Blutsbande – Nacht der Seelen

von Jennifer Armintrout

erscheint auf Deutsch im Juni 2010 als Mira Taschenbuch im Cora Verlag
476 Seiten, Taschenbuchformat

Preis: EUR 7,95

übersetzt von Matha Windgassen
ISBN-13: 9783899417296 ISBN-10: 3899417291

Fazit

Lesenswertes, spannendes Finale, das alles auflöst.

Auch wenn Carrie und Nathan sich gerne ihrer neu entdeckten Liebe widmen würden, wissen sie, dass der Kampf gegen den Souleater noch nicht vorbei ist. Sie haben sich in Max Wohnung verschanzt, der seinerseits mit seiner Bella nach Italien gegangen ist, um dort ihrem Werwolf Clan vorstellig zu werden. Jetzt, da Bella von Max ein Kind erwartet, möchte Max von ihrem Rudel akzeptiert werden.
Zufällig treffen Carrie und Nathan in Max Appartment auf den "Blutdealer" Bill, dem sie erst misstrauen, bald aber merken, dass er ein sympathischer und loyaler Mensch ist. Die Ereignisse überstürzen sich, als Nathan erfährt, dass sein Ziehsohn Ziggy noch bzw. wieder am Leben ist. Es ist klar, dass er ein Zögling des Souleaters ist und Carrie fürchtet zurecht, dass es eine Falle sein könnte. Doch Nathan lässt sich durch nichts davon abbringen, Ziggy zu retten, er will nicht glauben, dass sein Sohn ihn verraten könnte. Auf der Rettungsaktion jedoch gerät Nathan in die Hände des Souleaters und seiner sadistischen Helferin, der Hexe Dahlia. Kann Carrie nur mit Hilfe von Bill, Ziggy und dem hinzugekommenen Max ihren Geliebten retten und den Souleater besiegen? Und kann sie Ziggy vertrauen?

Nacht der Seelen ist ein würdiger, gut durchdachter Abschluss der Serie und bietet neben ordentlicher Spannung auch einige gelungene Überraschungen. Alles läuft auf einen Showdown, den Kampf gegen den Souleater, hinaus und es ist klar, dass Carrie diejenige sein wird, in deren Händen das Schicksal aller liegt. Sie hadert mit dieser Rolle, wächst aber im Laufe des Buches über sich hinaus und entdeckt neue, mächtige Kräfte in ihr. Jennifer Armintrout komponiert diesen letzten Teil als Wiedersehen aller Charaktere und Auflösung aller durch die Serie hindurch gezogenen Konflikte und Probleme. Das war einerseits sehr angenehm, andererseits kam die Entwirrung ziemlich schnell und gestrafft. Wo sie sich drei Teile lang Mühe gegeben hat, alles möglichst kompliziert zu machen, war sie hier wohl gezwungen, am Ende ein - etwas unglaubwürdiges - Happy End zu präsentieren.
Vorher gibt es noch blutige Kampfszenen, wirklich brutale Folterungen, deren Beschreibungen ins Horror-Genre fallen, und kitschfreie Liebesszenen. Der Homoerotik Einschlag hat mir persönlich jedoch nicht so gut gefallen.
Mit der Person Carrie werde ich wohl nie richtig warm werden und ich hatte auch wieder meine Probleme mit ihrer unnachvollziehbaren Unbeherrschtheit und dem Wechsel zwischen Naivität und fast schon souveräner Entschlossenheit. Sie will unbedingt von Nathan geliebt werden, nimmt sich aber selbst heraus, ihre Interessen auf andere auszuweiten. Der Einfluss von Cyrus bleibt nach wie vor unangetastet. Es gibt auch immer wieder Streit zwischen Nathan und Carrie und obwohl sie letzten Endes doch füreinander bestimmt sind, gefällt mir diese Konstellation nicht wirklich.
Insgesamt lässt sich der Roman flüssig lesen, am Schreibstil ist wirklich nichts auszusetzen: klar, treffend und abwechslungsreich. Zwischendurch gibt es immer mal wieder Wechsel der Erzählperspektive von der Ich-Erzählerin Carrie hin zur Dritten Person, wenn es um Ziggy, Bill oder Max geht.
Insgesamt war die Serie unterhaltsam, spannend und durchaus lesenswert, wenn man Vampirthriller mag, wie z. B. Jeanne C. Steins Anna Strong Serie. Ein wenig kühl, wenig aus der Masse hervorstechend aber mit vier Bänden nicht unnötig ausgedehnt.

Blutsbande – Besessen

von Jennifer Armintrout

auf Deutsch erschienen im Okt 08 als Mira Taschenbuch im Cora Verlag
320 Seiten, Taschenbuchformat

Preis: EUR 7,95

ISBN: 3899415051
EAN: 9783899415056
Übersetzt von Lisa Kuppler

Fazit

Packender Thriller in schonungslosem Stil.

Nur eines stört die perfekte Harmonie zwischen Carrie und Nathan: er kann seine grausamen Vergangenheit und den Verlust seiner Frau Marianne nicht vergessen. Carrie hat schwer daran zu knabbern, ob sie ein Leben mit halbherziger Liebe seinerseits durchstehen kann. Eines Tages jedoch zerbricht all dies, als Nathan plötzlich zu einer wütenden Bestie wird. Im Wahn und offensichtlich besessen tötet er willenlos und greift sogar Carrie an. Dann verschwindet er. Für Carrie beginnt eine Zeit großen Leidens, denn als ihr zweiter Schöpfer steht ihr Nathan sehr nah und die Trennung schmerzt jede Sekunde mehr. Gleichzeitig beginnt die Geschichte um Cyrus, der von einer verrückten Vampirgang, den Fangs, ins Leben zurück geholt wird. Allerdings als Mensch. Die Fangs sperren ihn in der Wüste in einer Kirche in den Keller, nachdem sie den Pfarrer töteten. Zusammen mit der jungen Frau Stacey, genannt Mouse, fristet Cyrus die Tage in Gefangenschaft. Er fragt sich, ob sein Vater, der mächtige Souleater, ihn zurückholen ließ um ihn erneut zum Vampir zu machen. Zuerst ist Cyrus verärgert darüber, dass er ein Mensch ist, und vermisst die Lässigkeit, mit der er damals grausam war. Er bedroht Mouse und gibt sich arrogant und unnahbar. Doch da er körperlich sehr schwach ist, ist er auf die Hilfe der Frau angewiesen. Unterdessen machen sich Carrie und ihr Freund Max auf den Weg nach Spanien um im Hauptquartier der Vampirvereinigung den offiziellen Tötungsbefehl für Nathan aufzuhalten. Dort gelangt Carrie heimlich zu dem berüchtigten Orakel, das ihr einen verschlüsselten Hinweis zur Lösung des Falles gibt. Jetzt ist Carrie überzeugt, dass es ihre Aufgabe ist, Nathan zu finden und zu retten. Gleichzeitig jedoch macht sich die Werwölfin Bella auf die Suche nach Nathan um ihn zu töten. Die Tage vergehen, in denen Carrie im Auto auf dem Weg in die Wüste ist, um nach einer Spur von Cyrus zu suchen. Sie weiß, dass der Souleater mit Nathans Besessenheit zu tun haben muss und daher will sie Cyrus finden, der sein Sohn ist. Dieser hat sich mittlerweile an sein Menschsein gewöhnt und zarte Band mit Mouse geknüpft. Gemeinsam wollen sie fliehen. Als Carrie die Kirche in der Wüste findet, geht auf einmal alles sehr schnell: Sie holt Cyrus heraus und im Handgemenge lässt sie Mouse dort zurück. Als Cyrus zu sich kommt, muss er erkennen, dass seine junge Geliebte tot ist. Es kommt zum Konflikt zwischen Carrie und Cyrus. Doch zusammen fahren sie zurück zu Nathans Wohnung, wo Bella und Max berichten, dass sie mehrere Kontakte mit Nathan hatten, die allesamt blutig ausgingen. Für Carrie steht fest, dass es nur eine Möglichkeit gibt, Nathan zu retten: er muss seine Vergangenheit loslassen.

Besessen ist ein interessanter zweiter Teil der Blutsbande Serie, allerdings ein ganz anderer, als ich erwartet habe. Als erstes fällt die extreme Teilung der Geschichte in der ersten Hälfte auf. Jennifer Armintrout trennt die Story in zwei Hauptschauplätze: Carrie und Cyrus. Einige hundert Seiten bekommt der Leser abwechselnd die Erlebnisse von Cyrus und die von Carrie vorgesetzt und kann sich selbst ausrechnen wann und wie die beiden Handlungsstränge verschmelzen werden. Ich bin kein Fan von solch einem "Parallel- Erzählstil" und wurde irgendwann ziemlich ungeduldig. Ab der Mitte des Buches wird es dann allmählich besser und es kommt schreibtechnisch ein wenig Ruhe rein. Ansonsten ist von Ruhe nicht viel zu merken. Besessen ist ein emotional stark beladener Roman, in dem viel gelitten, gemordet, bereut und geweint wird. Zwischenmenschliche Beziehungen sind allesamt psychotisch und irgendwie hoffnungslos. Die zentrale Beziehung zwischen Carrie und Nathan ist wohl die unglücklichste, von der ich je in einem Paranormalen Roman gelesen habe. Die Autorin lässt den beiden keinen Platz um glücklich zu sein, bzw. beschreibt diesen Zustand einfach nicht. Auch Cyrus ist trotz seiner neu gewonnenen Menschlichkeit immer noch vorbelastet von seiner grausamen und gnadenlosen Existenz als Vampir. Insgesamt ist das Buch eher als schwere Kost einzuordnen, was der Spannung allerdings keinen Abbruch tut. Auch wenn die Lektüre durch die verkorksten Beziehungen der Charakter untereinander teilweise schmerzvoll war, konnte ich das Buch kaum aus der Hand legen. Wie auch der Vorgänger ist Besessen unglaublich spannend und mitreißend. Vielleicht sogar erst recht deshalb, weil die Personen so leiden. Denn man will endlich erfahren, ob eine Besserung in Sicht ist. Für schwache Nerven ist auch dieser Teil nichts, denn die Kampfszenen sind blutig und es wird ständig psychische und physische Gewalt ausgeübt. Faszinierend ist auch die Vielschichtigkeit der Charaktere, die besonders im Fall von Cyrus minutiös ausgearbeitet wird. Alle Facetten einer gestörten Persönlichkeit kommen zum Tragen, die aber ganz natürlich wirken. So werden Jennifer Armintrouts Figuren realistisch und lebendig, und man fragt sich, wie es sein kann, dass bei anderen Romanen immer alles so glatt läuft und sämtliche Personen einer Linie folgen. So überrascht es auch nicht, dass das Ende mehr oder weniger neutral ist und alle Happy-End-Fans enttäuschen wird (mich auch).

Poltergeist

von Kat Richardson

auf Deutsch erschienen im Dezember 2008 im Heyne Verlag
498 Seiten, Taschenbuchformat

Preis: EUR 8,95

übersetzt von Franziska Heel
ISBN-10: 3453524861
ISBN-13: 978-3453524866

Fazit

Unterkühlte Krimiunterhaltung mit einer unsympathischen Hauptfigur.

Solangsam gewöhnt sich die Privatdetektivin Harper Blaine an ihr Dasein als Grauwandlerin. Über zu wenige Aufträge kann sie sich eigentlich nicht beschweren. Obwohl er ihr unsympathisch ist, nimmt sie von Psychologie-Professor Tuckman den Job an, seine Séance-Gruppe auf Sabotage zu überprüfen. Anlässlich eines Uni-Studienprojektes hat Prof. Tuckman eine Gruppe aus verschiedensten Leuten zusammengestellt, die sich wöchentlich treffen um mittels ihrer gebündelten mentalen Kräfte einen Geist zu erschaffen. Als sich Harper genauer mit der Sache beschäftigt, stellt sie fest, dass tatsächlich getrickst wurde, um den Teilnehmern vorzugaukeln, dass ein Geist anwesend sei. Das Gespenst wurde Celia getauft und bekam auch einen ausführlichen Lebenslauf und zahlreiche Charaktereigenschaften angedichtet. Harper beobachtet dann zum ersten Mal live eine Séance und ihr fallen sofort die seltsamen Energiefäden im Grau auf, die sich währenddessen zeigen. Im weiteren Verlauf stellt Harper fest, dass auf keinen Fall alles mit rechten Dingen zugeht, denn als Möbel und Gegenstände im Raum herumfliegen, kann nur eine übersinnliche Erscheinung dafür verantwortlich sein. Das ganze wird zu einer bedrohlichen Sache, als einer der Teilnehmer brutal ermordet wird. Harper befürchtet, dass der Poltergeist Celia dafür verantwortlich sein könnte. Doch woher nimmt er seine unglaubliche Macht?

Der zweite Teil der Harper Blaine Serie konnte mich leider noch weniger überzeugen als der erste. Kat Richardson Stil langweilt mich zusehends und es kommt keine Auflockerung in ihre kühle Distanz zu sämtlichen Personen. Die Hauptfigur Harper kämpft sich in Poltergeist durch zähe Ermittlungen und führt mit ihrer sachlich-professionellen Art unzählige Gespräche und Monologe ohne dabei etwas von sich selbst preiszugeben. Für den Leser ist sie immer noch eine unbekannte Person, die nur für ihre Arbeit lebt. Die Autorin macht kaum den Versuch, Harper ein wenig Leben, Emotionen und Vergangenheit angedeihen zu lassen, dafür ergeht sie sich lieber in ellenlangen, ständig wiederkehrenden Beschreibungen der Stadt Seattle, in dem die Geschichte spielt. Es wird klar, dass Kat Richardson lieber von unbelebten Dingen schreibt, als von lebendigen. Jede Örtlichkeit, jede Straße, jedes Gebäude in Seattle wird benannt, beschrieben und liebevoll in das Gesamtbild eingefügt. Leider reicht das nicht, um Spannung zu erzeugen. Ok, irgendwo hinter all den überlangen, mit Fachausdrücken und komplizierten Satzstrukturen gespickten Dialogen, den nichtssagenden Monologen und detailverliebten Seattle-Ansichten, lauert eine Grundspannung, die dadurch erzeugt wird, dass man bis zum Schluss nicht weiß, wer wirklich für die Untaten des Poltergeists verantwortlich ist. Handwerklich steckt hier ganz nette Krimi-Arbeit dahinter. Nur es fehlen völlig Zutaten wie Charme, Gefühl, Witz, Tempo, Überraschungen und vor allem: eine Hauptfigur, mit der man sich identifizieren kann. Harper kann man fachlich zwar ernst nehmen, menschlich jedoch kann ich absolut nichts mit ihr anfangen. Ihr Liebesleben ist so gut wie nicht existent, und es scheint sie auch nur oberflächlich zu stören. Ihre Beziehung zu Freunden ist ambivalent, mal braucht sie sie, mal ist sie von Gesellschaftlichkeit geradezu angewidert.
Obwohl das Grau, Geister und Vampire eine gewisse Rolle in dieser Serie spielen, kommt meiner Meinung nach nicht die Stimmung eines paranormalen Romans auf. Es ist eher ein düsterer Mystery-Krimi, der fallbezogene Elemente logisch nacheinander abspult und Übersinnliches eher ablehnt oder gerade mal duldet. Harper steht ihrer Rolle als Grauwandlerin auch immer noch skeptisch gegenüber und wirkt oft hölzern, ängstlich oder einfach nur stur. Wo soll das noch hinführen? Es gibt wirklich keinen Anreiz, noch weitere Stories der Privatdetektivin zu lesen.

Greywalker

von Kat Richardson

auf Deutsch erschienen im August 2008 im Heyne Verlag
400 Seiten, Taschenbuchformat

Preis: EUR 8,95

übersetzt von Franziska Heel
ISBN-10: 3453433106
ISBN-13: 978-3453433106

Fazit

Recht spannender, paranormaler Krimi in düsterem, kühlen Gewand.

Dass sie einen gefährlichen Job hat, weiß Harper Blaine. Doch mit einem brutalen Überfall auf ihre Person hat sie nicht gerechnet. Direkt vor ihrer Wohnung wird sie angegriffen und brutal zusammengeschlagen. Als sie später aus der Ohnmacht erwacht, merkt sie, dass mit ihrer Wahrnehmung etwas nicht stimmt. Harper glaubt, Halluzinationen zu haben, denn sie sieht Gestalten, die für andere unsichtbar sind und ihr ist permanent schwindlig. Erst nach mehrmaligem Nachfragen eröffnet man ihr, dass sie volle 2 Minuten tot war und dann reanimiert wurde. Ein Arzt empfiehlt ihr das Ehepaar Mara und Ben Danziger als Berater in diesem seltsamen Fall, der sich jeglichem medizinischen Wissen entzieht. Skeptisch sucht Harper die beiden auf und erfährt, dass sie nun ein sogenannter "Grauwandler" ist. Sie kann zwischen der Welt der Lebenden und der Welt der Toten und Paranormalen hin- und herspringen bzw. beide Welten gleichzeitig sehen. Zuerst will Harper das alles nicht glauben und versucht ihren Alltag normal weiterzuleben. Sie hat zwei Fälle an denen sie arbeitet: sie soll den verschollenen Sohn einer reichen Dame finden und ein russischer Klient ist auf der Suche nach einem antiken Möbelstück, dessen Spur verlorenging. Harper lässt sich von dem sympathischen Bastler Quinton erst einmal eine Alarmeinlage einbauen und stürzt sich dann in Arbeit. Doch das Grau lässt ihr keine Ruhe, immer wieder gerät sie in seine Fänge und ihr bleibt nichts anderes übrig, als sich mit ihrer neuen Gabe zu konfrontieren. Zusammen mit Mara und Ben lässt sie sich darauf ein, das Grau genauer zu erforschen und ihre Fähigkeiten zu trainieren.

Mit Greywalker bringt Kat Richardson einen recht soliden, spannenden Krimi, der einige paranormale Elemente enthält. Der Schreibstil ist angenehm nüchtern, teils etwas langatmig und ansonsten nichts besonderes. Harper ist eine ordentliche, gebildete Person mit Ecken und Kanten, die jedoch nicht sehr stören. Vielmals wurde negativ ausgelegt, dass sie sich anfangs so gegen ihre "Gabe" wehrt, doch das halte ich für eine nachvollziehbare Entwicklung. Auf einmal Geister zu sehen wird wohl kaum jemand sofort als Normalität ansehen. Trotzdem konnte ich mit Harper nicht warm werden. Sie ist sehr analytisch, manchmal unglaublich leichtsinnig und furchtlos und dann wieder extrem ängstlich und zurückhaltend. Als sie sich von Cameron in den gefährlichen Vampirauftrag verwickeln lässt, hätte sie eigentlich abschätzen müssen, wie lebensgefährlich das Ganze ist. Die Krimihandlung an sich ist ganz unterhaltsam, aber langsam foranschreitend, recht vorhersehbar und irgendwie steif. Man verzeihe das banale Wortspiel, aber die Geschichte ist ziemlich "grau in grau". Harper stolpert so durch die Ereignisse und obwohl sie diejenige ist, die die Ermittlungen führt, scheint sie seltsam abwesend und emotional nicht sehr involviert. Die Kälte, die daraus entsteht, mindert den Lesespaß deutlich und man wartet vergeblich auf Sympathieträger (außer vielleicht das Frettchen Chaos). Auch negativ aufgefallen sind mir mehrere Rechtschreib-, und was gravierender ist: mehrere Logikfehler in der Handlung. So schlau wie Harper dargestellt wird, so dämlich ist manchmal ihre Vorgehensweise. Am schlimmsten fand ich, dass sie jedem alles auf die Nase binden muss, von ihrem Beruf über sämtliche Details des Falls. Sie spielt also ständig mit offenen Karten und macht sich zur Zielscheibe von allem und jedem. Aber es ist ja nicht so, dass sie nur knapp dem Tode entronnen wäre... Auch Harpers Umgang mit Männern ist irgendwie unnatürlich und führt zu unbefriedigenden Konstellationen. Ganz kleine Flirt-Ansätze werden grob im Keim erstickt oder Harper manövriert sich selbst in unmögliche Situationen. Ihr Privatleben steht an ganz letzter Stelle und das tollste Abendessen wird für einen Anruf in den Wind geschossen. Sehr pflichtbewusst, doch aber auch sehr sehr kalt. Nichtsdestotrotz kann Greywalker neben anderen Krimis ganz gut bestehen und lässt jedenfalls auf einen sympathischeren Nachfolger hoffen. Mit Vorreitern wie Dante Valentine, Mercy Thompson, Morgan Kingsley oder gar Rachel Morgan kann Harper Blaine allerdings nicht mithalten.