Anita Blake – Gierige Schatten

von Laurell K. Hamilton

auf Deutsch erschienen März 2006 im Bastei Lübbe Verlag
459 Seiten, Taschenbuchformat

Preis: EUR 7,95

ISBN: 3404154665
EAN: 9783404154661
Übersetzt von Angela Koonen

Fazit

Eine ganz neue Seite von Anita und drumherum ein spannender Krimi - kaufen!

Nachdem sich Anita darauf eingelassen hat, abwechselnd mit Jean-Claude und Richard auszugehen, beginnt ein seltsames Spiel. Anita fühlt sich zunehmend unwohl bei der Sache und auch ihr Wunsch, Richard zu heiraten, wird schwächer nachdem sie realisiert hat, dass er genauso wenig ein Mensch ist wie der Vampir Jean-Claude.
Trotzdem wird Anita mehr und mehr in die Welt der Gestaltwandler und Lykantropen hineingezogen und erfährt durch Richard viel Neues. Unter anderem auch, dass es Revierkämpfe bei den Werwölfen gibt, in die Richard selbst verwickelt ist. Doch bevor sich Anita darum kümmern kann, wird sie zu einem Tatort gerufen, bei dem ein Schlangenmensch gehäutet aufgefunden wurde. Es kristallisiert sich heraus, dass es eine Entführungs- und Mordserie an Gestaltwandlern gibt, die noch nicht aufgeklärt werden konnte. Anita hat zunächst keinen Verdacht, wer der Täter sein könnte und erschwerend kommt hinzu, dass es unter den Gestaltwandlern einige gibt, die zu Gewalt und Kriminalität neigen.
Anita macht gegenüber Richard klar, dass sie auch gegen Werwölfe vorgehen würde, was die Beziehung zu ihm weiter belastet. Doch die Ereignisse überschlagen sich, als Jason, ein unerfahrener Werwolf entführt wird. Anita holt sich ihren Profikiller Freund Edward zu Hilfe und zusammen gehen sie den Spuren nach.

Zum ersten Mal treffen wir hier auf eine Anita, die Emotionen zeigt, die Männern zugeneigt ist. Meiner Meinung nach war diese Wendung in der Entwicklung dieses Charakters auch dringend notwendig. Nur knallhart und professionell zu sein macht noch keine sympathische Heldin aus. Völlig ohne Kitsch liest man hier über die Schwierigkeiten einer Beziehung mit einem nicht-menschlichen Wesen, sei es Vampir oder Werwolf. Anitas Zerrissenheit zwischen Jean-Claude und Richard wird sehr gut dargestellt und man kann sich gut in ihre Rolle hineinversetzen. Natürlich kommt auch die Action nicht zu kurz und der Krimiteil des Buches ist super spannend und spitzt sich am Ende zu einem überraschenden Finale zu.
Auch wenn die Verwicklung um Anitas Liebesbeziehungen sich nicht auflöst, kommt nicht das Gefühl auf, hier einen willkürlichen Cliffhanger zu haben. Man freut sich vielmehr auf die kommenden Bände, durch die sich diese Konstellation wie ein roter Faden ziehen wird. L. Hamilton schafft es auf geniale Weise, jedes Buch für sich wirken zu lassen ohne uninteressante Details zu wiederholen. Sicher könnte man auch mitten in der Serie anfangen zu lesen, aber viel mehr Spaß bringt es, von Anfang an zu beginnen und immer mehr über Anita und ihre Freunde und Feinde zu erfahren. Auch über Edward, den Kopfgeldjäger, gibt es noch viele Geheimnisse zu lüften und die Autorin hält sich mit Enthüllungen sehr bedeckt.
Was mir an diesem Band nicht so sehr gefallen hat war das hohe Gewaltaufkommen am Ende. Sicherlich gehört es zu einem Krimi, sich üble Mordschauplätze anzusehen und ein paar blutige Details zu erfahren. Doch explizite Folter ist schon heftig. Nichts, aber absolut nichts für schwache Nerven. Das ist und wird auch kein Liebesroman werden.

Anita Blake – Zirkus der Verdammten

von Laurell K. Hamilton

auf Deutsch erschienen Sept 2005 im Bastei Lübbe Verlag
412 Seiten, Taschenbuchformat

Preis: EUR 7,95

ISBN: 3404153715
EAN: 9783404153718
Übersetzt von Angela Koonen

Fazit

Spannende Action, dieses Mal mit einem Hauch Romantik...der beste Anita-Blake-Roman bisher!

Dieses Mal bekommt es Anita mit militanten Vampirgegnern zu tun, der Humans First against Vampires. Zwei Männer versuchen sie zu überzeugen, den Namen des Meisters der Stadt und seinen Schlafplatz zu verraten. Doch Anita zögert, sie kann aus ihr noch nicht klaren Gründen Jean-Claude nicht ans Messer liefern. Sie will sich gedanklich auch nicht weiter damit befassen, denn sie hat eine Verabredung mit Richard, der für Jean-Claude arbeitet. Sie fühlt sich zu dem attraktiven und weltgewandten Mann hingezogen und hat ganz wider ihre Art einem Date zugestimmt. Dann jedoch erhält sie einen Anruf der Polizei und muss zu einem Tatort. Ein Mensch wurde offensichtlich von mehreren Vampiren ausgesaugt und getötet. Da es sehr ungewöhnlich ist, dass Vampire im Rudel jagen, ahnt Anita Schlimmes. Und tatsächlich macht sie bald Bekanntschaft mit der Vampirtruppe, die von einem sehr alten und mächtigen Meister namens Alejandro angeführt wird. Alejandro will Jean-Claude töten und Anita zu seinem menschlichen Diener machen.
Zum Glück können sich Anita und ihr neuer Animator-Schützling in Sicherheit bringen, tragen aber einen großen Schrecken davon. Anita ist im Zwiespalt: soll sie Jean-Claude verraten?
Durch die Humans First against Vampires lernt sie einen Vampir namens Oliver kennen, der übermächtig zu sein scheint. Doch augenscheinlich sind seine Motive ehrenwert: er will das Gleichgewicht zwischen Menschen und Vampiren wieder herstellen. Anita vertraut ihm nicht, doch genauso wenig glaubt sie Alejandro und Jean-Claude. Als Jean-Claude sie in den Zirkus der Verdammten bestellt um sie zur Rede zu stellen, kommt es zur Katastrophe und ein Kampf zwischen den Meistervampiren entbrennt, in dem Anita beinahe ihre Seele verliert.

Das erste, was nach der Lektüre an diesem Buch auffällt, ist das fulminante Ende. Noch mehr Action, Kampfszenen und Überraschungen. Meiner Meinung nach ist Zirkus der Verdammten noch besser als die beiden Vorgänger, noch bissiger, noch spannender, noch mehr abartige Kreaturen. Dieses Mal kommen auch ein wenig mehr Anitas Gefühle ins Spiel und ihre Beziehung zu Jean-Claude wird noch komplizierter als vorher.
Wieder eine gelungene Mischung von bekannten Charakteren und interessanten Neuvorstellungen. Anita ist teilweise auch nicht mehr ganz so cool wie zuvor, was sie in meinen Augen noch sympathischer macht. Natürlich ist sie immer noch bis an die Zähne bewaffnet, stürzt sich todesmutig in unrealistische Kämpfe und kommt mit ein paar blauen Flecken davon wo andere mehr als tot wären. Aber das ist die gewohnte Übertreibung von Ms Hamilton, und es macht einfach Spaß so etwas zu lesen. Ein wenig Superhelden-Image muss ja dabei sein.

Anita Blake – Blutroter Mond

von Laurell K. Hamilton

auf Deutsch erschienen Jan 2005 im Bastei Lübbe Verlag
413 Seiten, Taschenbuchformat

Preis: EUR 7,95

ISBN: 3404152581
EAN: 9783404152582
Übersetzt von Angela Koonen

Fazit

Würdiger Nachfolger des ersten Bandes, fesselnd!

Auch im zweiten Band der Serie hat Anita keine ruhige Minute. Das "Spukkommando" der Polizei ruft sie um Hilfe bei einem blutigen Mord an einer Familie. Anita ist entsetzt über die Gewalttätigkeit des Mordes und fest entschlossen, den Täter zu finden. Sie erkennt, dass es sich um einen uralten Zombie handeln muss, der von jemand sehr mächtigen erweckt worden sein muss. Auf ihrer Suche gelangt sie an die fiese Voodoomeisterin Dominga Salvador, die Anita zuerst auf ihre kriminelle Seite ziehen will. Als Anita jedoch ablehnt, zieht sie ganz andere Seiten auf und ab sofort ist Anitas Leben bedroht. Dominga hetzt Zombies auf sie, die ihre Wohnung verwüsten und Anita entgeht nur knapp dem Tode. Trotzdem kann sie nicht beweisen, dass die Voodoomeisterin auch für die Erweckung des Super-Zombies und damit auch für die Morde verantwortlich ist. Als wenn das nicht genug wäre, muss sich Anita nun auch noch vor den Häschern des geld- und machtgierigen Harold Gayner in Acht nehmen. Als Anita ablehnt, für Millionen von Dollar einen uralten Toten für Gaynor zu erwecken, gerät sie in seine Schusslinie. Seine perverse Vorliebe für verkrüppelte Geliebte macht sie misstrauisch und sie beginnt zu recherchieren. Bald kreuzen sich die Wege von Dominga Salvador und Harold Gaynor.

Laurell K. Hamilton bleibt auch im zweiten Band ihrem Stil perfekt treu. Viel Spannung und Tempo, tolle Kampfszenen und viele coole Sprüche. Viele Figuren des ersten Teils kommen auch wieder vor, unter anderem auch der charismatische Jean-Claude. Hier zeichnet sich eine interessante Romanze ab. Es ist fantastisch gelungen, ein Buch mit einer unabhängigen Geschichte zu schaffen, durch die sich dennoch ein roter Faden zieht. Auch ohne den ersten Band zu kennen, würde man viel Spaß beim Lesen haben, aber ich empfehle trotzdem ganz von vorne anzufangen mit der Serie. Es fließt auch hier wieder viel Blut und man bekommt explizite Gewaltszenen serviert. Anita ist nach wie vor der Liebe und allem anderen Kompliziertem völlig abgeneigt, aber das tut dem Buch überhaupt keinen Abbruch. Man weiß gar nicht, wo das noch vorkommen sollte bei all dem Tempo.

Dark Future – Herz aus Feuer

von Eve Kenin

erscheint auf Deutsch im Februar 2012 im Knaur Verlag
Taschenbuch, Klappenbroschur 350 Seiten

Preis: EUR 9,99

Fazit

Sci-Fi Abenteuer mit prickelnder Romantik. Toll!

Lange war Tatiana die Gefangene des skrupellosen Wissenschaftlers Gavin Ward, der an der genetisch veränderten Frau Experimente machte und versuchte, ihre Andersartigkeit in todbringende Waffen einzubringen.
Doch irgendwann gelang ihr die Flucht und seither zieht sie durch das nördliche Ödland, verdingt sich in der Eiseskälte als Auftragskillerin. Körperlich stärker als normale Menschen, vermag sie gefährliche Aufträge zu erfüllen.
Eines Tages begegnet ihr an einer Station ein seltsamer, verhüllter Mann, der es anscheinend auch auf Rache abgesehen hat. Vom ersten Moment an ist Tatiana fasziniert von ihm und im Kampf gegen gemeinsame Feinde kommen sie sich näher. Tatiana folgt Tristan in seine Behausung, ein weit verzweigtes Höhlensystem. Doch kann sie ihm trauen?

Wie auch schon in Herz aus Eis platziert Eve Kenin ihre Geschichte in die ferne Zukunft, in der die Erde ein unwirtlicher Ort voller Gefahren und Verbrechen geworden ist.
Tatiana kennen wir schon ansatzweise aus dem ersten Teil, nun bekommt sie ihre eigene, spannende Story, die sich absolut flüssig und unterhaltsam liest.
Eine vom Leben gezeichnete, misstrauische und starke Frau gerät an einen verschlossenen, dominanten und doch einfühlsamen Mann - eine unwiderstehliche Konstellation. Eve Kenin nutzt dieses Potential auch wohlweislich aus und kreiert Dialoge voller zarter Anzüglichkeiten und eine ständige Phase der Annäherung die in gut platzierten Liebesszenen gipfelt. Diese stehen aber niemals im Vordergrund, in erster Linie ist Herz aus Feuer ein actionreicher Sci-Fi-Abenteuerroman, der von seiner Heldin lebt. In einer wechselnden neutralen Erzählperspektive bekommt der Leser mit, was Tatiana und Tristan erleben, und bis zum Schluss hebt sich die Autorin den Showdown auf. Voller Wendungen, in unaufdringlichem, klaren und leicht kühlen Schreibstil, ist das Buch schnell gelesen und macht Lust auf mehr. Man sollte natürlich ein wenig auf technische Begriffe, ein apokalyptisches Setting und jene Story-Elemente stehen, die allesamt mit Genforschung, Waffen, synthetischen Lebensmitteln etc. zu tun haben. Die Welt, die Eve Kenin baut, kommt weitestgehend ohne Bäume, Sonnenuntergänge und Tiere aus, wirkt daher stellenweise etwas klinisch und irgendwie tot. Aber die Figuren sind sehr lebendig und ich mochte die toughe, zielstrebige Tatiana, die sich in ihrer Mission von (fast) nichts beirren lässt.

Shadowblade – Dunkle Fesseln

von Diana Pharaoh Francis

erscheint auf Deutsch im November 2010 im Knaur Verlag
432 Seiten, HC Klappenbroschur (nicht gebunden)

Preis: EUR 14,95

Fazit

Harter, spannender Urban Fantasy / Fantasy Roman mit einer facettenreichen Heldin.

Max ist eine Shadowblade, eine lebende Waffe. Einst war sie eine ganz normale junge Frau mit Familie und Freunden, bis sie auf die charismatische Giselle traf. Dass diese eine mächtige Hexe ist, erfährt Max zu spät: da hatte sie schon den seltsamen Fragen ob sie ewig leben wolle und unbesiegbar sein kann JA gesagt. Unter Schmerzen und Folter zwingt Giselle Max einen Bannzauber auf, der sie dazu bringt, die Hexe zu beschützen und sei es unter Einsatz ihres Lebens. Seither wehrt sich Max gegen diese Unterjochung, sie ist aufmüpfig und trotzig und plant ständig, wie sie Giselle töten und sich damit befreien kann.
Dann jedoch zieht ein welterschütternder Krieg am Horizont auf, in den alle Hexen verwickelt sind. Eine Prophezeihung wird ausgesprochen, dass Max in diesem Kampf eine entscheidende Rolle spielen wird. Max erhält den Auftrag, einen seltsamen magischen Angriff zu untersuchen und beobachtet, wie die Shadowblades einer verfeindeten Hexe versuchen, einer Wintergreisin den Zauberstab zu entreißen. Es kommt zum Kampf, in dem Max nur besteht, weil sie der Wintergreisin hilft. Hier passieren zwei entscheidende Dinge: Max erhält als Dank von der Wintergreisin ein magisches Hagelkorn, das einen Wunsch erfüllen kann. Und sie trifft Alexander, den Prime der Shadowblades der Hexe Solange. Sofort geschieht etwas zwischen Max und Alexander, eine tiefe Anziehungskraft. Doch er ist ihr Feind und sie hat den Auftrag, ihre Herrin zu beschützen.

hadowblade hat mich von der ersten Seite an gepackt und durch das hohe Erzähltempo und die spannende Story nicht mehr losgelassen. Kleine Längen im Mittelteil sind verschmerzbar und stören nicht sehr. Man merkt gleich am Anfang, dass hier eine härte Gangart eingelegt wird und lernt die Hauptfigur Max als eine zynische, todesmutige und kalte Frau kennen, die keine Kompromisse macht. In treffenden, gut gewählten Worten präsentiert uns die Autorin eine im wahrsten Sinne des Wortes gequälte Heldin, die ihre Gefühle tief in sich eingeschlossen hat. Hass und Rachsucht beherrschen ihr Denken und obwohl sie von Grund auf sehr loyal ist, will Max doch nichts anderes, als ihre Freiheit und eine Strafe für Giselle.
Nach kürzester Zeit gibt es schon die ersten Kämpfe, die allesamt blutig, brutal und fantastisch beschrieben sind. Eine Waffenliebhaberei ist hier - ganz ähnlich wie bei Dante Valentine - deutlich zu erkennen. Alle Waffen werden beim Namen genannt, erläutert und natürlich muss Max immer wie ein wahres Arsenal herumlaufen. Doch natürlich steckt in Max mehr als eine eiskalte Tötungsmaschine, ansonsten hätte die Story nicht mehr viel Inhalt. Aber vorerst ist die Autorin sehr zurückhaltend mit Gefühlsausdrücken und bleibt es auch mehr oder weniger bis zum Schluss. Nicht, dass es in Max drin eiskalt wäre, vielmehr brodelt es regelmäßig in ihrem Inneren und sie leidet unter unzähligen Gewissenskonflikten und Sehnsüchten, die sie sich nicht erlauben kann und will. Nach außen hin jedoch bleibt sie oft undurchdringlich und starr. So schwierig es ist, einen solch komplexen Hauptcharakter darzustellen, so bewundernswert gelingt es der Autorin. Trotz all ihrer Härte ist Max eine faszinierende, vielschichtige Person mit unglaublich viel Potiential. All ihre Interaktionen mit Haupt- und Nebenfiguren sind gut platziert und fern von Oberflächlichkeiten. Es wird nicht unbedingt viel gesprochen in diesem Roman, aber wenn, dann mit Nachdruck. Derbe Ausdrücke und Schimpfworte gibt es zu Hauf, aber auch einen feinen, bissigen Humor.
Viel Zeit verbringt man auch damit, Landschafts- und Zustandsbeschreibungen zu lesen. Auf Atmosphäre wird viel Wert gelegt und die Autorin erschafft neue Redewendungen, interessante Fantasy-Inhalte und Kreaturen und eine apokalyptische Hintergrundgeschichte, die von viel Arbeit und Kreativität zeugen. Das Thema "die magische Welt will die Menschen vernichten" ist jetzt zwar nicht neu, aber hervorragend umgesetzt. Dabei kommt in diesem ersten Teil noch nicht viel von jenem großen Krieg ans Tageslicht, es zeichnet sich jedoch ein ultimativer Showdown ab.
Die Erzählperspektive wechselt zwischen Max und Alexander hin und her, bleibt aber immer neutral in der dritten Person. Ab und zu gibt es Überschneidungen der Ereignisse, einmal aus Max und einmal aus Alexanders Sicht, das ist ein faszinierendes Stilmittel. Überhaupt habe ich sprachlich rein gar nichts auszusetzen und ein Hauptgrund für meinen postiven Gesamteindruck macht in jedem Fall der flüssige Erzählstil und die tolle Ausarbeitung der Hauptfiguren aus. Max und Alexander geraten ständig aneinander, misstrauen sich, streiten sich, nähern sich, helfen sich und all das ohne Klischees. Es gibt in ihrer zwischenmenschlichen Geschichte einige Überraschungen, die unvorhersehbar platziert sind. Von Romantik ist allerdings nicht viel zu sehen in diesem Roman, es gibt nur ganz am Rande ein kleines Aufblitzen. Vorrangig konzentriert sich die Story auf Max Rolle als Giselles Shadowblade, auf ihre Position in der Gruppe, ihren Konflikt mit der Hexe und natürlich auf das Abenteuer, das alle erleben. Zartbesaitet sollte man hier allerdings nicht sein, es gibt explizite Folterszenen und viel Blut. Teilweise war es mir zu sehr darauf angelegt, brutal zu wirken, nur deswegen - und eventuell wegen dem kleinen Hänger in der Mitte des Buches - keine Top Wertung. Ansonsten kann ich Shadowblade uneingeschränkt für alle Fans von Urban Fantasy empfehlen, vor allem für Anhänger von Dante Valentine, Elizabeth Phoenix, Anita Blake und anderen "toughen" Kämpferinnen.
Noch ein Wort zur Aufmachung: 14,95 EUR für ein Taschenbuch, und sei es noch so stabil und großformatig, ist viel Geld. Schimmernde Applikationen auf dem Cover und ein schöner Druck machen zwar was her, sind aber für mich kein Muss. Ich frage mich auch, wie man auf die Idee kommt, eine schwarzhaarige Frau abzubilden, denn Max ist weißblond...

Hexengift

von T. A. Pratt

erscheint auf Deutsch im Mai 2010 im Blanvalet Verlag
414 Seiten, Taschenbuchformat

Preis: EUR 8,95

ISBN-13: 9783442266906
ISBN-10: 3442266904
 
Übersetzt von Michael Pfingstl

Fazit

Marla ist einfach cool! Lesen!!

Als Magieroberhaupt der Stadt Felport ist die multi-talentierte Hexe Marla ständig im Stress. Aktuell wird sie in die städtische Irrenanstalt gerufen, wo die seit Jahren im künstlichen Tiefschlaf liegende Gedankenmanipulatorin Genevieve ausgebrochen ist. Marla vermutet sofort, dass jemand Genevieve bei der Flucht geholfen hat und sie als Druckmittel gegen Marla und Felport einsetzen will, denn Genevieve ist sehr mächtig: sie kann die Realität verändern. Nebenbei muss sich Marla auch noch um einen entlaufenen Meister-Attentäter kümmern, der seinen Amtskollegen entwischt ist und sich wahrscheinlich in Marlas Territorium aufhält. Die Gefahren lauern an jeder Ecke und Marla weiß, dass ihr Posten als magisches Oberhaupt der Stadt von vielen beneidet oder gar gehasst wird. Also herrscht sie mit rüder Dominanz und straffem Aktionismus.

Um die vielen Aufgaben in den Griff zu bekommen entschließt sich Marla, einen weiteren Assistenten neben Rondeau einzustellen und gabelt den ordnungsliebenden Ted von der Straße auf, der sich als sehr nützlich herausstellt. Und dann bekommt Marla noch Verstärkung von dem attraktiven Liebesflüsterer Joshua, dessen umwerfende Ausstrahlung sofort bleibenden Eindruck bei der ansonsten kühlen Marla hinterlässt. Zusammen mit seinem Charisma will sie ihre Machtposition bei den anderen Zauberern stärken, wird aber zunehmend selbst von Joshuas Charme eingewickelt. Dann überschlagen sich die Ereignisse: Genevieves Traumwelt gerät immer mehr in die Wirklichkeit und bringt auch ihre Alpträume ins Leben. Manifestiert als mächtiger Zauberer, wird ihr größter Alptraum nun auch eine Bedrohung für Felport. Und Marla selbst gerät ins Zielfernrohr des verschollenen Attentäters...

Der zweite Teil der Serie um die toughe Magierin Marla Mason ist eine rasante, spannende und vor allem wendungsreiche Urban Fantasy Geschichte, die absolut überzeugen kann. Der präzise, leicht ironische Schreibstil präsentiert die Charaktere sehr anschaulich und ich war immer wieder begeistert vom Einfallsreichtum des Autors und dem schier unendlichen Vorrat an Vokabeln um die magische Welt und deren Kreaturen zu beschreiben.

Von Anfang an herrscht ein hohes Erzähltempo, welches auch komplett bis zu letzten Seite durchgehalten wird. Es ist zwar eine typische "wir-jagen-den-Bösewicht" Handlung, aber ohne vorhersehbar oder klischeehaft zu sein. Allen voran ist Marla, die einfach nur genial ist. Sie ist stur, etwas brutal, extrem pragmatisch, zielgerichtet und zynisch. Ihre Loyalität zu ihrer Stadt ist beeindruckend und obwohl sie über große Kräfte verfügt, kommt sie nicht abgehoben daher. Sie ist derart bodenständig und teils sogar fast schon schäbig, dass man ihr eher noch die Rolle einer abgerissenen Einzelkämpferin zuordnet, als die einer mächtigen Hexenmeisterin. Wo sie im ersten Teil ausschließlich ihre grobe Seite zeigt, kommt in Hexengift in der Beziehung zu Joshua auch eine andere Seite Marlas hervor, die sehr interessant und verletzlich ist. Es entsteht aber keine großartig romantische Handlung! Es geht vorrangig um Action, Kampf und Strategie. Dabei wechselt die Erzählperspektive regelmäßig zwischen Marla und ihren Gegenspielern, so dass man die ganze Handlung aus mehreren Blickwinkeln mitbekommt. Das nimmt aber keinesfalls die Spannung sondern bringt eher noch mehr Farbe in das Ganze.

Es gibt wirklich wenige Bücher, die keine nervigen Nebencharaktere und/oder erzählerische Längen haben und so unterhaltsam sind wie die Romane um Marla Mason. Sie kann locker mithalten mit Kate Daniels, Rachel Morgan und den Charakteren von Kelley Armstrong. Was absolut überzeugend an diesem Buch ist, ist das ausgereifte Gefühl des Autors für mitreißende Dialoge, die gerade so lang sind um die Infos zu vermitteln, aber trotzdem so kurz wie möglich um nicht ins Wiederholen zu geraten. Nichts ist nerviger als wenn die Charaktere untereinander alles ständig wiederholen, so als ob sie den Leser für begriffstutzig halten würden...
Rür Romantasy-Fans und solchen, die Urban Fantasy mögen, welche recht nah an der Realität liegt (keine Fabelwesen und Parallelwelten etc.) ist Hexengift nicht so gut geeignet, aber wer auf spannende Action und klischeefreie Figuren steht, sollte einen Blick auf Hexengift werfen. Ich jedenfalls freue mich schon auf den nächsten Teil.

Hexenzorn

von T. A. Pratt

auf Deutsch erschienen im Januar 2010 im Blanvalet Verlag
414 Seiten, Taschenbuchformat

Preis: EUR 8,95

ISBN-13: 9783442266647
ISBN-10: 3442266645
 
Übersetzt von Michael Pfingstl

Fazit

Für abgehärtete Leser und Freunde von starken Heldinnen eine super-spannende Urban Fantasy Unterhaltung.

Die Hexe Marla Mason ist im Stress: ihre ärgste Konkurrentin Susan will ihr die Position als Herrin von Felport streitig machen indem sie einen Fluch windet, der Marla vom Erdboden tilgen soll. Gegen diesen mächtigen Zauber kann Marla direkt nichts ausrichten, also fliegt sie mit ihrem Vertrauten Rondeau nach San Francisco um den geheimnisvollen Grenzstein zu finden. Mithilfe dieses Artefakts könnte Marla Susans Zauber abwenden. Leider gestaltet sich die Such von Anfang an ziemlich schwierig: bereits der erste Magier, den Marla auf der Suche nach Informationen aufsuchen will, gibt keinen Ton mehr von sich: er wurde ermordet. Mit einem unguten Gefühl zieht Marla weitere Erkundigungen ein und trifft auch das hiesige Magieroberhaupt. Als dieser ihr Hilfe zusichert, scheint der Grenzstein in unmittelbare Nähe gerückt. Doch ein mächtiger Unbekannter kommt ihr zuvor und seine Spur zieren die Leichen von San Franciscos begabtesten Magiern. Also muss sich Marla ihm entgegenstellen bevor sie sich ihrem eigentlichen Problem zuwenden kann...

Auch wenn man von Urban Fantasy mit einer toughen Hexe in der Hauptrolle schon so einiges gelesen hat, bietet Hexenzorn temporeiche, spannende und interessante Unterhaltung mit viel Action und einer eigenwilligen Heldin. Marla Mason ist eine extrem derbere Variation aus Rachel Morgan, Kate Daniels und Dante Valentine. Sie ist maximal gewaltbereit, rücksichtslos, egozentrisch, unromantisch, zynisch, ungeduldig, arrogant und großmäulig. Mit all diesen Eigenschaften schlägt sie in ihrer Umwelt meist wie eine Bombe ein und erntet zuhauf Angst, Respekt oder Ärger. Marlas Kumpan Rondeau ist eine etwas emotionalere, weichere Figur, die oft versucht, Marlas krasse Gewaltanfälle abzubremsen oder sie mehr für die Gefühle anderer zu erwärmen, obwohl er selbst gar kein Mensch sondern ein seltsames Geisterwesen ist, das einen menschlichen Körper übernommen hat.
Hexenzorn ist ein straffer, handlungsorientierter Thriller, der mit vielen beeindruckenden Kreaturen und Wendungen aufwartet. T. A. Pratts Schreibstil ist nicht ganz so flüssig zu lesen, da er oftmals komplexe Situationen beschreibt oder sich in fremdwortlastigen Ausführungen über die Zukunft und alternative Realitäten auslässt. Das erzeugt aber keine Längen oder verwirrt unnötig, sondern ist ein gelungenes Stilmittel um dem Roman einen kleinen Touch Sci-fi zu verpassen. Der Autor schafft es mühelos, undurchsichtige Charaktere zu erschaffen, die Marla beeinflussen und verwirren können. Trotzdem lebt die Story vorrangig von Marlas starkem Willen, ihrem trockenen Humor und ihrem unerschütterlichen Selbstbewusstsein. Es hat Spaß gemacht, dieses Buch zu lesen, denn es ist sehr kurzweilig und bisweilen auch in seiner logischen Originalität faszinierend. Wenn die "mögliche Hexe" Marla in einer Raumfalte im Kerker von Alcatraz erzählen soll, wo sich am nächsten Tag eine gewisse Person aufhält und sich dafür mit einer "Zeitschuld" bezahlen lässt, kann man schon als Außenstehender die Augen verdrehen und meinen, was T. A. Pratt sich da für ein hanebüchenes Konzept von Matrix zusammengereimt hat. Aber wenn man sich reingelesen hat, bieten solch fantasievolle Eskapaden einen Extra-Lesespaß für all diejenigen, die abwegige Gedankengänge faszinierend finden.
Liebesromanleser und Fans von Romantic Fantasy werden sich bei Marla Mason eher nicht so aufgehoben fühlen, da sie von Romantik oder gar Liebe überhaupt nichts wissen will. Es gibt zwar auch sexuelle Situationen (nicht mit der Hauptfigur) in diesem Roman, aber das wird völlig neutral dargestellt. Zartbesaiteten Lesern wird auch die derbe, Schimpfwort-lastige Sprache negativ auffallen, sowie extreme Inhalte wie Kannibalismus, Vergewaltigung, BDSM, Folterung, explizite Gewaltbeschreibung und augenscheinlich unmoralisches Töten.
Mit 8,95 für ca. 400 Seiten liegt das Buch preislich knapp unter der magischen 9,95 Linie, leider finde ich das Cover sehr hässlich. Warum orientiert man sich da nicht mehr am Original? Fürchtet man, dass das Buch dadurch versehentlich von potentiellen Käufern als klassische Fantasy eingestuft werden könnte?

Rote Jägerin

von Jaye Wells

auf Deutsch erschienen Januar 2010 im Heyne Verlag
448 Seiten, Taschenbuchformat

Preis: EUR 8,95

ISBN-13: 9783453407039
ISBN-10: 3453407032
 
Übersetzt von Franziska Heel

Fazit

Recht spannender, aber unausgereifter Urban Fantasy Thriller.

Sabina Kane ist halb Vampirin, halb Magierin und als Auftragskillerin für den herrschende Vampirclan der Dominae unterwegs. Ihre Mentorin und Großmutter Lavinia hatte Sabina erzogen und ausgebildet, auch wenn die Schande immer über ihr hängt, die Tochter einer Vampirin und eines Magiers zu sein. Sabina hält dennoch an ihrem Ziel fest, den Dominae loyal zu sein und alles zu tun, um ihrer Großmutter zu gefallen. Also nimmt sie auch den gefährlichen Auftrag an, den Halb Dämon halb Vampir Clovis auszuspionieren und zu töten. Clovis soll eine stetig wachsende Gruppe verschiedener paranormaler Einheiten um sich scharen um alle zu vereinen und die Macht der Dominae zu schwächen. Sabina tut so, als würde sie sich von den Dominae abwenden und sich Clovis anschließen. Zuerst klappt die Infiltrierung ganz gut, doch Clovis stellt sich als undurchsichtiger, mächtiger Gegner heraus, der von Sabina als Treuebeweis gleich verlangt, ihm ihr Blut zu geben. Noch während sich Sabina mit der Fee Vinca und dem ursprünglich zu ihrer Ermordung gesendeten Dämon Giguhl anfreundet, wird sie von dem attraktiven Magier Adam aufgesucht, der angeblich im Namen ihrer Magier-Familie ausgeschickt wurde, Sabina zu finden und zu ihren Wurzeln zurückzuführen. Doch Lavina hatte Sabina immer weisgemacht, dass ihr Magiervater verstorben sei. War alles eine Lüge?

Rein inhaltlich ist das Debüt der Autorin Jaye Wells recht anständig aufgemacht und bietet eine nicht unbedingt originelle, aber streckenweise gut spannende, unterhaltsame Story. Eine junge Einzelkämpferin mit ungeahnten Fähigkeiten und potentiellem Auserwählten-Image findet ihren Weg aus der Unterdrückung und lernt, dass es neben blinder Auftragskillerei auch noch die Weltrettung und Völkervereinigung gibt. Aus einer eingeschränkten, kindischen, trotzigen Sichtweise soll eine selbstlose, weitsichtige, emotional offene Persönlichkeit werden. Auch wenn das überspitzt ausgedrückt ist, läuft die Entwicklung tatsächlich so stereotyp ab und ist demnach nicht sehr glaubwürdig.
Durch die Ich-Perspektive kommt der Leser sehr nah an Sabina Kane heran und nimmt teil an ihren Gedanken und Entscheidungen. Leider konnte ich mich mit ihr nur sehr wenig anfreunden und noch weniger identifizieren. Ihre Stimmungsschwankungen sind teilweise unnachvollziehbar und wirken in ihrer extremen Ausprägung irgendwie abgehoben und aufgesetzt. Erst killt sie scheinbar mühelos einen Freund, später noch weitere Vampire etc. und andererseits gibt es einen ach so empfindlichen Kern in ihr, der sie gegen Ende des Buches ständig in Tränen ausbrechen lässt. Was die Wahl ihrer Männer betrifft, kann sie sich auch weder entscheiden noch sympathisch verhalten. Einerseits möchte sie geliebt werden, andererseits hat sie unzählige Vorurteile, lässt beleidigende Kommentare ab und wirkt mehr als disintegrativ.
Bis auf den nervigen Side-kick Giguhl, der unzählige peinliche und humorfreie Auftritte hat, sind sämtliche Nebenfiguren blass und oft nicht mehr als seitenfüllende Nichtigkeiten. Jaye Wells kann sich streckenweise nicht entscheiden, ob sie lieber einen Krimi mit schlagfertigen, knappen Dialogen oder eine mit Rückblicken und Details angefüllte Beschreibung liefern soll. Der Stil wirkt unausgewogenen und holperig. Unwichtige Dinge werden künstlich in die Länge gezogen und für den Leser interessante Aspekte entweder vollständig ausgeblendet oder nur kurz am Rande abgehandelt. Dabei hätte man diesen Gewissenskonflikt von Sabina so schön ausarbeiten können, ebenso wie die Romanze mit dem Magier Adam....
Bleibt noch zu sagen, dass ich es einfach lächerlich finde, dass alle Vampire rote Haare haben müssen. Und den dummen, dummen Menschen fällt es in Jahrzehnten auch nicht auf, dass sich nachts in den Clubs immer ein Haufen Rothaarige zusammenrotten, die ganz zufällig nur rote Getränke an der Bar ausgeschenkt bekommen... Das kann mir doch keiner weismachen. Ich weiß es ist schwer, eine Paranormale Nebenwelt geheim zu halten und vor allem sich auszudenken, in welcher Weise das passieren kann. Ich finde aber, dass z. B. Patricia Briggs und Kelley Armstrong das wesentlich besser hinbekommen. Und man kann ja auch mit offenen Karten spielen wie bei Kim Harrisons Rachel Morgan.
Rote Jägerin ist ein ganz netter Auftakt zu einer Trilogie, die evtl. noch weiter fortgeführt wird. Das durchaus vorhandene Potential wurde aber bei weitem nicht ausgenutzt und der Roman ist nichts weiter als ein durchschnittlicher Urban Fantasy Thriller.

Nocturne City – Schattenwölfe

von Caitlin Kittredge

erscheint auf Deutsch im Februar 2010 im Egmont Lyx Verlag
432 Seiten, Taschenbuchformat

Preis: EUR 9,95

ISBN-13: 9783802582912
ISBN-10: 3802582918
 
Übersetzt von Daniel Müller

Fazit

Kühl-düsterer paranormaler Krimi mit einer schlagkräftigen, toughen Heldin.

Luna Wilder ist eine erfolgreiche und willensstarke Ermittlerin im Dienst der Polizei von Nocturne City, wo Werwolfrudel und Hexen mehr oder weniger friedlich mit der menschlichen Bevölkerung zusammenleben. Das Leben als rudellose Werwölfin ist hart für Luna, muss sie sich doch permanent gegen Vorurteile und Bedrohungen durchsetzen. Ein wenig Rückhalt findet sie nur bei ihrer magisch begabten Cousine Sunny, mit der sie zusammen ein kleines Haus am Rande der Stadt bewohnt. Eines Tages wird Luna mit der Ermittlung in einem blutigen Mordfall an einer jungen Frau beauftragt und gerät damit unwillentlich in einen höchst gefährlichen Korruptionsskandal. Ihr erster Verdacht fällt auf den charismatischen Werwolf Dmitri Sandowsky, doch bald kristallisiert sich für Luna heraus, dass der Täter ein anderer sein muss. Als ein zweites Opfer auftaucht, überschlagen sich die Ereignisse: es scheint, als sollten ihre Ermittlungen von ganz hoher Ebene aus unterbunden werden und Luna kämpft plötzlich gegen alle: die eigenen Polizeikollegen, den grausamen Mörder, rivalisierende Werwölfe und gegen die eigene Angst....

Der erste Teil der Nocturne City Reihe präsentiert sich als schneller, harter Polizeithriller mit einer toughen Werwölfin in der Hauptrolle. Das Konzept lehnt sich an bereits Bekanntes an: eine einzelgängerische Ermittlerin à la Anita Blake, eine futuristische Stadt wie bei Mercy Thompson und ein explizit-brutaler Krimiplot wie bei Wolfshadow oder Anna Strong. Luna Wilder ist in ihrer störrischen, zu Gewalt neigenden Art fast schon unweiblich und leidet augenscheinlich unter ihrer wilden, wölfischen Seite, auch wenn diese meiner Ansicht nach ihren grausamen Touch noch eher passend unterstreicht. Sie verkörpert im überspannten Maße das Ideal einer kompromisslosen Kämpferin, die gegen alle Fronten antreten muss und dabei noch eine traumatische Vergangenheit kompensiert. Soweit ganz gut, in ihrem kühlen, direkten Schreibstil entwickelt Caitlin Kittredge eine spannende Krimihandlung mit einigen Überraschungen und gespickt mit undurchsichtigen Gegenspielern und interessanten Nebencharakteren. Die Story schreitet schnell voran und trotz aller möglichen Widrigkeiten kämpft sich Luna bis zur Lösung des Falls durch. Dabei findet sich keine Zeit für Romantik, nähere Charakterbeschreibungen oder größere Szenenwechsel. Durch die Ich-Perspektive erfährt der Leser die Ereignisse nur aus Lunas Sichtweise, und die ist oft geprägt von ungerichteter Aggression oder wirrer Sehnsucht, Lust oder Verzweiflung.
Meiner Meinung nach liegt auch hier die größte Schwäche des Romans, denn durch den unausgeglichenen Charakter der Hauptfigur gerät auch der Rest in Unruhe. Luna kann sich weder darauf einlassen, für Dmitri etwas zu empfinden, noch möchte sie sich groß mit ihrem Werwolfdasein beschäftigen. Von Rache und Ehrgeiz getrieben, schlittert sie durch fahrige Polizeiarbeit und Indiana Jones-mäßige Einzelkämpferaktionen. Widersprüchlichkeiten findet man leider einige, nur ein Beispiel: erst beschwert sich Luna, dass ihr Kollege brutale Verhörmethoden anwendet und kurze Zeit später knallt sie selbst den Kopf eines Verdächtigen auf den Tisch....
Angekündigt war auch ein gewisser erotischer Inhalt, doch leider kann Schattenwölfe das kaum bieten. Es gibt da zwar etwas zwischen Luna und Dmitri, aber Luna stößt permanent alle und alles von sich. Bei einigen von ihren Sprüchen hätte ich an Dmitris Stelle schon längst abgewinkt. Physische Annäherungen sind wie alles geprägt von Gewalt und einer rigorosen Distanziertheit.
Schlussendlich ist das Buch ein unterhaltsamer Krimi, der nicht vor brutalen Szenen zurückschreckt und mit seiner abgeklärten Erzählweise rasant durch einen halsbrecherischen Thriller führt.