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...oder lieber Romantasy?

Nocturne City: Blutfehde

von Caitlin Kittredge

Erscheinungsdatum: September 2010
Verlag: Egmont Lyx
Ausgabe: Kartoniert mit Klappe, 432 Seiten
Preis: EUR 9.95


Romantik Erotik Spannung Action Anspruch Humor Preis/Leistung
0022012

Kühler, aggressiver Krimi.

    

Nach ihrer Auszeit ist die Werwölfin Luna Wilder

wieder zurück im aktiven Polizeidienst in Nocturne City. Jeder weiß nun, dass sie kein Mensch ist und sie hat tagtäglich mit Anfeindungen zu kämpfen. Dann bekommt sie auch noch eine neue Chefin, die Luna überhaupt nicht leiden kann, und die ihr - als langjährige Einzelkämpferin - zuerst einmal eine Partnerin an die Seite stellt.
Luna streitet sich von Anfang an mit der gezierten Shelby, ist aber bald auf ihre Hilfe in einer Reihe von Mordfällen angewiesen, die wohl auf das Konto der ansässigen Hexenclans gehen. Caster und Bluthexen sind in der Stadt seit jeher verfeindet und Luna wird mitten in diesen Krieg gezogen.

Als dann auch noch ihr geliebter Dmitri auftaucht, ist Luna hin und hergerissen zwischen ihrer Wut, dass er sie einfach verlassen hat und der Sehnsucht, endlich ihre Einsamkeit zu beenden.

Nach den ersten paar Seiten habe ich mich ernsthaft gefragt,

warum ich so einen unterhaltsamen, flotten und actionreichen Urban Fantasy-Krimi so lange im Regal schmoren ließ.
Caitlin Kittredge schreibt, wie ihr der Schnabel gewachsen ist, voll derbem Vokabular, flapsigen Dialogen und Zynismus. Ihre Story ist im düsteren, von Kriminalität gezeichneten Nocturne City angesiedelt, in dem ihre Hauptfigur Luna Wilder ihr anstrengendes Leben bestreiten muss.

Etwa hundert Seiten später dann wusste ich aber wieder, warum ich nie richtig warm geworden bin mit Lunas Welt. Sie ist ein extrem schwieriger Charakter, noch starrsinniger als Dante Valentine, noch mürrischer, cholerischer und uneinsichtiger. Ihre aufbrausende, gewalttätige Art und die Vehemenz, mit der sie auf ihre Umwelt losgeht, fand ich oft erschreckend, unpassend oder einfach nur traurig. Auch wenn das wohl ihrer Werwolfnatur zuzuschreiben ist, kann man sie ja nicht als schizophren darstellen und alle Aggressionen auf das Tier schieben. Also wundere ich mich darüber, dass sie einerseits alle vergrault und andererseits in Einsamkeit bittere Tränen weint. Gut, man bekommt nicht immer, was man will, und ein simples Happy End kann langweilig werden, aber bei Luna ist mir die Aneckerei irgendwann einfach zu hart geworden.

Die Krimipassagen sind recht gelungen, auch die Konflikte mit Lunas Partnerin Shelby sind trotz (oder manchmal auch wegen) ihrer Grobheit unterhaltsam. Die verkorkste Liebesgeschichte mit Dmitri ging für mich allerdings überhaupt nicht, vor allem, weil all ihre Szenen von Gewalt geprägt sind. Ich nahm weder Luna noch Dmitri zarte Empfindungen wie zum Beispiel Liebe ab, daher war das Wiedersehen seltsam kalt und distanziert. Spätere Annäherungen wirkten auf mich konstruiert und machten keinen von beiden sympathischer.

Insgesamt komme ich zu dem Schluss, dass ich Luna einfach NICHT MAG, es ist nichts gegen ihre ermittlerischen Fähigkeiten zu sagen, und auch mit Caitlin Kittredges ruppigem Schreibstil könnte ich leben. Doch ich habe keine Lust, noch mehr von der cholerischen "Ich-gegen-den-Rest-der-Welt-"-Kriegerin zu lesen und schicke die Serie hiermit auf den "abgebrochen" Stapel.

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