Fallen Angels – die Ankunft

von J. R. Ward

erscheint auf Deutsch im Februar 2010 im Heyne Verlag
580 Seiten, broschiertes, größeres Taschenbuchformat

Preis: EUR 14,95


ISBN-10:
 345326664
ISBN-13: 978-3453266643
Übersetzt von Astrid Finke

Fazit

Überzogener, auf Klischees basierender Mystery-Roman für Fans der Autorin.

Jim Heron hat sein altes Leben hinter sich gelassen und arbeitet jetzt auf der Baustelle des vermögenden Geschäftsmannes Vin diPietro. Durch einen unglücklichen Unfall kommt Jim zu Tode, doch damit ist längst nicht alles vorbei. Er öffnet die Augen und währt sich im Himmel - da erblickt er einige seltsame Männer, die ihm erklären, dass er jetzt eine neue Rolle als entscheidender Krieger im Kampf zwischen Himmel und Hölle einnehmen wird. Gott und Luzifer haben vereinbart, dass die Weltherrschaft an diejenige Seite geht, die sieben Seelen auf der Erde für sich gewinnen kann. Jims erste Aufgabe ist es, ausgerechnet seinen Boss, Vin, auf die "gute" Seite zu ziehen. Ohne große Erklärungen katapultieren die Engel ihn wieder auf die Erde und Jim findet sich im Krankenhaus wieder. Sofort macht er sich an die Arbeit und versucht, Vin näher kennen zu lernen. Dabei lernt er auch Vins attraktive Freundin Devina kennen - und ist schockiert. Die verführerische Frau ist genau die, die er vor ein paar Tagen im Club Iron Mask nicht nur gesehen sondern auch "getröstet" hat. Mit der Beziehung zwischen Devina und Vin kann etwas nicht in Ordnung sein. Ist es Jims Aufgabe, das zu regeln? Dann gibt es noch die alleinerziehende Marie-Therese, die im Iron Mask als Prostituierte arbeitet um ihre Schulden zu begleichen. Zusammen mit ihrem Sohn ist sie vor ihrem gewalttätigen Ex-Mann geflohen. Was hat ihr Schicksal mit Vin zu tun? Jims Aufgabe gestaltet sich schwieriger als erwartet.

Es ist mir nicht leicht gefallen, das Buch nur als mittelmäßig einzustufen, immerhin hat man bei dieser Autorin stets die fantastische Black Dagger Serie als Referenz im Kopf. Genauer gesagt, die ersten Teile der Black Dagger Serie. Die letzten Teile haben mir nicht mehr so gut gefallen und diese Tendenz scheint sich jetzt auch bei ihrer neuen Reihe fortzusetzen. J. R. Wards Stil ist hier auch unverwechselbar zu erkennen: ausgeschmückter, ausgefallener Schreibstil in einer eigenwilligen Mischung aus derb-saloppem Jargon und blumigen Beschreibungen mit unzähligen Adjektiven und Metaphern. Die Autorin versucht permanent, das Rad neu zu erfinden und bringt Vergleiche, die sonst wohl keiner gewagt oder auch nur daran gedacht hätte. Wo mich dieser Schreibstil am Anfang noch begeistert hat, finde ich ihn in diesem vorliegenden Übermaß größtenteils nur noch aufgesetzt und anstrengend. Alles, jede noch so kleine Sekunde der Handlung wird dadurch überbewertet und hochstilisiert, das Ganze verliert jegliche Natürlichkeit. Auch wenn J. R. Ward mit der Figur des Jim Heron versucht, eine vordergründig "normal-bodenständige" Person als Hauptcharakter zu bringen, gelingt es ihr nicht, ihn mir sympathisch zu machen. Klar sind alle Personen dieses Buch "tortured heros" und versuchen sich mit ihren grauenhaften Vergangenheiten zu überbieten. Aber Jim Heron ist überdies auch noch unnahbar und rigoros - und das nicht mehr nur in dem Maße, dass es ihn interessant und geheimnisvoll macht. Auch die weiteren gefallenen Engel haben mir charakterlich überhaupt nicht gefallen. Die Gegenspielerin Devina ("Dev-il-ina" - wie geistreich) fand ich unspektakulär und durchsichtig. Insgesamt war mir für einen Paranormalen Roman einfach zu wenig "Paranormales" vorhanden. Es ist wie eine Geschichte aus einer US-Daily Soap, die mit ein wenig Mystery gewürzt wurde um auf der modernen Para-Welle mitzuschwimmen. Durch möglichst wenige Informationen versucht die Autorin eine mysteriöse, geheimniskrämerische Stimmung aufzubauen, die ich aber eher unangenehm und unnötig fand. Auch die permanenten Szenenwechsel können nicht verschleiern, dass in den 580 Seiten einfach zu wenig Inhalt ist.
Mit Vin und Marie-Therese bekommt man eine vorhersehbare Pretty Woman Love Story geboten, die vor Klischees nur so strotzt. Jims Rolle in dieser Liebesgeschichte bleibt hölzern und am Rande und eigentlich wollte ich gar nicht, dass er sich da einmischt mit seiner rohen Art. Die Sexszenen sind prickelnd und ausnahmslos gelungen - das kann sie wirklich, die liebe Frau Ward. Leider konnte mich der Rest nicht überzeugen. Die Lektüre hat sich bereits zu Beginn gezogen und kann auch am Ende mit keinen großen Überraschungen aufwarten. Da es sieben Todsünden gibt, werden wohl noch 6 Teile folgen, in denen sich die Autorin hoffentlich noch steigert!
Wenigstens bin ich froh, dass sich der Verlag dieses Mal gegen eine Teilung in zwei Extra-bände entschieden hat, wobei der Preis von EUR 14,95 auch kein Pappenstiel ist.

Magie im Blut

von Devon Monk

erscheint auf Deutsch im Oktober 2010 im Heyne Verlag
390 Seiten, Taschenbuchformat

Preis: EUR 8,99

Fazit

Etwas bemühter erster Teil mit einer distanzierten Heldin, aber durchaus entwickelbar.

Allie Beckstrom lebt in einer Welt, aus der die Magie nicht mehr wegzudenken ist. Magie wird durch Städte geleitet, gespeichert und vielfältig eingesetzt. Als Tochter eines der reichsten Konzerngiganten der Region könnte Allie eigentlich ein schönes, ruhiges Leben führen. Doch sie hat sich von ihrem manipulativen und distanzierten Vater entfernt und seinen Ratschlägen und Beeinflussungen den Rücken gekehrt. Jetzt schlägt sie sich als "Spürhund" durch, und verdient ein wenig Geld mit Aufträgen bei denen sie verübte Magie auf ihren Initiator zurückführen kann. Leider bringt das Wirken von Magie auch immer Nachteile mit sich, so leidet Allie an Gedächtnisverlust und ständigen körperlichen Schmerzen.

Eines Tages wird sie zu einem kleinen Jungen gerufen, der durch Magiekontamination in Lebensgefahr gebracht wurde. Allie erkennt im Tätermuster überrascht ihres Vaters Signatur wieder und will ihn wutschnaubend zur Rede stellen. Also trifft sie sich nach Jahren wieder mit ihm und muss zusehen, wie er jede Schuld von sich weist. Aber Allie lässt nicht locker. Zusammen mit dem geheimnisvollen Zayvion Jones macht sie sich auf die Suche nach dem wahren Täter und gerät dabei selbst in Lebensgefahr.

Der Auftakt zu dieser neuen Urban Fantasy Serie hat es (bei mir) nicht leicht gehabt, immerhin gibt es schon ruhmreiche Vorgänger, z. B. Rachel Morgan oder Marla Mason. Nachdem sich dann Allie Beckstrom auf den ersten Seiten auch als quengelige, Kaffeesüchtige und chaotische Heldin entpuppt hat, stellte sich bei mir leichte Enttäuschung ein. Sie führt das typische Leben einer Querulantin mit allen zynischen Ecken und Kanten, die so ein Charakter nun eben hat. Zerwürfnis mit der Familie, wenige Freunde, ein schlecht bezahlter Job, ständig Probleme mit ihrer Gesundheit durch die Magieschuld, das zeichnet Allie aus. Erschwerend kam hinzu, dass mir sämtliche Nebenfiguren zu Beginn sehr unsympathisch waren, inklusive dem betont geheimnisvoll gehaltenen Zayvion Jones. Vertrauen ist etwas, das sich Allie nicht leisten kann und so ist hinter jeder Ecke ein potentieller Feind.

Der Ich-Erzählstil ist für Urban Fantasy ja bereits fast Standard, brilliert hier aber nicht unbedingt durch Authentizität und Nähe zur Hauptfigur. Die Autorin neigt ein wenig zu ausschweifenden Zustandsbeschreibungen, alles riecht oder stinkt irgendwie und wabert magisch durch die Gegend. Manchmal greift sie aber auch interessante Details auf und schafft so eine spannungsgelanden Atmosphäre. Zynisch und gut platziert ist Allies Humor, der in trockenen, kurzen Kommentaren ans Tageslicht kommt. Nicht sehr gut gefallen hat mir der Perspektivenwechsel hin zum "Bösen", der zwar sehr stark verschleiert ist, aber kurz nach dem Start des Romans sofort ins Auge fällt. Die meiste Zeit jedoch spielt die Handlung rein aus Allies Sicht.
Nach dem meiner Meinung nach etwas zähen Anfang entwickelt sich die Story aber recht gut und hebt sich stellenweise positiv aus der simplen "Kick-ass-Heldin-sucht-Verbrecher" Masche heraus. Allies Beziehung zu Zayvion bleibt undurchsichtig und spannungsgeladen. Es gibt einige prickelnde Szenen, auf Romantik wird generell aber wenig Wert gelegt. Es wird auch nicht allzu explizit, dabei aber sprachlich klischeefrei und wohlüberlegt.

Überhaupt gewinnt Magie im Blut ab der Hälfte zunehmend an Substanz und Erzähltiefe, Allie ist mir zwar bis zum Schluss etwas fremd geblieben, sie manövriert sich aber dann doch ganz ordentlich durch die Widrigkeiten. Die Dialoge werden besser, treffender und mitreißender. Bald war meine Neugier darüber geweckt, was es nun mit Zayvion auf sich hat und welche Position Allie im großen Machtspiel um die Magie einnehmen wird. Auch gibt es für sie eine persönliche Entwicklung und ihre Kräfte sind noch lange nicht alle aufgedeckt oder gar genutzt. Das macht Lust auf die Folgebände.
Bis zum Schluss schwergetan habe ich mich allerdings mit der von Devon Monk konstruierten Welt, in der die Magie für fast alle nutzbar gemacht wurde. Magie fließt durch Kupferrohre und kann mittels Blitzableiter gefangen werden? Magie ist hier irgendwie wie ein Gift, dessen Anwendung demjenigen schadet und daher immer gefährlich ist. Schließlich geht es, den Schaden - illegalerweise - auf jemand anderen zu projizieren. Auch die Art, wie Magie mittels Mantras und Handbewegungen ausgelöst wird und dann in Form von Glyphen "in der Luft hängt", finde ich etwas ungeschickt dargestellt. Aber nun gut, immerhin finden sich die Hauptcharaktere einigermaßen in dieser Welt zurecht.
Insgesamt ein recht ansehnlicher Serienauftakt mit einigen Schwächen, die hoffentlich in den Folgebänden ausgebügelt werden. Ein weiterer ist ja schon angekündigt, ich hoffe inständig, dass trotz sinkender Verkaufszahlen im Urban Fantasy Bereich hier keine Welle von Serieneinstellungen folgt.

Teufelskreise

von Linda Robertson

erscheint auf Deutsch im März 2011 im Egmont Lyx Verlag
400 Seiten, Taschenbuchformat

Preis: EUR 9,95


ISBN 10: 3802583515

ISBN 13: 978-3802583513
Übersetzt von Stefanie Zeller

Fazit

Ganz unterhaltsamer Urban Fantasy Mix, der aber nicht aus der Masse heraussticht.

Persephone Alcmedi ist eine begabte Hexe, dennoch hält sie sich mit Tarotkartenlegen und dem Schreiben einer Werwolf-Kolumne über Wasser. Seitdem ihre Großmutter Demeter, genannt Nana, bei ihr eingezogen ist, kommen noch mehr Stress und Geldsorgen auf sie zu. Eigentlich müsste ihr der Auftrag von der Hohepriesterin Vivian, den Mörder der kleinen Lorrie zu fassen und zu töten, gerade recht kommen, denn Persephone bräuchte das Geld. Doch sie zögert, denn Auftragsmord verstößt gegen ihre moralischen Prinzipien und gegen die Lehren der weißen Magie. Doch die Wut auf den Mörder siegt und Persephone möchte das kleine Mädchen schützen, das so plötzlich ihrer Mutter beraubt wurde.

Als Freundin der Werwölfe macht es Persephone auch nichts aus, dass Lorries Mutter ein Werwolf war. Da sie aber ahnt, dass dieser Auftrag lebensgefährlich werden könnte, bittet sie sowohl den attraktiven Werwolf Johnny, als auch die Ermittlerin Theo um Hilfe. Die Spur führt zu einem mächtigen Vampir und seinem Untergebenen Goliath. Dann passiert Theo ein schrecklicher Unfall und Persephone wird klar, dass sie sich und alle, die ihr etwas bedeuten, in Gefahr gebracht hat.

Gute Kritiken des des Originals und meine Begeisterung für alles, was Urban Fantasy ist, haben keinen Zweifel daran gelassen, dass ich Teufelskreise lesen muss.
Leider stellte sich bereits nach wenigen Seiten eine Ernüchterung ein, die auch nicht mehr nachließ. Die Autorin hat es geschafft, eine Geschichte, die durchaus Potential gehabt hätte, mittels unlogischer Wendungen und unsympathischer Figuren zu einem nichtssagenden Einheitsbrei zu machen, der streckenweise einfach nur langweilig ist. In Persephones Welt leben Hexen, Vampire und Werwölfe neben den Menschen, sie haben ihre Existenz offenbart, kämpfen aber mit zahlreichen Vorurteilen. Vor allem die Werwölfe, die sich zu Vollmond immer verwandeln, müssen sich freiwillig in Zwinger begeben. Persephone hat netterweise ihren Keller dafür zur Verfügung gestellt und serviert dort auch Frühstück am nächsten Morgen. So lernte sie auch Johnny kennen, obwohl sie sich anfangs vor seinen unheimlichen Tättowierungen fürchtete.

Ich merke schon, dass ich selbst beim Schreiben der Rezension ins Schwafeln gerate, was wohl daran liegt, dass in diesem Buch vorrangig nur geschwafelt wird. Unter all diesen Oberflächlichkeiten liegt zugeschwallt eine ganz ernste, ergreifende Story um einen Mord, eine Protagonistin, die ihre Vergangenheit bewältigen möchte, Konflikte und Vorurteile zwischen Menschen, Vampiren und Werwölfen und eine ganz zarte Liebesgeschichte. Leider gibt es keinen Roten Faden und die Figuren gleiten der Autorin scheinbar aus der Hand. Manchmal hatte ich den Eindruck, sie wusste überhaupt nicht, was sie mit ihren Helden anfangen soll, also erfand sie allerlei Albernes um von ihrer schlechten Storyline abzulenken. So debattiert Persephone ewig und drei Tage mit ihrer Großmutter, regt sich über den Hund Poopsie auf, verliert sich in Monologen über ihre Kindheit und was sie nun eigentlich von dem ach so unheimlichen Johnny halten soll, dessen Annäherungsversuche sie trotz allem interessieren.

Als dann der Mordauftrag auf Persephone zukommt, sie in Gewissenskonflikte gerät und die Story eine gewisse Dynamik entwickelt, hatte ich schon gehofft, dass das Anfangsgeplänkel einfach nur Startschwierigkeiten waren. Doch schnell bremst sich die Story selbst wieder aus, viel zu viele Personen geraten in das Zentrum der Aufmerksamkeit, haben Unwichtiges zu sagen und machen alberne Sprüche. Immer mehr verzettelt sich die Autorin in Klischees und Diskussionen und verliert meiner Meinung nach das Wesentliche aus den Augen. Zudem gab es einige haarsträubende Situationen, die einfach gar nicht gingen, zum Beispiel (Achtung leichter Spoiler): Als Persephone den wahren Täter entlarvt, wird "er" an einen Stuhl gefesselt und jeder, der da ist, darf sich mal im Foltern üben. Vor den Augen einer ohnehin schon traumatisierten Zehnjährigen reißt Persephone der Schuldigen grob an den Haaren, schlägt sie, knebelt sie etc.
Die Moralität, die ganz deutlich mit diesem Roman vermittelt werden soll, hat sich durch solche Fauxpas einfach nur verabschiedet. Diese unangenehme Charakterschwäche haben aber zahlreiche Figuren, auch der anfangs so saloppe und liebenswerte Johnny hält nicht unbedingt, was er verspricht. Oft hatte ich das Gefühl, die Autorin legt ihren Personen einfach etwas in den Mund, weil es jetzt zur Situation passt, und nicht, weil es ihre Art wäre. Rasch waren mir dann alle, inklusive Persephone unsympathisch. Und wenn die Figuren sich in ihrer eigenen Geschichte nicht authentisch bewegen, kann man auch als Leser nicht den Funken überspringen spüren. Daher fand ich auch die Magie, sämtliche Rituale und alles, was Persephones Hexendasein ausmacht, schlichtweg lächerlich. Sie spricht Mantras in Reimen, hat Visionen in ihren Meditationen und errichtet Bannkreise. Aber eine "magische" Person ist sie nicht, ihr haftet nichts Übersinnliches an und ich war von der Plattheit ihrer Auslegungen oft enttäuscht.

Sehr ernüchternd ist auch der Hauch - und es ist wirklich nur ein Hauch - einer Liebesgeschichte, die diesen Roman würzen soll. Zwischen Johnny und Seph ist etwas, was man vielleicht als pubertäre Anziehungskraft bezeichnen könnte, da gibt es keinen Tiefgang sondern nur Erwähnungen von Oberflächlichkeiten. Hier ein knackiger Po, da seine männlichen Attribute. Doch der Mann Johnny hat überhaupt keinen Rahmen um sich zu entwickeln und Seph achtet auch nicht darauf. Wahllos geht sie von anfänglicher Skepsis zu teeniehafter Schwärmerei über. Da helfen auch all ihre Monologe über die scheinbare Überwindung von Vorurteilen nichts.
Außerdem, und das ist mittlerweile bei mir schon eine persönliche Aversion, NERVEN mich diese Anspielungen auf amerikanische Popkultur. Wir trinken keinen Kaffee, nein, es heißt ja Chocolate Chip latte von der berühmten Kette XYZ. Ständig werden Markennamen von Kleidungsstücken, Schmuck, Parfum oder Einrichtung erwähnt, alles muss hip sein oder irgendwie stylish. Man glaubt gar nicht, wie sehr mich dieser Pseudo-Sex-and-the-City-Stil ankotzt, wenn es gleichzeitig um einen Mord geht.

Ich hatte eigentlich vor, nur 1 oder 2 Sterne zu vergeben, aber es gibt 3 für die darunterliegenden, guten Ansätze. Vielleicht kommt im zweiten Teil ja mehr heraus.

Rote Jägerin

von Jaye Wells

auf Deutsch erschienen Januar 2010 im Heyne Verlag
448 Seiten, Taschenbuchformat

Preis: EUR 8,95

ISBN-13: 9783453407039
ISBN-10: 3453407032
 
Übersetzt von Franziska Heel

Fazit

Recht spannender, aber unausgereifter Urban Fantasy Thriller.

Sabina Kane ist halb Vampirin, halb Magierin und als Auftragskillerin für den herrschende Vampirclan der Dominae unterwegs. Ihre Mentorin und Großmutter Lavinia hatte Sabina erzogen und ausgebildet, auch wenn die Schande immer über ihr hängt, die Tochter einer Vampirin und eines Magiers zu sein. Sabina hält dennoch an ihrem Ziel fest, den Dominae loyal zu sein und alles zu tun, um ihrer Großmutter zu gefallen. Also nimmt sie auch den gefährlichen Auftrag an, den Halb Dämon halb Vampir Clovis auszuspionieren und zu töten. Clovis soll eine stetig wachsende Gruppe verschiedener paranormaler Einheiten um sich scharen um alle zu vereinen und die Macht der Dominae zu schwächen. Sabina tut so, als würde sie sich von den Dominae abwenden und sich Clovis anschließen. Zuerst klappt die Infiltrierung ganz gut, doch Clovis stellt sich als undurchsichtiger, mächtiger Gegner heraus, der von Sabina als Treuebeweis gleich verlangt, ihm ihr Blut zu geben. Noch während sich Sabina mit der Fee Vinca und dem ursprünglich zu ihrer Ermordung gesendeten Dämon Giguhl anfreundet, wird sie von dem attraktiven Magier Adam aufgesucht, der angeblich im Namen ihrer Magier-Familie ausgeschickt wurde, Sabina zu finden und zu ihren Wurzeln zurückzuführen. Doch Lavina hatte Sabina immer weisgemacht, dass ihr Magiervater verstorben sei. War alles eine Lüge?

Rein inhaltlich ist das Debüt der Autorin Jaye Wells recht anständig aufgemacht und bietet eine nicht unbedingt originelle, aber streckenweise gut spannende, unterhaltsame Story. Eine junge Einzelkämpferin mit ungeahnten Fähigkeiten und potentiellem Auserwählten-Image findet ihren Weg aus der Unterdrückung und lernt, dass es neben blinder Auftragskillerei auch noch die Weltrettung und Völkervereinigung gibt. Aus einer eingeschränkten, kindischen, trotzigen Sichtweise soll eine selbstlose, weitsichtige, emotional offene Persönlichkeit werden. Auch wenn das überspitzt ausgedrückt ist, läuft die Entwicklung tatsächlich so stereotyp ab und ist demnach nicht sehr glaubwürdig.
Durch die Ich-Perspektive kommt der Leser sehr nah an Sabina Kane heran und nimmt teil an ihren Gedanken und Entscheidungen. Leider konnte ich mich mit ihr nur sehr wenig anfreunden und noch weniger identifizieren. Ihre Stimmungsschwankungen sind teilweise unnachvollziehbar und wirken in ihrer extremen Ausprägung irgendwie abgehoben und aufgesetzt. Erst killt sie scheinbar mühelos einen Freund, später noch weitere Vampire etc. und andererseits gibt es einen ach so empfindlichen Kern in ihr, der sie gegen Ende des Buches ständig in Tränen ausbrechen lässt. Was die Wahl ihrer Männer betrifft, kann sie sich auch weder entscheiden noch sympathisch verhalten. Einerseits möchte sie geliebt werden, andererseits hat sie unzählige Vorurteile, lässt beleidigende Kommentare ab und wirkt mehr als disintegrativ.
Bis auf den nervigen Side-kick Giguhl, der unzählige peinliche und humorfreie Auftritte hat, sind sämtliche Nebenfiguren blass und oft nicht mehr als seitenfüllende Nichtigkeiten. Jaye Wells kann sich streckenweise nicht entscheiden, ob sie lieber einen Krimi mit schlagfertigen, knappen Dialogen oder eine mit Rückblicken und Details angefüllte Beschreibung liefern soll. Der Stil wirkt unausgewogenen und holperig. Unwichtige Dinge werden künstlich in die Länge gezogen und für den Leser interessante Aspekte entweder vollständig ausgeblendet oder nur kurz am Rande abgehandelt. Dabei hätte man diesen Gewissenskonflikt von Sabina so schön ausarbeiten können, ebenso wie die Romanze mit dem Magier Adam....
Bleibt noch zu sagen, dass ich es einfach lächerlich finde, dass alle Vampire rote Haare haben müssen. Und den dummen, dummen Menschen fällt es in Jahrzehnten auch nicht auf, dass sich nachts in den Clubs immer ein Haufen Rothaarige zusammenrotten, die ganz zufällig nur rote Getränke an der Bar ausgeschenkt bekommen... Das kann mir doch keiner weismachen. Ich weiß es ist schwer, eine Paranormale Nebenwelt geheim zu halten und vor allem sich auszudenken, in welcher Weise das passieren kann. Ich finde aber, dass z. B. Patricia Briggs und Kelley Armstrong das wesentlich besser hinbekommen. Und man kann ja auch mit offenen Karten spielen wie bei Kim Harrisons Rachel Morgan.
Rote Jägerin ist ein ganz netter Auftakt zu einer Trilogie, die evtl. noch weiter fortgeführt wird. Das durchaus vorhandene Potential wurde aber bei weitem nicht ausgenutzt und der Roman ist nichts weiter als ein durchschnittlicher Urban Fantasy Thriller.

Greywalker

von Kat Richardson

auf Deutsch erschienen im August 2008 im Heyne Verlag
400 Seiten, Taschenbuchformat

Preis: EUR 8,95

übersetzt von Franziska Heel
ISBN-10: 3453433106
ISBN-13: 978-3453433106

Fazit

Recht spannender, paranormaler Krimi in düsterem, kühlen Gewand.

Dass sie einen gefährlichen Job hat, weiß Harper Blaine. Doch mit einem brutalen Überfall auf ihre Person hat sie nicht gerechnet. Direkt vor ihrer Wohnung wird sie angegriffen und brutal zusammengeschlagen. Als sie später aus der Ohnmacht erwacht, merkt sie, dass mit ihrer Wahrnehmung etwas nicht stimmt. Harper glaubt, Halluzinationen zu haben, denn sie sieht Gestalten, die für andere unsichtbar sind und ihr ist permanent schwindlig. Erst nach mehrmaligem Nachfragen eröffnet man ihr, dass sie volle 2 Minuten tot war und dann reanimiert wurde. Ein Arzt empfiehlt ihr das Ehepaar Mara und Ben Danziger als Berater in diesem seltsamen Fall, der sich jeglichem medizinischen Wissen entzieht. Skeptisch sucht Harper die beiden auf und erfährt, dass sie nun ein sogenannter "Grauwandler" ist. Sie kann zwischen der Welt der Lebenden und der Welt der Toten und Paranormalen hin- und herspringen bzw. beide Welten gleichzeitig sehen. Zuerst will Harper das alles nicht glauben und versucht ihren Alltag normal weiterzuleben. Sie hat zwei Fälle an denen sie arbeitet: sie soll den verschollenen Sohn einer reichen Dame finden und ein russischer Klient ist auf der Suche nach einem antiken Möbelstück, dessen Spur verlorenging. Harper lässt sich von dem sympathischen Bastler Quinton erst einmal eine Alarmeinlage einbauen und stürzt sich dann in Arbeit. Doch das Grau lässt ihr keine Ruhe, immer wieder gerät sie in seine Fänge und ihr bleibt nichts anderes übrig, als sich mit ihrer neuen Gabe zu konfrontieren. Zusammen mit Mara und Ben lässt sie sich darauf ein, das Grau genauer zu erforschen und ihre Fähigkeiten zu trainieren.

Mit Greywalker bringt Kat Richardson einen recht soliden, spannenden Krimi, der einige paranormale Elemente enthält. Der Schreibstil ist angenehm nüchtern, teils etwas langatmig und ansonsten nichts besonderes. Harper ist eine ordentliche, gebildete Person mit Ecken und Kanten, die jedoch nicht sehr stören. Vielmals wurde negativ ausgelegt, dass sie sich anfangs so gegen ihre "Gabe" wehrt, doch das halte ich für eine nachvollziehbare Entwicklung. Auf einmal Geister zu sehen wird wohl kaum jemand sofort als Normalität ansehen. Trotzdem konnte ich mit Harper nicht warm werden. Sie ist sehr analytisch, manchmal unglaublich leichtsinnig und furchtlos und dann wieder extrem ängstlich und zurückhaltend. Als sie sich von Cameron in den gefährlichen Vampirauftrag verwickeln lässt, hätte sie eigentlich abschätzen müssen, wie lebensgefährlich das Ganze ist. Die Krimihandlung an sich ist ganz unterhaltsam, aber langsam foranschreitend, recht vorhersehbar und irgendwie steif. Man verzeihe das banale Wortspiel, aber die Geschichte ist ziemlich "grau in grau". Harper stolpert so durch die Ereignisse und obwohl sie diejenige ist, die die Ermittlungen führt, scheint sie seltsam abwesend und emotional nicht sehr involviert. Die Kälte, die daraus entsteht, mindert den Lesespaß deutlich und man wartet vergeblich auf Sympathieträger (außer vielleicht das Frettchen Chaos). Auch negativ aufgefallen sind mir mehrere Rechtschreib-, und was gravierender ist: mehrere Logikfehler in der Handlung. So schlau wie Harper dargestellt wird, so dämlich ist manchmal ihre Vorgehensweise. Am schlimmsten fand ich, dass sie jedem alles auf die Nase binden muss, von ihrem Beruf über sämtliche Details des Falls. Sie spielt also ständig mit offenen Karten und macht sich zur Zielscheibe von allem und jedem. Aber es ist ja nicht so, dass sie nur knapp dem Tode entronnen wäre... Auch Harpers Umgang mit Männern ist irgendwie unnatürlich und führt zu unbefriedigenden Konstellationen. Ganz kleine Flirt-Ansätze werden grob im Keim erstickt oder Harper manövriert sich selbst in unmögliche Situationen. Ihr Privatleben steht an ganz letzter Stelle und das tollste Abendessen wird für einen Anruf in den Wind geschossen. Sehr pflichtbewusst, doch aber auch sehr sehr kalt. Nichtsdestotrotz kann Greywalker neben anderen Krimis ganz gut bestehen und lässt jedenfalls auf einen sympathischeren Nachfolger hoffen. Mit Vorreitern wie Dante Valentine, Mercy Thompson, Morgan Kingsley oder gar Rachel Morgan kann Harper Blaine allerdings nicht mithalten.

Die Schwarzen Juwelen – Dämmerung

von Anne Bishop

auf Deutsch erschienen im Oktober 2007 im Heyne Verlag
575 Seiten, Taschenbuchformat

Preis EUR 8,95

ISBN: 3453530632
EAN: 9783453530638
Übersetzt von Ute Brammertz

Fazit

Komplexe, klassische Fantasy-Unterhaltung ganz ohne Liebesromantouch.

Nachdem ihre Eltern Jaenelle in ein zwielichtes Kinderheim abgeschoben hatten, geschieht dort das Schlimmste: die junge Jaenelle wird sexuell missbraucht und misshandelt. Völlig zerbrochen an Körper und Geist trennt sie die beiden und ihr Geist entschwindet in das Verzerrte Reich. Saetan und sein Hof sind am Boden zerstört. Immer wieder versucht Saetan, mit Hilfe der Kraft seines Schwarzen Juwels, Jaenelle zu erreichen, doch er scheitert.
Gleichzeitig leidet auch Daemon Sadi unter Jaenelles Verschwinden. Da es ihm unmöglich ist, sie zu retten, beschließt er, etwas anderes Gutes zu tun: er will seinen Halbbruder Lucifer aus dem Kerkern von Pruuhl befreien, wo dieser seit Jahren als Sklave ein elendes Dasein fristet. Doch Lucifer ist verblendet und sieht in Daemon den Schänder Jaenelles. Nach dieser schmachvollen Zurückweisung zerbricht auch Daemon und stürzt ins Verzerrte Reich. Voller Wut flieht Lucifer aus seinem Gefängnis, er kann nicht glauben, dass man Jaenelle aufgegeben hat. Doch er weiß nicht, dass es Saetan inzwischen gelungen ist, Jaenelle zu retten, und er kann sie ganz behutsam wieder an das normale Leben gewöhnen. Das Mädchen hat durch dieses Trauma viel ihrer Kindlichkeit verloren und wird zu einer mächtigen und temperamentvollen jungen Frau. Zusammen leben sie auf seinem Landsitz in Kaeleer, dem Schattenreich. Jaenelle braucht lange, um sich emotional ihm und ihren vielen Freunden zu nähern, doch nach und nach füllt sich die Burg mit Leben und Saetan sieht, wieviele unterschiedliche Lebewesen Jaenelle, Hexe, um sich geschart hat. Alle wollen sie ihr dienen und erstarren vor ihrer unglaublichen Macht. Mit dieser Macht gelingt es Jaenelle auch, Lucifer vor dem Tode zu retten und sie nimmt ihn mit zu sich und er wird ihr eifriger Beschützer.
Unterdessen bedroht die eifersüchtige und gemeine Hekatah das aufstrebende Glück. Sie versucht, den Dunklen Rat zu infiltrieren um Saetan Jaenelle zu entreißen. Sie wagt es sogar, einen Krieg anzuzetteln, der Jaenelles Freunde, die sogenannten Verwandten, das sind Tiere mit Kraft des Blutes, zu vernichten. Doch Jaenelle stellt sich mit all ihrer Kraft gegen sie.

Wie auch der erste Teil ist Dämmerung langwierige und recht schwere Kost. Ganz langsam und bedächtig wird der Leser an die Tatsache herangeführt, dass Jaenelle das Leben wieder lernen muss. In vielen Details ergeht sich die Autorin bei der Beschreibung der Gefühle des Höllenfürsten und wie er immer wieder vor Jaenelles Macht zurückweichen muss. Überhaupt ist der Schreibstil von emotionalen Superlativen geprägt. Sämtliche Hauptpersonen sind mit einem fast als aggressiv zu bezeichnenden Temperament ausgestattet und können sich oftmals kaum beherrschen. Da fallen gestandene Männer in Ohnmacht, verwüsten ganze Zimmer und rammen sich vor Anspannung zentimeterlange Fingernägel in die Arme. Das wirkt vor allem in der Häufigkeit oftmals etwas albern. Ich musste teilweise schmunzeln, wenn der Höllenfürst zum dritten Mal am Tage einen Schwächeanfall erleidet, weil Jaenelle ihn mit ihrem Mitternachtsblick bedacht hat - der Höllenfürst!
Schwerpunkt liegt auf der minutiös ausgerollten Fantasygeschichte, die epochale Züge annimmt. Von Erotik ist hier absolut überhaupt nichts zu finden! Die auf der Rückseite des Buches abgedruckte Bewertung, die von knisternder Erotik spricht ist einfach nur falsch! In diesem Buch geht es noch nicht einmal um Liebe, geschweige denn um Erotik. Nur, weil jemand einen Ring um sein Geschlecht trägt, entspannt sich noch lange keine erotische Geschichte!
Es geht auch wieder recht blutig und brutal zu im zweiten Teil. Vor allem herrscht psychische Gewalt, Unterdrückung und Geheimnistuerei. Immerhin ist Lucifer ein ziemlich ansehnlicher Charakter. Von Daemon Sadi, der ja im ersten Teil eine Hauptrolle spielte, erfahren wir hier so gut wie gar nichts. Was mich immer noch kolossal genervt hat, waren die Temperamentsausbrüche von Jaenelle, und dass sie einen ultimativen Helferkomplex hat und einen ganz grässlichen Sinn für Humor. Ständig sind alle hinter ihr her. Ok, sie ist Hexe, aber das sieht manchmal echt nach Kindergarten aus, wenn der Höllenfürst und seine mächtigen Untergebenen wie die Gänsemütter hinter einem wildgewordenen Teenager her rennen.
Trotz allem aber ist das Buch irgendwie gut. Vielleicht liegt es daran, dass es so anders ist als alles andere. Man braucht aber nach wie vor Geduld und einen gewissen Sinn für langwierige Fantasy Epen.

Die Schwarzen Juwelen – Dunkelheit

von Anne Bishop

auf Deutsch erschienen im April 2005 im Heyne Verlag
558 Seiten, Taschenbuchformat

Preis EUR 8,95

ISBN: 3453530160
EAN: 9783453530164

Fazit

Exzentrisches Fantasy-Epos mit dämonischem Flair.

Das Buch erzählt die Geschichte des Mädchens Jaenelle, das von Geburt an 13 schwarzen Juwelen trägt und damit Hexe werden kann, die Königin aller Völker. Die Menschen und Lebewesen dieser Welt sind aufgeteilt in Landen (ohne Blut) und Blutsleute (von besserer Herkunft und mit magischen Fähigkeiten ausgestattet). Die Kraft eines jeden wird durch die Art und Menge der Juwelen bestimmt, die er oder sie trägt. Angefangen mit den hellen Farben ist das höchste das schwarze Juwel. Die Welt ist unterjocht von der Matriarchie, grausame, mächtige Königinnen herrschen über die einzelnen Gebiete und halten sich Männer als Lustsklaven. Daemon ist ein Lustsklave, der durch einen Ring des Gehorsams um seinen ... gefügig gemacht wird. Er wartet sein ganzes Leben schon auf die Retterin, die alle Völker gerecht vereinen wird. Genauso geht es seinem Vater, dem Höllenfürsten Saetan. Eines Tages dann werden sie auf ein ungewöhnliches Mädchen aufmerksam, das im Land der Dämonen wandelt und dort verschiedenen Menschen bzw. Toten hilft. Als Saetan das Mädchen zum ersten Mal sieht, weiß er sofort, dass sie Hexe ist. Da sie aber erst 12 Jahre alt ist, kann sie ihren Platz als Herrscherin noch nicht einnehmen. Also beginnt er, sie darauf vorzubereiten und sie in der Kunst zu unterweisen. Jaenelle selbst lebt bei ihrer Familie, die von Intrigen und Gewalt zerrüttet ist. Ihre Eltern wissen nicht, dass sie hochbegabt ist und halten sie eher für zurückgeblieben und verwirrt. Als Daemon von Jaenelle erfährt, macht er alles möglich, um in ihrer Nähe zu sein und schleicht sich in den Haushalt ihrer Eltern ein. Er versucht, sie vor dem Bösen zu beschützen, doch das Kind hat viele Feinde.

Hier haben wir ein hochkomplexes, episches Werk, das stilistisch so gar nichts mit den anderen Paranormalen Romanen zu tun hat, die ich gelesen habe. Zum einen kann ich sehr gut verstehen, dass sich hier die Geister scheiden und die einen völlig begeistert sind, die anderen nach 100 Seiten entnervt aufgeben. Ich war auch nach der Hälfte des Buches noch nicht sicher, was ich davon halten soll und musste es mehrere Male weglegen. Bereits zu Beginn wird der Leser überschüttet mit Begriffen, Namen und Szenenwechseln. Alles ist so verwirrend angelegt, dass man das Gefühl hat, nur in Situationen reinzuplatzen ohne wirklich zu verstehen warum. Aber mit der Zeit laufen alle die weit entfernten Fäden vom Anfang zusammen und die Personen, die vorher zusammenhangslos wirkten, treffen sich unter interagieren. Allerdings passiert das sehr sehr langsam und es gibt viel Pathos dazwischen. Nicht unbedingt Landschaftsbeschreibungen oder Monologe, sondern vielmehr haarkleine Abhandlungen über Geschehnisse, die storytechnisch irrelevant sind. Wie es zum Beispiel ist, wenn die Hure Surreal Freier empfängt und wie Jaenelle ein besonderes Pferd beschreibt etc. Das erfordert Geduld und Einfühlungsvermögen vom Leser. Auch die Namensgebung der Charaktere ist höchst gewöhnungsbedürftig. Den Höllenfürsten Saetan und seinen Sohn Daemon zu nennen scheint mehr als einfallslos. Dann aber heißen andere wieder Manny (als Frau!) und man glaubt sich im tiefsten Volksdialekt. Entweder hat hier die Übersetzung versagt oder es ist echt daneben gegangen. Es dauert auch geraume Zeit, bis man sich an die dauernden Szenenwechsel gewöhnt hat und verstanden hat, wo jetzt Unterwelt und so weiter ist.
Dazu braucht man locker die Hälfte des Buches, und wenn man bis dahin nicht aufgegen hat, wird es ein super Leseerlebnis. Erst dann kann man richtig mitfiebern und versteht das Wesen von Daemon und Jaenelle. Es wird auch dann erst spannend und man spürt, dass es eine Geschichte ist und nicht nur eine wahllose Aneinanderreihung von Szenen.
Von Erotik allerdings habe ich nicht viel gemerkt. Die Romanreihe wird als Meisterwerk der düsteren Erotik angepriesen, aber auf erotische Szenen entfallen vielleicht insgesamt 2 der 558 Seiten. Und dann ist es auch eher Quälerei und SM, unpersönlich und nicht gerade erotisch. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es jemand anregend findet, zu lesen, wie einem Mann bei vollem Bewusstsein mit einer Rasierklinge die Geschlechtsteile abgeschnitten werden. Viel Action gibt es auch nicht, alles zieht sich ein wenig träge dahin, was aber nicht unbedingt unangenehm zu lesen ist. Es ist eben etwas ganz anderes als gewohnt und hat durchaus auch seine Qualitäten. Allerdings nichts für Fans von leichter Unterhaltung für zwischendurch!