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...oder lieber Romantasy?

Die Schattenleserin: Nachtschwarze Träume

von Sandy Williams

Erscheinungsdatum: November 2013
Verlag: Luebbe
Ausgabe: 448 Seiten, Taschenbuch
Preis: EUR 8.99


Romantik Erotik Spannung Action Anspruch Humor Preis/Leistung
1022001

Leider völlig durchschnittlich.

    

Eigentlich möchte die Studentin McKenzie Lewis

nichts weiter, als ihren Abschluss machen und ein normales Leben führen, doch ihr außergewöhnliches Talent verhindert dies ständig. Sie verfügt über die Gabe, die Schatten in der Anderwelt zu lesen. Dadurch wird sie für die dort lebenden Fae zu einer wichtigen Person und selbst der König hat sie in seine Dienste genommen.
Seit zehn Jahren nun hilft McKenzie den königstreuen Fae und vor allem Kyol, dem Schwertmeister des Königs, mit dem sie eine heimliche, weil verbotene Liebe verbindet. Eines Tages, ausgerechnet mitten in einer wichtigen Prüfung, wird McKenzie von Kyol in die Anderwelt gerufen, doch dieses Mal geht etwas gründlich schief: sie wird von den Rebellen entführt, die sie überzeugen wollen, für sie zu arbeiten. Doch McKenzie ist dem König der Fae loyal und glaubt den Verschwörern nicht – auch nicht dem attraktiven und überzeugenden Aren…

Ich hatte mich von den guten Kritiken

des Originals überzeugen lassen und fröhlich wanderte das Buch in mein Regal.
Die Schattenleserin ist ein vom World Building her recht komplexer Urban Fantasy Roman, dessen paranormales Element ausschließlich die Fae darstellen. In unzähligen Details und mühevoller Arbeit wird hier von der Autorin ein Reich erschaffen, dessen hierarchische Strukturen weitreichend und vielschichtig sind. Es braucht viel Text um genau zu erklären, wie die Tore funktionieren und vor allem was es mit McKenzies Talent auf sich hat. Kurz gesagt kann sie die Spuren der Fae lesen, die sich durch Tore „teleportieren“ und ist damit in der Lage, fast jeden Fae zu lokalisieren, der sich zwischen den Welten bewegt. Aus eigener Kraft kann sie jedoch kein Tor nutzen und verfügt auch sonst über keine magischen Kräfte. Trotzdem ist diese Gabe wohl kriegsentscheidend, denn Menschen mit dieser Fähigkeit sind bei den Fae begehrt und hochbezahlt.

Erzählt wird die Geschichte im Präsens der Ich-Perspektive, was unglaublich anstrengend zu lesen ist. Den Ich-Erzähler in der Vergangenheit finde ich schon oft nicht so einfach, aber wenn alles direkt in der Gegenwart erzählt wird, stolpert sowohl der Autor als auch der Übersetzer ab und an über dieses Hindernis. Grammatikalische Vermischungen und Zeitfehler sind nicht auszuschließen und ich fand diese Erzählweise an vielen Stellen unnütz und überkompliziert. Sprachlich ist der Roman in Ordnung, lässt sich relativ flüssig lesen.

Kommen wir nun zur Hauptfigur, der jungen McKenzie Lewis. Erstes Manko: der Name. Wie kann man nur eine weibliche Hauptfigur mit Vornamen McKenzie nennen?! Auch wenn die Arme dafür nichts kann, war das für mich einfach nur ein Minuspunkt. Jedes Mal, wenn sie angesprochen wird, dachte ich, das wäre ihr Nachname. Zweites Manko: sie war mir einfach nicht sympathisch. Ich fand sie in höchstem Maße charakterlich schwach und rückgratlos. Natürlich ist es nicht so leicht, ein Doppelleben zwischen zwei Welten zu führen und später dann auch noch zwischen zwei Männern zu stehen, die beide unfassbar attraktiv sind. McKenzie jedoch versagte in meinen Augen in den wichtigen Punkten Ehrlichkeit, Selbstreflexion und Moral. Sie taumelt so durch ihre eigene Geschichte und faselt mal hier mal dort unzusammenhängende Gedankenfetzen zusammen. Um sie herum entsteht ein gigantischer Konflikt, ein Krieg, eine tragische Dreiecksliebesgeschichte – und sie selbst nimmt sich da an vielen Stellen durch ihre Unfähigkeit selbst raus.

Apropos Dreiecksliebesgeschichte: mir ist erst ungefähr in der Mitte des Romans aufgefallen, dass ich schon seit Ewigkeiten keine mehr gelesen hatte. Das ist wohl dem Young Adult Genre vorbehalten…Und ich muss im Nachhinein sagen: ich brauch’s auch nicht. Das Dreieck Kyol – McKenzie – Aren ist ein konstruierter Konflikthaufen, der für mich an den meisten Stellen einfach nur ein Ärgernis war. Und daran waren zum großen Teil nicht die beiden männlichen Vertreter schuld. Natürlich sind Kyol und Aren beide extrem gutaussehend, mächtig und verführerisch und obendrein in McKenzie verliebt. Während Kyol das verheimlicht (hat), lässt Aren von Anfang an seine Gefühle durchblicken. Warum das bei den beiden so ist, kann ich leider an keinem Punkt des Romans nachvollziehen. Die Liebe zwischen Kyol und McKenzie war einfach immer da, und plötzlich kommt da Aren daher und mit McKenzie passiert etwas, das sie weder steuern noch konkretisieren kann. Diese ganze emotionale Angelegenheit ist von der Autorin so dilettantisch gelöst, dass ich den Roman ÜBERHAUPT nicht romantisch fand, und erotisch schon mal gar nicht.

Tatsächlich kommt aber rein storytechnisch eine gewisse Spannung auf, die mich auch davon überzeugt hat, das Buch bis zum Ende zu lesen. Im Grunde war der Ansatz von Sandy Williams gar nicht so schlecht, aber meiner Meinung nach wollte sie zu viel in ein Buch packen und ist daran zum großen Teil gescheitert. Schade, so schafft es Die Schattenleserin gerade mal auf Durchschnittsniveau.

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Nachtschwarze Träume




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