen kann. Verzweifelt hadert Joanna mit ihrem Schicksal. Eigentlich möchte sie nur ein ganz normales, zurückgezogenes Leben führen. Doch als sie an ihrem 25. Geburtstag eine Verwandlung durchlebt und ihre neuen Kräfte sich ihr erschließen, weiß sie, dass es kein Zurück mehr gibt. Sie muss sich in die Zodiac Truppe integrieren um das Erbe ihrer Mutter anzutreten und die Schattenagenten zu bekämpfen. Olivias Tod muss gerächt werden, doch es ist ausgerechnet Xavier Archer, der hinter den Feindeslinien steht. Joanna erkennt, dass in ihr sowohl das Licht als auch der Schatten regiert und das macht sie zu einer besonderen Person, zum "Ersten Zeichen", das endgültig den Kampf entscheiden soll.

Mit "Das erste Zeichen des Zodiac" bringt Vicki Pettersson einen detailiert aufgemachten und komplexen Science Fiction/Fantasy Roman, der den klassischen Kampf Gut gegen Böse thematisiert. Ganz ausführlich holt sie zu Beginn des Buches aus, um Joanna und ihre Situation zu erklären, weitere Personen vorzustellen und die Atmosphäre der Stadt Las Vegas zu kreieren. Mit teils gewagten Metaphern und Redewendungen, die man sonst nie liest, schmückt sie ihre Sätze aus und prägt einen ganz eigenen Schreibstil. Dadurch wird jedoch verursacht, dass man automatisch langsamer und konzentrierter lesen muss. Es ist nicht ganz so locker und einfach, den Ereignissen zu folgen wie z.B. bei Kim Harrison oder Patricia Briggs. Es gibt nicht so viele Dialoge, dafür umso mehr Monologe aus der Ich-Perspektive. Manchmal kam es mir denn etwas zäh vor und ich hätte die Handlung gern schneller vorangetrieben. Allein die Phase, in der Joanna mit ihrem Schicksal hadert und wie sie zur Zodiac Truppe stößt, nimmt 200 Seiten und mehr ein. In der fiktiven Welt, die hier kreiert wird, spielen die Menschen nur eine untergeordnete Rolle. Im Vordergrund stehen die Licht- und Schattenagenten, die das Gleichgewicht der Macht aufrecht erhalten sollen. In Comics (!) werden ihre Taten für die Ewigkeit festgeschrieben. Teilweise wirken die Erfindungen der Autorin etwas unglaubwürdig oder trashig. Dass die Zuflucht der Lichtagenten nur erreicht werden kann, indem man mit dem Auto vollgas gegen eine Mauer fährt erinnert mich ein wenig zu sehr an Zurück in die Zukunft. Vor allem in der zweiten Hälfte des Buches steigt man voll in die Science-Fiction Handlung ein und jeder Bezug zur Wirklichkeit wird abgebrochen. Auch Joannas reales Leben endet aprupt und die zarte Liebesgeschichte mit Ben ist Vergangenheit. Sehr schade. Also Liebesromanfans werden hier sicher enttäuscht. Es herrscht ein durchweg harter Umgangston und es gibt unzählige Konflikte. Auch die Nebenfiguren sind detailliert entwickelt und haben alle so ihre Probleme mit Joanna, was langwierige Diskussionen nach sich zieht. Wo ich anfangs dachte, dass im Laufe des Buches immer mehr Action aufkommt, irrte ich mich. Es gibt vielmehr eine Multi-Verstrickung von Verrat, Intrigen, Sympathien und persönlicher Entwicklung. Sehr komplex, sehr langatmig. Die Spannung wird zwar latent aufrecht erhalten, doch so weit, wie die Autorin ausholt, kann man mit vielen vielen Bänden der Serie rechnen.

Die Schwarzen Juwelen – Dämmerung

von Anne Bishop

auf Deutsch erschienen im Oktober 2007 im Heyne Verlag
575 Seiten, Taschenbuchformat

Preis EUR 8,95

ISBN: 3453530632
EAN: 9783453530638
Übersetzt von Ute Brammertz

Fazit

Komplexe, klassische Fantasy-Unterhaltung ganz ohne Liebesromantouch.

Nachdem ihre Eltern Jaenelle in ein zwielichtes Kinderheim abgeschoben hatten, geschieht dort das Schlimmste: die junge Jaenelle wird sexuell missbraucht und misshandelt. Völlig zerbrochen an Körper und Geist trennt sie die beiden und ihr Geist entschwindet in das Verzerrte Reich. Saetan und sein Hof sind am Boden zerstört. Immer wieder versucht Saetan, mit Hilfe der Kraft seines Schwarzen Juwels, Jaenelle zu erreichen, doch er scheitert.
Gleichzeitig leidet auch Daemon Sadi unter Jaenelles Verschwinden. Da es ihm unmöglich ist, sie zu retten, beschließt er, etwas anderes Gutes zu tun: er will seinen Halbbruder Lucifer aus dem Kerkern von Pruuhl befreien, wo dieser seit Jahren als Sklave ein elendes Dasein fristet. Doch Lucifer ist verblendet und sieht in Daemon den Schänder Jaenelles. Nach dieser schmachvollen Zurückweisung zerbricht auch Daemon und stürzt ins Verzerrte Reich. Voller Wut flieht Lucifer aus seinem Gefängnis, er kann nicht glauben, dass man Jaenelle aufgegeben hat. Doch er weiß nicht, dass es Saetan inzwischen gelungen ist, Jaenelle zu retten, und er kann sie ganz behutsam wieder an das normale Leben gewöhnen. Das Mädchen hat durch dieses Trauma viel ihrer Kindlichkeit verloren und wird zu einer mächtigen und temperamentvollen jungen Frau. Zusammen leben sie auf seinem Landsitz in Kaeleer, dem Schattenreich. Jaenelle braucht lange, um sich emotional ihm und ihren vielen Freunden zu nähern, doch nach und nach füllt sich die Burg mit Leben und Saetan sieht, wieviele unterschiedliche Lebewesen Jaenelle, Hexe, um sich geschart hat. Alle wollen sie ihr dienen und erstarren vor ihrer unglaublichen Macht. Mit dieser Macht gelingt es Jaenelle auch, Lucifer vor dem Tode zu retten und sie nimmt ihn mit zu sich und er wird ihr eifriger Beschützer.
Unterdessen bedroht die eifersüchtige und gemeine Hekatah das aufstrebende Glück. Sie versucht, den Dunklen Rat zu infiltrieren um Saetan Jaenelle zu entreißen. Sie wagt es sogar, einen Krieg anzuzetteln, der Jaenelles Freunde, die sogenannten Verwandten, das sind Tiere mit Kraft des Blutes, zu vernichten. Doch Jaenelle stellt sich mit all ihrer Kraft gegen sie.

Wie auch der erste Teil ist Dämmerung langwierige und recht schwere Kost. Ganz langsam und bedächtig wird der Leser an die Tatsache herangeführt, dass Jaenelle das Leben wieder lernen muss. In vielen Details ergeht sich die Autorin bei der Beschreibung der Gefühle des Höllenfürsten und wie er immer wieder vor Jaenelles Macht zurückweichen muss. Überhaupt ist der Schreibstil von emotionalen Superlativen geprägt. Sämtliche Hauptpersonen sind mit einem fast als aggressiv zu bezeichnenden Temperament ausgestattet und können sich oftmals kaum beherrschen. Da fallen gestandene Männer in Ohnmacht, verwüsten ganze Zimmer und rammen sich vor Anspannung zentimeterlange Fingernägel in die Arme. Das wirkt vor allem in der Häufigkeit oftmals etwas albern. Ich musste teilweise schmunzeln, wenn der Höllenfürst zum dritten Mal am Tage einen Schwächeanfall erleidet, weil Jaenelle ihn mit ihrem Mitternachtsblick bedacht hat - der Höllenfürst!
Schwerpunkt liegt auf der minutiös ausgerollten Fantasygeschichte, die epochale Züge annimmt. Von Erotik ist hier absolut überhaupt nichts zu finden! Die auf der Rückseite des Buches abgedruckte Bewertung, die von knisternder Erotik spricht ist einfach nur falsch! In diesem Buch geht es noch nicht einmal um Liebe, geschweige denn um Erotik. Nur, weil jemand einen Ring um sein Geschlecht trägt, entspannt sich noch lange keine erotische Geschichte!
Es geht auch wieder recht blutig und brutal zu im zweiten Teil. Vor allem herrscht psychische Gewalt, Unterdrückung und Geheimnistuerei. Immerhin ist Lucifer ein ziemlich ansehnlicher Charakter. Von Daemon Sadi, der ja im ersten Teil eine Hauptrolle spielte, erfahren wir hier so gut wie gar nichts. Was mich immer noch kolossal genervt hat, waren die Temperamentsausbrüche von Jaenelle, und dass sie einen ultimativen Helferkomplex hat und einen ganz grässlichen Sinn für Humor. Ständig sind alle hinter ihr her. Ok, sie ist Hexe, aber das sieht manchmal echt nach Kindergarten aus, wenn der Höllenfürst und seine mächtigen Untergebenen wie die Gänsemütter hinter einem wildgewordenen Teenager her rennen.
Trotz allem aber ist das Buch irgendwie gut. Vielleicht liegt es daran, dass es so anders ist als alles andere. Man braucht aber nach wie vor Geduld und einen gewissen Sinn für langwierige Fantasy Epen.

Die Schwarzen Juwelen – Dunkelheit

von Anne Bishop

auf Deutsch erschienen im April 2005 im Heyne Verlag
558 Seiten, Taschenbuchformat

Preis EUR 8,95

ISBN: 3453530160
EAN: 9783453530164

Fazit

Exzentrisches Fantasy-Epos mit dämonischem Flair.

Das Buch erzählt die Geschichte des Mädchens Jaenelle, das von Geburt an 13 schwarzen Juwelen trägt und damit Hexe werden kann, die Königin aller Völker. Die Menschen und Lebewesen dieser Welt sind aufgeteilt in Landen (ohne Blut) und Blutsleute (von besserer Herkunft und mit magischen Fähigkeiten ausgestattet). Die Kraft eines jeden wird durch die Art und Menge der Juwelen bestimmt, die er oder sie trägt. Angefangen mit den hellen Farben ist das höchste das schwarze Juwel. Die Welt ist unterjocht von der Matriarchie, grausame, mächtige Königinnen herrschen über die einzelnen Gebiete und halten sich Männer als Lustsklaven. Daemon ist ein Lustsklave, der durch einen Ring des Gehorsams um seinen ... gefügig gemacht wird. Er wartet sein ganzes Leben schon auf die Retterin, die alle Völker gerecht vereinen wird. Genauso geht es seinem Vater, dem Höllenfürsten Saetan. Eines Tages dann werden sie auf ein ungewöhnliches Mädchen aufmerksam, das im Land der Dämonen wandelt und dort verschiedenen Menschen bzw. Toten hilft. Als Saetan das Mädchen zum ersten Mal sieht, weiß er sofort, dass sie Hexe ist. Da sie aber erst 12 Jahre alt ist, kann sie ihren Platz als Herrscherin noch nicht einnehmen. Also beginnt er, sie darauf vorzubereiten und sie in der Kunst zu unterweisen. Jaenelle selbst lebt bei ihrer Familie, die von Intrigen und Gewalt zerrüttet ist. Ihre Eltern wissen nicht, dass sie hochbegabt ist und halten sie eher für zurückgeblieben und verwirrt. Als Daemon von Jaenelle erfährt, macht er alles möglich, um in ihrer Nähe zu sein und schleicht sich in den Haushalt ihrer Eltern ein. Er versucht, sie vor dem Bösen zu beschützen, doch das Kind hat viele Feinde.

Hier haben wir ein hochkomplexes, episches Werk, das stilistisch so gar nichts mit den anderen Paranormalen Romanen zu tun hat, die ich gelesen habe. Zum einen kann ich sehr gut verstehen, dass sich hier die Geister scheiden und die einen völlig begeistert sind, die anderen nach 100 Seiten entnervt aufgeben. Ich war auch nach der Hälfte des Buches noch nicht sicher, was ich davon halten soll und musste es mehrere Male weglegen. Bereits zu Beginn wird der Leser überschüttet mit Begriffen, Namen und Szenenwechseln. Alles ist so verwirrend angelegt, dass man das Gefühl hat, nur in Situationen reinzuplatzen ohne wirklich zu verstehen warum. Aber mit der Zeit laufen alle die weit entfernten Fäden vom Anfang zusammen und die Personen, die vorher zusammenhangslos wirkten, treffen sich unter interagieren. Allerdings passiert das sehr sehr langsam und es gibt viel Pathos dazwischen. Nicht unbedingt Landschaftsbeschreibungen oder Monologe, sondern vielmehr haarkleine Abhandlungen über Geschehnisse, die storytechnisch irrelevant sind. Wie es zum Beispiel ist, wenn die Hure Surreal Freier empfängt und wie Jaenelle ein besonderes Pferd beschreibt etc. Das erfordert Geduld und Einfühlungsvermögen vom Leser. Auch die Namensgebung der Charaktere ist höchst gewöhnungsbedürftig. Den Höllenfürsten Saetan und seinen Sohn Daemon zu nennen scheint mehr als einfallslos. Dann aber heißen andere wieder Manny (als Frau!) und man glaubt sich im tiefsten Volksdialekt. Entweder hat hier die Übersetzung versagt oder es ist echt daneben gegangen. Es dauert auch geraume Zeit, bis man sich an die dauernden Szenenwechsel gewöhnt hat und verstanden hat, wo jetzt Unterwelt und so weiter ist.
Dazu braucht man locker die Hälfte des Buches, und wenn man bis dahin nicht aufgegen hat, wird es ein super Leseerlebnis. Erst dann kann man richtig mitfiebern und versteht das Wesen von Daemon und Jaenelle. Es wird auch dann erst spannend und man spürt, dass es eine Geschichte ist und nicht nur eine wahllose Aneinanderreihung von Szenen.
Von Erotik allerdings habe ich nicht viel gemerkt. Die Romanreihe wird als Meisterwerk der düsteren Erotik angepriesen, aber auf erotische Szenen entfallen vielleicht insgesamt 2 der 558 Seiten. Und dann ist es auch eher Quälerei und SM, unpersönlich und nicht gerade erotisch. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es jemand anregend findet, zu lesen, wie einem Mann bei vollem Bewusstsein mit einer Rasierklinge die Geschlechtsteile abgeschnitten werden. Viel Action gibt es auch nicht, alles zieht sich ein wenig träge dahin, was aber nicht unbedingt unangenehm zu lesen ist. Es ist eben etwas ganz anderes als gewohnt und hat durchaus auch seine Qualitäten. Allerdings nichts für Fans von leichter Unterhaltung für zwischendurch!