Urban

Fantasy

auf World of Armitage




mehr...


...oder lieber Romantasy?

Chess Putnam: Seelenzorn

von Stacia Kane

Erscheinungsdatum: Juli 2011
Verlag: Egmont-lyx
Ausgabe: Kartoniert mit Klappe, 400 Seiten
Preis: EUR 9.99


Romantik Erotik Spannung Action Anspruch Humor Preis/Leistung
1132103

Extreme Spannung und der Geister-Gruselfaktor - Urban Fantasy vom Feinsten!

    

Nur kurz nach den schrecklichen Ereignissen am Chester Airport

wird Chess erneut ein heikler Auftrag der Kirche übertragen: sie soll im Haus eines berühmten Schauspielers eine angebliche Geistererscheinung untersuchen. Die glanzvolle Welt der Reichen und Schönen ist für Chess normalerweise nichts, doch um ihre Drogensucht zu befriedigen, braucht sie das Geld dringend. Gleichzeitig erfährt sie, dass in Downside ein Serienmörder unterwegs ist, der es auf Prostituierte abgesehen hat. Um ihrem Freund Terrible einen Gefallen zu tun, schaut sich Chess den Tatort genauer an und ist erschrocken über die Grausamkeit des Mordes. Der Täter scheint ein magisches Ritual vorzubereiten und Chess spürt ungewöhnliche Energie, die wahrscheinlich auf Geisteraktivitäten zurückzuführen ist.

Ermittlungen in diesem Fall sind allerdings schwierig, denn auch die Drogengang um Lex, mit dem Chess eine Affäre hat, ist von den Morden betroffen. Da Chess was ihre Drogensucht betrifft, ein Doppelleben führt, würde sie in Schwierigkeiten geraten, wenn Terribles Boss Bump erfährt, dass sie ihren Stoff neuerdings von Lex bekommt. Die beiden Gangs sind natürlich verfeindet. Trotzdem muss sich Chess aufgrund ihrer Beziehungen zu Bump auf die gefährliche Suche nach dem Täter einlassen.

Auch der zweite Teil der Chess Putnam Serie besticht

durch gruselige Hochspannung und eine facettenreiche und lebensechte (Anti-)Heldin. Was mir besonders gefallen hat, ist die Tatsache, dass die Autorin Chess nicht einfach nur in einen neuen Geisterfall schickt, sondern an die Charakterentwicklungen im ersten Teil anknüpft. Insbesondere was ihre schwierige Beziehung zu Terrible betrifft, geschieht so einiges in Seelenzorn.

Stilistisch begeisterte sie mich wieder mit kurzen, präzisen Kapiteln inkl. stimmigen Intros, unterhaltsamen Dialogen und einem Händchen für actionreiche Spannung. Wenn Chess in dem großen düsteren Haus ihres Klienten nach Geistern sucht, wird ganz subtil eine gruselige Stimmung aufgebaut, die beim Leser durchaus Gänsehaut verursachen kann. Dadurch, dass Chess selbst bei weitem nicht immer die souveräne Heldin ist, muss man in manchen Situationen auch um sie fürchten. Ihre Drogensucht ist zu jedem Zeitpunkt ihres Lebens präsent und beherrscht große Teile ihres Denkens und Handelns. Manchmal fand ich es erschreckend, dass sie wohl viele Herausforderungen, vor allem emotionaler Art, nicht bewältigen kann ohne sich völlig zuzudröhnen. Wer im ersten Teil glaubt, die Autorin präsentiere eine drogensüchtige Heldin, die sich im Laufe der Geschichte "läutert", liegt falsch. Ich hatte eher noch den Eindruck, dass Chess' Abhängigkeit zunimmt und sie zu immer höheren Dosen oder härteren Stoffen greifen muss. Das Element der Drogensucht ist es auch, das ein gewisses Chaos in die Handlung bringt, denn hätte Chess einen "klaren Kopf", würde sie viele Entscheidungen anders treffen oder erst gar nicht in unmögliche Situationen kommen. Der allgemeine Stresspegel durch die ganze Story hinweg ist unfassbar hoch und es kann einem ganz schön mitnehmen, wenn man liest, wie oft doch für Chess alles schief geht und wie viel Schuld die Drogen daran haben. All diese Aspekte machen sie aber zu einer greifbaren, menschlichen Figur, die einem trotz ihrer übersinnlichen Fähigkeiten sehr nahe sein kann.

Aus diesem Grund fand ich die sich anbahnende Dreiecksgeschichte zwischen Chess, Terrible und Lex auch höchst spannend und intensiv. Hier wird es niemandem einfach gemacht und Chess kann sich nicht annähernd aus der Situation rauswinden ohne zu verletzen und selbst verletzt zu werden. Es sind harte Charaktere, die um Chess herum sind, es ist wenig Platz für romantische Vorstellungen oder gar ein ruhiges Beisammensein. All ihre Interaktionen mit Terrible sind extrem, bedürfnisgesteuert und fragil, da Chess selbst immer am Rande ihrer nervlichen Belastungsgrenze lebt. Fehler rächen sich sofort und es gibt einige Ereignisse in Seelenzorn, die mich wirklich erschüttert haben. Einziges Manko am Rande war für mich der permanente Einsatz von Slangsprache, die in der Übersetzung aus dem Englischen oft sowohl an Wirkung als auch an Qualität verliert. Was im Original wohl Ghettoslang sein soll, mutiert hier auf Deutsch zu einer Art, wie soll ich sagen "Unterbelichtetensprache", die man eventuell von einem Kind erwarten könnte. Wenn aber ein Erwachsener so spricht (Hast'n geschickt, biste gut drauf, willste das nich' etc) kommt mir das irgendwie komisch vor bzw. stört meinen Lesefluss ziemlich.

Insgesamt war es wieder ein tolles Erlebnis mit Chess Putnam und die Serie zählt ganz sicher zu meinen Favoriten in der Urban Fantasy.

Home - Titel-Serien-Autoren A-Z - Aktuelle Topliste - Vorschau - Impressum

Chess Putnam

Geisterflut
Seelenzorn
Geisterstadt

Leseprobe


Was meint ihr dazu:

» neuer Eintrag

Es sind noch keine Einträge vorhanden.