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...oder lieber Urban Fantasy?

Feuer: Tödliches Verlangen

von Coreene Callahan

Erscheinungsdatum: Mai 2013
Verlag: Heyne
Ausgabe: Taschenbuch, broschiert, 512 Seiten
Preis: EUR 8.99


Romantik Erotik Spannung Action Anspruch Humor Preis/Leistung
1101000

Die Enttäuschung des Jahres 2013.

    

Das Volk der Drachengestaltwandler

ist bedroht: da sie selbst keine weiblichen Nachkommen haben, müssen sich die männlichen Drachen mit Menschenfrauen paaren. Bastian, der Anführer des Drachenclans, muss mit gutem Beispiel voran gehen und bis zum Tag der Meridianwende eine Frau schwängern. Dass diese bei der Geburt des Kindes sterben wird, muss leider in Kauf genommen werden.
Als die Krankenschwester Myst eine schwangere Frauenleiche findet, entscheidet sie sich spontan, das noch lebende Baby zu retten. Doch nicht nur Bastians Clan interessiert sich für den Nachkommen, auch die verfeindeten Razorbacks wollen das Drachenbaby. Als Bastian auf Myst trifft, haut ihn ihre starke Meridianenergie um und er sehnt sich sofort nach einer Verbindung mit ihr. Als Myst in die Sache mit hineingezogen wird, bleibt Bastian nichts anderes übrig, als sie ihrem Leben zu entreißen und mit in seines zu nehmen...

Na das war ja wohl mal wieder ein totaler Griff ins Klo

Man verzeihe mir die Ausdrucksweise, aber das Vokabular des Romans hat kurzzeitig auf mich abgefärbt und ich bin noch dabei, mich von dem ganzen Gehirnmüll zu erholen. Wer keinen kompletten Verriss dieses Titels lesen möchte (der Spoiler enthält!) sollte jetzt besser aufhören.

Tödliches Verlangen ist eine Mischung aus sexistischen Klischees, unlogischen Handlungen, unglaubwürdigem Gefühlschaos und vor allem prollig-reißerischer Sprache. Da gibt es diese ach so selbstständige, bildhübsche Myst, die ihr einsames Leben voll im Griff hat und sich in Extremsituationen in eine abgeklärte Kampfmaschine verwandelt. Doch dann trifft sie auf Bastian und wenn man glaubte, dass sie vorher schon ein in sich instabiler Charakter war, wird man nun eines besseren belehrt. Selten ist mir eine weibliche Heldin untergekommen die in solchem Maße TSTL (too stupid to live) ist. Angesichts des brachial-maskulinen Neandertalercharmes von Bastian knickt Myst innerhalb von 2 Sekunden ein und verwandelt sich in ein sabberndes, sexhungriges Frauchen, das jeden Sinn für die Realität verliert. Ich habe nur noch angewidertes Kopfschütteln für ihre dümmliche Handlungsweise übrig und ab der Mitte des Buches wird sie förmlich unerträglich. Von naiv ist das schon weit entfernt, es war eher schizophren.

Ich habe nichts dagegen, wenn der männliche Part stark dominant ist und seine Auserwählte ein bisschen "zu ihrem Glück zwingt", doch was Bastian abzieht ist eine scheinheilige, unauthentische Nummer, die nichts mit Gefühlen oder Sinnhaftigkeit zu tun hat. Die gesamte Story um die Nachkommenschaft der Drachen und das "zwanghafte" Schwängern der Partnerin ist ein trivialer Ansatz um die Charaktere in vorhersehbare Schwachsinnskonflikte zu zwingen, die nach drei weiteren Sätzen aufgelöst werden. Im Klartext: das ganze Buch besteht nur aus "Oh nein, ich kann nicht, ich darf nicht, es geht nicht" vs "Ich will, ich will, ich will". Die Annäherung von Myst und Bastian spielt sich vorrangig unter der Gürtellinie ab, doch für eine erotische Stimmung reicht es eben nicht, wenn zwei äußerlich schöne Körper aufeinander "losgehen". Auch die weitere Rahmenhandlung um den Krieg gegen die Razorbacks und ihren schwachsinnig-bösen Anführer Ivar strotzt nur so vor Klischees und Langeweile (diese Parts habe ich komplett überblättert).

Das Prädikat "Übel" bekommt dieser Roman allerdings vor allem aufgrund des Schreibstils von Coreene Callahan. Dieses pseudo-postmoderne Geschwafel, das gespickt ist mit Popkultur-Zitaten, coolen Sprüchen und Nonsens ging mir nach wenigen Seiten unglaublich auf die Nerven. Wenn man so was kann (wie J.R. Ward z.B.) wirkt es authentisch, hier jedoch ist es lächerlich, kläglich und peinlich. Wenn man jemandem mit Extrasauce auf dem Burger vergleicht oder ständig jede Situation mit Songnamen oder -texten verbindet, erreicht das Niveau schnell ein unterirdische Level. Richtig wütend wurde ich, als die beiden auch noch mit "Ich sehe dich" anfingen, um ihre Seelenverwandschaft auszudrücken - als absoluter Avatar Fan blieb mir vor Entrüstung der Mund offen stehen! Es gab noch unzählige weitere Sinnlosigkeiten, sei es, dass alles in eine Krankheit verwandelt wird ("Dummheititis etc) oder sich innerhalb eines Satzes in Widersprüchen auflöst (à la: Myst hasste ihn, oh ja, sie wollte niemals zurück - aber er war so sexy und sie wollte ihn und deshalb musste sie zurück).

Und dann gab es da noch das paranormale Element (Drachen), das in all dem Murks völlig unspektakulär unterging und eigentlich hätte weggelassen werden können. Mit Kawumm und Chemie-Atem fliegen die Drachen in der Gegend rum und kein Mensch merkt das... ja klar. Von Meridian-Erdenergie-Ernährung und Schwangerschafts-Quatsch ganz zu schweigen.

Es bleibt zu sagen, dass es mir unverständlich ist, wie man solch einen Titel veröffentlichen kann und gleichzeitig grandiose Serien wie Vampire Empire sterben lässt. Ein Armutszeugnis? Das Ergebnis von Angebot und Nachfrage? Eine dilettantische Fehlentscheidung? Ich weiß es wirklich nicht.

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Feuer

Tödliches Verlangen




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cerise, Schweinfurt, 05. Juli 2013, 17:04

Katerina, 14. Mai 2013, 12:43