Poltergeist

von Kat Richardson

auf Deutsch erschienen im Dezember 2008 im Heyne Verlag
498 Seiten, Taschenbuchformat

Preis: EUR 8,95

übersetzt von Franziska Heel
ISBN-10: 3453524861
ISBN-13: 978-3453524866

Fazit

Unterkühlte Krimiunterhaltung mit einer unsympathischen Hauptfigur.

Solangsam gewöhnt sich die Privatdetektivin Harper Blaine an ihr Dasein als Grauwandlerin. Über zu wenige Aufträge kann sie sich eigentlich nicht beschweren. Obwohl er ihr unsympathisch ist, nimmt sie von Psychologie-Professor Tuckman den Job an, seine Séance-Gruppe auf Sabotage zu überprüfen. Anlässlich eines Uni-Studienprojektes hat Prof. Tuckman eine Gruppe aus verschiedensten Leuten zusammengestellt, die sich wöchentlich treffen um mittels ihrer gebündelten mentalen Kräfte einen Geist zu erschaffen. Als sich Harper genauer mit der Sache beschäftigt, stellt sie fest, dass tatsächlich getrickst wurde, um den Teilnehmern vorzugaukeln, dass ein Geist anwesend sei. Das Gespenst wurde Celia getauft und bekam auch einen ausführlichen Lebenslauf und zahlreiche Charaktereigenschaften angedichtet. Harper beobachtet dann zum ersten Mal live eine Séance und ihr fallen sofort die seltsamen Energiefäden im Grau auf, die sich währenddessen zeigen. Im weiteren Verlauf stellt Harper fest, dass auf keinen Fall alles mit rechten Dingen zugeht, denn als Möbel und Gegenstände im Raum herumfliegen, kann nur eine übersinnliche Erscheinung dafür verantwortlich sein. Das ganze wird zu einer bedrohlichen Sache, als einer der Teilnehmer brutal ermordet wird. Harper befürchtet, dass der Poltergeist Celia dafür verantwortlich sein könnte. Doch woher nimmt er seine unglaubliche Macht?

Der zweite Teil der Harper Blaine Serie konnte mich leider noch weniger überzeugen als der erste. Kat Richardson Stil langweilt mich zusehends und es kommt keine Auflockerung in ihre kühle Distanz zu sämtlichen Personen. Die Hauptfigur Harper kämpft sich in Poltergeist durch zähe Ermittlungen und führt mit ihrer sachlich-professionellen Art unzählige Gespräche und Monologe ohne dabei etwas von sich selbst preiszugeben. Für den Leser ist sie immer noch eine unbekannte Person, die nur für ihre Arbeit lebt. Die Autorin macht kaum den Versuch, Harper ein wenig Leben, Emotionen und Vergangenheit angedeihen zu lassen, dafür ergeht sie sich lieber in ellenlangen, ständig wiederkehrenden Beschreibungen der Stadt Seattle, in dem die Geschichte spielt. Es wird klar, dass Kat Richardson lieber von unbelebten Dingen schreibt, als von lebendigen. Jede Örtlichkeit, jede Straße, jedes Gebäude in Seattle wird benannt, beschrieben und liebevoll in das Gesamtbild eingefügt. Leider reicht das nicht, um Spannung zu erzeugen. Ok, irgendwo hinter all den überlangen, mit Fachausdrücken und komplizierten Satzstrukturen gespickten Dialogen, den nichtssagenden Monologen und detailverliebten Seattle-Ansichten, lauert eine Grundspannung, die dadurch erzeugt wird, dass man bis zum Schluss nicht weiß, wer wirklich für die Untaten des Poltergeists verantwortlich ist. Handwerklich steckt hier ganz nette Krimi-Arbeit dahinter. Nur es fehlen völlig Zutaten wie Charme, Gefühl, Witz, Tempo, Überraschungen und vor allem: eine Hauptfigur, mit der man sich identifizieren kann. Harper kann man fachlich zwar ernst nehmen, menschlich jedoch kann ich absolut nichts mit ihr anfangen. Ihr Liebesleben ist so gut wie nicht existent, und es scheint sie auch nur oberflächlich zu stören. Ihre Beziehung zu Freunden ist ambivalent, mal braucht sie sie, mal ist sie von Gesellschaftlichkeit geradezu angewidert.
Obwohl das Grau, Geister und Vampire eine gewisse Rolle in dieser Serie spielen, kommt meiner Meinung nach nicht die Stimmung eines paranormalen Romans auf. Es ist eher ein düsterer Mystery-Krimi, der fallbezogene Elemente logisch nacheinander abspult und Übersinnliches eher ablehnt oder gerade mal duldet. Harper steht ihrer Rolle als Grauwandlerin auch immer noch skeptisch gegenüber und wirkt oft hölzern, ängstlich oder einfach nur stur. Wo soll das noch hinführen? Es gibt wirklich keinen Anreiz, noch weitere Stories der Privatdetektivin zu lesen.

Greywalker

von Kat Richardson

auf Deutsch erschienen im August 2008 im Heyne Verlag
400 Seiten, Taschenbuchformat

Preis: EUR 8,95

übersetzt von Franziska Heel
ISBN-10: 3453433106
ISBN-13: 978-3453433106

Fazit

Recht spannender, paranormaler Krimi in düsterem, kühlen Gewand.

Dass sie einen gefährlichen Job hat, weiß Harper Blaine. Doch mit einem brutalen Überfall auf ihre Person hat sie nicht gerechnet. Direkt vor ihrer Wohnung wird sie angegriffen und brutal zusammengeschlagen. Als sie später aus der Ohnmacht erwacht, merkt sie, dass mit ihrer Wahrnehmung etwas nicht stimmt. Harper glaubt, Halluzinationen zu haben, denn sie sieht Gestalten, die für andere unsichtbar sind und ihr ist permanent schwindlig. Erst nach mehrmaligem Nachfragen eröffnet man ihr, dass sie volle 2 Minuten tot war und dann reanimiert wurde. Ein Arzt empfiehlt ihr das Ehepaar Mara und Ben Danziger als Berater in diesem seltsamen Fall, der sich jeglichem medizinischen Wissen entzieht. Skeptisch sucht Harper die beiden auf und erfährt, dass sie nun ein sogenannter "Grauwandler" ist. Sie kann zwischen der Welt der Lebenden und der Welt der Toten und Paranormalen hin- und herspringen bzw. beide Welten gleichzeitig sehen. Zuerst will Harper das alles nicht glauben und versucht ihren Alltag normal weiterzuleben. Sie hat zwei Fälle an denen sie arbeitet: sie soll den verschollenen Sohn einer reichen Dame finden und ein russischer Klient ist auf der Suche nach einem antiken Möbelstück, dessen Spur verlorenging. Harper lässt sich von dem sympathischen Bastler Quinton erst einmal eine Alarmeinlage einbauen und stürzt sich dann in Arbeit. Doch das Grau lässt ihr keine Ruhe, immer wieder gerät sie in seine Fänge und ihr bleibt nichts anderes übrig, als sich mit ihrer neuen Gabe zu konfrontieren. Zusammen mit Mara und Ben lässt sie sich darauf ein, das Grau genauer zu erforschen und ihre Fähigkeiten zu trainieren.

Mit Greywalker bringt Kat Richardson einen recht soliden, spannenden Krimi, der einige paranormale Elemente enthält. Der Schreibstil ist angenehm nüchtern, teils etwas langatmig und ansonsten nichts besonderes. Harper ist eine ordentliche, gebildete Person mit Ecken und Kanten, die jedoch nicht sehr stören. Vielmals wurde negativ ausgelegt, dass sie sich anfangs so gegen ihre "Gabe" wehrt, doch das halte ich für eine nachvollziehbare Entwicklung. Auf einmal Geister zu sehen wird wohl kaum jemand sofort als Normalität ansehen. Trotzdem konnte ich mit Harper nicht warm werden. Sie ist sehr analytisch, manchmal unglaublich leichtsinnig und furchtlos und dann wieder extrem ängstlich und zurückhaltend. Als sie sich von Cameron in den gefährlichen Vampirauftrag verwickeln lässt, hätte sie eigentlich abschätzen müssen, wie lebensgefährlich das Ganze ist. Die Krimihandlung an sich ist ganz unterhaltsam, aber langsam foranschreitend, recht vorhersehbar und irgendwie steif. Man verzeihe das banale Wortspiel, aber die Geschichte ist ziemlich "grau in grau". Harper stolpert so durch die Ereignisse und obwohl sie diejenige ist, die die Ermittlungen führt, scheint sie seltsam abwesend und emotional nicht sehr involviert. Die Kälte, die daraus entsteht, mindert den Lesespaß deutlich und man wartet vergeblich auf Sympathieträger (außer vielleicht das Frettchen Chaos). Auch negativ aufgefallen sind mir mehrere Rechtschreib-, und was gravierender ist: mehrere Logikfehler in der Handlung. So schlau wie Harper dargestellt wird, so dämlich ist manchmal ihre Vorgehensweise. Am schlimmsten fand ich, dass sie jedem alles auf die Nase binden muss, von ihrem Beruf über sämtliche Details des Falls. Sie spielt also ständig mit offenen Karten und macht sich zur Zielscheibe von allem und jedem. Aber es ist ja nicht so, dass sie nur knapp dem Tode entronnen wäre... Auch Harpers Umgang mit Männern ist irgendwie unnatürlich und führt zu unbefriedigenden Konstellationen. Ganz kleine Flirt-Ansätze werden grob im Keim erstickt oder Harper manövriert sich selbst in unmögliche Situationen. Ihr Privatleben steht an ganz letzter Stelle und das tollste Abendessen wird für einen Anruf in den Wind geschossen. Sehr pflichtbewusst, doch aber auch sehr sehr kalt. Nichtsdestotrotz kann Greywalker neben anderen Krimis ganz gut bestehen und lässt jedenfalls auf einen sympathischeren Nachfolger hoffen. Mit Vorreitern wie Dante Valentine, Mercy Thompson, Morgan Kingsley oder gar Rachel Morgan kann Harper Blaine allerdings nicht mithalten.