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...oder lieber Romantasy?

Felix Castor: Den Teufel im Blick

von Mike Carey

Erscheinungsdatum: November 2012
Verlag: Egmont-lyx
Ausgabe: broschiert, Trade Paperback, 544 Seiten
Preis: EUR 12.99


Romantik Erotik Spannung Action Anspruch Humor Preis/Leistung
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Mal was anderes - paranormaler Krimi mit bissigem Humor.

    

Eine natürliche Gabe befähigt Felix Castor

Geister und übernatürliche Wesen sehen und auch lenken zu können. In der vielfältigen Metropole London lebt er in relativ ärmlichen Verhältnissen bei seiner Vermieterin Pen und versucht sich eigentlich von gefährlichen Exorzistenjobs fern zu halten.
Einst kostete sein Wirken einem Freund das Leben, da Felix nicht verhindern konnte, dass ein Dämon den Körper seines Freundes übernahm. Doch zum Leben braucht man Geld und Felix nimmt aus finanzieller Sorge heraus den Auftrag eines Archivs an, den dort herumspukenden Geist auszutreiben.

Doch bald kommt Felix bei der Suche nach dem Ursprung des Geistes einer bösen Geschichte um Lügen, Korruption und Mord auf die Schliche.

Ab und zu muss man ein wenig über den Tellerrand blicken

um sich bestätigt zu fühlen, dass man immer noch von dem begeistert ist, das man seit Jahren liest... Felix Castor war für mich ein Ausflug in ein leicht anderes Genre, eines, das nicht unbedingt auf weibliche Leserschaft zugeschnitten ist.

Das beginnt schon mit dem unbarmherzig zynischen Ich-Erzähler, der eine pessimistische, gar fatalistische Weltanschauung hat und nicht zögert, sie ständig dem Leser mitzuteilen. Wann hatte ich das letzte Mal ein Buch, welches aus einer rein männlichen Perspektive heraus geschrieben ist? Noch nie? Ich weiß es jedenfalls nicht mehr. Nachdem ich mich von diesem "Kulturschock" erholt hatte, kam die nächste Hürde: der Schreibstil. Felix Castors Geschichte wird in einem komplexen, verwinkelten und mit Metaphern und Fremdwörten nur so gespickten Stil erzählt, dass man zum Langsamlesen gezwungen wird, will man nicht die Hälfte verpassen. Viele Passagen bedienen sich ungebräuchlicher Formulierungen und strotzen nur so vor Adjektiven, Vergleichen und Anlehnungen an Politik, Popkultur und einer manisch-depressiven Selbstreflexion des Protagonisten. Gemächlich, fast schon zäh fließt die Story dahin, man begleitet Castor bei seinen Aktivitäten und wird minütiös Zeuge aller Dialoge, Eindrücke und Bewegungen. Haargenau werden Nebenfiguren, deren Aussehen, Anmutungen und Eigenheiten dargestellt, und das alles immer gewürzt mit Castors bissigen, kreativen Bemerkungen.

Wo ich allerdings anfangs das langsame Tempo der Story ernüchternd und Felix selbst als zynisch-kühl und uninspirierend fand, kam ich ab dem ersten Drittel irgendwie auf den Geschmack. Selbst das für mich nicht ganz so attraktive Motiv "Geist" schafft der Autor spannend und glaubwürdig zu verpacken. In der Mitte des Buches dann wurde ich Fan von Felix, von seiner chaotisch-anarchischen Art, seinen manchmal unmöglichen Witzen, seiner bühnenreifen Weise, sich selbst bloßzustellen. Und in diesen gemächlichen, Detailverliebten Dialogen verstrickt man sich als Leser genauso wie Felix in Vermutungen über die wahre Herkunft des Geistes.

Von Brutalität und Realismus gezeichnet ist dieser erste Teil der Felix Castor Serie fern jeglicher Romantik und ich war ehrlich gesagt überrascht, dass ein wenig Sex darin vorkommt. Den hätte man aber auch lieber weglassen können, denn diese Seite an Felix mochte ich nicht (dafür bin ich einfach den idealisierten tortured heroes aus der Romantasy zu sehr verfallen).
Nachdem ich das Buch zu Ende gelesen hatte, musste ich länger nachdenken, was ich genau davon halte. Es war eine ungewöhnliche Mischung aus nervtötend und spannend, witzig und geschmacklos. Eine Gratwanderung zwischen erfrischend ungewöhnlich und überzeichnet. Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass ich Felix Castor mag, sollte er auch definitiv nicht in mein primäres Beuteschema passen.

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Felix Castor

Den Teufel im Blick




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