Blutsbande – Nacht der Seelen

von Jennifer Armintrout

erscheint auf Deutsch im Juni 2010 als Mira Taschenbuch im Cora Verlag
476 Seiten, Taschenbuchformat

Preis: EUR 7,95

übersetzt von Matha Windgassen
ISBN-13: 9783899417296 ISBN-10: 3899417291

Fazit

Lesenswertes, spannendes Finale, das alles auflöst.

Auch wenn Carrie und Nathan sich gerne ihrer neu entdeckten Liebe widmen würden, wissen sie, dass der Kampf gegen den Souleater noch nicht vorbei ist. Sie haben sich in Max Wohnung verschanzt, der seinerseits mit seiner Bella nach Italien gegangen ist, um dort ihrem Werwolf Clan vorstellig zu werden. Jetzt, da Bella von Max ein Kind erwartet, möchte Max von ihrem Rudel akzeptiert werden.
Zufällig treffen Carrie und Nathan in Max Appartment auf den "Blutdealer" Bill, dem sie erst misstrauen, bald aber merken, dass er ein sympathischer und loyaler Mensch ist. Die Ereignisse überstürzen sich, als Nathan erfährt, dass sein Ziehsohn Ziggy noch bzw. wieder am Leben ist. Es ist klar, dass er ein Zögling des Souleaters ist und Carrie fürchtet zurecht, dass es eine Falle sein könnte. Doch Nathan lässt sich durch nichts davon abbringen, Ziggy zu retten, er will nicht glauben, dass sein Sohn ihn verraten könnte. Auf der Rettungsaktion jedoch gerät Nathan in die Hände des Souleaters und seiner sadistischen Helferin, der Hexe Dahlia. Kann Carrie nur mit Hilfe von Bill, Ziggy und dem hinzugekommenen Max ihren Geliebten retten und den Souleater besiegen? Und kann sie Ziggy vertrauen?

Nacht der Seelen ist ein würdiger, gut durchdachter Abschluss der Serie und bietet neben ordentlicher Spannung auch einige gelungene Überraschungen. Alles läuft auf einen Showdown, den Kampf gegen den Souleater, hinaus und es ist klar, dass Carrie diejenige sein wird, in deren Händen das Schicksal aller liegt. Sie hadert mit dieser Rolle, wächst aber im Laufe des Buches über sich hinaus und entdeckt neue, mächtige Kräfte in ihr. Jennifer Armintrout komponiert diesen letzten Teil als Wiedersehen aller Charaktere und Auflösung aller durch die Serie hindurch gezogenen Konflikte und Probleme. Das war einerseits sehr angenehm, andererseits kam die Entwirrung ziemlich schnell und gestrafft. Wo sie sich drei Teile lang Mühe gegeben hat, alles möglichst kompliziert zu machen, war sie hier wohl gezwungen, am Ende ein - etwas unglaubwürdiges - Happy End zu präsentieren.
Vorher gibt es noch blutige Kampfszenen, wirklich brutale Folterungen, deren Beschreibungen ins Horror-Genre fallen, und kitschfreie Liebesszenen. Der Homoerotik Einschlag hat mir persönlich jedoch nicht so gut gefallen.
Mit der Person Carrie werde ich wohl nie richtig warm werden und ich hatte auch wieder meine Probleme mit ihrer unnachvollziehbaren Unbeherrschtheit und dem Wechsel zwischen Naivität und fast schon souveräner Entschlossenheit. Sie will unbedingt von Nathan geliebt werden, nimmt sich aber selbst heraus, ihre Interessen auf andere auszuweiten. Der Einfluss von Cyrus bleibt nach wie vor unangetastet. Es gibt auch immer wieder Streit zwischen Nathan und Carrie und obwohl sie letzten Endes doch füreinander bestimmt sind, gefällt mir diese Konstellation nicht wirklich.
Insgesamt lässt sich der Roman flüssig lesen, am Schreibstil ist wirklich nichts auszusetzen: klar, treffend und abwechslungsreich. Zwischendurch gibt es immer mal wieder Wechsel der Erzählperspektive von der Ich-Erzählerin Carrie hin zur Dritten Person, wenn es um Ziggy, Bill oder Max geht.
Insgesamt war die Serie unterhaltsam, spannend und durchaus lesenswert, wenn man Vampirthriller mag, wie z. B. Jeanne C. Steins Anna Strong Serie. Ein wenig kühl, wenig aus der Masse hervorstechend aber mit vier Bänden nicht unnötig ausgedehnt.

Blutsbande – Asche zu Asche

von Jennifer Armintrout

erscheint auf Deutsch im November 2009 als Mira Taschenbuch im Cora Verlag
476 Seiten, Taschenbuchformat

Preis: EUR 7,95

übersetzt von Martha Windgassen
ISBN-10: 389941666X
ISBN-13: 978-3899416664

Fazit

Toller, spannender dritter Teil mit gewissenhaft aufgebauten Charakteren.

Nachdem Nathan von seinem Schöpfer besessen war, ist Carrie zu ihrem Freund Max nach Chicago geflohen um dort ein wenig Abstand zu ihrem Geliebten zu bekommen. Doch genausowenig wie sie ihren Schöpfer Nathan vergessen kann, kann Max die Werwölfin Bella aus seinem Kopf verbannen. Zwar will er sich nicht eingestehen, dass er sich zu ihr hingezogen fühlt, doch Carrie kennt Max gut genug, um es zu wissen. Dann eines Tages erhält sie einen Anruf von Nathan und die Vergangenheit holt Carrie ein. Sie wünscht sich nichts sehnlicher, als wieder friedlich mit ihm als Liebespaar zusammenleben zu können. Als sich Max, Bella, Nathan und Carrie endlich treffen erfahren sie Schreckliches: das Orakel, das die Bewegung der Vampire immer gefangen gehalten hatte, ist entkommen. Und Nathans Schöpfer, der Souleater, hat einen schrecklichen Plan, der irgendetwas mit dem Orakel zu tun hat. Carrie weiß, dass sie handeln müssen. Und als Bella plötzlich vom Orakel besessen ist und verkündet, dass sie alle sterben werden, wenn sie sich einmischen, geraten sie in große Gefahr. Bella und Max beschließen, das Orakel auf seiner Reise zu verfolgen und abzufangen. Nathan und Carrie bleiben in Grand Rapids um weiter Nachforschungen anzustellen. Dabei sollen auch die Hexe Dahlia und Cyrus, der jetzt ein normaler Mensch ist, helfen. Als Carrie zögernd Kontakt mit Cyrus aufnimmt, kommen alte, vergrabene Gefühle in ihr hoch. Immer war sie zwischen Nathan und Cyrus hin- und hergerissen - wird es wieder so sein?

Asche zu Asche ist eine absolut lesenswerte Fortsetzung der Reihe und steuert schon deutlich auf das Finale im 4. Band zu. Es ist nahezu unmöglich, die Geschichte richtig einzuordnen, wenn das Wissen aus den Vorbänden fehlt. Was mich überrascht hat, ist die Tatsache, dass Asche zu Asche fast schon mehr ein Liebesdrama als ein Thriller ist. Besonders in der ersten Hälfte des Buches geht es nahezu ausschließlich um die bekannte Dreiecksbeziehung zwischen Nathan, Carrie und Cyrus. Jennifer Armintrout macht es ihren Charakteren nie leicht und so müssen alle Beteiligten ordentlich leiden. Im Gegensatz zu vorher wird aber endlich mal Klartext geredet und Gefühle werden gezeigt. So kommt man den Protagonisten etwas näher und die Story verliert etwas an kühler Distanz. Max und Bella bekommen dieses Mal auch ordentlich viele Seiten eingeräumt. Die Geschichte spaltet sich schon sehr früh in die Ereignisse um Max und Bella und die um Nathan, Cyrus und Carrie. In gewohnt ausgereiftem, präszisem Schreibstil erhöht die Autorin ab Mitte des Buches bewusst die Spannung und gegen Ende gibt es nochmal richtig blutige, dramatische Action. Was mir immer wieder an J. Armintrouts Stil gefällt, sind die vielschichtigen, komplexen Charaktere, deren Verhalten nicht immer vorhersehbar ist. Es gibt kein wirkliches Gut und Böse, obwohl der Souleater und das Orakel natürlich klare Feindbilder sind. Immer wieder platziert die Autorin Sequenzen, in denen die Vergangenheit reflektiert wird, in denen die Personen sich selbst in Frage stellen und auch Entscheidungen treffen, die unerwartet sind. Cyrus ist eine faszinierende Persönlichkeit, die man als Leser halb hasst, halb bewundert. Alle haben sie ihre Fehler und es gibt keine "erlösende Situation" in der alle von ihren Schwächen geläutert werden und heile Welt eintritt. Die verzwickte Dreiecksgeschichte zwischen Nathan, Carrie und Cyrus hat mich so manches Mal die Haare raufen lassen. Alle Happy-End liebenden, harmoniesüchtigen Liebesromanleserinnen sollten lieber die Finger davon lassen. Fern von Stereotypen oder gar Kitsch wird hier eine Story weitererzählt, die zu keinem Zeitpunkt langweilig wird. Ein bisschen resistent gegen Blut, Folter und Gewalt - auch psychische - sollte man sein, dann hat man an dieser Lektüre wirklich Spaß

Blutsbande – Besessen

von Jennifer Armintrout

auf Deutsch erschienen im Okt 08 als Mira Taschenbuch im Cora Verlag
320 Seiten, Taschenbuchformat

Preis: EUR 7,95

ISBN: 3899415051
EAN: 9783899415056
Übersetzt von Lisa Kuppler

Fazit

Packender Thriller in schonungslosem Stil.

Nur eines stört die perfekte Harmonie zwischen Carrie und Nathan: er kann seine grausamen Vergangenheit und den Verlust seiner Frau Marianne nicht vergessen. Carrie hat schwer daran zu knabbern, ob sie ein Leben mit halbherziger Liebe seinerseits durchstehen kann. Eines Tages jedoch zerbricht all dies, als Nathan plötzlich zu einer wütenden Bestie wird. Im Wahn und offensichtlich besessen tötet er willenlos und greift sogar Carrie an. Dann verschwindet er. Für Carrie beginnt eine Zeit großen Leidens, denn als ihr zweiter Schöpfer steht ihr Nathan sehr nah und die Trennung schmerzt jede Sekunde mehr. Gleichzeitig beginnt die Geschichte um Cyrus, der von einer verrückten Vampirgang, den Fangs, ins Leben zurück geholt wird. Allerdings als Mensch. Die Fangs sperren ihn in der Wüste in einer Kirche in den Keller, nachdem sie den Pfarrer töteten. Zusammen mit der jungen Frau Stacey, genannt Mouse, fristet Cyrus die Tage in Gefangenschaft. Er fragt sich, ob sein Vater, der mächtige Souleater, ihn zurückholen ließ um ihn erneut zum Vampir zu machen. Zuerst ist Cyrus verärgert darüber, dass er ein Mensch ist, und vermisst die Lässigkeit, mit der er damals grausam war. Er bedroht Mouse und gibt sich arrogant und unnahbar. Doch da er körperlich sehr schwach ist, ist er auf die Hilfe der Frau angewiesen. Unterdessen machen sich Carrie und ihr Freund Max auf den Weg nach Spanien um im Hauptquartier der Vampirvereinigung den offiziellen Tötungsbefehl für Nathan aufzuhalten. Dort gelangt Carrie heimlich zu dem berüchtigten Orakel, das ihr einen verschlüsselten Hinweis zur Lösung des Falles gibt. Jetzt ist Carrie überzeugt, dass es ihre Aufgabe ist, Nathan zu finden und zu retten. Gleichzeitig jedoch macht sich die Werwölfin Bella auf die Suche nach Nathan um ihn zu töten. Die Tage vergehen, in denen Carrie im Auto auf dem Weg in die Wüste ist, um nach einer Spur von Cyrus zu suchen. Sie weiß, dass der Souleater mit Nathans Besessenheit zu tun haben muss und daher will sie Cyrus finden, der sein Sohn ist. Dieser hat sich mittlerweile an sein Menschsein gewöhnt und zarte Band mit Mouse geknüpft. Gemeinsam wollen sie fliehen. Als Carrie die Kirche in der Wüste findet, geht auf einmal alles sehr schnell: Sie holt Cyrus heraus und im Handgemenge lässt sie Mouse dort zurück. Als Cyrus zu sich kommt, muss er erkennen, dass seine junge Geliebte tot ist. Es kommt zum Konflikt zwischen Carrie und Cyrus. Doch zusammen fahren sie zurück zu Nathans Wohnung, wo Bella und Max berichten, dass sie mehrere Kontakte mit Nathan hatten, die allesamt blutig ausgingen. Für Carrie steht fest, dass es nur eine Möglichkeit gibt, Nathan zu retten: er muss seine Vergangenheit loslassen.

Besessen ist ein interessanter zweiter Teil der Blutsbande Serie, allerdings ein ganz anderer, als ich erwartet habe. Als erstes fällt die extreme Teilung der Geschichte in der ersten Hälfte auf. Jennifer Armintrout trennt die Story in zwei Hauptschauplätze: Carrie und Cyrus. Einige hundert Seiten bekommt der Leser abwechselnd die Erlebnisse von Cyrus und die von Carrie vorgesetzt und kann sich selbst ausrechnen wann und wie die beiden Handlungsstränge verschmelzen werden. Ich bin kein Fan von solch einem "Parallel- Erzählstil" und wurde irgendwann ziemlich ungeduldig. Ab der Mitte des Buches wird es dann allmählich besser und es kommt schreibtechnisch ein wenig Ruhe rein. Ansonsten ist von Ruhe nicht viel zu merken. Besessen ist ein emotional stark beladener Roman, in dem viel gelitten, gemordet, bereut und geweint wird. Zwischenmenschliche Beziehungen sind allesamt psychotisch und irgendwie hoffnungslos. Die zentrale Beziehung zwischen Carrie und Nathan ist wohl die unglücklichste, von der ich je in einem Paranormalen Roman gelesen habe. Die Autorin lässt den beiden keinen Platz um glücklich zu sein, bzw. beschreibt diesen Zustand einfach nicht. Auch Cyrus ist trotz seiner neu gewonnenen Menschlichkeit immer noch vorbelastet von seiner grausamen und gnadenlosen Existenz als Vampir. Insgesamt ist das Buch eher als schwere Kost einzuordnen, was der Spannung allerdings keinen Abbruch tut. Auch wenn die Lektüre durch die verkorksten Beziehungen der Charakter untereinander teilweise schmerzvoll war, konnte ich das Buch kaum aus der Hand legen. Wie auch der Vorgänger ist Besessen unglaublich spannend und mitreißend. Vielleicht sogar erst recht deshalb, weil die Personen so leiden. Denn man will endlich erfahren, ob eine Besserung in Sicht ist. Für schwache Nerven ist auch dieser Teil nichts, denn die Kampfszenen sind blutig und es wird ständig psychische und physische Gewalt ausgeübt. Faszinierend ist auch die Vielschichtigkeit der Charaktere, die besonders im Fall von Cyrus minutiös ausgearbeitet wird. Alle Facetten einer gestörten Persönlichkeit kommen zum Tragen, die aber ganz natürlich wirken. So werden Jennifer Armintrouts Figuren realistisch und lebendig, und man fragt sich, wie es sein kann, dass bei anderen Romanen immer alles so glatt läuft und sämtliche Personen einer Linie folgen. So überrascht es auch nicht, dass das Ende mehr oder weniger neutral ist und alle Happy-End-Fans enttäuschen wird (mich auch).

Blutsbande – die Verwandlung

von Jennifer Armintrout

auf Deutsch erschienen im Okt 07 als Mira Taschenbuch im Cora Verlag
464 Seiten, Taschenbuchformat

Preis: EUR 7,95

ISBN: 3899414489
EAN: 9783899414486
Übersetzt von Martha Windgassen

Fazit

Unbedingt lesen! Wer nicht allzu sensibel bei Gewaltdarstellungen ist, hat hier ein exzellentes Buch vor sich!

Beruflich hat Carrie eigentlich alles erreicht, was man mit 28 erreichen kann: sie ist eine engagierte Ärztin in der Notaufnahme eines Krankenhauses. Doch als eines Nachts ein schrecklich zugerichteter Mann eingeliefert wird, muss sie Schwäche zeigen und den Raum verlassen. Später möchte sie sich ihren Mut beweisen und betritt die Leichenhalle um die Gestalt noch einmal zu sehen. Da passiert es: der Leichnam ist zum Leben erweckt und stillt seinen Hunger an Carrie. Sie überlebt den Biss und erwacht bald aus der Ohnmacht. Ab sofort verändert sich alles. Sie muss Sonnenlicht meiden, feste Nahrung ekelt sie an. Der seltsame Hunger nagt immer mehr an ihr und ihre Nerven sind ständig zum Zerreißen gespannt. Auf ihrer Suche nach Antworten trifft sie auf den charismatischen Nathan, der einer Vereinigung von Vampiren angehört, die die Menschheit vor ihrer eigenen blutsaugerischen Spezies beschützen wollen. Er lebt zusammen mit einem Teenager in einer kleinen Wohnung und betreibt einen esoterischen Buchladen. Nathan stellt sie vor die Wahl: entweder sie schließt sich der Bewegung an oder er muss Carrie bekämpfen. Carrie jedoch entwindet sich der übereilten Entscheidung und bittet um Bedenkzeit. Sie will herausfinden, wer ihr Schöpfer ist. Und natürlich findet sie ihn auch : Cyrus, den uralten, mächtigen und grausamen Vampir. Er wohnt in einem altmodischen Anwesen und schart lauter seltsame und gefährliche Gestalten um sich. Doch trotz ihrer Abneigung gegen sein Morden, kann sich Carrie seiner Anziehungskraft nicht lange entziehen.

Hier haben wir Spannung pur. Ich habe es kaum geschafft, dieses Buch für ein paar Minuten aus der Hand zu legen. Ein mystischer Thriller mit viel Gewalt und Blut und absolut nichts für schwache Nerven. Durch die Ich-Erzählperspektive geht zwar ein wenig an Objektivität verloren, aber der geniale Schreibstil macht das wieder wett. Explizite Erläuterungen und eine "Es-wird-kein-Blatt-vor-den- Mund-genommen"-Einstellungen garantieren ultimativen Lesespaß. Carrie ist eine sehr gut entwickelte und sympathische Hauptperson, die auch wirkliche Schwächen hat. Nathan ist nicht nur der ehrbare "Gute", sondern hat auch seine dunklen Geheimnisse. Und dann Cyrus, der sich trotz aller Brutalität nach Liebe sehnt. Die Grenze zwischen Gut und Böse verschwimmt zusehends und der Leser findet sich in einem undurchsichtigen Abenteuer wieder, das absolut fesselnd ist. Dabei darf man auf keinen Fall eine Liebesgeschichte erwarten. Es kommt zwar zu einigen Szenen, doch das ist meistens fern von Romantik im klassischen Sinne wie bei C. Feehan zum Beispiel. Es wird viel Wert auf die genaue Bearbeitung des Themas Vampirismus gelegt. Also warum und wie ist der Blutdurst, was für Konsequenzen hat das, wie leben die Vampire, was sind ihre Stärken und Schwächen, wie ist die Gesellschaft der Vampire organisiert und so weiter.  Natürlich wird auch mit hohem Tempo die Story vorangetrieben und es passiert so viel, dass allein schon eine Inhaltsangabe ein eigenes Buch darstellen würde. Gegen Ende überschlagen sich die Ereignisse und es gibt tolle Überraschungen. Am besten ist wirklich, dass sämtliche Charaktere vollkommen individuell und einzigartig sind und auch handeln. Cyrus ist ein überragender Charakter mit Kultstatus.

Poltergeist

von Kat Richardson

auf Deutsch erschienen im Dezember 2008 im Heyne Verlag
498 Seiten, Taschenbuchformat

Preis: EUR 8,95

übersetzt von Franziska Heel
ISBN-10: 3453524861
ISBN-13: 978-3453524866

Fazit

Unterkühlte Krimiunterhaltung mit einer unsympathischen Hauptfigur.

Solangsam gewöhnt sich die Privatdetektivin Harper Blaine an ihr Dasein als Grauwandlerin. Über zu wenige Aufträge kann sie sich eigentlich nicht beschweren. Obwohl er ihr unsympathisch ist, nimmt sie von Psychologie-Professor Tuckman den Job an, seine Séance-Gruppe auf Sabotage zu überprüfen. Anlässlich eines Uni-Studienprojektes hat Prof. Tuckman eine Gruppe aus verschiedensten Leuten zusammengestellt, die sich wöchentlich treffen um mittels ihrer gebündelten mentalen Kräfte einen Geist zu erschaffen. Als sich Harper genauer mit der Sache beschäftigt, stellt sie fest, dass tatsächlich getrickst wurde, um den Teilnehmern vorzugaukeln, dass ein Geist anwesend sei. Das Gespenst wurde Celia getauft und bekam auch einen ausführlichen Lebenslauf und zahlreiche Charaktereigenschaften angedichtet. Harper beobachtet dann zum ersten Mal live eine Séance und ihr fallen sofort die seltsamen Energiefäden im Grau auf, die sich währenddessen zeigen. Im weiteren Verlauf stellt Harper fest, dass auf keinen Fall alles mit rechten Dingen zugeht, denn als Möbel und Gegenstände im Raum herumfliegen, kann nur eine übersinnliche Erscheinung dafür verantwortlich sein. Das ganze wird zu einer bedrohlichen Sache, als einer der Teilnehmer brutal ermordet wird. Harper befürchtet, dass der Poltergeist Celia dafür verantwortlich sein könnte. Doch woher nimmt er seine unglaubliche Macht?

Der zweite Teil der Harper Blaine Serie konnte mich leider noch weniger überzeugen als der erste. Kat Richardson Stil langweilt mich zusehends und es kommt keine Auflockerung in ihre kühle Distanz zu sämtlichen Personen. Die Hauptfigur Harper kämpft sich in Poltergeist durch zähe Ermittlungen und führt mit ihrer sachlich-professionellen Art unzählige Gespräche und Monologe ohne dabei etwas von sich selbst preiszugeben. Für den Leser ist sie immer noch eine unbekannte Person, die nur für ihre Arbeit lebt. Die Autorin macht kaum den Versuch, Harper ein wenig Leben, Emotionen und Vergangenheit angedeihen zu lassen, dafür ergeht sie sich lieber in ellenlangen, ständig wiederkehrenden Beschreibungen der Stadt Seattle, in dem die Geschichte spielt. Es wird klar, dass Kat Richardson lieber von unbelebten Dingen schreibt, als von lebendigen. Jede Örtlichkeit, jede Straße, jedes Gebäude in Seattle wird benannt, beschrieben und liebevoll in das Gesamtbild eingefügt. Leider reicht das nicht, um Spannung zu erzeugen. Ok, irgendwo hinter all den überlangen, mit Fachausdrücken und komplizierten Satzstrukturen gespickten Dialogen, den nichtssagenden Monologen und detailverliebten Seattle-Ansichten, lauert eine Grundspannung, die dadurch erzeugt wird, dass man bis zum Schluss nicht weiß, wer wirklich für die Untaten des Poltergeists verantwortlich ist. Handwerklich steckt hier ganz nette Krimi-Arbeit dahinter. Nur es fehlen völlig Zutaten wie Charme, Gefühl, Witz, Tempo, Überraschungen und vor allem: eine Hauptfigur, mit der man sich identifizieren kann. Harper kann man fachlich zwar ernst nehmen, menschlich jedoch kann ich absolut nichts mit ihr anfangen. Ihr Liebesleben ist so gut wie nicht existent, und es scheint sie auch nur oberflächlich zu stören. Ihre Beziehung zu Freunden ist ambivalent, mal braucht sie sie, mal ist sie von Gesellschaftlichkeit geradezu angewidert.
Obwohl das Grau, Geister und Vampire eine gewisse Rolle in dieser Serie spielen, kommt meiner Meinung nach nicht die Stimmung eines paranormalen Romans auf. Es ist eher ein düsterer Mystery-Krimi, der fallbezogene Elemente logisch nacheinander abspult und Übersinnliches eher ablehnt oder gerade mal duldet. Harper steht ihrer Rolle als Grauwandlerin auch immer noch skeptisch gegenüber und wirkt oft hölzern, ängstlich oder einfach nur stur. Wo soll das noch hinführen? Es gibt wirklich keinen Anreiz, noch weitere Stories der Privatdetektivin zu lesen.

Greywalker

von Kat Richardson

auf Deutsch erschienen im August 2008 im Heyne Verlag
400 Seiten, Taschenbuchformat

Preis: EUR 8,95

übersetzt von Franziska Heel
ISBN-10: 3453433106
ISBN-13: 978-3453433106

Fazit

Recht spannender, paranormaler Krimi in düsterem, kühlen Gewand.

Dass sie einen gefährlichen Job hat, weiß Harper Blaine. Doch mit einem brutalen Überfall auf ihre Person hat sie nicht gerechnet. Direkt vor ihrer Wohnung wird sie angegriffen und brutal zusammengeschlagen. Als sie später aus der Ohnmacht erwacht, merkt sie, dass mit ihrer Wahrnehmung etwas nicht stimmt. Harper glaubt, Halluzinationen zu haben, denn sie sieht Gestalten, die für andere unsichtbar sind und ihr ist permanent schwindlig. Erst nach mehrmaligem Nachfragen eröffnet man ihr, dass sie volle 2 Minuten tot war und dann reanimiert wurde. Ein Arzt empfiehlt ihr das Ehepaar Mara und Ben Danziger als Berater in diesem seltsamen Fall, der sich jeglichem medizinischen Wissen entzieht. Skeptisch sucht Harper die beiden auf und erfährt, dass sie nun ein sogenannter "Grauwandler" ist. Sie kann zwischen der Welt der Lebenden und der Welt der Toten und Paranormalen hin- und herspringen bzw. beide Welten gleichzeitig sehen. Zuerst will Harper das alles nicht glauben und versucht ihren Alltag normal weiterzuleben. Sie hat zwei Fälle an denen sie arbeitet: sie soll den verschollenen Sohn einer reichen Dame finden und ein russischer Klient ist auf der Suche nach einem antiken Möbelstück, dessen Spur verlorenging. Harper lässt sich von dem sympathischen Bastler Quinton erst einmal eine Alarmeinlage einbauen und stürzt sich dann in Arbeit. Doch das Grau lässt ihr keine Ruhe, immer wieder gerät sie in seine Fänge und ihr bleibt nichts anderes übrig, als sich mit ihrer neuen Gabe zu konfrontieren. Zusammen mit Mara und Ben lässt sie sich darauf ein, das Grau genauer zu erforschen und ihre Fähigkeiten zu trainieren.

Mit Greywalker bringt Kat Richardson einen recht soliden, spannenden Krimi, der einige paranormale Elemente enthält. Der Schreibstil ist angenehm nüchtern, teils etwas langatmig und ansonsten nichts besonderes. Harper ist eine ordentliche, gebildete Person mit Ecken und Kanten, die jedoch nicht sehr stören. Vielmals wurde negativ ausgelegt, dass sie sich anfangs so gegen ihre "Gabe" wehrt, doch das halte ich für eine nachvollziehbare Entwicklung. Auf einmal Geister zu sehen wird wohl kaum jemand sofort als Normalität ansehen. Trotzdem konnte ich mit Harper nicht warm werden. Sie ist sehr analytisch, manchmal unglaublich leichtsinnig und furchtlos und dann wieder extrem ängstlich und zurückhaltend. Als sie sich von Cameron in den gefährlichen Vampirauftrag verwickeln lässt, hätte sie eigentlich abschätzen müssen, wie lebensgefährlich das Ganze ist. Die Krimihandlung an sich ist ganz unterhaltsam, aber langsam foranschreitend, recht vorhersehbar und irgendwie steif. Man verzeihe das banale Wortspiel, aber die Geschichte ist ziemlich "grau in grau". Harper stolpert so durch die Ereignisse und obwohl sie diejenige ist, die die Ermittlungen führt, scheint sie seltsam abwesend und emotional nicht sehr involviert. Die Kälte, die daraus entsteht, mindert den Lesespaß deutlich und man wartet vergeblich auf Sympathieträger (außer vielleicht das Frettchen Chaos). Auch negativ aufgefallen sind mir mehrere Rechtschreib-, und was gravierender ist: mehrere Logikfehler in der Handlung. So schlau wie Harper dargestellt wird, so dämlich ist manchmal ihre Vorgehensweise. Am schlimmsten fand ich, dass sie jedem alles auf die Nase binden muss, von ihrem Beruf über sämtliche Details des Falls. Sie spielt also ständig mit offenen Karten und macht sich zur Zielscheibe von allem und jedem. Aber es ist ja nicht so, dass sie nur knapp dem Tode entronnen wäre... Auch Harpers Umgang mit Männern ist irgendwie unnatürlich und führt zu unbefriedigenden Konstellationen. Ganz kleine Flirt-Ansätze werden grob im Keim erstickt oder Harper manövriert sich selbst in unmögliche Situationen. Ihr Privatleben steht an ganz letzter Stelle und das tollste Abendessen wird für einen Anruf in den Wind geschossen. Sehr pflichtbewusst, doch aber auch sehr sehr kalt. Nichtsdestotrotz kann Greywalker neben anderen Krimis ganz gut bestehen und lässt jedenfalls auf einen sympathischeren Nachfolger hoffen. Mit Vorreitern wie Dante Valentine, Mercy Thompson, Morgan Kingsley oder gar Rachel Morgan kann Harper Blaine allerdings nicht mithalten.

Das zweite Zeichen des Zodiac

von Vicki Pettersson

auf Deutsch erschienen im Februar 2009 im Blanvalet Verlag
572 Seiten, Taschenbuchformat

Preis: EUR 8,95

ISBN: 3442265649
EAN: 978-3442265640
Übersetzt von Simon Weinert und Hannes Riffel

Fazit

Interessanter aber etwas zäher zweiter Teil einer Serie mit komplexen Charakteren. Erfordert Geduld.

Nachdem Joanna alias Olivia Archer nun Mitglied der Lichtagenten des Zodiac geworden ist, scheint sich ein Gleichgewicht zwischen Licht und Schatten eingependelt haben. Doch endgültig kann sich Joanna weder mit ihrer Rolle als Kairos noch mit ihrer emotionalen Situation abfinden. Immer wieder sorgen ihre Gefühls- und Racheausbrüche in der Zuflucht für Misstrauen und Angst bei ihren Kameraden, vor allem aber bei ihrem Anführer Warren. Stets hat Joanna die Vergeltung an dem Schattenagent Joaquin vor Augen, der sie damals brutal missbrauchte. Doch sie leidet auch an der Isolation von der normalen Menschenwelt und ihrer gescheiterten Liebe zu Ben Traina. Annäherungsversuche des attraktiven Hunter kann Joanna nur abwehren. Eines Tages trifft sie auf die Schattenadeptin Regan DuPree, die bestens über Joannas geheime Identität Bescheid weiß. Sie verspricht Joanna die Möglichkeit, an Joaquin Rache zu nehmen. Als Gegenleistung verlangt sie Stillschweigen und die Chance darauf, dass Joanna irgendwann mit ihr zusammen auf der Schattenseite stehen und kämpfen wird. Ohne viel zu überlegen nimmt Joanna an, völlig besessen von der Rache an ihrem Vergewaltiger. Doch dabei übersieht sie völlig, dass sie sich zur Marionette des bösen Planes des Tulpa gemacht hat, der an einer Schlacht zwischen Schatten und Licht feilt - dem Eintreffen des Zweiten Zeichen des Zodiac. Die Schlacht auf dem verfluchten Schlachtfeld. Zu spät merkt Joanna, dass sie Regan nicht hätte vertrauen dürfen und dass sie der Schlüssel für die Vernichtung der gesamten Zuflucht des Lichts ist. Kann sie im Alleingang die Situation retten?

Das Zweite Zeichen des Zodiac schließt direkt an den Vorgänger an und bietet Einsteigern ohne Vorwissen nur ganz wenige Andeutungen auf den Gesamtzusammenhang. Wie gewohnt ist der Schreibstil sehr komplex, etwas langatmig, detailverliebt und ausführlich. Man bekommt als Leser wirklich alles mit: wie sich Joanna fühlt, wie sie sich bewegt, wie sie aussieht, wie die Umgebung aussieht, wie andere Leute aussehen, was sie denkt etc etc. Das füllt Seiten ohne Ende, allein schon mit Monologen. Dabei kann man nicht sagen, dass nichts geschieht. Genauer gesagt passiert sogar ziemlich viel, mehr als im ersten Band. Daher hat mir das zweite Zeichen auch ein wenig besser gefallen als der erste Teil und ich konnte ab der Hälfte flüssig durchlesen. Durch die Ich-Perspektive liegt der Schwerpunkt natürlich auf Joanna und ihren Taten, aber sie nimmt ihre Umwelt so genau wahr, dass man sich auch gut in andere Personen versetzen kann. Leider komme ich immer noch nicht so gut mit ihrem Charakter zurecht. Sie ist stets noch dermaßen bockig, aufbrausend, unfair und ausfallend, dass sie sich dauernd deshalb in unmögliche Situationen bringt bzw. andere gefährdet. Klar ist das Absicht der Autorin, aber es fällt mir schwer, so jemanden über 500 Seiten "um mich herum" zu haben, das ermüdet schnell oder ich muss entnervt Lesepausen einlegen. Zum Glück scheint Joanna mit der Zeit an ihren Aufgaben zu wachsen und gegen Ende des Buches wächst die Hoffnung, dass da noch nicht Hopfen und Malz verloren ist. Insgesamt ist die Geschichte recht spannend und teils wie ein Krimi dargestellt. Es gibt nicht mehr so unzählige Kammerspiel- Dialoge wie im ersten Teil und manchmal kommt richtig frischer Wind auf mit Verfolgungsjagden und Kampfszenen. Das hat dann etwas von Anita Blake oder Kate Daniels. Den Klappentext kann man völlig vergessen. Die ganze Situation mit Ben Traina ist ein absoluter Randeffekt und füllt kaum 10 Seiten. Es ist auch überhaupt keine nennenswerte Liebesgeschichte vorhanden. Zwar empfindet Joanna immer noch Liebe für Ben, doch die kann wohl nie erfüllt werden und andere Dinge sind wichtiger, zum Beispiel die Welt vor dem Tulpa retten. Das Buch hat ein offenes Ende und bietet unglaublich viel Stoff für mehrere Fortsetzungen. Das ganze Thema Familie ist noch völlig undurchsichtig, sowohl über Joannas Tochter als auch über ihre verschollene Mutter findet man nur ganz wenig heraus. Und der Kampf zwischen Schatten und Licht kann ewig so weiter gehen. Diese ganz interessante Offenheit lege ich dem Roman gleichzeitig aber auch als Schwäche aus, denn so verzettelt sich die Autorin immer mehr und manchmal weiß man gar nicht, was eigentlich der rote Faden sein soll. Die Ereignisse verschwimmen ineinander und heben sich gegenseitig auf. So liest man 500 Seiten einer actionreichen Buchmasse und hat doch am Schluss das Gefühl, nur kurz den Finger in ein nebliges, tief-komplexes Fantasy-Etwas gehalten zu haben.

Das erste Zeichen des Zodiac

von Vicki Pettersson

auf Deutsch erschienen im September 2008 im Blanvalet Verlag
580 Seiten, Taschenbuchformat
Preis: EUR 8,95

ISBN: 3442265630
EAN: 978-3442265633
Übersetzt von Simon Weinert und Hannes Riffel

Fazit

Breit angelegtes Science-Fiction Epos mit vielschichtiger Heldin und viel Hintergrundinformation.

Joanna Archer führt ein zurückgezogenes Leben und widmet sich der Fotografie und Kampfkunst. Ganz anders als ihre hübsche und lebenslustige Schwester Olivia, die auch der Liebling ihres Vaters Xavier Archer ist, einem der reichsten und einflussreichsten Geschäftsmänner in Las Vegas. Erst als Joanna ihre Jugendliebe Ben Traina wiedertrifft, scheint das Eis in ihr etwas aufzubrechen. Seit ihrer Vergewaltigung mit sechzehn Jahren hatte Joanna jegliche Beziehung vermieden. Mit Ben ist alles wieder wie früher und Joanna genießt die Zeit mit ihm. Dann jedoch gerät ihr Leben komplett aus den Fugen, als sie eines Abends einen Penner anfährt. Dieser stellt sich als Anführer einer geheimen Truppe namens Zodiac vor, und Joanna soll dazu gehören. Zuerst hält sie das für kompletten Schwachsinn, doch die Ereignisse sollen sie eines Besseren belehren. In der gleichen Nacht noch stirbt ihre Schwester Olivia durch einen Angriff der Schattenagenten und Joanna selbst gerät in Lebensgefahr. Der als Penner getarnte Warren rettet sie und erklärt ihr, dass sie ab sofort nicht mehr in der Menschenwelt existieren darf. Zu Joannas großem Schrecken operieren die Lichtagenten sie so um, dass sie wie ihre verstorbene Schwester Olivia aussieht und komplett deren Identität annehmen kann. Verzweifelt hadert Joanna mit ihrem Schicksal. Eigentlich möchte sie nur ein ganz normales, zurückgezogenes Leben führen. Doch als sie an ihrem 25. Geburtstag eine Verwandlung durchlebt und ihre neuen Kräfte sich ihr erschließen, weiß sie, dass es kein Zurück mehr gibt. Sie muss sich in die Zodiac Truppe integrieren um das Erbe ihrer Mutter anzutreten und die Schattenagenten zu bekämpfen. Olivias Tod muss gerächt werden, doch es ist ausgerechnet Xavier Archer, der hinter den Feindeslinien steht. Joanna erkennt, dass in ihr sowohl das Licht als auch der Schatten regiert und das macht sie zu einer besonderen Person, zum "Ersten Zeichen", das endgültig den Kampf entscheiden soll.

Mit "Das erste Zeichen des Zodiac" bringt Vicki Pettersson einen detailiert aufgemachten und komplexen Science Fiction/Fantasy Roman, der den klassischen Kampf Gut gegen Böse thematisiert. Ganz ausführlich holt sie zu Beginn des Buches aus, um Joanna und ihre Situation zu erklären, weitere Personen vorzustellen und die Atmosphäre der Stadt Las Vegas zu kreieren. Mit teils gewagten Metaphern und Redewendungen, die man sonst nie liest, schmückt sie ihre Sätze aus und prägt einen ganz eigenen Schreibstil. Dadurch wird jedoch verursacht, dass man automatisch langsamer und konzentrierter lesen muss. Es ist nicht ganz so locker und einfach, den Ereignissen zu folgen wie z.B. bei Kim Harrison oder Patricia Briggs. Es gibt nicht so viele Dialoge, dafür umso mehr Monologe aus der Ich-Perspektive. Manchmal kam es mir denn etwas zäh vor und ich hätte die Handlung gern schneller vorangetrieben. Allein die Phase, in der Joanna mit ihrem Schicksal hadert und wie sie zur Zodiac Truppe stößt, nimmt 200 Seiten und mehr ein. In der fiktiven Welt, die hier kreiert wird, spielen die Menschen nur eine untergeordnete Rolle. Im Vordergrund stehen die Licht- und Schattenagenten, die das Gleichgewicht der Macht aufrecht erhalten sollen. In Comics (!) werden ihre Taten für die Ewigkeit festgeschrieben. Teilweise wirken die Erfindungen der Autorin etwas unglaubwürdig oder trashig. Dass die Zuflucht der Lichtagenten nur erreicht werden kann, indem man mit dem Auto vollgas gegen eine Mauer fährt erinnert mich ein wenig zu sehr an Zurück in die Zukunft. Vor allem in der zweiten Hälfte des Buches steigt man voll in die Science-Fiction Handlung ein und jeder Bezug zur Wirklichkeit wird abgebrochen. Auch Joannas reales Leben endet aprupt und die zarte Liebesgeschichte mit Ben ist Vergangenheit. Sehr schade. Also Liebesromanfans werden hier sicher enttäuscht. Es herrscht ein durchweg harter Umgangston und es gibt unzählige Konflikte. Auch die Nebenfiguren sind detailliert entwickelt und haben alle so ihre Probleme mit Joanna, was langwierige Diskussionen nach sich zieht. Wo ich anfangs dachte, dass im Laufe des Buches immer mehr Action aufkommt, irrte ich mich. Es gibt vielmehr eine Multi-Verstrickung von Verrat, Intrigen, Sympathien und persönlicher Entwicklung. Sehr komplex, sehr langatmig. Die Spannung wird zwar latent aufrecht erhalten, doch so weit, wie die Autorin ausholt, kann man mit vielen vielen Bänden der Serie rechnen.

Die dunkle Macht des Mondes

von Susan Krinard

auf Deutsch erschienen im Mai 09 als Mira Taschenbuch im CORA Verlag
ca. 500 Seiten, Taschenbuchformat

Preis: EUR 7,95

ISBN: 3899416120
EAN: 9783899416121
Übersetzt von Justine Kapeller

Fazit

Solider, spannender Thriller mit vielschichtigen Charakteren, die faszinieren.

Bei ihren eigenmächtigen Recherchen in einer seltsamen Mordserie an den New Yorker Docks wird die junge attraktive Reporterin Gwen selbst Opfer eines Anschlags und wird in letzter Sekunde von Dorian Black vor dem Ertrinken gerettet. Obwohl er sich am Rande der Gesellschaft aufhält, kann Dorian die Frau nicht sterben lassen und nimmt sie mit in seinen ärmlichen Verschlag. Als Gwen zu sich kommt, ist sie voll Dankbarkeit und Hilfsbereitschaft für ihren Retter. Sie setzt sich über seine ablehnende Haltung hinweg und sucht ihn immer wieder auf, besorgt ihm einen Job. Gegen seinen Willen ist Dorian von Gwen fasziniert und sehnt sich nicht nur nach ihrem Blut. Sie scheint ihn als einzige aus seiner lebensverneinenden Lethargie erwecken zu können und es baut sich zwischen ihnen ein rauschendes Verlangen auf. Doch Dorian will Gwen seine wahre Identität nicht preisgeben, kann sie aber gleichzeitig nicht alleine lassen, denn ihre Nachforschungen in dem Mordfall sollen sie in große Gefahr bringen. In New York kämpfen zwei verfeindete Vampirclans (genannt Strigoi) um die Vorherrschaft und im Zuge dessen gibt es einige Opfer, die auch die Aufmerksamkeit der Menschen auf sich ziehen. Tragischerweise werden alle Zeugen sofort umgebracht. Dorian muss Gwen vor diesem Schicksal bewahren, auch wenn er dafür außergewöhnliche Maßnahmen ergreifen muss.

Völlig im Gegensatz zu dem grässlichen Coverbild und dem unmöglichen Titel hat mir das Buch sehr viel Spaß gemacht. Die dunkle Macht des Mondes ist ein spannender und abwechslungsreicher Thriller mit gut ausgefeilten Charakteren und sehr vielen Wendungen. Der Schreibstil der Autorin ist angenehm neutral, gut entwickelt und präzise. Es wird sich ganz Thriller-like nicht mit langen Dialogen oder Beschreibungen aufgehalten, die Handlung wird unerbittlich vorangetrieben. Es erinnert mich ziemlich an Jennifer Armintrouts Blutsbande. Schwerpunkt liegt zum einen auf der Konstellation Dorian - Gwen, zum anderen aber auch auf der komplexen Struktur und Entwicklung der Vampirclans in New York und deren Kampf bzw. Probleme. Mit über 500 Seiten ist dieser in sich abgeschlossene Roman recht umfangreich und kann in 3 Abschnitte aufgeteilt werden: 1. Die Begegnung, 2. Die Annäherung/der Konflikt, 3. die Auflösung. Damit folgt er einem gut durchdachten Muster ohne langweilig zu sein. Vielmehr müssen sich die Charaktere den Anforderungen der Geschichte stellen und an ihnen wachsen. Gwen ist eine tolle Frau, modern ohne zickig zu sein, unabhängig ohne eiskalt zu wirken. Sie geht ihren Weg und bleibt Dorian treu, auch wenn dieser wahrlich kein einfacher Mann ist. Sie machen es sich nicht einfach und bis zum Schluss gibt es ernste Probleme und ständig müssen sich die beiden Hauptpersonen neu finden, auseinandersetzen und erklären. Da gibt es keine Klischees bezüglich der Liebesgeschichte und ein Happy End ist lange nicht in Sicht. Dieser komplexe Umgang mit Gefühlen, menschlichem und vampirischem Verhalten, Vergangenheitsbewältigung und tief empfundener Liebe hat mir sehr gut gefallen. So nach dem ersten Drittel des Buches war ich vollkommen gefesselt und konnte es absolut nicht aus der Hand legen. Leider hat mir der Schluss nicht ganz so gelegen, was auch dazu führt, dass ich das Buch nicht mit voller Punktzahl bewerte. Der Aspekt dieser weltverbessernden Vampirsekte Pax unter dem wahnsinnig gewordenen Leiter Sammael nimmt gegen Ende des Buches starke Ausmaße an und dominiert die gesamte Handlung. Was also im kleinen Rahmen zwischen Dorian und Gwen begann, weitet sich später als globale Angelegenheit aus und auf einmal kommen Gwen großartige Aufgaben zu und Dorian ist der dunkle Engel, von dessen Wahnsinn oder Klarheit das Schicksal der Menschheit abhängt. Hier hätte es meiner Ansicht nach durchaus gereicht, etwas kleinere Brötchen zu backen und mehr auf Dorian und Gwen zu schauen. Nichtsdestotrotz werde ich weitere Titel von Susan Krinard im Auge behalten, denn ihr erzählerisches Potential ist bemerkenswert.

Die Schwarzen Juwelen – Dämmerung

von Anne Bishop

auf Deutsch erschienen im Oktober 2007 im Heyne Verlag
575 Seiten, Taschenbuchformat

Preis EUR 8,95

ISBN: 3453530632
EAN: 9783453530638
Übersetzt von Ute Brammertz

Fazit

Komplexe, klassische Fantasy-Unterhaltung ganz ohne Liebesromantouch.

Nachdem ihre Eltern Jaenelle in ein zwielichtes Kinderheim abgeschoben hatten, geschieht dort das Schlimmste: die junge Jaenelle wird sexuell missbraucht und misshandelt. Völlig zerbrochen an Körper und Geist trennt sie die beiden und ihr Geist entschwindet in das Verzerrte Reich. Saetan und sein Hof sind am Boden zerstört. Immer wieder versucht Saetan, mit Hilfe der Kraft seines Schwarzen Juwels, Jaenelle zu erreichen, doch er scheitert.
Gleichzeitig leidet auch Daemon Sadi unter Jaenelles Verschwinden. Da es ihm unmöglich ist, sie zu retten, beschließt er, etwas anderes Gutes zu tun: er will seinen Halbbruder Lucifer aus dem Kerkern von Pruuhl befreien, wo dieser seit Jahren als Sklave ein elendes Dasein fristet. Doch Lucifer ist verblendet und sieht in Daemon den Schänder Jaenelles. Nach dieser schmachvollen Zurückweisung zerbricht auch Daemon und stürzt ins Verzerrte Reich. Voller Wut flieht Lucifer aus seinem Gefängnis, er kann nicht glauben, dass man Jaenelle aufgegeben hat. Doch er weiß nicht, dass es Saetan inzwischen gelungen ist, Jaenelle zu retten, und er kann sie ganz behutsam wieder an das normale Leben gewöhnen. Das Mädchen hat durch dieses Trauma viel ihrer Kindlichkeit verloren und wird zu einer mächtigen und temperamentvollen jungen Frau. Zusammen leben sie auf seinem Landsitz in Kaeleer, dem Schattenreich. Jaenelle braucht lange, um sich emotional ihm und ihren vielen Freunden zu nähern, doch nach und nach füllt sich die Burg mit Leben und Saetan sieht, wieviele unterschiedliche Lebewesen Jaenelle, Hexe, um sich geschart hat. Alle wollen sie ihr dienen und erstarren vor ihrer unglaublichen Macht. Mit dieser Macht gelingt es Jaenelle auch, Lucifer vor dem Tode zu retten und sie nimmt ihn mit zu sich und er wird ihr eifriger Beschützer.
Unterdessen bedroht die eifersüchtige und gemeine Hekatah das aufstrebende Glück. Sie versucht, den Dunklen Rat zu infiltrieren um Saetan Jaenelle zu entreißen. Sie wagt es sogar, einen Krieg anzuzetteln, der Jaenelles Freunde, die sogenannten Verwandten, das sind Tiere mit Kraft des Blutes, zu vernichten. Doch Jaenelle stellt sich mit all ihrer Kraft gegen sie.

Wie auch der erste Teil ist Dämmerung langwierige und recht schwere Kost. Ganz langsam und bedächtig wird der Leser an die Tatsache herangeführt, dass Jaenelle das Leben wieder lernen muss. In vielen Details ergeht sich die Autorin bei der Beschreibung der Gefühle des Höllenfürsten und wie er immer wieder vor Jaenelles Macht zurückweichen muss. Überhaupt ist der Schreibstil von emotionalen Superlativen geprägt. Sämtliche Hauptpersonen sind mit einem fast als aggressiv zu bezeichnenden Temperament ausgestattet und können sich oftmals kaum beherrschen. Da fallen gestandene Männer in Ohnmacht, verwüsten ganze Zimmer und rammen sich vor Anspannung zentimeterlange Fingernägel in die Arme. Das wirkt vor allem in der Häufigkeit oftmals etwas albern. Ich musste teilweise schmunzeln, wenn der Höllenfürst zum dritten Mal am Tage einen Schwächeanfall erleidet, weil Jaenelle ihn mit ihrem Mitternachtsblick bedacht hat - der Höllenfürst!
Schwerpunkt liegt auf der minutiös ausgerollten Fantasygeschichte, die epochale Züge annimmt. Von Erotik ist hier absolut überhaupt nichts zu finden! Die auf der Rückseite des Buches abgedruckte Bewertung, die von knisternder Erotik spricht ist einfach nur falsch! In diesem Buch geht es noch nicht einmal um Liebe, geschweige denn um Erotik. Nur, weil jemand einen Ring um sein Geschlecht trägt, entspannt sich noch lange keine erotische Geschichte!
Es geht auch wieder recht blutig und brutal zu im zweiten Teil. Vor allem herrscht psychische Gewalt, Unterdrückung und Geheimnistuerei. Immerhin ist Lucifer ein ziemlich ansehnlicher Charakter. Von Daemon Sadi, der ja im ersten Teil eine Hauptrolle spielte, erfahren wir hier so gut wie gar nichts. Was mich immer noch kolossal genervt hat, waren die Temperamentsausbrüche von Jaenelle, und dass sie einen ultimativen Helferkomplex hat und einen ganz grässlichen Sinn für Humor. Ständig sind alle hinter ihr her. Ok, sie ist Hexe, aber das sieht manchmal echt nach Kindergarten aus, wenn der Höllenfürst und seine mächtigen Untergebenen wie die Gänsemütter hinter einem wildgewordenen Teenager her rennen.
Trotz allem aber ist das Buch irgendwie gut. Vielleicht liegt es daran, dass es so anders ist als alles andere. Man braucht aber nach wie vor Geduld und einen gewissen Sinn für langwierige Fantasy Epen.