Jäger der Dämmerung

von Cynthia Eden

erscheint auf Deutsch im April 2011 im Heyne Verlag.
Taschenbuch, Broschur, 432 Seiten

Preis: EUR 7,99

Fazit

Schnöder, mit Erotik gepuschter Thriller ohne Reiz und Spannung.

Seit sie von einem besessenen Gestaltwandler-Stalker verfolgt wird, der glaubt, sie sei seine Gefährtin, ist Erin auf der Flucht. Nichts wünscht sie sich mehr als ein normales Leben, so normal, wie sie es als Wolfshybride führen könnte. Beziehungen mit Menschen scheitern immer an ihrer Spezies-typischen, rauhen Art, auch wenn Erin sich nicht verwandeln kann. Als Staatsanwältin versucht Erin, in einer neuen Stadt ein neues Leben aufzubauen. Gleich nach wenigen Tagen begegnet sie dem attraktiven, verwegenen Kopfgeldjäger Jude. Er riecht sofort, dass Erin nicht menschlich ist und auch Erin kann sich seiner Anziehungskraft nicht erwehren. Jude arbeitet für die Agentur Night Watch, die sich der Suche nach paranormalen Kriminellen verschrieben hat. Als Jude und Erin sich näher kommen, wagt Erin zu hoffen, dass Jude ihr gegen den Stalker helfen kann...

Hier wurde leider soziemlich jedes vorhandene Potential verschenkt. Was ein spannender paranormaler Krimi mit sexy Gestaltwandlern hätte werden können, kommt bei mir nur noch als zäher, klischeelastiger CSI-Miami Verriss an, der mit stereotypen und lieblos platzierten Charakteren langweilt. Warum nur "eher schlecht" und nicht "übel"? Die - häufig eingestreuten - Sexszenen sind nicht gar so schlecht und Jude ist ein ultramaskuliner Tigerwandler-Macho, der ein bisschen was fürs "Auge" darstellt. Die ersten 50 Seiten waren sogar relativ unterhaltsam. Die Agentur Nightwatch fand ich auch sehenswert, ich hätte gern noch mehr über sie erfahren.

Nun, das war es dann aber auch schon an Positivem über diesen Roman. Aller Kritik voran: der Schreibstil der Autorin ist g-r-a-u-e-n-h-a-f-t. Mit stakkatohaft kurzen Sätzen, die oft nur zwei oder drei Worte haben, stottert sie die Geschichte zusammen, stolpert über Szenenwechsel, lässt ihre Figuren dümmliche Monologe führen und leiert immer und immer wieder das gleiche Vokabular herunter. Ständiges Einstreuen von Aufregern wie "NEIN!", "Verdammt!", "Beschädigt. Zerbrochen" etc. in die ohnehin zerklüfteten Absätze führt dazu, dass das Lesen extrem unflüssig wird. Und: warum muss man die Figuren immer "für den Leser" wiederholen lassen, was gesagt bzw. damit gemeint wurde? Irgendwann kommt man sich blöd vor bei Konstruktionen wie: "Du willst es wissen?" Ja, sie wollte es wissen. "Ja, ich will es wissen." "Dann sage ich es dir." Er sagte es ihr. "Ja, sag es mir." Versteht ich was ich meine? *Kopf-gegen-die-Wand-hau*

Die Protagonistin Erin ist eine vom Schicksal und ihrer bösen Kindheit - und auch noch von ihren Genen - gebeutelte, dennoch ultrastarke und erfolgreiche Frau, die total unnahbar ist. Sie fühlt sich "Beschädigt. Zerbrochen", und hat außerdem ein dunkles Geheimnis, das sie keinem erzählen kann. Sie träumt von einem normalen, menschlichen Leben, will aber insgeheim animalischen Sex. Wie passend, dass 20 Seiten später der hart im Nehmende Tigerwandler Jude auftaucht und sie ruckzuck verführen kann. Ab dem Zeitpunkt der ersten Erotikszene müssen wir uns als Leser dann permanent Selbstverleugnungen von Erin anhören, dass sie ihn ja niemals lieben könnte, dass das alles nichts bedeutet blabla. Viel mehr braucht man über diese Liebesgeschichte auch nicht erzählen, denn man kann sich denken, dass irgendwann die Seelenentblößung und Vergangenheitsbewältigung folgt und direkt in ein Ich-liebe-dich-für-immer-und-seit-dem-ersten-Augenblick-aber-ich-war-zu-dumm-es-zu-merken-Happy-End übergeht (sorry für diese Wortkonstruktion).

Parallel zu dieser Handlung läuft eine zähe, vermurkste und uninteressante Jagd nach dem Stalker, in die sich unzählige Randfiguren einmischen und alle ihr nicht witzige Sprüchlein ablassen müssen. Komprimiert hätte die Handlung auch auf 100 Seiten gepasst. Der Böse ist dermaßen überzogen dargestellt, ist wohl omnipräsent und übermächtig, kann Erin überall hin folgen, kommt aber nie an sie heran. Ich hasse es, wenn die Bösen immer nur im Dunklen hocken, vor sich hinsabbern und ihre Zeit mit Monologen verplämpern, wie sie am Ende triumphieren werden. Da hat es eindeutig an Substanz gefehlt und ein vorhersehbares Ende wird hier künstlich in die Länge gezogen bis auch noch der geduldigste Leser mit zehn Sexszenen zwischen Erin und Jude vollgestopft wurde. Es wird zwar nicht an expliziten Worten wie Schw... und f... gespart, aber ein Kribbeln kam kaum auf. Und so animalisch und wild, wie ständig behauptet wird, dass Erin es will, ist der Sex auf keinen Fall. Nichts, was andere Autoren mit weniger Worten schon wesentlich besser hinbekommen hätten. So geht dieser Titel unter im Sumpf des Sex-and-Crime Trash und ich werde es mir gut überlegen, ob ich dem zweiten Teil noch eine Chance gebe.

Teufelskreise

von Linda Robertson

erscheint auf Deutsch im März 2011 im Egmont Lyx Verlag
400 Seiten, Taschenbuchformat

Preis: EUR 9,95


ISBN 10: 3802583515

ISBN 13: 978-3802583513
Übersetzt von Stefanie Zeller

Fazit

Ganz unterhaltsamer Urban Fantasy Mix, der aber nicht aus der Masse heraussticht.

Persephone Alcmedi ist eine begabte Hexe, dennoch hält sie sich mit Tarotkartenlegen und dem Schreiben einer Werwolf-Kolumne über Wasser. Seitdem ihre Großmutter Demeter, genannt Nana, bei ihr eingezogen ist, kommen noch mehr Stress und Geldsorgen auf sie zu. Eigentlich müsste ihr der Auftrag von der Hohepriesterin Vivian, den Mörder der kleinen Lorrie zu fassen und zu töten, gerade recht kommen, denn Persephone bräuchte das Geld. Doch sie zögert, denn Auftragsmord verstößt gegen ihre moralischen Prinzipien und gegen die Lehren der weißen Magie. Doch die Wut auf den Mörder siegt und Persephone möchte das kleine Mädchen schützen, das so plötzlich ihrer Mutter beraubt wurde.

Als Freundin der Werwölfe macht es Persephone auch nichts aus, dass Lorries Mutter ein Werwolf war. Da sie aber ahnt, dass dieser Auftrag lebensgefährlich werden könnte, bittet sie sowohl den attraktiven Werwolf Johnny, als auch die Ermittlerin Theo um Hilfe. Die Spur führt zu einem mächtigen Vampir und seinem Untergebenen Goliath. Dann passiert Theo ein schrecklicher Unfall und Persephone wird klar, dass sie sich und alle, die ihr etwas bedeuten, in Gefahr gebracht hat.

Gute Kritiken des des Originals und meine Begeisterung für alles, was Urban Fantasy ist, haben keinen Zweifel daran gelassen, dass ich Teufelskreise lesen muss.
Leider stellte sich bereits nach wenigen Seiten eine Ernüchterung ein, die auch nicht mehr nachließ. Die Autorin hat es geschafft, eine Geschichte, die durchaus Potential gehabt hätte, mittels unlogischer Wendungen und unsympathischer Figuren zu einem nichtssagenden Einheitsbrei zu machen, der streckenweise einfach nur langweilig ist. In Persephones Welt leben Hexen, Vampire und Werwölfe neben den Menschen, sie haben ihre Existenz offenbart, kämpfen aber mit zahlreichen Vorurteilen. Vor allem die Werwölfe, die sich zu Vollmond immer verwandeln, müssen sich freiwillig in Zwinger begeben. Persephone hat netterweise ihren Keller dafür zur Verfügung gestellt und serviert dort auch Frühstück am nächsten Morgen. So lernte sie auch Johnny kennen, obwohl sie sich anfangs vor seinen unheimlichen Tättowierungen fürchtete.

Ich merke schon, dass ich selbst beim Schreiben der Rezension ins Schwafeln gerate, was wohl daran liegt, dass in diesem Buch vorrangig nur geschwafelt wird. Unter all diesen Oberflächlichkeiten liegt zugeschwallt eine ganz ernste, ergreifende Story um einen Mord, eine Protagonistin, die ihre Vergangenheit bewältigen möchte, Konflikte und Vorurteile zwischen Menschen, Vampiren und Werwölfen und eine ganz zarte Liebesgeschichte. Leider gibt es keinen Roten Faden und die Figuren gleiten der Autorin scheinbar aus der Hand. Manchmal hatte ich den Eindruck, sie wusste überhaupt nicht, was sie mit ihren Helden anfangen soll, also erfand sie allerlei Albernes um von ihrer schlechten Storyline abzulenken. So debattiert Persephone ewig und drei Tage mit ihrer Großmutter, regt sich über den Hund Poopsie auf, verliert sich in Monologen über ihre Kindheit und was sie nun eigentlich von dem ach so unheimlichen Johnny halten soll, dessen Annäherungsversuche sie trotz allem interessieren.

Als dann der Mordauftrag auf Persephone zukommt, sie in Gewissenskonflikte gerät und die Story eine gewisse Dynamik entwickelt, hatte ich schon gehofft, dass das Anfangsgeplänkel einfach nur Startschwierigkeiten waren. Doch schnell bremst sich die Story selbst wieder aus, viel zu viele Personen geraten in das Zentrum der Aufmerksamkeit, haben Unwichtiges zu sagen und machen alberne Sprüche. Immer mehr verzettelt sich die Autorin in Klischees und Diskussionen und verliert meiner Meinung nach das Wesentliche aus den Augen. Zudem gab es einige haarsträubende Situationen, die einfach gar nicht gingen, zum Beispiel (Achtung leichter Spoiler): Als Persephone den wahren Täter entlarvt, wird "er" an einen Stuhl gefesselt und jeder, der da ist, darf sich mal im Foltern üben. Vor den Augen einer ohnehin schon traumatisierten Zehnjährigen reißt Persephone der Schuldigen grob an den Haaren, schlägt sie, knebelt sie etc.
Die Moralität, die ganz deutlich mit diesem Roman vermittelt werden soll, hat sich durch solche Fauxpas einfach nur verabschiedet. Diese unangenehme Charakterschwäche haben aber zahlreiche Figuren, auch der anfangs so saloppe und liebenswerte Johnny hält nicht unbedingt, was er verspricht. Oft hatte ich das Gefühl, die Autorin legt ihren Personen einfach etwas in den Mund, weil es jetzt zur Situation passt, und nicht, weil es ihre Art wäre. Rasch waren mir dann alle, inklusive Persephone unsympathisch. Und wenn die Figuren sich in ihrer eigenen Geschichte nicht authentisch bewegen, kann man auch als Leser nicht den Funken überspringen spüren. Daher fand ich auch die Magie, sämtliche Rituale und alles, was Persephones Hexendasein ausmacht, schlichtweg lächerlich. Sie spricht Mantras in Reimen, hat Visionen in ihren Meditationen und errichtet Bannkreise. Aber eine "magische" Person ist sie nicht, ihr haftet nichts Übersinnliches an und ich war von der Plattheit ihrer Auslegungen oft enttäuscht.

Sehr ernüchternd ist auch der Hauch - und es ist wirklich nur ein Hauch - einer Liebesgeschichte, die diesen Roman würzen soll. Zwischen Johnny und Seph ist etwas, was man vielleicht als pubertäre Anziehungskraft bezeichnen könnte, da gibt es keinen Tiefgang sondern nur Erwähnungen von Oberflächlichkeiten. Hier ein knackiger Po, da seine männlichen Attribute. Doch der Mann Johnny hat überhaupt keinen Rahmen um sich zu entwickeln und Seph achtet auch nicht darauf. Wahllos geht sie von anfänglicher Skepsis zu teeniehafter Schwärmerei über. Da helfen auch all ihre Monologe über die scheinbare Überwindung von Vorurteilen nichts.
Außerdem, und das ist mittlerweile bei mir schon eine persönliche Aversion, NERVEN mich diese Anspielungen auf amerikanische Popkultur. Wir trinken keinen Kaffee, nein, es heißt ja Chocolate Chip latte von der berühmten Kette XYZ. Ständig werden Markennamen von Kleidungsstücken, Schmuck, Parfum oder Einrichtung erwähnt, alles muss hip sein oder irgendwie stylish. Man glaubt gar nicht, wie sehr mich dieser Pseudo-Sex-and-the-City-Stil ankotzt, wenn es gleichzeitig um einen Mord geht.

Ich hatte eigentlich vor, nur 1 oder 2 Sterne zu vergeben, aber es gibt 3 für die darunterliegenden, guten Ansätze. Vielleicht kommt im zweiten Teil ja mehr heraus.

Aliens in Armani

von Gini Koch

erscheint auf Deutsch im Oktober 2011 im Piper Verlag
Taschenbuch, ca. 400 Seiten

Preis: EUR 8,95

Fazit

Bunter, völlig überdrehter Sci-Fi-Romantasy Comic.

Eines schönen Tages wird die schlagfertige und mutige Marketingmanagerin
Katherine Katt, genannt Kitty, Zeuge eines Ehestreits auf öffentlicher Straße, während dessen sich der Mann in ein Monster verwandelt und wild unschuldige Zivilisten abschlachtet. Kurzerhand schnappt sich Kitty ihren teuren Füller und stürzt sich auf das Monster. Durch ihren heldenhaften Einsatz werden alle gerettet und sie gerät ins Zentrum der Aufmerksamkeit von seltsamen, in Armani Anzüge gekleidete Herren.

Ehe sie sich's versieht, findet sich Kitty in einer Limousine auf dem Weg ins Einsatzzentrum der Aliens wieder. Denn, so erfährt sie, handelt es ich bei den schicken - und allesamt höchst attraktiven - Männern um Aliens vom Planeten Alpha Centauri, die auf der Erde in einer Art Menschheits-Schutz-Mission sind. Kitty ist erschrocken, als sie lernt, dass außerirdischen Parasiten die Menschen befallen und zu willenlosen Sklaven machen. Zum Glück gibt es die übersinnlich starken und schnellen Aliens, die alles tun, um die Parasiten aufzuhalten. Gleich zu Beginn ist Kitty fasziniert von dem charmanten und sexy Jeff Martini, der ihr von der ersten Minute an Heiratsanträge macht. Da weiß Kitty noch nicht, dass sie in einen gefährlichen und aufregenden Krieg verwickelt werden wird...

Ich hatte alle "Vorbereitungen" getroffen, um diesen Roman zu mögen: 1. ich wollte nichts davon ernst nehmen, 2. ich wollte nicht nach logischen Schlussfolgerungen suchen, 3. ich wollte großzügig über pseudocoole Lückenfüllerdialoge hinwegsehen und 4. war ich sogar bereit, ultra-nervige Sidekicks zu ertragen. Allesamt gute - und notwendige! - Voraussetzungen, um mit Aliens in Armani Spaß zu haben. Leider haben meine besten Vorsätze nicht ganz gereicht, aber dazu gleich. Grundsätzlich wird man durch dieses Buch extrem gut unterhalten, es gibt skurrile, lustige und auch einige ernste Momente. Ein ordentlicher Schuss - teilweise sehr seichte - Romantik/Erotik und haarsträubende Einfälle der Autorin bringen Tempo und reichlich Abwechslung.

Natürlich hat der Roman ein wenig den "Genre-Pionier-Bonus", denn es ist der erste Sci-Fi-Romantasy, den ich je gelesen habe. Also war ich ganz gespannt, wie die Autorin die Herkunft der Aliens erklärt und all das Warum und Wieso drumherum. Jeff Martini und seine Mitstreiter vom Planeten Alpha Centauri waren mir auch ganz sympathisch, auch wenn sie mir trotz ihrer tollen Fähigkeiten definitiv zu "menschlich" rüberkamen. Und alle sind supersexy und männlich und laufen in Armani Anzügen herum... na ja. Ich will nicht spoilern, daher nur ganz kurz zur Hintergrundgeschichte: die Begründung der Autorin, warum die Aliens auf die Erde kamen und wie das mit den Parasiten und der Alpha Centauri Gesellschaftsstruktur zusammenhängt, ist für mich eines der größten Mankos dieses Buches. Ich habe nicht viel erwartet, bei weitem nicht, aber die wirren Erklärungsversuche mit religiösen und politischen Inhalten hätte sich Gini Koch auch sparen können. Es gibt viele viele Passagen, die man hätte streichen können in diesem Buch und das hätte dem Lesefluss eher gut getan.

Genauso wenig gelungen ist die Darstellung der Parasiten und warum sie die Menschen befallen und sie aber nur teilweise und temporär verwandeln etc. Gini Koch ergeht sich hier in Interpretationen und das schlimme ist, das wir das alles anhand von Monologen der Hauptfigur erfahren müssen. Kitty erzählt alles als Ich-Erzähler, und obwohl sie - unfassbar - gewitzt und fix ist, wälzt sie das Thema Herkunft und Legitimation des Alienproblems ewig lange herum.

Kitty selbst ist eine toughe Frau, die weder auf den Mund gefallen ist noch Berührungsängste hat. Zwischendurch fand ich sie leider ein wenig schlampig, auch leicht in sexueller Hinsicht. Natürlich müssen die weiblichen Hauptfiguren keine streng monogamen Moralapostel sein, um mir zu gefallen, doch Kitty hat so etwas lässiges, oberflächliches an sich, das mir stellenweise nicht so passte. An ihrer Seite ist der ewig baggernde Charmeur Jeff, der im Grunde genommen charakterlos ist. Er ist zwar ein Empath und damit fähig, sämtliche Gefühle anderer Wesen zu spüren, er selbst bleibt aber ziemlich blass und voller abgegriffener Sprüche. Gleich zu Beginn hat er wohl entschieden, dass er Kitty heiraten wird und dabei bleibt er dann auch. Und da er hübsch anzusehen ist, hat Kitty auch nichts dagegen, mit ihm in die Kiste zu steigen. Und sein Cousin Christopher? Ja, der ist auch nicht schlecht. Ob er genauso gut im Bett ist? So überdurchschnittlich schlau und spontan Kitty im Bezug auf Gegenstände ist, die man als Waffen benutzen könnte, so minderbemittelt stellt sie sich in emotionalen Dingen an. Große Teile des Romans sind wie eine Mischung aus Sex-and-the-City und Man in Black oder Independence Day.
Dass die Autorin von Comics begeistert sein muss, beweist ihre übertriebene und bildhafte Sprache in allen überdrehten Kampfszenen der Aliens mit den Parasiten. Da kommen irrwitzige Kreaturen daher, riesige Schnecken werden mit Salzwasser (das aus Kampfjets der Army gegossen wird) besiegt und Haarspray ist überhaupt das beste Mittel gegen Riesenmonster. Kittys Mut und Handlungsfähigkeit fand ich dabei außerirdischer als alle Talente der wirklichen Aliens.

Soweit so gut, das hätte wirklich noch für eine gute Bewertung gereicht. Und dann hat sich die Autorin entschlossen, Kittys Familie in den Plot zu nehmen. Mit Mum und Dad und den drei Hunden und zwei Katzen kommt der Moralapostel hinzu und es endet in zahllosen, für mich überflüssigen Mutter-Tochter Dialogen. Bald zieht Gini Koch eine hanebüchene Begründung nach der anderen aus der Tasche um Kittys Eltern von zwei ganz normalen Menschen zu quasi global wichtigen Superhelden zu machen. Ein sehr lästiger Einsatz von Superlativen presst die Story immer weiter in ein anstrengendes Paralleluniversum und je mehr Geschütze aufgefahren wurden, desto unsympathischer wurde mir Kitty.
Die Liebesszenen - vor allem aber die romantischen Momente - hingegen sind gut gelungen, die angedeutete Dreiecksgeschichte ist zwar nichts neues, aber ok. Zum Humor: ich habe nicht ein einziges Mal gelacht, vielleicht die Augen verdreht höchstens. Irgendwie ist das nicht meine Art Humor...Dennoch werde ich dem zweiten Teil wohl noch eine Chance geben.

Nocturne City – Blutfehde

von Caitlin Kittredge

erscheint auf Deutsch im September 2010 im Egmont Lyx Verlag
Kartoniert mit Klappe, 432 Seiten

Preis: EUR 9,95

Fazit

Kühler, aggressiver Krimi.

Nach ihrer Auszeit ist die Werwölfin Luna Wilder wieder zurück im aktiven Polizeidienst in Nocturne City. Jeder weiß nun, dass sie kein Mensch ist und sie hat tagtäglich mit Anfeindungen zu kämpfen. Dann bekommt sie auch noch eine neue Chefin, die Luna überhaupt nicht leiden kann, und die ihr - als langjährige Einzelkämpferin - zuerst einmal eine Partnerin an die Seite stellt.
Luna streitet sich von Anfang an mit der gezierten Shelby, ist aber bald auf ihre Hilfe in einer Reihe von Mordfällen angewiesen, die wohl auf das Konto der ansässigen Hexenclans gehen. Caster und Bluthexen sind in der Stadt seit jeher verfeindet und Luna wird mitten in diesen Krieg gezogen.
Als dann auch noch ihr geliebter Dmitri auftaucht, ist Luna hin und hergerissen zwischen ihrer Wut, dass er sie einfach verlassen hat und der Sehnsucht, endlich ihre Einsamkeit zu beenden.

Nach den ersten paar Seiten habe ich mich ernsthaft gefragt, warum ich so einen unterhaltsamen, flotten und actionreichen Urban Fantasy-Krimi so lange im Regal schmoren ließ.
Caitlin Kittredge schreibt, wie ihr der Schnabel gewachsen ist, voll derbem Vokabular, flapsigen Dialogen und Zynismus. Ihre Story ist im düsteren, von Kriminalität gezeichneten Nocturne City angesiedelt, in dem ihre Hauptfigur Luna Wilder ihr anstrengendes Leben bestreiten muss.
Etwa hundert Seiten später dann wusste ich aber wieder, warum ich nie richtig warm geworden bin mit Lunas Welt. Sie ist ein extrem schwieriger Charakter, noch starrsinniger als Dante Valentine, noch mürrischer, cholerischer und uneinsichtiger. Ihre aufbrausende, gewalttätige Art und die Vehemenz, mit der sie auf ihre Umwelt losgeht, fand ich oft erschreckend, unpassend oder einfach nur traurig. Auch wenn das wohl ihrer Werwolfnatur zuzuschreiben ist, kann man sie ja nicht als schizophren darstellen und alle Aggressionen auf das Tier schieben. Also wundere ich mich darüber, dass sie einerseits alle vergrault und andererseits in Einsamkeit bittere Tränen weint. Gut, man bekommt nicht immer, was man will, und ein simples Happy End kann langweilig werden, aber bei Luna ist mir die Aneckerei irgendwann einfach zu hart geworden.

Die Krimipassagen sind recht gelungen, auch die Konflikte mit Lunas Partnerin Shelby sind trotz (oder manchmal auch wegen) ihrer Grobheit unterhaltsam. Die verkorkste Liebesgeschichte mit Dmitri ging für mich allerdings überhaupt nicht, vor allem, weil all ihre Szenen von Gewalt geprägt sind. Ich nahm weder Luna noch Dmitri zarte Empfindungen wie zum Beispiel Liebe ab, daher war das Wiedersehen seltsam kalt und distanziert. Spätere Annäherungen wirkten auf mich konstruiert und machten keinen von beiden sympathischer.
Insgesamt komme ich zu dem Schluss, dass ich Luna einfach NICHT MAG, es ist nichts gegen ihre ermittlerischen Fähigkeiten zu sagen, und auch mit Caitlin Kittredges ruppigem Schreibstil könnte ich leben. Doch ich habe keine Lust, noch mehr von der cholerischen "Ich-gegen-den-Rest-der-Welt-"-Kriegerin zu lesen und schicke die Serie hiermit auf den "abgebrochen" Stapel.

Poltergeist

von Kat Richardson

auf Deutsch erschienen im Dezember 2008 im Heyne Verlag
498 Seiten, Taschenbuchformat

Preis: EUR 8,95

übersetzt von Franziska Heel
ISBN-10: 3453524861
ISBN-13: 978-3453524866

Fazit

Unterkühlte Krimiunterhaltung mit einer unsympathischen Hauptfigur.

Solangsam gewöhnt sich die Privatdetektivin Harper Blaine an ihr Dasein als Grauwandlerin. Über zu wenige Aufträge kann sie sich eigentlich nicht beschweren. Obwohl er ihr unsympathisch ist, nimmt sie von Psychologie-Professor Tuckman den Job an, seine Séance-Gruppe auf Sabotage zu überprüfen. Anlässlich eines Uni-Studienprojektes hat Prof. Tuckman eine Gruppe aus verschiedensten Leuten zusammengestellt, die sich wöchentlich treffen um mittels ihrer gebündelten mentalen Kräfte einen Geist zu erschaffen. Als sich Harper genauer mit der Sache beschäftigt, stellt sie fest, dass tatsächlich getrickst wurde, um den Teilnehmern vorzugaukeln, dass ein Geist anwesend sei. Das Gespenst wurde Celia getauft und bekam auch einen ausführlichen Lebenslauf und zahlreiche Charaktereigenschaften angedichtet. Harper beobachtet dann zum ersten Mal live eine Séance und ihr fallen sofort die seltsamen Energiefäden im Grau auf, die sich währenddessen zeigen. Im weiteren Verlauf stellt Harper fest, dass auf keinen Fall alles mit rechten Dingen zugeht, denn als Möbel und Gegenstände im Raum herumfliegen, kann nur eine übersinnliche Erscheinung dafür verantwortlich sein. Das ganze wird zu einer bedrohlichen Sache, als einer der Teilnehmer brutal ermordet wird. Harper befürchtet, dass der Poltergeist Celia dafür verantwortlich sein könnte. Doch woher nimmt er seine unglaubliche Macht?

Der zweite Teil der Harper Blaine Serie konnte mich leider noch weniger überzeugen als der erste. Kat Richardson Stil langweilt mich zusehends und es kommt keine Auflockerung in ihre kühle Distanz zu sämtlichen Personen. Die Hauptfigur Harper kämpft sich in Poltergeist durch zähe Ermittlungen und führt mit ihrer sachlich-professionellen Art unzählige Gespräche und Monologe ohne dabei etwas von sich selbst preiszugeben. Für den Leser ist sie immer noch eine unbekannte Person, die nur für ihre Arbeit lebt. Die Autorin macht kaum den Versuch, Harper ein wenig Leben, Emotionen und Vergangenheit angedeihen zu lassen, dafür ergeht sie sich lieber in ellenlangen, ständig wiederkehrenden Beschreibungen der Stadt Seattle, in dem die Geschichte spielt. Es wird klar, dass Kat Richardson lieber von unbelebten Dingen schreibt, als von lebendigen. Jede Örtlichkeit, jede Straße, jedes Gebäude in Seattle wird benannt, beschrieben und liebevoll in das Gesamtbild eingefügt. Leider reicht das nicht, um Spannung zu erzeugen. Ok, irgendwo hinter all den überlangen, mit Fachausdrücken und komplizierten Satzstrukturen gespickten Dialogen, den nichtssagenden Monologen und detailverliebten Seattle-Ansichten, lauert eine Grundspannung, die dadurch erzeugt wird, dass man bis zum Schluss nicht weiß, wer wirklich für die Untaten des Poltergeists verantwortlich ist. Handwerklich steckt hier ganz nette Krimi-Arbeit dahinter. Nur es fehlen völlig Zutaten wie Charme, Gefühl, Witz, Tempo, Überraschungen und vor allem: eine Hauptfigur, mit der man sich identifizieren kann. Harper kann man fachlich zwar ernst nehmen, menschlich jedoch kann ich absolut nichts mit ihr anfangen. Ihr Liebesleben ist so gut wie nicht existent, und es scheint sie auch nur oberflächlich zu stören. Ihre Beziehung zu Freunden ist ambivalent, mal braucht sie sie, mal ist sie von Gesellschaftlichkeit geradezu angewidert.
Obwohl das Grau, Geister und Vampire eine gewisse Rolle in dieser Serie spielen, kommt meiner Meinung nach nicht die Stimmung eines paranormalen Romans auf. Es ist eher ein düsterer Mystery-Krimi, der fallbezogene Elemente logisch nacheinander abspult und Übersinnliches eher ablehnt oder gerade mal duldet. Harper steht ihrer Rolle als Grauwandlerin auch immer noch skeptisch gegenüber und wirkt oft hölzern, ängstlich oder einfach nur stur. Wo soll das noch hinführen? Es gibt wirklich keinen Anreiz, noch weitere Stories der Privatdetektivin zu lesen.

Greywalker

von Kat Richardson

auf Deutsch erschienen im August 2008 im Heyne Verlag
400 Seiten, Taschenbuchformat

Preis: EUR 8,95

übersetzt von Franziska Heel
ISBN-10: 3453433106
ISBN-13: 978-3453433106

Fazit

Recht spannender, paranormaler Krimi in düsterem, kühlen Gewand.

Dass sie einen gefährlichen Job hat, weiß Harper Blaine. Doch mit einem brutalen Überfall auf ihre Person hat sie nicht gerechnet. Direkt vor ihrer Wohnung wird sie angegriffen und brutal zusammengeschlagen. Als sie später aus der Ohnmacht erwacht, merkt sie, dass mit ihrer Wahrnehmung etwas nicht stimmt. Harper glaubt, Halluzinationen zu haben, denn sie sieht Gestalten, die für andere unsichtbar sind und ihr ist permanent schwindlig. Erst nach mehrmaligem Nachfragen eröffnet man ihr, dass sie volle 2 Minuten tot war und dann reanimiert wurde. Ein Arzt empfiehlt ihr das Ehepaar Mara und Ben Danziger als Berater in diesem seltsamen Fall, der sich jeglichem medizinischen Wissen entzieht. Skeptisch sucht Harper die beiden auf und erfährt, dass sie nun ein sogenannter "Grauwandler" ist. Sie kann zwischen der Welt der Lebenden und der Welt der Toten und Paranormalen hin- und herspringen bzw. beide Welten gleichzeitig sehen. Zuerst will Harper das alles nicht glauben und versucht ihren Alltag normal weiterzuleben. Sie hat zwei Fälle an denen sie arbeitet: sie soll den verschollenen Sohn einer reichen Dame finden und ein russischer Klient ist auf der Suche nach einem antiken Möbelstück, dessen Spur verlorenging. Harper lässt sich von dem sympathischen Bastler Quinton erst einmal eine Alarmeinlage einbauen und stürzt sich dann in Arbeit. Doch das Grau lässt ihr keine Ruhe, immer wieder gerät sie in seine Fänge und ihr bleibt nichts anderes übrig, als sich mit ihrer neuen Gabe zu konfrontieren. Zusammen mit Mara und Ben lässt sie sich darauf ein, das Grau genauer zu erforschen und ihre Fähigkeiten zu trainieren.

Mit Greywalker bringt Kat Richardson einen recht soliden, spannenden Krimi, der einige paranormale Elemente enthält. Der Schreibstil ist angenehm nüchtern, teils etwas langatmig und ansonsten nichts besonderes. Harper ist eine ordentliche, gebildete Person mit Ecken und Kanten, die jedoch nicht sehr stören. Vielmals wurde negativ ausgelegt, dass sie sich anfangs so gegen ihre "Gabe" wehrt, doch das halte ich für eine nachvollziehbare Entwicklung. Auf einmal Geister zu sehen wird wohl kaum jemand sofort als Normalität ansehen. Trotzdem konnte ich mit Harper nicht warm werden. Sie ist sehr analytisch, manchmal unglaublich leichtsinnig und furchtlos und dann wieder extrem ängstlich und zurückhaltend. Als sie sich von Cameron in den gefährlichen Vampirauftrag verwickeln lässt, hätte sie eigentlich abschätzen müssen, wie lebensgefährlich das Ganze ist. Die Krimihandlung an sich ist ganz unterhaltsam, aber langsam foranschreitend, recht vorhersehbar und irgendwie steif. Man verzeihe das banale Wortspiel, aber die Geschichte ist ziemlich "grau in grau". Harper stolpert so durch die Ereignisse und obwohl sie diejenige ist, die die Ermittlungen führt, scheint sie seltsam abwesend und emotional nicht sehr involviert. Die Kälte, die daraus entsteht, mindert den Lesespaß deutlich und man wartet vergeblich auf Sympathieträger (außer vielleicht das Frettchen Chaos). Auch negativ aufgefallen sind mir mehrere Rechtschreib-, und was gravierender ist: mehrere Logikfehler in der Handlung. So schlau wie Harper dargestellt wird, so dämlich ist manchmal ihre Vorgehensweise. Am schlimmsten fand ich, dass sie jedem alles auf die Nase binden muss, von ihrem Beruf über sämtliche Details des Falls. Sie spielt also ständig mit offenen Karten und macht sich zur Zielscheibe von allem und jedem. Aber es ist ja nicht so, dass sie nur knapp dem Tode entronnen wäre... Auch Harpers Umgang mit Männern ist irgendwie unnatürlich und führt zu unbefriedigenden Konstellationen. Ganz kleine Flirt-Ansätze werden grob im Keim erstickt oder Harper manövriert sich selbst in unmögliche Situationen. Ihr Privatleben steht an ganz letzter Stelle und das tollste Abendessen wird für einen Anruf in den Wind geschossen. Sehr pflichtbewusst, doch aber auch sehr sehr kalt. Nichtsdestotrotz kann Greywalker neben anderen Krimis ganz gut bestehen und lässt jedenfalls auf einen sympathischeren Nachfolger hoffen. Mit Vorreitern wie Dante Valentine, Mercy Thompson, Morgan Kingsley oder gar Rachel Morgan kann Harper Blaine allerdings nicht mithalten.

Das erste Zeichen des Zodiac

von Vicki Pettersson

auf Deutsch erschienen im September 2008 im Blanvalet Verlag
580 Seiten, Taschenbuchformat
Preis: EUR 8,95

ISBN: 3442265630
EAN: 978-3442265633
Übersetzt von Simon Weinert und Hannes Riffel

Fazit

Breit angelegtes Science-Fiction Epos mit vielschichtiger Heldin und viel Hintergrundinformation.

Joanna Archer führt ein zurückgezogenes Leben und widmet sich der Fotografie und Kampfkunst. Ganz anders als ihre hübsche und lebenslustige Schwester Olivia, die auch der Liebling ihres Vaters Xavier Archer ist, einem der reichsten und einflussreichsten Geschäftsmänner in Las Vegas. Erst als Joanna ihre Jugendliebe Ben Traina wiedertrifft, scheint das Eis in ihr etwas aufzubrechen. Seit ihrer Vergewaltigung mit sechzehn Jahren hatte Joanna jegliche Beziehung vermieden. Mit Ben ist alles wieder wie früher und Joanna genießt die Zeit mit ihm. Dann jedoch gerät ihr Leben komplett aus den Fugen, als sie eines Abends einen Penner anfährt. Dieser stellt sich als Anführer einer geheimen Truppe namens Zodiac vor, und Joanna soll dazu gehören. Zuerst hält sie das für kompletten Schwachsinn, doch die Ereignisse sollen sie eines Besseren belehren. In der gleichen Nacht noch stirbt ihre Schwester Olivia durch einen Angriff der Schattenagenten und Joanna selbst gerät in Lebensgefahr. Der als Penner getarnte Warren rettet sie und erklärt ihr, dass sie ab sofort nicht mehr in der Menschenwelt existieren darf. Zu Joannas großem Schrecken operieren die Lichtagenten sie so um, dass sie wie ihre verstorbene Schwester Olivia aussieht und komplett deren Identität annehmen kann. Verzweifelt hadert Joanna mit ihrem Schicksal. Eigentlich möchte sie nur ein ganz normales, zurückgezogenes Leben führen. Doch als sie an ihrem 25. Geburtstag eine Verwandlung durchlebt und ihre neuen Kräfte sich ihr erschließen, weiß sie, dass es kein Zurück mehr gibt. Sie muss sich in die Zodiac Truppe integrieren um das Erbe ihrer Mutter anzutreten und die Schattenagenten zu bekämpfen. Olivias Tod muss gerächt werden, doch es ist ausgerechnet Xavier Archer, der hinter den Feindeslinien steht. Joanna erkennt, dass in ihr sowohl das Licht als auch der Schatten regiert und das macht sie zu einer besonderen Person, zum "Ersten Zeichen", das endgültig den Kampf entscheiden soll.

Mit "Das erste Zeichen des Zodiac" bringt Vicki Pettersson einen detailiert aufgemachten und komplexen Science Fiction/Fantasy Roman, der den klassischen Kampf Gut gegen Böse thematisiert. Ganz ausführlich holt sie zu Beginn des Buches aus, um Joanna und ihre Situation zu erklären, weitere Personen vorzustellen und die Atmosphäre der Stadt Las Vegas zu kreieren. Mit teils gewagten Metaphern und Redewendungen, die man sonst nie liest, schmückt sie ihre Sätze aus und prägt einen ganz eigenen Schreibstil. Dadurch wird jedoch verursacht, dass man automatisch langsamer und konzentrierter lesen muss. Es ist nicht ganz so locker und einfach, den Ereignissen zu folgen wie z.B. bei Kim Harrison oder Patricia Briggs. Es gibt nicht so viele Dialoge, dafür umso mehr Monologe aus der Ich-Perspektive. Manchmal kam es mir denn etwas zäh vor und ich hätte die Handlung gern schneller vorangetrieben. Allein die Phase, in der Joanna mit ihrem Schicksal hadert und wie sie zur Zodiac Truppe stößt, nimmt 200 Seiten und mehr ein. In der fiktiven Welt, die hier kreiert wird, spielen die Menschen nur eine untergeordnete Rolle. Im Vordergrund stehen die Licht- und Schattenagenten, die das Gleichgewicht der Macht aufrecht erhalten sollen. In Comics (!) werden ihre Taten für die Ewigkeit festgeschrieben. Teilweise wirken die Erfindungen der Autorin etwas unglaubwürdig oder trashig. Dass die Zuflucht der Lichtagenten nur erreicht werden kann, indem man mit dem Auto vollgas gegen eine Mauer fährt erinnert mich ein wenig zu sehr an Zurück in die Zukunft. Vor allem in der zweiten Hälfte des Buches steigt man voll in die Science-Fiction Handlung ein und jeder Bezug zur Wirklichkeit wird abgebrochen. Auch Joannas reales Leben endet aprupt und die zarte Liebesgeschichte mit Ben ist Vergangenheit. Sehr schade. Also Liebesromanfans werden hier sicher enttäuscht. Es herrscht ein durchweg harter Umgangston und es gibt unzählige Konflikte. Auch die Nebenfiguren sind detailliert entwickelt und haben alle so ihre Probleme mit Joanna, was langwierige Diskussionen nach sich zieht. Wo ich anfangs dachte, dass im Laufe des Buches immer mehr Action aufkommt, irrte ich mich. Es gibt vielmehr eine Multi-Verstrickung von Verrat, Intrigen, Sympathien und persönlicher Entwicklung. Sehr komplex, sehr langatmig. Die Spannung wird zwar latent aufrecht erhalten, doch so weit, wie die Autorin ausholt, kann man mit vielen vielen Bänden der Serie rechnen.

Die Schwarzen Juwelen – Dunkelheit

von Anne Bishop

auf Deutsch erschienen im April 2005 im Heyne Verlag
558 Seiten, Taschenbuchformat

Preis EUR 8,95

ISBN: 3453530160
EAN: 9783453530164

Fazit

Exzentrisches Fantasy-Epos mit dämonischem Flair.

Das Buch erzählt die Geschichte des Mädchens Jaenelle, das von Geburt an 13 schwarzen Juwelen trägt und damit Hexe werden kann, die Königin aller Völker. Die Menschen und Lebewesen dieser Welt sind aufgeteilt in Landen (ohne Blut) und Blutsleute (von besserer Herkunft und mit magischen Fähigkeiten ausgestattet). Die Kraft eines jeden wird durch die Art und Menge der Juwelen bestimmt, die er oder sie trägt. Angefangen mit den hellen Farben ist das höchste das schwarze Juwel. Die Welt ist unterjocht von der Matriarchie, grausame, mächtige Königinnen herrschen über die einzelnen Gebiete und halten sich Männer als Lustsklaven. Daemon ist ein Lustsklave, der durch einen Ring des Gehorsams um seinen ... gefügig gemacht wird. Er wartet sein ganzes Leben schon auf die Retterin, die alle Völker gerecht vereinen wird. Genauso geht es seinem Vater, dem Höllenfürsten Saetan. Eines Tages dann werden sie auf ein ungewöhnliches Mädchen aufmerksam, das im Land der Dämonen wandelt und dort verschiedenen Menschen bzw. Toten hilft. Als Saetan das Mädchen zum ersten Mal sieht, weiß er sofort, dass sie Hexe ist. Da sie aber erst 12 Jahre alt ist, kann sie ihren Platz als Herrscherin noch nicht einnehmen. Also beginnt er, sie darauf vorzubereiten und sie in der Kunst zu unterweisen. Jaenelle selbst lebt bei ihrer Familie, die von Intrigen und Gewalt zerrüttet ist. Ihre Eltern wissen nicht, dass sie hochbegabt ist und halten sie eher für zurückgeblieben und verwirrt. Als Daemon von Jaenelle erfährt, macht er alles möglich, um in ihrer Nähe zu sein und schleicht sich in den Haushalt ihrer Eltern ein. Er versucht, sie vor dem Bösen zu beschützen, doch das Kind hat viele Feinde.

Hier haben wir ein hochkomplexes, episches Werk, das stilistisch so gar nichts mit den anderen Paranormalen Romanen zu tun hat, die ich gelesen habe. Zum einen kann ich sehr gut verstehen, dass sich hier die Geister scheiden und die einen völlig begeistert sind, die anderen nach 100 Seiten entnervt aufgeben. Ich war auch nach der Hälfte des Buches noch nicht sicher, was ich davon halten soll und musste es mehrere Male weglegen. Bereits zu Beginn wird der Leser überschüttet mit Begriffen, Namen und Szenenwechseln. Alles ist so verwirrend angelegt, dass man das Gefühl hat, nur in Situationen reinzuplatzen ohne wirklich zu verstehen warum. Aber mit der Zeit laufen alle die weit entfernten Fäden vom Anfang zusammen und die Personen, die vorher zusammenhangslos wirkten, treffen sich unter interagieren. Allerdings passiert das sehr sehr langsam und es gibt viel Pathos dazwischen. Nicht unbedingt Landschaftsbeschreibungen oder Monologe, sondern vielmehr haarkleine Abhandlungen über Geschehnisse, die storytechnisch irrelevant sind. Wie es zum Beispiel ist, wenn die Hure Surreal Freier empfängt und wie Jaenelle ein besonderes Pferd beschreibt etc. Das erfordert Geduld und Einfühlungsvermögen vom Leser. Auch die Namensgebung der Charaktere ist höchst gewöhnungsbedürftig. Den Höllenfürsten Saetan und seinen Sohn Daemon zu nennen scheint mehr als einfallslos. Dann aber heißen andere wieder Manny (als Frau!) und man glaubt sich im tiefsten Volksdialekt. Entweder hat hier die Übersetzung versagt oder es ist echt daneben gegangen. Es dauert auch geraume Zeit, bis man sich an die dauernden Szenenwechsel gewöhnt hat und verstanden hat, wo jetzt Unterwelt und so weiter ist.
Dazu braucht man locker die Hälfte des Buches, und wenn man bis dahin nicht aufgegen hat, wird es ein super Leseerlebnis. Erst dann kann man richtig mitfiebern und versteht das Wesen von Daemon und Jaenelle. Es wird auch dann erst spannend und man spürt, dass es eine Geschichte ist und nicht nur eine wahllose Aneinanderreihung von Szenen.
Von Erotik allerdings habe ich nicht viel gemerkt. Die Romanreihe wird als Meisterwerk der düsteren Erotik angepriesen, aber auf erotische Szenen entfallen vielleicht insgesamt 2 der 558 Seiten. Und dann ist es auch eher Quälerei und SM, unpersönlich und nicht gerade erotisch. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es jemand anregend findet, zu lesen, wie einem Mann bei vollem Bewusstsein mit einer Rasierklinge die Geschlechtsteile abgeschnitten werden. Viel Action gibt es auch nicht, alles zieht sich ein wenig träge dahin, was aber nicht unbedingt unangenehm zu lesen ist. Es ist eben etwas ganz anderes als gewohnt und hat durchaus auch seine Qualitäten. Allerdings nichts für Fans von leichter Unterhaltung für zwischendurch!