Hexenzorn

von T. A. Pratt

auf Deutsch erschienen im Januar 2010 im Blanvalet Verlag
414 Seiten, Taschenbuchformat

Preis: EUR 8,95

ISBN-13: 9783442266647
ISBN-10: 3442266645
 
Übersetzt von Michael Pfingstl

Fazit

Für abgehärtete Leser und Freunde von starken Heldinnen eine super-spannende Urban Fantasy Unterhaltung.

Die Hexe Marla Mason ist im Stress: ihre ärgste Konkurrentin Susan will ihr die Position als Herrin von Felport streitig machen indem sie einen Fluch windet, der Marla vom Erdboden tilgen soll. Gegen diesen mächtigen Zauber kann Marla direkt nichts ausrichten, also fliegt sie mit ihrem Vertrauten Rondeau nach San Francisco um den geheimnisvollen Grenzstein zu finden. Mithilfe dieses Artefakts könnte Marla Susans Zauber abwenden. Leider gestaltet sich die Such von Anfang an ziemlich schwierig: bereits der erste Magier, den Marla auf der Suche nach Informationen aufsuchen will, gibt keinen Ton mehr von sich: er wurde ermordet. Mit einem unguten Gefühl zieht Marla weitere Erkundigungen ein und trifft auch das hiesige Magieroberhaupt. Als dieser ihr Hilfe zusichert, scheint der Grenzstein in unmittelbare Nähe gerückt. Doch ein mächtiger Unbekannter kommt ihr zuvor und seine Spur zieren die Leichen von San Franciscos begabtesten Magiern. Also muss sich Marla ihm entgegenstellen bevor sie sich ihrem eigentlichen Problem zuwenden kann...

Auch wenn man von Urban Fantasy mit einer toughen Hexe in der Hauptrolle schon so einiges gelesen hat, bietet Hexenzorn temporeiche, spannende und interessante Unterhaltung mit viel Action und einer eigenwilligen Heldin. Marla Mason ist eine extrem derbere Variation aus Rachel Morgan, Kate Daniels und Dante Valentine. Sie ist maximal gewaltbereit, rücksichtslos, egozentrisch, unromantisch, zynisch, ungeduldig, arrogant und großmäulig. Mit all diesen Eigenschaften schlägt sie in ihrer Umwelt meist wie eine Bombe ein und erntet zuhauf Angst, Respekt oder Ärger. Marlas Kumpan Rondeau ist eine etwas emotionalere, weichere Figur, die oft versucht, Marlas krasse Gewaltanfälle abzubremsen oder sie mehr für die Gefühle anderer zu erwärmen, obwohl er selbst gar kein Mensch sondern ein seltsames Geisterwesen ist, das einen menschlichen Körper übernommen hat.
Hexenzorn ist ein straffer, handlungsorientierter Thriller, der mit vielen beeindruckenden Kreaturen und Wendungen aufwartet. T. A. Pratts Schreibstil ist nicht ganz so flüssig zu lesen, da er oftmals komplexe Situationen beschreibt oder sich in fremdwortlastigen Ausführungen über die Zukunft und alternative Realitäten auslässt. Das erzeugt aber keine Längen oder verwirrt unnötig, sondern ist ein gelungenes Stilmittel um dem Roman einen kleinen Touch Sci-fi zu verpassen. Der Autor schafft es mühelos, undurchsichtige Charaktere zu erschaffen, die Marla beeinflussen und verwirren können. Trotzdem lebt die Story vorrangig von Marlas starkem Willen, ihrem trockenen Humor und ihrem unerschütterlichen Selbstbewusstsein. Es hat Spaß gemacht, dieses Buch zu lesen, denn es ist sehr kurzweilig und bisweilen auch in seiner logischen Originalität faszinierend. Wenn die "mögliche Hexe" Marla in einer Raumfalte im Kerker von Alcatraz erzählen soll, wo sich am nächsten Tag eine gewisse Person aufhält und sich dafür mit einer "Zeitschuld" bezahlen lässt, kann man schon als Außenstehender die Augen verdrehen und meinen, was T. A. Pratt sich da für ein hanebüchenes Konzept von Matrix zusammengereimt hat. Aber wenn man sich reingelesen hat, bieten solch fantasievolle Eskapaden einen Extra-Lesespaß für all diejenigen, die abwegige Gedankengänge faszinierend finden.
Liebesromanleser und Fans von Romantic Fantasy werden sich bei Marla Mason eher nicht so aufgehoben fühlen, da sie von Romantik oder gar Liebe überhaupt nichts wissen will. Es gibt zwar auch sexuelle Situationen (nicht mit der Hauptfigur) in diesem Roman, aber das wird völlig neutral dargestellt. Zartbesaiteten Lesern wird auch die derbe, Schimpfwort-lastige Sprache negativ auffallen, sowie extreme Inhalte wie Kannibalismus, Vergewaltigung, BDSM, Folterung, explizite Gewaltbeschreibung und augenscheinlich unmoralisches Töten.
Mit 8,95 für ca. 400 Seiten liegt das Buch preislich knapp unter der magischen 9,95 Linie, leider finde ich das Cover sehr hässlich. Warum orientiert man sich da nicht mehr am Original? Fürchtet man, dass das Buch dadurch versehentlich von potentiellen Käufern als klassische Fantasy eingestuft werden könnte?

Hexenzirkel

von Linda Robertson

erscheint auf Deutsch im August 2011 im Egmont Lyx Verlag
400 Seiten, Taschenbuchformat

Preis: EUR 9,95

Fazit

Pure Langeweile.

Es ist kaum Ruhe eingekehrt in Persephones Leben, nachdem die verbrecherische Hohepriesterin des Hexenzirkels Vivian verschwunden ist. Persephone muss mit ihrem Stigma des Vampirmeisters Menessos zurechtkommen und ihre Beziehung zu dem Werwolf Johnny ist auch noch nicht geklärt. Vor allem kann sie mit ihrem Schicksal als "Lustrata" nichts anfangen. Da kommt es ungelegen, dass Persephone ausgerechnet noch für das Amt der nächsten Hohepriesterin kandidieren soll.
Um zu verhindern, dass ihre skrupellose Konkurrentin Hunter den Posten erringt, willig Seph schließlich doch ein und findet sich in einem anspruchsvollen Kontest wieder, in dem nicht alles mit rechten Dingen zugeht. Als die erste Teilnehmerin ermordet wird, bricht Panik aus.

Ich wollte der Serie um die Hexe Persephone Alcmedi nach dem durchwachsenen ersten Band ja noch eine Chance geben. Leider kann Hexenzirkel noch weniger überzeugen und macht mir die Entscheidung leicht, nichts weiter von Persephone wissen zu wollen.
All die Schwächen des Vorgängers sind hier meiner Meinung nach intensiviert und trotz vieler recht guter Ansätze schafft es die Autorin zu keiner Zeit, Tempo aufzubauen. Mein Lichtblick war ja die Entwicklung der Beziehung zwischen Seph und Johnny, hier wurde im ersten Band viel angedeutet und nichts ausgeführt. In Hexenzirkel ist es aber noch schlimmer, denn hier gibt es endlich "Butter bei die Fische" aber danach nur noch Zickereien und unlogisches Verhalten. Es scheint, als wolle die Autorin krampfhaft alle harmonischen Aspekte zerschlagen und zwingt ihre Figuren zu gemeinen Handlungen und Gedanken, die diese im Grunde gar nicht wollen. Mehrere Male habe ich enttäuscht den Kopf geschüttelt.

Die Hauptperson Seph war mir weiterhin sehr unsympathisch, ich mag ihre flatterhafte, unkoordinierte und vorurteilsbehaftete Art nicht. Sie scheint sich mal mit vollem Elan auf eine Sache zu konzentrieren nur um im nächsten Moment alles hinzuschmeißen und fluchend zu proklamieren, dass das alles Unsinn war. Bis zur Mitte das Buches war sie für mich endgültig unglaubhaft und mehr oder weniger egal. Es interessierte mich nicht, ob sie den Kontest um das Amt der Hohepriesterin gewinnt oder nicht und was da alles für unwichtige Dinge nebenher passieren. Unfassbarerweise zieht sich die Handlung des Wettstreits über drei Viertel des Buches und verläuft sich zähen Dialogen und seitenlangen Beschreibungen von Prüfungen, Gegenständen und Zauberformeln. Was Atmosphäre schaffen soll, hat mich grenzenlos gelangweilt und auch der Auftritt des charismatischen Menessos hat daran nichts geändert.

Ich weiß nicht, auf wie viele Teile die Autorin diese Serie angelegt hat, aber wenn man nach der Langsamkeit geht, in der die Story präsentiert wird, rechne ich mit ca. 30 Bänden. Was wäre denn so schlimm daran gewesen, wenigsten einen Bruchteil der Handlung aufzulösen oder weiterzuführen? Persephones Status als Lustrata bleibt ungeklärt, ihr Liebesleben liegt brach und diesen Kampf um den Posten der Hohepriesterin hätte man sich sparen können, er bringt rein gar nichts.

Insgesamt war das Buch jetzt nicht wirklich grottenschlecht, aber gegen Kracher wie z.B. Rachel Morgan von Kim Harrison geht Persephone Alcmedi sang- und klanglos unter.

Teufelskreise

von Linda Robertson

erscheint auf Deutsch im März 2011 im Egmont Lyx Verlag
400 Seiten, Taschenbuchformat

Preis: EUR 9,95


ISBN 10: 3802583515

ISBN 13: 978-3802583513
Übersetzt von Stefanie Zeller

Fazit

Ganz unterhaltsamer Urban Fantasy Mix, der aber nicht aus der Masse heraussticht.

Persephone Alcmedi ist eine begabte Hexe, dennoch hält sie sich mit Tarotkartenlegen und dem Schreiben einer Werwolf-Kolumne über Wasser. Seitdem ihre Großmutter Demeter, genannt Nana, bei ihr eingezogen ist, kommen noch mehr Stress und Geldsorgen auf sie zu. Eigentlich müsste ihr der Auftrag von der Hohepriesterin Vivian, den Mörder der kleinen Lorrie zu fassen und zu töten, gerade recht kommen, denn Persephone bräuchte das Geld. Doch sie zögert, denn Auftragsmord verstößt gegen ihre moralischen Prinzipien und gegen die Lehren der weißen Magie. Doch die Wut auf den Mörder siegt und Persephone möchte das kleine Mädchen schützen, das so plötzlich ihrer Mutter beraubt wurde.

Als Freundin der Werwölfe macht es Persephone auch nichts aus, dass Lorries Mutter ein Werwolf war. Da sie aber ahnt, dass dieser Auftrag lebensgefährlich werden könnte, bittet sie sowohl den attraktiven Werwolf Johnny, als auch die Ermittlerin Theo um Hilfe. Die Spur führt zu einem mächtigen Vampir und seinem Untergebenen Goliath. Dann passiert Theo ein schrecklicher Unfall und Persephone wird klar, dass sie sich und alle, die ihr etwas bedeuten, in Gefahr gebracht hat.

Gute Kritiken des des Originals und meine Begeisterung für alles, was Urban Fantasy ist, haben keinen Zweifel daran gelassen, dass ich Teufelskreise lesen muss.
Leider stellte sich bereits nach wenigen Seiten eine Ernüchterung ein, die auch nicht mehr nachließ. Die Autorin hat es geschafft, eine Geschichte, die durchaus Potential gehabt hätte, mittels unlogischer Wendungen und unsympathischer Figuren zu einem nichtssagenden Einheitsbrei zu machen, der streckenweise einfach nur langweilig ist. In Persephones Welt leben Hexen, Vampire und Werwölfe neben den Menschen, sie haben ihre Existenz offenbart, kämpfen aber mit zahlreichen Vorurteilen. Vor allem die Werwölfe, die sich zu Vollmond immer verwandeln, müssen sich freiwillig in Zwinger begeben. Persephone hat netterweise ihren Keller dafür zur Verfügung gestellt und serviert dort auch Frühstück am nächsten Morgen. So lernte sie auch Johnny kennen, obwohl sie sich anfangs vor seinen unheimlichen Tättowierungen fürchtete.

Ich merke schon, dass ich selbst beim Schreiben der Rezension ins Schwafeln gerate, was wohl daran liegt, dass in diesem Buch vorrangig nur geschwafelt wird. Unter all diesen Oberflächlichkeiten liegt zugeschwallt eine ganz ernste, ergreifende Story um einen Mord, eine Protagonistin, die ihre Vergangenheit bewältigen möchte, Konflikte und Vorurteile zwischen Menschen, Vampiren und Werwölfen und eine ganz zarte Liebesgeschichte. Leider gibt es keinen Roten Faden und die Figuren gleiten der Autorin scheinbar aus der Hand. Manchmal hatte ich den Eindruck, sie wusste überhaupt nicht, was sie mit ihren Helden anfangen soll, also erfand sie allerlei Albernes um von ihrer schlechten Storyline abzulenken. So debattiert Persephone ewig und drei Tage mit ihrer Großmutter, regt sich über den Hund Poopsie auf, verliert sich in Monologen über ihre Kindheit und was sie nun eigentlich von dem ach so unheimlichen Johnny halten soll, dessen Annäherungsversuche sie trotz allem interessieren.

Als dann der Mordauftrag auf Persephone zukommt, sie in Gewissenskonflikte gerät und die Story eine gewisse Dynamik entwickelt, hatte ich schon gehofft, dass das Anfangsgeplänkel einfach nur Startschwierigkeiten waren. Doch schnell bremst sich die Story selbst wieder aus, viel zu viele Personen geraten in das Zentrum der Aufmerksamkeit, haben Unwichtiges zu sagen und machen alberne Sprüche. Immer mehr verzettelt sich die Autorin in Klischees und Diskussionen und verliert meiner Meinung nach das Wesentliche aus den Augen. Zudem gab es einige haarsträubende Situationen, die einfach gar nicht gingen, zum Beispiel (Achtung leichter Spoiler): Als Persephone den wahren Täter entlarvt, wird "er" an einen Stuhl gefesselt und jeder, der da ist, darf sich mal im Foltern üben. Vor den Augen einer ohnehin schon traumatisierten Zehnjährigen reißt Persephone der Schuldigen grob an den Haaren, schlägt sie, knebelt sie etc.
Die Moralität, die ganz deutlich mit diesem Roman vermittelt werden soll, hat sich durch solche Fauxpas einfach nur verabschiedet. Diese unangenehme Charakterschwäche haben aber zahlreiche Figuren, auch der anfangs so saloppe und liebenswerte Johnny hält nicht unbedingt, was er verspricht. Oft hatte ich das Gefühl, die Autorin legt ihren Personen einfach etwas in den Mund, weil es jetzt zur Situation passt, und nicht, weil es ihre Art wäre. Rasch waren mir dann alle, inklusive Persephone unsympathisch. Und wenn die Figuren sich in ihrer eigenen Geschichte nicht authentisch bewegen, kann man auch als Leser nicht den Funken überspringen spüren. Daher fand ich auch die Magie, sämtliche Rituale und alles, was Persephones Hexendasein ausmacht, schlichtweg lächerlich. Sie spricht Mantras in Reimen, hat Visionen in ihren Meditationen und errichtet Bannkreise. Aber eine "magische" Person ist sie nicht, ihr haftet nichts Übersinnliches an und ich war von der Plattheit ihrer Auslegungen oft enttäuscht.

Sehr ernüchternd ist auch der Hauch - und es ist wirklich nur ein Hauch - einer Liebesgeschichte, die diesen Roman würzen soll. Zwischen Johnny und Seph ist etwas, was man vielleicht als pubertäre Anziehungskraft bezeichnen könnte, da gibt es keinen Tiefgang sondern nur Erwähnungen von Oberflächlichkeiten. Hier ein knackiger Po, da seine männlichen Attribute. Doch der Mann Johnny hat überhaupt keinen Rahmen um sich zu entwickeln und Seph achtet auch nicht darauf. Wahllos geht sie von anfänglicher Skepsis zu teeniehafter Schwärmerei über. Da helfen auch all ihre Monologe über die scheinbare Überwindung von Vorurteilen nichts.
Außerdem, und das ist mittlerweile bei mir schon eine persönliche Aversion, NERVEN mich diese Anspielungen auf amerikanische Popkultur. Wir trinken keinen Kaffee, nein, es heißt ja Chocolate Chip latte von der berühmten Kette XYZ. Ständig werden Markennamen von Kleidungsstücken, Schmuck, Parfum oder Einrichtung erwähnt, alles muss hip sein oder irgendwie stylish. Man glaubt gar nicht, wie sehr mich dieser Pseudo-Sex-and-the-City-Stil ankotzt, wenn es gleichzeitig um einen Mord geht.

Ich hatte eigentlich vor, nur 1 oder 2 Sterne zu vergeben, aber es gibt 3 für die darunterliegenden, guten Ansätze. Vielleicht kommt im zweiten Teil ja mehr heraus.

Aliens in Armani

von Gini Koch

erscheint auf Deutsch im Oktober 2011 im Piper Verlag
Taschenbuch, ca. 400 Seiten

Preis: EUR 8,95

Fazit

Bunter, völlig überdrehter Sci-Fi-Romantasy Comic.

Eines schönen Tages wird die schlagfertige und mutige Marketingmanagerin
Katherine Katt, genannt Kitty, Zeuge eines Ehestreits auf öffentlicher Straße, während dessen sich der Mann in ein Monster verwandelt und wild unschuldige Zivilisten abschlachtet. Kurzerhand schnappt sich Kitty ihren teuren Füller und stürzt sich auf das Monster. Durch ihren heldenhaften Einsatz werden alle gerettet und sie gerät ins Zentrum der Aufmerksamkeit von seltsamen, in Armani Anzüge gekleidete Herren.

Ehe sie sich's versieht, findet sich Kitty in einer Limousine auf dem Weg ins Einsatzzentrum der Aliens wieder. Denn, so erfährt sie, handelt es ich bei den schicken - und allesamt höchst attraktiven - Männern um Aliens vom Planeten Alpha Centauri, die auf der Erde in einer Art Menschheits-Schutz-Mission sind. Kitty ist erschrocken, als sie lernt, dass außerirdischen Parasiten die Menschen befallen und zu willenlosen Sklaven machen. Zum Glück gibt es die übersinnlich starken und schnellen Aliens, die alles tun, um die Parasiten aufzuhalten. Gleich zu Beginn ist Kitty fasziniert von dem charmanten und sexy Jeff Martini, der ihr von der ersten Minute an Heiratsanträge macht. Da weiß Kitty noch nicht, dass sie in einen gefährlichen und aufregenden Krieg verwickelt werden wird...

Ich hatte alle "Vorbereitungen" getroffen, um diesen Roman zu mögen: 1. ich wollte nichts davon ernst nehmen, 2. ich wollte nicht nach logischen Schlussfolgerungen suchen, 3. ich wollte großzügig über pseudocoole Lückenfüllerdialoge hinwegsehen und 4. war ich sogar bereit, ultra-nervige Sidekicks zu ertragen. Allesamt gute - und notwendige! - Voraussetzungen, um mit Aliens in Armani Spaß zu haben. Leider haben meine besten Vorsätze nicht ganz gereicht, aber dazu gleich. Grundsätzlich wird man durch dieses Buch extrem gut unterhalten, es gibt skurrile, lustige und auch einige ernste Momente. Ein ordentlicher Schuss - teilweise sehr seichte - Romantik/Erotik und haarsträubende Einfälle der Autorin bringen Tempo und reichlich Abwechslung.

Natürlich hat der Roman ein wenig den "Genre-Pionier-Bonus", denn es ist der erste Sci-Fi-Romantasy, den ich je gelesen habe. Also war ich ganz gespannt, wie die Autorin die Herkunft der Aliens erklärt und all das Warum und Wieso drumherum. Jeff Martini und seine Mitstreiter vom Planeten Alpha Centauri waren mir auch ganz sympathisch, auch wenn sie mir trotz ihrer tollen Fähigkeiten definitiv zu "menschlich" rüberkamen. Und alle sind supersexy und männlich und laufen in Armani Anzügen herum... na ja. Ich will nicht spoilern, daher nur ganz kurz zur Hintergrundgeschichte: die Begründung der Autorin, warum die Aliens auf die Erde kamen und wie das mit den Parasiten und der Alpha Centauri Gesellschaftsstruktur zusammenhängt, ist für mich eines der größten Mankos dieses Buches. Ich habe nicht viel erwartet, bei weitem nicht, aber die wirren Erklärungsversuche mit religiösen und politischen Inhalten hätte sich Gini Koch auch sparen können. Es gibt viele viele Passagen, die man hätte streichen können in diesem Buch und das hätte dem Lesefluss eher gut getan.

Genauso wenig gelungen ist die Darstellung der Parasiten und warum sie die Menschen befallen und sie aber nur teilweise und temporär verwandeln etc. Gini Koch ergeht sich hier in Interpretationen und das schlimme ist, das wir das alles anhand von Monologen der Hauptfigur erfahren müssen. Kitty erzählt alles als Ich-Erzähler, und obwohl sie - unfassbar - gewitzt und fix ist, wälzt sie das Thema Herkunft und Legitimation des Alienproblems ewig lange herum.

Kitty selbst ist eine toughe Frau, die weder auf den Mund gefallen ist noch Berührungsängste hat. Zwischendurch fand ich sie leider ein wenig schlampig, auch leicht in sexueller Hinsicht. Natürlich müssen die weiblichen Hauptfiguren keine streng monogamen Moralapostel sein, um mir zu gefallen, doch Kitty hat so etwas lässiges, oberflächliches an sich, das mir stellenweise nicht so passte. An ihrer Seite ist der ewig baggernde Charmeur Jeff, der im Grunde genommen charakterlos ist. Er ist zwar ein Empath und damit fähig, sämtliche Gefühle anderer Wesen zu spüren, er selbst bleibt aber ziemlich blass und voller abgegriffener Sprüche. Gleich zu Beginn hat er wohl entschieden, dass er Kitty heiraten wird und dabei bleibt er dann auch. Und da er hübsch anzusehen ist, hat Kitty auch nichts dagegen, mit ihm in die Kiste zu steigen. Und sein Cousin Christopher? Ja, der ist auch nicht schlecht. Ob er genauso gut im Bett ist? So überdurchschnittlich schlau und spontan Kitty im Bezug auf Gegenstände ist, die man als Waffen benutzen könnte, so minderbemittelt stellt sie sich in emotionalen Dingen an. Große Teile des Romans sind wie eine Mischung aus Sex-and-the-City und Man in Black oder Independence Day.
Dass die Autorin von Comics begeistert sein muss, beweist ihre übertriebene und bildhafte Sprache in allen überdrehten Kampfszenen der Aliens mit den Parasiten. Da kommen irrwitzige Kreaturen daher, riesige Schnecken werden mit Salzwasser (das aus Kampfjets der Army gegossen wird) besiegt und Haarspray ist überhaupt das beste Mittel gegen Riesenmonster. Kittys Mut und Handlungsfähigkeit fand ich dabei außerirdischer als alle Talente der wirklichen Aliens.

Soweit so gut, das hätte wirklich noch für eine gute Bewertung gereicht. Und dann hat sich die Autorin entschlossen, Kittys Familie in den Plot zu nehmen. Mit Mum und Dad und den drei Hunden und zwei Katzen kommt der Moralapostel hinzu und es endet in zahllosen, für mich überflüssigen Mutter-Tochter Dialogen. Bald zieht Gini Koch eine hanebüchene Begründung nach der anderen aus der Tasche um Kittys Eltern von zwei ganz normalen Menschen zu quasi global wichtigen Superhelden zu machen. Ein sehr lästiger Einsatz von Superlativen presst die Story immer weiter in ein anstrengendes Paralleluniversum und je mehr Geschütze aufgefahren wurden, desto unsympathischer wurde mir Kitty.
Die Liebesszenen - vor allem aber die romantischen Momente - hingegen sind gut gelungen, die angedeutete Dreiecksgeschichte ist zwar nichts neues, aber ok. Zum Humor: ich habe nicht ein einziges Mal gelacht, vielleicht die Augen verdreht höchstens. Irgendwie ist das nicht meine Art Humor...Dennoch werde ich dem zweiten Teil wohl noch eine Chance geben.

Roter Fluch

von Jaye Wells

erscheint auf Deutsch im August 2010 im Heyne Verlag
450 Seiten, Taschenbuchformat

Preis: EUR 8,95

ISBN-13: 9783453407046
ISBN-10: 3453407040
 
Übersetzt von Franziska Heel

Fazit

Schwache Charaktere in einer langatmigen Story ohne Highlights.

Nachdem Sabina Kane den Domninae und damit auch ihrer vampirischen Großmutter den Rücken zugekehrt hat, führt ihr Weg sie zu den Magiern und ihrer Zwillingsschwester Maisie. Sabina hatte ihr ganzes Leben lang nichts von ihr gewusst und so fällt das Wiedersehen etwas zurückhaltend aus. Noch kann Sabina ihr vampirisches Erbe nicht verdrängen, auch wenn sie zu gleichen Teilen Magierin ist. Der Magier Adam war ihr eine große Stütze, doch gleich bei ihrer Ankunft wird er auf eine Mission geschickt und Sabina ist auf sich allein gestellt. Nun soll sie ihre magischen Kräfte finden und ausbilden. Skeptisch lässt sie sich darauf ein, sinnt aber gleichzeitig auf eine Möglichkeit der Rache an ihrer Großmutter. Bald bekommt Sabina mit, dass sich ein Krieg zwischen den Vampiren und den Magiern abzeichnet und sie könnte eine entscheidende Rolle darin spielen...

Irgendwie habe ichin letzter Zeit kein Glück und greife nur die schlechten Bücher aus meinem Regal. Nachdem der erste Teil schon seit über einem Jahr gelesen im Schrank steht, war für mich dieser zweite Band wie ein neues Kennenlernen von Sabina Kane und ihren Freunden. Leider erschöpfte sich dieses Zusammentreffen bereits auf ca. Seite 100 und endete qualvoll in Querblättern und Überspringen.

Wenn man mal nicht schlafen kann oder aufgeregt ist, sollte man zu diesem Buch greifen. Es ist mir im Nachhinein fragwürdig, wie man 430 Seiten mit so wenig Handlung füllen kann ohne es als Autorin selbst zu merken, dass ABSOLUT NICHTS Interessantes passiert. Natürlich gibt es eine Art Story: Sabina wird mit ihrer Vergangenheit konfrontiert, Sabina erfährt von dem drohenden Krieg, Sabina fragt sich, ob sie in Adam verliebt ist. PUNKT. Vergeblich wartet man auf eine Art Pointe, Spannungsbogen oder auch nur Richtung der Geschichte. In zäher Langsamkeit irrt die Protagonistin durch eine zusammengestückelte Story und durch die Ich-Form sind wir extrem auf sie begrenzt. Gefühlte Ewigkeiten trainiert sie ihre magischen Fähigkeiten und wir beobachten ganz arg tolle Kämpfe ihres albernen Dämons Giguhl in der Arena. Wo ich anfangs eine Romanze zwischen Adam und Sabina vermutete, geriet ich abrupt in eine Sackgasse als die Autorin Adam ganz einfach mir nichts, dir nichts, verschwinden lässt. <br><br>Er taucht dann auch erst am Ende des Buches wieder auf. Also romantischer Inhalt passée. Es gibt keinen Nervenkitzel, keine flotten Dialoge, keine interessanten Nebenfiguren, nichts. Wenn man 50 Seiten überblättert findet man in einer Sekunde wieder in die Handlung, das kann es doch nicht sein. Lose zusammengestückelte Reflexionen der Hauptfigur bremsen jeglichen Ansatz von Action aus und man kann nach dem zehnten Mal Selbstverleugnung nicht mehr hören, dass sie ja üüüüüberhaupt nicht in Adam verliebt ist.

Sabina Kane ist eine zänkische, ungeduldige Person, die keine Ahnung hat, was sie will. Von niederen Emotionen geleitet, kann sie keine Entscheidungen treffen und wirkt meistens wie der Elefant im Porzellanladen. Guten Willen kann sie kaum erkennen und ist auch nicht bereit, sich groß zu ändern. Sturheit und Dummheit sind eine üble Kombination für eine Hauptperson, die auch noch mehrere Bände einer Serie füllen soll.

Ich bin grade am Überlegen, warum ich das Buch nicht in die "ÜBEL" Kategorie versetze, aber im Vergleich mit z.B. Nicole Peeler oder Chloe Neill war es noch halbwegs erträglich. Grottenlangweilig eben.

Rote Jägerin

von Jaye Wells

auf Deutsch erschienen Januar 2010 im Heyne Verlag
448 Seiten, Taschenbuchformat

Preis: EUR 8,95

ISBN-13: 9783453407039
ISBN-10: 3453407032
 
Übersetzt von Franziska Heel

Fazit

Recht spannender, aber unausgereifter Urban Fantasy Thriller.

Sabina Kane ist halb Vampirin, halb Magierin und als Auftragskillerin für den herrschende Vampirclan der Dominae unterwegs. Ihre Mentorin und Großmutter Lavinia hatte Sabina erzogen und ausgebildet, auch wenn die Schande immer über ihr hängt, die Tochter einer Vampirin und eines Magiers zu sein. Sabina hält dennoch an ihrem Ziel fest, den Dominae loyal zu sein und alles zu tun, um ihrer Großmutter zu gefallen. Also nimmt sie auch den gefährlichen Auftrag an, den Halb Dämon halb Vampir Clovis auszuspionieren und zu töten. Clovis soll eine stetig wachsende Gruppe verschiedener paranormaler Einheiten um sich scharen um alle zu vereinen und die Macht der Dominae zu schwächen. Sabina tut so, als würde sie sich von den Dominae abwenden und sich Clovis anschließen. Zuerst klappt die Infiltrierung ganz gut, doch Clovis stellt sich als undurchsichtiger, mächtiger Gegner heraus, der von Sabina als Treuebeweis gleich verlangt, ihm ihr Blut zu geben. Noch während sich Sabina mit der Fee Vinca und dem ursprünglich zu ihrer Ermordung gesendeten Dämon Giguhl anfreundet, wird sie von dem attraktiven Magier Adam aufgesucht, der angeblich im Namen ihrer Magier-Familie ausgeschickt wurde, Sabina zu finden und zu ihren Wurzeln zurückzuführen. Doch Lavina hatte Sabina immer weisgemacht, dass ihr Magiervater verstorben sei. War alles eine Lüge?

Rein inhaltlich ist das Debüt der Autorin Jaye Wells recht anständig aufgemacht und bietet eine nicht unbedingt originelle, aber streckenweise gut spannende, unterhaltsame Story. Eine junge Einzelkämpferin mit ungeahnten Fähigkeiten und potentiellem Auserwählten-Image findet ihren Weg aus der Unterdrückung und lernt, dass es neben blinder Auftragskillerei auch noch die Weltrettung und Völkervereinigung gibt. Aus einer eingeschränkten, kindischen, trotzigen Sichtweise soll eine selbstlose, weitsichtige, emotional offene Persönlichkeit werden. Auch wenn das überspitzt ausgedrückt ist, läuft die Entwicklung tatsächlich so stereotyp ab und ist demnach nicht sehr glaubwürdig.
Durch die Ich-Perspektive kommt der Leser sehr nah an Sabina Kane heran und nimmt teil an ihren Gedanken und Entscheidungen. Leider konnte ich mich mit ihr nur sehr wenig anfreunden und noch weniger identifizieren. Ihre Stimmungsschwankungen sind teilweise unnachvollziehbar und wirken in ihrer extremen Ausprägung irgendwie abgehoben und aufgesetzt. Erst killt sie scheinbar mühelos einen Freund, später noch weitere Vampire etc. und andererseits gibt es einen ach so empfindlichen Kern in ihr, der sie gegen Ende des Buches ständig in Tränen ausbrechen lässt. Was die Wahl ihrer Männer betrifft, kann sie sich auch weder entscheiden noch sympathisch verhalten. Einerseits möchte sie geliebt werden, andererseits hat sie unzählige Vorurteile, lässt beleidigende Kommentare ab und wirkt mehr als disintegrativ.
Bis auf den nervigen Side-kick Giguhl, der unzählige peinliche und humorfreie Auftritte hat, sind sämtliche Nebenfiguren blass und oft nicht mehr als seitenfüllende Nichtigkeiten. Jaye Wells kann sich streckenweise nicht entscheiden, ob sie lieber einen Krimi mit schlagfertigen, knappen Dialogen oder eine mit Rückblicken und Details angefüllte Beschreibung liefern soll. Der Stil wirkt unausgewogenen und holperig. Unwichtige Dinge werden künstlich in die Länge gezogen und für den Leser interessante Aspekte entweder vollständig ausgeblendet oder nur kurz am Rande abgehandelt. Dabei hätte man diesen Gewissenskonflikt von Sabina so schön ausarbeiten können, ebenso wie die Romanze mit dem Magier Adam....
Bleibt noch zu sagen, dass ich es einfach lächerlich finde, dass alle Vampire rote Haare haben müssen. Und den dummen, dummen Menschen fällt es in Jahrzehnten auch nicht auf, dass sich nachts in den Clubs immer ein Haufen Rothaarige zusammenrotten, die ganz zufällig nur rote Getränke an der Bar ausgeschenkt bekommen... Das kann mir doch keiner weismachen. Ich weiß es ist schwer, eine Paranormale Nebenwelt geheim zu halten und vor allem sich auszudenken, in welcher Weise das passieren kann. Ich finde aber, dass z. B. Patricia Briggs und Kelley Armstrong das wesentlich besser hinbekommen. Und man kann ja auch mit offenen Karten spielen wie bei Kim Harrisons Rachel Morgan.
Rote Jägerin ist ein ganz netter Auftakt zu einer Trilogie, die evtl. noch weiter fortgeführt wird. Das durchaus vorhandene Potential wurde aber bei weitem nicht ausgenutzt und der Roman ist nichts weiter als ein durchschnittlicher Urban Fantasy Thriller.

Nocturne City – Blutfehde

von Caitlin Kittredge

erscheint auf Deutsch im September 2010 im Egmont Lyx Verlag
Kartoniert mit Klappe, 432 Seiten

Preis: EUR 9,95

Fazit

Kühler, aggressiver Krimi.

Nach ihrer Auszeit ist die Werwölfin Luna Wilder wieder zurück im aktiven Polizeidienst in Nocturne City. Jeder weiß nun, dass sie kein Mensch ist und sie hat tagtäglich mit Anfeindungen zu kämpfen. Dann bekommt sie auch noch eine neue Chefin, die Luna überhaupt nicht leiden kann, und die ihr - als langjährige Einzelkämpferin - zuerst einmal eine Partnerin an die Seite stellt.
Luna streitet sich von Anfang an mit der gezierten Shelby, ist aber bald auf ihre Hilfe in einer Reihe von Mordfällen angewiesen, die wohl auf das Konto der ansässigen Hexenclans gehen. Caster und Bluthexen sind in der Stadt seit jeher verfeindet und Luna wird mitten in diesen Krieg gezogen.
Als dann auch noch ihr geliebter Dmitri auftaucht, ist Luna hin und hergerissen zwischen ihrer Wut, dass er sie einfach verlassen hat und der Sehnsucht, endlich ihre Einsamkeit zu beenden.

Nach den ersten paar Seiten habe ich mich ernsthaft gefragt, warum ich so einen unterhaltsamen, flotten und actionreichen Urban Fantasy-Krimi so lange im Regal schmoren ließ.
Caitlin Kittredge schreibt, wie ihr der Schnabel gewachsen ist, voll derbem Vokabular, flapsigen Dialogen und Zynismus. Ihre Story ist im düsteren, von Kriminalität gezeichneten Nocturne City angesiedelt, in dem ihre Hauptfigur Luna Wilder ihr anstrengendes Leben bestreiten muss.
Etwa hundert Seiten später dann wusste ich aber wieder, warum ich nie richtig warm geworden bin mit Lunas Welt. Sie ist ein extrem schwieriger Charakter, noch starrsinniger als Dante Valentine, noch mürrischer, cholerischer und uneinsichtiger. Ihre aufbrausende, gewalttätige Art und die Vehemenz, mit der sie auf ihre Umwelt losgeht, fand ich oft erschreckend, unpassend oder einfach nur traurig. Auch wenn das wohl ihrer Werwolfnatur zuzuschreiben ist, kann man sie ja nicht als schizophren darstellen und alle Aggressionen auf das Tier schieben. Also wundere ich mich darüber, dass sie einerseits alle vergrault und andererseits in Einsamkeit bittere Tränen weint. Gut, man bekommt nicht immer, was man will, und ein simples Happy End kann langweilig werden, aber bei Luna ist mir die Aneckerei irgendwann einfach zu hart geworden.

Die Krimipassagen sind recht gelungen, auch die Konflikte mit Lunas Partnerin Shelby sind trotz (oder manchmal auch wegen) ihrer Grobheit unterhaltsam. Die verkorkste Liebesgeschichte mit Dmitri ging für mich allerdings überhaupt nicht, vor allem, weil all ihre Szenen von Gewalt geprägt sind. Ich nahm weder Luna noch Dmitri zarte Empfindungen wie zum Beispiel Liebe ab, daher war das Wiedersehen seltsam kalt und distanziert. Spätere Annäherungen wirkten auf mich konstruiert und machten keinen von beiden sympathischer.
Insgesamt komme ich zu dem Schluss, dass ich Luna einfach NICHT MAG, es ist nichts gegen ihre ermittlerischen Fähigkeiten zu sagen, und auch mit Caitlin Kittredges ruppigem Schreibstil könnte ich leben. Doch ich habe keine Lust, noch mehr von der cholerischen "Ich-gegen-den-Rest-der-Welt-"-Kriegerin zu lesen und schicke die Serie hiermit auf den "abgebrochen" Stapel.

Nocturne City – Schattenwölfe

von Caitlin Kittredge

erscheint auf Deutsch im Februar 2010 im Egmont Lyx Verlag
432 Seiten, Taschenbuchformat

Preis: EUR 9,95

ISBN-13: 9783802582912
ISBN-10: 3802582918
 
Übersetzt von Daniel Müller

Fazit

Kühl-düsterer paranormaler Krimi mit einer schlagkräftigen, toughen Heldin.

Luna Wilder ist eine erfolgreiche und willensstarke Ermittlerin im Dienst der Polizei von Nocturne City, wo Werwolfrudel und Hexen mehr oder weniger friedlich mit der menschlichen Bevölkerung zusammenleben. Das Leben als rudellose Werwölfin ist hart für Luna, muss sie sich doch permanent gegen Vorurteile und Bedrohungen durchsetzen. Ein wenig Rückhalt findet sie nur bei ihrer magisch begabten Cousine Sunny, mit der sie zusammen ein kleines Haus am Rande der Stadt bewohnt. Eines Tages wird Luna mit der Ermittlung in einem blutigen Mordfall an einer jungen Frau beauftragt und gerät damit unwillentlich in einen höchst gefährlichen Korruptionsskandal. Ihr erster Verdacht fällt auf den charismatischen Werwolf Dmitri Sandowsky, doch bald kristallisiert sich für Luna heraus, dass der Täter ein anderer sein muss. Als ein zweites Opfer auftaucht, überschlagen sich die Ereignisse: es scheint, als sollten ihre Ermittlungen von ganz hoher Ebene aus unterbunden werden und Luna kämpft plötzlich gegen alle: die eigenen Polizeikollegen, den grausamen Mörder, rivalisierende Werwölfe und gegen die eigene Angst....

Der erste Teil der Nocturne City Reihe präsentiert sich als schneller, harter Polizeithriller mit einer toughen Werwölfin in der Hauptrolle. Das Konzept lehnt sich an bereits Bekanntes an: eine einzelgängerische Ermittlerin à la Anita Blake, eine futuristische Stadt wie bei Mercy Thompson und ein explizit-brutaler Krimiplot wie bei Wolfshadow oder Anna Strong. Luna Wilder ist in ihrer störrischen, zu Gewalt neigenden Art fast schon unweiblich und leidet augenscheinlich unter ihrer wilden, wölfischen Seite, auch wenn diese meiner Ansicht nach ihren grausamen Touch noch eher passend unterstreicht. Sie verkörpert im überspannten Maße das Ideal einer kompromisslosen Kämpferin, die gegen alle Fronten antreten muss und dabei noch eine traumatische Vergangenheit kompensiert. Soweit ganz gut, in ihrem kühlen, direkten Schreibstil entwickelt Caitlin Kittredge eine spannende Krimihandlung mit einigen Überraschungen und gespickt mit undurchsichtigen Gegenspielern und interessanten Nebencharakteren. Die Story schreitet schnell voran und trotz aller möglichen Widrigkeiten kämpft sich Luna bis zur Lösung des Falls durch. Dabei findet sich keine Zeit für Romantik, nähere Charakterbeschreibungen oder größere Szenenwechsel. Durch die Ich-Perspektive erfährt der Leser die Ereignisse nur aus Lunas Sichtweise, und die ist oft geprägt von ungerichteter Aggression oder wirrer Sehnsucht, Lust oder Verzweiflung.
Meiner Meinung nach liegt auch hier die größte Schwäche des Romans, denn durch den unausgeglichenen Charakter der Hauptfigur gerät auch der Rest in Unruhe. Luna kann sich weder darauf einlassen, für Dmitri etwas zu empfinden, noch möchte sie sich groß mit ihrem Werwolfdasein beschäftigen. Von Rache und Ehrgeiz getrieben, schlittert sie durch fahrige Polizeiarbeit und Indiana Jones-mäßige Einzelkämpferaktionen. Widersprüchlichkeiten findet man leider einige, nur ein Beispiel: erst beschwert sich Luna, dass ihr Kollege brutale Verhörmethoden anwendet und kurze Zeit später knallt sie selbst den Kopf eines Verdächtigen auf den Tisch....
Angekündigt war auch ein gewisser erotischer Inhalt, doch leider kann Schattenwölfe das kaum bieten. Es gibt da zwar etwas zwischen Luna und Dmitri, aber Luna stößt permanent alle und alles von sich. Bei einigen von ihren Sprüchen hätte ich an Dmitris Stelle schon längst abgewinkt. Physische Annäherungen sind wie alles geprägt von Gewalt und einer rigorosen Distanziertheit.
Schlussendlich ist das Buch ein unterhaltsamer Krimi, der nicht vor brutalen Szenen zurückschreckt und mit seiner abgeklärten Erzählweise rasant durch einen halsbrecherischen Thriller führt.

In den Fängen der Dunkelheit

von L.A. Banks

erscheint auf Deutsch im März 2012 im Heyne Verlag
Taschenbuch, Broschur, ca. 400 Seiten

Preis: EUR 7,99

Fazit

Fahrige, nichtssagende Aneinanderreihung von Vampirnonsens.

Damali Richards lebt ein Doppelleben, seitdem sie denken kann. Zusammen mit ihrer Ziehmutter und Mentorin Marlene und einer Handvoll harter Kerle leitet sie eine Band. Doch das Musikerdasein ist nur Tarnung, in Wirklichkeit jagt Damali Vampire. Ihre Bandmitglieder sind ausgebildete, talentierte Jäger, die ihren Schützling mit purer Waffengewalt umgeben.

Doch Damali hadert mit ihrem Schicksal, wünscht sich ein normales Leben und Liebe. Sie weiß noch nicht, dass es ihr bestimmt ist, die Neteru zu sein, die mächtigste Vampirjägerin der Welt.
Und während New Orleans von einer Reihe blutiger Vampirangriffe erschüttert wird, begegnet Damali ihrem alten Freund Carlos Rivera wieder, der sie als Kind aus der Gosse geholt hatte. Carlos hat sein Geld mit Drogen und Kriminalität gemacht, was Damali abschreckt. Doch niemals konnte sie ihn wirklich vergessen und als Carlos Verwandte grausam ermordet werden, will Damali alles daran setzen, den dämonischen Feind niederzustrecken.

Mit dieser Inhaltsangabe habe ich schon das Beste rausgeholt, was dieser Roman zu bieten hat. Ich hatte ja mit allem gerechnet: Ghettoslang, brutalste, sinnlose Gewalt, eine Anita-Blake-Kopie, rassistische Phrasen (gegen Weiße)...doch nie hätte ich damit gerechnet, L-A-N-G-E-W-E-I-L-E vorzufinden. Den Schreibstil der Autorin kann ich nur als absolut grauenhafte Zeitverschwendung beschreiben. Haltlos, planlos und in unendlichen Wiederholungen taumelt der Leser durch einen Abriss einer Story, die krude, nichtsnutzig und uninteressant ist.

Aus einer neutralen Erzählperspektive heraus lernt man Damali und ihre Band kennen, beobachtet ihr Verhalten in endlosen, leeren Dialogen. Lange Kapitel umhüllen mehrere, seitenlange Kammerspiele, in denen die Personen sich über Nichtigkeiten unterhalten und wirklich banalen Smalltalk machen. Damali will endlich Tacos essen, und Chips auch und der arme Joe hat seine Dee Dee an die Vampire verloren. Und es müsste mehr Bier geben und man sollte sich mal bei einem lockeren Fick vergnügen...

Vom Slang, der im Original so vorherrschend ist, merkt man in der deutschen Übersetzung gar nichts mehr. Die Sprache ist zwar nicht gehoben, man erkennt aber keinesfalls, dass die Personen aus dem Ghetto kommen sollen. Trotz all des wortreichen Geschwafel bleiben alle Figuren unnahbar, künstlich und starr. Ich konnte mir überhaupt keine Namen merken, weil alle - außer Damali und Carlos vielleicht - komplett austauschbar sind.
Die Geschichte, in der sich Damali und ihre Band befinden, beginnt wie eine normale Vampirjagd, hat mich irgendwie an 28 days later oder Will Smith's I am Legend erinnert. Vampire sind hier mordende, mutierte Bestien, die ihre Opfer regelrecht zerfleischen und auffressen. Trotzdem können sie auch wie normale Menschen aussehen. Ihr wahres Äußeres ist jedoch grauenhaft, sie sind verwesende, klauenbewehrte Monster, die ihre Kiefer aushaken und mit haifischartigen Zähnen zuschlagen. In diesem Buch bleiben die Vampire aber trotz ihrer Macht und Grausamkeit schattenhaft am Rand. Im Laufe des Buches werden einige okkulte Ansätze erläutert um die ganze Vampirlegende mit einem Hintergrund zu versehen, doch ich fand alles an den Haaren herbeigezogen und höchst uninteressant. Ab ca. Seite 60 habe ich quergelesen, ab Seite 200 ging auch das nicht mehr und ich habe ganze Passagen übersprungen. Das letzte Drittel des Buches ist aus der Sicht von Carlos geschrieben und lässt erkennen, dass die Autorin die Story immer weiter verkompliziert und in die Länge zieht. Das Buch endet mit einem Cliffhanger, was mich aber nicht sonderlich frustriert hat, da ich ohnehin nicht vorhabe, jemals wieder einen Roman dieser Autorin in die Hand zu nehmen. Ich bezweifle auch ganz stark, dass die folgenden 12 Bände der Reihe um Damali Richards übersetzt werden.

Die Schlagworte auf dem Klappentext "Gefährlich, sinnlich, unwiderstehlich", sind meiner Meinung nach Schall und Rauch, vor allem in Bezug auf "sinnlich". Es gibt keine Liebesszene in diesem Buch, keine romantische Situation, keinen Moment, wo ich emotional berührt wurde. Zwischen Carlos und Damali war wohl mal etwas, doch das ist so zerhackt und schwierig, dass es glaube ich der Autorin selbst entglitten ist. Damali verfährt sich in Zweifeln, Selbstvorwürfen, irrealen Wünschen und einem drogenartigen Wahn, der zwischen Blutgier und Trauma schwankt. Sie ist ein labiler, gefährdeter und unsympathischer Charakter, mit dem ich mich zu keinem Zeitpunkt identifizieren konnte. All ihr doch so großartiges Schicksal wird zu einem zerredeten Nichts, einer blutigen, sinnlosen Banalität. Und ich schlug das Buch zu und hatte nichts erlebt, keine Spannung, keinen Nervenkitzel, keine Emotionen.

Der Kuss der Ewigkeit

von Kalayna Price

erscheint auf Deutsch im Dezember 2011 im Heyne Verlag
Taschenbuch, Broschur, ca. 366 Seiten

Preis: EUR 8,99

Fazit

Finger weg

Kita Nekai stammt aus einer Familie von mächtigen Gestaltwandlern. Ihre Geschwister verwandeln sich in Löwen, Tiger oder Panther. Nur Kita wird eine gefleckte Hauskatze. Als wäre das noch nicht schlimm genug, wird sie auch noch von einem Vampir gebissen, dann taucht ihr Exfreund wieder in ihrem Leben auf, und schließlich macht eine Magierschülerin sie zu ihrem Abschlussprojekt. Und um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, wird Kita zum Tode verurteilt. Wie soll sie nur das Chaos ihrer Gefühle bewältigen und aus alldem wieder lebend herauskommen?

Die Inhaltsangabe habe ich so vom Verlag übernommen, so bleibt sie wenigstens das einzig wertungsfreie an dieser Rezension - oder soll ich sagen das einzige, was nicht verrissen wird?
Mein Fazit vom "Kuss der Ewigkeit": eeeeewige Langeweile. Mit Ach und Krach habe ich es bis Seite 100 geschafft ohne das Querlesen zu beginnen. Dann aber war es vorbei und ich habe den Rest der zähen, mit Nichtigkeiten vollgestopften Seiten überflogen (und dabei absolut nichts verpasst).

Kita Nekai ist eine Gestaltwandlerin, die sich von den anderen ihrer Art abhebt: sie kann in ihrer Zwischengestalt bleiben und sie ist die Dyre ihres Volkes. Was wohl so etwas wie Thronerbin ist. Ihre Tiergestalt ist eine kleine Hauskatze, was wohl ziemlich ungewöhnlich ist, denn andere verwandeln sich meist in mächtigere Tiere. All das ist und bleibt aber die gesamte Story über unwichtig und unaufgeklärt. Kita ist auf der Flucht vor den Jägern, die sie nach Hause bringen wollen, damit sie ihre rechtmäßige Position antritt. Kita möchte das aber nicht, also hat sie sich für das Leben als Streuner entschieden.
Als Leser platzen wir mitten in ihr chaotisches Leben und werden auf den ersten Buchseiten von einer wahren Ereignisflut überschwemmt. Kita wird angegriffen, fast getötet, in einen Vampir verwandelt, trifft ihren Exfreund und wird von einem seltsamen Richter, der aus dem Nichts auftaucht, zum Tode verurteilt, wenn sie es nicht schafft, in 2 Tagen einen mordenden Einzelgänger ihres Volkes aufzuspüren. Und als wenn das nicht schon reichen würde, kommt auch noch eine kleine, nervige Gestalt namens Gil, die sich Kita als Forschungsobjekt (!) ausgesucht hat. Klingt alles abstrus, könnte amüsant sein, ist es aber nicht. Der Schreibstil von Kalayna Price ist zwar recht locker, die Dialoge gespickt mit Umgangssprache und frechen Sprüchen, die allgemeine Erzählweise ist jedoch leider grottenlangweilig und unspektakulär.

Meiner Meinung nach hat die Autorin überhaupt kein Gefühl für ihre Charaktere, für Stimmungen und Atmosphäre. Keine der haarklein beschriebenen Gegenden oder Möbel, Outfits etc. vermochte mich fesseln, alles versinkt nach wenigen Seiten im Einheitsbrei. Scheinbar ziellos lässt die Autorin ihre Protagonistin (die übrigens in der Ich-Form schreibt), in der konstruierten Story umherirren und versucht, eine kleine Krimihandlung aufzubauen mit der Suche nach dem Serienmörder. Das jedoch scheitert völlig an ständig wiederholten Dialogen, sinnlosem Rumgelatsche in der Stadt und einer schier nicht endenden Masse an gesichtslosen Nebenfiguren, deren zweisekündiger Auftritt mit 10 Seiten ausgeschmückt wird. Dabei hätte es auch interessante Aspekte geben können: der Vampir Nathanael verwandelt Kita in seinesgleichen (über die Motive sage ich lieber nichts, ich bekomme sonst einen Anfall) und weicht fortan nicht von ihrer Seite. Danach kann Kita wohl ihre Gestalt nicht mehr wechseln und gerät immer mehr in den Blutrausch. Die Beziehung Kita-Nathanael hätte intensiv, emotional und erotisch sein können, bleibt aber höchst oberflächlich und alles Potential unausgeschöpft.

Es gibt keine Liebesszenen in diesem Roman, keinen "Kuss der Ewigkeit", kein Prickeln, keine Spannung. Ich hatte mich auf eine Dreiecksgeschichte eingestellt, als klar wurde, das Bobby Kitas Exfreund ist, aber das wird nur ganz kurz angerissen. Kita selbst gibt sich auch so kratzbürstig und streitsüchtig, dass ich jeden Mann verstehen kann, der sich ihr nicht auf einen Kilometer nähert.

Doch genug der bösen Worte, bleibt zu sagen, dass dies eine Geldverschwendung erster Güte für mich war und die Serie ist damit vorzeitig beendet. Ob ich der bald erscheinenden Alex Craft Serie von Kalayna Price eine Chance geben werde, steht seit dieser Enttäuschung wieder in den Sternen. Ach und apropos Sternchen: ich habe nicht vergessen, dem Buch Sternchen für Romantik etc. zu geben...hier gibt es einfach nichts zu verteilen, beim besten Willen nicht.