Romantic

Fantasy

auf World of Armitage




mehr...


...oder lieber Urban Fantasy?

Schattendämonen: Nybbas Träume

von Jennifer Benkau

Erscheinungsdatum: Juni 2010
Verlag: Sieben-Verlag
Ausgabe: Taschenbuch 408 Seiten
Preis: EUR 14.90


Romantik Erotik Spannung Action Anspruch Humor Preis/Leistung
2222202

Ergreifendes, emotionales Dämonenabenteuer.

    

Seit dem Tod ihres geliebten Partners

lebt die Taxifahrerin Joana ein zurückgezogenes Leben voller Trauer und Schmerz. Es scheint keine Freude, keine Perspektive mehr für sie zu geben. Da begegnet sie eines Tages dem charismatischen und gutaussehenden Nicholas Nyrr, der von Anfang an eine große Faszination auf Joana ausübt. Nicholas schert sich nicht um gesellschaftliche Regeln oder Zurückhaltung, er gibt Joana klar zu verstehen, dass er sie will. Sie ahnt nicht, dass er ein Dämon ist, der Nybbas, der sich von den Emotionen der Menschen nährt und ihnen so viel entziehen kann, dass nur noch willenlose Hüllen zurückbleiben. Für die Menschen ist Nicholas ein reicher Unternehmer in der Forschung, doch in Wirklichkeit sucht er zusammen mit den anderen Dämonen nach weiteren Gebannten, um sie aus der Starre zu befreien. Für die Dämonen ist klar, die Herrschaft Luzifers und seiner mächtigen Untertanen muss wieder erstarken.

Doch als Nicholas Joana näher kennen lernt, merkt er, dass sein Leben vorher leer und bedeutungslos war. Irgendetwas an ihr fesselt ihn und er muss ein großes Risiko eingehen, um ihr wirklich nahe zu sein, denn auch Joana ist nicht nur die, die sie zu sein scheint.

Auf dem Streifzug durch die Dämonenwelt der Romantasy

und Urban Fantasy begegnen dem Leser viele unterschiedliche Sorten dieser Höllengeschöpfe. Ich war gespannt, was Jennifer Benkaus Dämonen so besonders macht und muss sagen, dass sich der Nybbas und seine Gefährten kaum mit den Dämonen vergleichen lassen, die man sonst so kennt. Obwohl ich um Gottes willen niemandem die Schreibkunst aberkennen will, war ich doch bei deutschen Autoren dieses Genres bislang immer sehr skeptisch. Der Boom kam nun mal eben aus den USA zu uns und heimische "Trittbrettfahrer" schossen bald wie Pilze aus dem Boden. Ob nun der amerikanische Stil kopiert werden sollte oder ganz neue Töne angeschlagen wurden, ich bezweifelte, dass die deutschen Autoren diesen besonderen "Romantasy-Stil" hinbekommen.

Doch auch wenn die Pioniersarbeit längst vorbei ist und einige deutsche Autoren sich gut etabliert haben - es gibt immer noch einen Unterschied. Nur bin ich nach Nybbas Träume der Meinung, dass dieser Unterschied kein schlechter sein muss. Die Geschichte von Nicholas und Joana spielt im Hamburg der Gegenwart, und auch wenn die Autorin bewusst (?) keine deutschen Vornamen für ihre Protagonisten gewählt hat, reichte das schon, um einen kleinen Kulturschock bei mir auszulösen. Sonst spielt sich immer alles in New York, Boston oder New Orleans ab...Jennifer Benkaus Schreibstil zeichnet sich durch gute Formulierungen, eine straffe Erzählweise mit klugen Szenenwechseln und ein feines Gespür für emotionale Situationen aus. Besonders anfangs fand ich manche Sätze noch etwas hölzern oder fehl am Platz, andere waren überladen mit Metaphern und schwer von Tragik und (un?)gewollter Schwülstigkeit. Eine psychisch labile, vom Leben betrogene und depressive Frau trifft auf einen Gefühle trinkenden Dämon - das hätte auch schief gehen können. Doch Jennifer Benkau hat es geschafft, mich von dieser Konstellation zu überzeugen. Joana ist ein vorsichtiger, verhangener Charakter mit großem Leidenspotential. Ihre Welt wird in grauen Farben dargestellt und es dauerte ein wenig, bis ich sie mochte. Unter all der Hoffnungslosigkeit und dem Irren durch ein verkorkstes Leben steckt nämlich eine willensstarke, mutige Person, die sich Gefahren stellen kann und muss. Dachte ich anfangs, dass sie ein devotes Opfer des mächtigen Dämons ist, wendet sich bald das Blatt und Joana lernt ihre Stärken einzusetzen. Dennoch finde ich, wirkt sie trotz allem gegen die Figur des Nybbas unschein- und ersetzbar.

Vom blasierten und wohlhabenden Frauenheld wandelt sich der Dämon Nicholas zu einer vielschichtigen und durchaus verletzlichen Figur, dessen Faszination auf mich mit jeder Seite wuchs. Er ist selbst nach seiner "Läuterung" kein weichgespülter ultramaskuliner Held und behält auch immer eine fremdartige Moral, die manchem Leser wohl nicht so gefallen wird. Er ist nun mal kein Mensch und hat diese auch ewig als untertan angesehen. Das kann selbst eine Joana nicht gleich ändern. Ich schätze diese Geradlinigkeit im Charakteraufbau, dieses Aufeinanderprallen von starken Charakteren. Hier geht die Autorin nicht den leichten Weg des vorprogrammierten Happy Ends und hier lösen sich auch nicht alle Probleme mit dem ersten "Ich liebe Dich" in Luft auf. Eher das Gegenteil. Joana und Nicholas' Liebesgeschichte bietet Konflikte, heiße Liebesszenen, tragische Momente und große Emotionen. Es gibt ein, zwei Szenen, die sind absolut fantastisch, vor allem, wenn es um Nicholas wahre Gestalt geht. Die Dramatik dieser Momente ist grandios! Ansonsten läuft parallel die Story um die Dämonenjäger, genannt Clerica, und Joanas Rolle dabei. Weiterhin haben die Dämonen und damit auch diejenigen, die Nicholas befehligen, einen düsteren Plan und versuchen alles, die Beziehung zu Joana zu zerstören. Diese Geschichte ist geschickt erzählt, mit guten Szenenwechseln und Rückblicken aufgelockert und bis auf die Schwülstigkeit mochte ich die anderen Dämonen. Was mir nicht so gefallen hat, war der ganze Aspekt um die Clerica. Wie aus dem Nichts erfährt Joana auf einmal von ihrem Schicksal und ihre Mutter und Tante sind ganz seltsam darin verwickelt und nehmen die Rolle der "bösen Menschen" ein. Zwischendurch gelingt es der Autorin nicht, eine neutrale Haltung einzunehmen und ich mag es nicht, wenn die Menschen auf einmal "die Bösen" sind, weil sie Paranormale Wesen jagen. Die auf ein Mindestmaß zusammengeraffte Episode über die Clerica verkompliziert die Story ohne jedoch - meinem Gefühl nach - wirklich Bestandteil zu sein. Nur ein zusätzliches Element, das die Autorin handhaben muss, und es gibt wahrlich schon genug. Über all diese Ebenen hinweg muss die Glaubwürdigkeit von Joanas und Nicholas' Story aufrecht erhalten werden und gegen Ende überschlägt sich das alles ein wenig. Natürlich bringt das Tempo in die Handlung, aber verlangt auch von den Figuren große Tiefe und Authentizität. Joanas Entwicklung von der ängstlichen Depressiven zur kämpferischen Dämonenliebhaberin über familiäre Bindungen und Existenzangst hinweg ist erzählerisch ein großer Anspruch. Und obwohl die Geschichte von Anfang an KEIN lapidarer Liebesroman sein soll, scheitert sie meiner Meinung nach am Ende ein wenig an diesen Hürden.

Im Prinzip jedoch haben wir hier eine absolut gute, unterhaltsame Geschichte mit prickelnder Erotik und außergewöhnlichen Figuren. Mal sehen, was Joana und Nicholas im zweiten Teil so erwartet.

Home - Titel-Serien-Autoren A-Z - Aktuelle Topliste - Vorschau - Impressum

Schattendämonen

Nybbas Träume
Nybbas Nächte
Nybbas Blut



Was meint ihr dazu:

» neuer Eintrag

Es sind noch keine Einträge vorhanden.