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Chicagoland Vampires: Frisch gebissen

von Chloe Neill

Erscheinungsdatum: Februar 2011
Verlag: Egmont-lyx
Ausgabe: 432 Seiten, Taschenbuchformat
Preis: EUR 9.95


Romantik Erotik Spannung Action Anspruch Humor Preis/Leistung
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Seichter, oberflächlicher Vampir-"Sex-and-the-City"-Roman mit einer blassen Heldin und viel Langeweile.

    

Bislang führte Merit ein eher langweiliges Leben:

sie ist Doktorantin an der Uni für Sprachwissenschaften, hat keinen Freund und verbringt die meiste Zeit über ihren Büchern. Von ihrer reichen, arroganten Familie hat sie sich distanziert und lebt mit ihrer Freundin Mallory zusammen in Chicago. Dann eines Nachts wird sie auf dem Unigelände von einem Vampir angefallen und beinahe getötet.

Nur der Biss eines anderen Vampirs und die anschließende sofortige Verwandlung kann Merit retten. So wacht sie als Vampirin auf und erfährt, dass sie von nun an dem Hause Cadogan und seinem Meister Ethan Sullivan dienen soll. Doch Merit fügt sich nicht gleich, sie ist wütend, dass ihr die Entscheidung über ihr Schicksal abgenommen wurde und ihr Zorn richtet sich vor allem gegen Ethan. Als sie ihn jedoch zum ersten Mal sieht, kann sie sich nicht gegen seine Anziehungskraft wehren. Sie muss wählen: ein Leben unter seiner Führung oder das eines Abtrünnigen. Und dann gibt es weitere Überfälle auf junge Frauen...

Für einige Leser war dieser Roman wohl das Highlight des - noch jungen - Jahres,

für mich war es eine herbe Enttäuschung. Frisch gebissen ist ein spannungsarmes, zähes und erotikfreies Geplänkel auf niedrigem Niveau. Ich hatte bereits Schwierigkeiten, mich durch die ersten 50 Seiten zu kämpfen, und voller Hoffnung, dass irgendwann doch noch etwas Interessantes geschieht, habe ich bis zum Ende des Buches durchgehalten. Leider kam da absolut nichts.

Chloe Neill präsentiert ca. 420 Seiten Fülldialoge, Beschreibungen von Kleidung, Möbeln, Klatsch und Tratsch und --- gähnende Langeweile. Doch zuerst das Einzige, was mir an diesem Roman gefallen hat und ihn vor der Bewertung "Schund" bewahrt: irgendwo hinter all dem Geschwafel steckt eine Ecke Charme, da blitzt Kreativität der Autorin hervor, da zeigt sich, dass sie durchaus Talent hätte, eine fantasievolle Welt zu schaffen. Sie kann erzählen, der Schreibstil ist eigentlich ganz in Ordnung, aber sie findet einfach zu keinem Roten Faden. Ihre Hauptfigur Merit ist nicht dumm, hätte man ihr bessere Gelegenheiten gegeben, sich zu entwickeln, wäre sie mir wesentlich sympathischer gewesen.

Und da liegt auch schon die größte Schwäche des Buches: Entwicklung bzw. Entwicklung des Settings. Ich fand es beinahe eine Frechheit, wie dem Leser ein Szenario verkauft werden soll, in dem Vampire vor ca. 3 Jahren an die Öffentlichkeit gingen und sich daraus schon eine "Popkultur" bei den Menschen entwickelt hat. Vampire haben "Groupies", sie sind cool, sind in führenden Positionen in Politik und Wirtschaft. Und für Merit ist es auch gar nicht schlimm, auf einmal unsterblich, blutsaugend und lichtscheu zu sein. Vor allem ihre Freundin Mallory findet es total "heiß", dass Merit jetzt eine schnuckelige Vampirin ist. Überhaupt reduzieren sich die Aussagen der Figuren hauptsächlich auf Banales wie: "Cool", "Scheiße" und so weiter. Dass sich irgendjemand, sei es Merit selbst oder eine andere Person, mit der Tatsache weiter auseinandersetzt, darauf wartete ich vergeblich. Merit ist jetzt ein Vampir - und Schluss. Natürlich wird unglaublich viel geredet in diesem Buch, seitenweise überblätterte ich Dialoge mit zig unwichtigen Nebenfiguren, aber wahrlich entscheidende Gespräche werden so gut wie nicht geführt.

Es gibt ansatzweise einen Konflikt zwischen Merit und Ethan Sullivan, aber der bleibt sehr am Rande und ohne Substanz oder gar Drama. Die Autorin verzichtet auf große Gefühle, auf Erotik und auf Tiefgang. Ihre Geschichte bleibt stets schön harmlos an der Oberfläche, kratzt mal hier, mal da an bekannten Klischees, lässt eine Dreiecksbeziehung durchblicken und verzettelt sich dann ab der Mitte in absolut nichtssagendem Einheitsbrei. Wo am Anfang mal die Hoffnung auf eine Krimihandlung über die Morde an jungen Frauen aufkam, merkte ich schnell, dass das nur ein Aufhänger war, um Merits Verwandlung einzuleiten. Der spannungsfreie Fall löst sich am Ende ohne große Ermittlungen auf und geht völlig unter neben Merits Alltagsproblemen und der allgegenwärtigen Frage, was sie anziehen soll.

Wie kann man nur so viele Seiten dafür verwenden, zu beschreiben, wie sexy und wie sexy und wie sexy doch die Klamotten sind, die man jetzt tragen kann, wie "vampire-gothic" mäßig und natürlich von welcher Marke. Ist es wirklich so, dass die meisten Leute zum Vampir werden wollen um entsprechende Kleidung tragen zu können??? Ich bin entsetzt. Die Herabwürdigung des - in meinen Augen - edlen und zurückhaltenden Vampirs mit Geschmack wird in diesem Buch von Seite zu Seite schlimmer. Keiner, selbst der mächtige, souveräne Ethan, scheint sich selbst wirklich ernst zu nehmen, es gibt immer ein Augenzwinkern, immer eine Möglichkeit, die Situation mit einem saloppen Spruch oder einer Anzüglichkeit aufzulösen. Das ist nicht nur völlig realitätsfremd sondern vor allem charakterlos. So manövriert sich Merit mit zähen Monologen und flapsigen Bemerkungen durch ihren Start ins Vampirleben, trainiert ihre körperlichen Fähigkeiten, trinkt Blut, schläft am Tag... gäääähn. Und warum gibt es in solchen Büchern immer eine beste Freundin, die noch hysterischere Bemerkungen macht und ständig Mode und Makeup-Tipps geben muss?!

Nach ca. zwei Dritteln habe ich ganze Seiten ungelesen überblättert und damit kein bisschen Inhalt verpasst. Eigentlich ist es schade um Merit, ich hätte gerne weiter über sie gelesen. Und es wird wahrscheinlich in den Folgebänden ein wenig mehr Berührungspunkte mit Ethan geben. Aber das ganze Nichtstun drumherum halte ich nicht aus. Wiedersehen, Merit, es gibt andere, bessere Serien, die es wert sind, gelesen zu werden. Hach ja - und das Cover ist so wunderschön...

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Chicagoland Vampires

Frisch gebissen

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Armitage, 29. Juni 2011, 17:48

angel_us, 29. Juni 2011, 03:37