Anita Blake – Gierige Schatten

von Laurell K. Hamilton

auf Deutsch erschienen März 2006 im Bastei Lübbe Verlag
459 Seiten, Taschenbuchformat

Preis: EUR 7,95

ISBN: 3404154665
EAN: 9783404154661
Übersetzt von Angela Koonen

Fazit

Eine ganz neue Seite von Anita und drumherum ein spannender Krimi - kaufen!

Nachdem sich Anita darauf eingelassen hat, abwechselnd mit Jean-Claude und Richard auszugehen, beginnt ein seltsames Spiel. Anita fühlt sich zunehmend unwohl bei der Sache und auch ihr Wunsch, Richard zu heiraten, wird schwächer nachdem sie realisiert hat, dass er genauso wenig ein Mensch ist wie der Vampir Jean-Claude.
Trotzdem wird Anita mehr und mehr in die Welt der Gestaltwandler und Lykantropen hineingezogen und erfährt durch Richard viel Neues. Unter anderem auch, dass es Revierkämpfe bei den Werwölfen gibt, in die Richard selbst verwickelt ist. Doch bevor sich Anita darum kümmern kann, wird sie zu einem Tatort gerufen, bei dem ein Schlangenmensch gehäutet aufgefunden wurde. Es kristallisiert sich heraus, dass es eine Entführungs- und Mordserie an Gestaltwandlern gibt, die noch nicht aufgeklärt werden konnte. Anita hat zunächst keinen Verdacht, wer der Täter sein könnte und erschwerend kommt hinzu, dass es unter den Gestaltwandlern einige gibt, die zu Gewalt und Kriminalität neigen.
Anita macht gegenüber Richard klar, dass sie auch gegen Werwölfe vorgehen würde, was die Beziehung zu ihm weiter belastet. Doch die Ereignisse überschlagen sich, als Jason, ein unerfahrener Werwolf entführt wird. Anita holt sich ihren Profikiller Freund Edward zu Hilfe und zusammen gehen sie den Spuren nach.

Zum ersten Mal treffen wir hier auf eine Anita, die Emotionen zeigt, die Männern zugeneigt ist. Meiner Meinung nach war diese Wendung in der Entwicklung dieses Charakters auch dringend notwendig. Nur knallhart und professionell zu sein macht noch keine sympathische Heldin aus. Völlig ohne Kitsch liest man hier über die Schwierigkeiten einer Beziehung mit einem nicht-menschlichen Wesen, sei es Vampir oder Werwolf. Anitas Zerrissenheit zwischen Jean-Claude und Richard wird sehr gut dargestellt und man kann sich gut in ihre Rolle hineinversetzen. Natürlich kommt auch die Action nicht zu kurz und der Krimiteil des Buches ist super spannend und spitzt sich am Ende zu einem überraschenden Finale zu.
Auch wenn die Verwicklung um Anitas Liebesbeziehungen sich nicht auflöst, kommt nicht das Gefühl auf, hier einen willkürlichen Cliffhanger zu haben. Man freut sich vielmehr auf die kommenden Bände, durch die sich diese Konstellation wie ein roter Faden ziehen wird. L. Hamilton schafft es auf geniale Weise, jedes Buch für sich wirken zu lassen ohne uninteressante Details zu wiederholen. Sicher könnte man auch mitten in der Serie anfangen zu lesen, aber viel mehr Spaß bringt es, von Anfang an zu beginnen und immer mehr über Anita und ihre Freunde und Feinde zu erfahren. Auch über Edward, den Kopfgeldjäger, gibt es noch viele Geheimnisse zu lüften und die Autorin hält sich mit Enthüllungen sehr bedeckt.
Was mir an diesem Band nicht so sehr gefallen hat war das hohe Gewaltaufkommen am Ende. Sicherlich gehört es zu einem Krimi, sich üble Mordschauplätze anzusehen und ein paar blutige Details zu erfahren. Doch explizite Folter ist schon heftig. Nichts, aber absolut nichts für schwache Nerven. Das ist und wird auch kein Liebesroman werden.

Anita Blake – Zirkus der Verdammten

von Laurell K. Hamilton

auf Deutsch erschienen Sept 2005 im Bastei Lübbe Verlag
412 Seiten, Taschenbuchformat

Preis: EUR 7,95

ISBN: 3404153715
EAN: 9783404153718
Übersetzt von Angela Koonen

Fazit

Spannende Action, dieses Mal mit einem Hauch Romantik...der beste Anita-Blake-Roman bisher!

Dieses Mal bekommt es Anita mit militanten Vampirgegnern zu tun, der Humans First against Vampires. Zwei Männer versuchen sie zu überzeugen, den Namen des Meisters der Stadt und seinen Schlafplatz zu verraten. Doch Anita zögert, sie kann aus ihr noch nicht klaren Gründen Jean-Claude nicht ans Messer liefern. Sie will sich gedanklich auch nicht weiter damit befassen, denn sie hat eine Verabredung mit Richard, der für Jean-Claude arbeitet. Sie fühlt sich zu dem attraktiven und weltgewandten Mann hingezogen und hat ganz wider ihre Art einem Date zugestimmt. Dann jedoch erhält sie einen Anruf der Polizei und muss zu einem Tatort. Ein Mensch wurde offensichtlich von mehreren Vampiren ausgesaugt und getötet. Da es sehr ungewöhnlich ist, dass Vampire im Rudel jagen, ahnt Anita Schlimmes. Und tatsächlich macht sie bald Bekanntschaft mit der Vampirtruppe, die von einem sehr alten und mächtigen Meister namens Alejandro angeführt wird. Alejandro will Jean-Claude töten und Anita zu seinem menschlichen Diener machen.
Zum Glück können sich Anita und ihr neuer Animator-Schützling in Sicherheit bringen, tragen aber einen großen Schrecken davon. Anita ist im Zwiespalt: soll sie Jean-Claude verraten?
Durch die Humans First against Vampires lernt sie einen Vampir namens Oliver kennen, der übermächtig zu sein scheint. Doch augenscheinlich sind seine Motive ehrenwert: er will das Gleichgewicht zwischen Menschen und Vampiren wieder herstellen. Anita vertraut ihm nicht, doch genauso wenig glaubt sie Alejandro und Jean-Claude. Als Jean-Claude sie in den Zirkus der Verdammten bestellt um sie zur Rede zu stellen, kommt es zur Katastrophe und ein Kampf zwischen den Meistervampiren entbrennt, in dem Anita beinahe ihre Seele verliert.

Das erste, was nach der Lektüre an diesem Buch auffällt, ist das fulminante Ende. Noch mehr Action, Kampfszenen und Überraschungen. Meiner Meinung nach ist Zirkus der Verdammten noch besser als die beiden Vorgänger, noch bissiger, noch spannender, noch mehr abartige Kreaturen. Dieses Mal kommen auch ein wenig mehr Anitas Gefühle ins Spiel und ihre Beziehung zu Jean-Claude wird noch komplizierter als vorher.
Wieder eine gelungene Mischung von bekannten Charakteren und interessanten Neuvorstellungen. Anita ist teilweise auch nicht mehr ganz so cool wie zuvor, was sie in meinen Augen noch sympathischer macht. Natürlich ist sie immer noch bis an die Zähne bewaffnet, stürzt sich todesmutig in unrealistische Kämpfe und kommt mit ein paar blauen Flecken davon wo andere mehr als tot wären. Aber das ist die gewohnte Übertreibung von Ms Hamilton, und es macht einfach Spaß so etwas zu lesen. Ein wenig Superhelden-Image muss ja dabei sein.

Anita Blake – Blutroter Mond

von Laurell K. Hamilton

auf Deutsch erschienen Jan 2005 im Bastei Lübbe Verlag
413 Seiten, Taschenbuchformat

Preis: EUR 7,95

ISBN: 3404152581
EAN: 9783404152582
Übersetzt von Angela Koonen

Fazit

Würdiger Nachfolger des ersten Bandes, fesselnd!

Auch im zweiten Band der Serie hat Anita keine ruhige Minute. Das "Spukkommando" der Polizei ruft sie um Hilfe bei einem blutigen Mord an einer Familie. Anita ist entsetzt über die Gewalttätigkeit des Mordes und fest entschlossen, den Täter zu finden. Sie erkennt, dass es sich um einen uralten Zombie handeln muss, der von jemand sehr mächtigen erweckt worden sein muss. Auf ihrer Suche gelangt sie an die fiese Voodoomeisterin Dominga Salvador, die Anita zuerst auf ihre kriminelle Seite ziehen will. Als Anita jedoch ablehnt, zieht sie ganz andere Seiten auf und ab sofort ist Anitas Leben bedroht. Dominga hetzt Zombies auf sie, die ihre Wohnung verwüsten und Anita entgeht nur knapp dem Tode. Trotzdem kann sie nicht beweisen, dass die Voodoomeisterin auch für die Erweckung des Super-Zombies und damit auch für die Morde verantwortlich ist. Als wenn das nicht genug wäre, muss sich Anita nun auch noch vor den Häschern des geld- und machtgierigen Harold Gayner in Acht nehmen. Als Anita ablehnt, für Millionen von Dollar einen uralten Toten für Gaynor zu erwecken, gerät sie in seine Schusslinie. Seine perverse Vorliebe für verkrüppelte Geliebte macht sie misstrauisch und sie beginnt zu recherchieren. Bald kreuzen sich die Wege von Dominga Salvador und Harold Gaynor.

Laurell K. Hamilton bleibt auch im zweiten Band ihrem Stil perfekt treu. Viel Spannung und Tempo, tolle Kampfszenen und viele coole Sprüche. Viele Figuren des ersten Teils kommen auch wieder vor, unter anderem auch der charismatische Jean-Claude. Hier zeichnet sich eine interessante Romanze ab. Es ist fantastisch gelungen, ein Buch mit einer unabhängigen Geschichte zu schaffen, durch die sich dennoch ein roter Faden zieht. Auch ohne den ersten Band zu kennen, würde man viel Spaß beim Lesen haben, aber ich empfehle trotzdem ganz von vorne anzufangen mit der Serie. Es fließt auch hier wieder viel Blut und man bekommt explizite Gewaltszenen serviert. Anita ist nach wie vor der Liebe und allem anderen Kompliziertem völlig abgeneigt, aber das tut dem Buch überhaupt keinen Abbruch. Man weiß gar nicht, wo das noch vorkommen sollte bei all dem Tempo.

Anita Blake – Bittersüße Tode

von Laurell K. Hamilton

erscheint auf Deutsch im November 2003 im Luebbe Verlag
397 Seiten, Taschenbuchformat

Preis: EUR 7,95

ISBN: 3404150538
Übersetzt von Marie-Luise Betzenberger

Fazit

Vielversprechender Auftakt zu einer actionreichen und spannenden Serie - besser als Buffy!

Anita Blake ist eine vielbeschäftigte Frau. Sie ist Animatorin bei RIPT, einem kleinen Unternehmen, das Totenerweckungen anbietet. Hier steht sie jede Nacht auf Friedhöfen und erweckt mit ihrer Magie Zombies, die dann Testamente nachreichen oder Zeugenaussagen machen. Nebenbei arbeitet sie noch bei der Polizei, genauer gesagt für die Einheit, die für übernatürliche Verbrechen zuständig ist. Falls es Morde gibt, die im Zusammenhang mit Vampiren oder ähnlichen stehen, wird Anita zur Hilfe gerufen.
Dieses Mal ist es etwas anders: in St. Louis werden in regelmäßigen Abständen Vampire ermordet. Da Anita über ihren Job hinaus als "Scharfrichterin" mit untrüglichem Spürsinn bekannt ist, treten die Vampire an sie heran um sie um Hilfe bei der Suche nach dem Mörder zu bitten. Als Anita ablehnt, wird ihr Leben plötzlich sehr gefährlich. Die Meistervampirin der Stadt, die mächtige Nikolaos, lässt Anita entführen um sie durch Folter und Erpressung zur Mitarbeit zu zwingen. Doch es scheinen auch einige auf Anitas Seite zu sein: der geheimnisvolle Vampir Jean-Claude, die Gestaltwandler und vielleicht auch Edward, der ehrgeizige Kopfgeldjäger. Es kommt zu einer offenen Auseinandersetzung mit Nikolaos...

Das Tempo dieses Buchs haut einen um, wahrlich. Bereits nach den ersten paar Sätzen wird man in einen Strudel von Ereignissen reingezogen, der bis zum Ende nicht abreißt. Der Schreibstil ist realistisch, anschaulich und ehrlich. Sehr abwechslungsreiche Satzkonstruktionen und treffende Beschreibungen mit außergewöhnlichen Adjektiven machen auch nicht ganz so actionreiche Passagen interessant. Das ganze ist in der Ich-Perspektive geschrieben, also sehr auf Anita Blake bezogen. Rund um Anita werden bereits im ersten Band zahllose Nebencharaktere vorgestellt, die alle individuell dargestellt werden. Es gilt sich gut zu konzentrieren, um alle Namen einzuordnen.
Nach bewährter Krimi Manier wird die Geschichte straff von Anfang an aufgezogen und man kann bis zum Ende den Atem anhalten. Es gibt viele Wendungen, überraschende Momente und verblüffende Dialoge. Anitas coole Art und ihr trockener Humor sorgen für einige entspannte Augenblicke, aber kurz darauf wird sie schon wieder in Schwierigkeiten verwickelt. Das ist das einzige, was mich ein wenig stört, dass es nie Zeit zum Luft holen gibt, dass Anita eine unerschöpfliche Energie zu haben scheint. Das gibt so ein Superhelden Image, das klischeelastig ist. Ansonsten wird aber nicht sehr viel mit den üblichen Klischees gespielt. Es gibt keine romantischen Liebesszenen, kein Held, der Anita zur Seite steht und keine lauen Sommerabende auf dem Balkon. Vielmehr wird mit blutigen und gewaltsamen Szenen nicht gespart und teilweise ist der Roman nichts für schwache Nerven. Man fragt sich schon fast, wie die Autorin nach diesem ersten, rasanten Band das ganze noch toppen will.

Dark Future – Herz aus Feuer

von Eve Kenin

erscheint auf Deutsch im Februar 2012 im Knaur Verlag
Taschenbuch, Klappenbroschur 350 Seiten

Preis: EUR 9,99

Fazit

Sci-Fi Abenteuer mit prickelnder Romantik. Toll!

Lange war Tatiana die Gefangene des skrupellosen Wissenschaftlers Gavin Ward, der an der genetisch veränderten Frau Experimente machte und versuchte, ihre Andersartigkeit in todbringende Waffen einzubringen.
Doch irgendwann gelang ihr die Flucht und seither zieht sie durch das nördliche Ödland, verdingt sich in der Eiseskälte als Auftragskillerin. Körperlich stärker als normale Menschen, vermag sie gefährliche Aufträge zu erfüllen.
Eines Tages begegnet ihr an einer Station ein seltsamer, verhüllter Mann, der es anscheinend auch auf Rache abgesehen hat. Vom ersten Moment an ist Tatiana fasziniert von ihm und im Kampf gegen gemeinsame Feinde kommen sie sich näher. Tatiana folgt Tristan in seine Behausung, ein weit verzweigtes Höhlensystem. Doch kann sie ihm trauen?

Wie auch schon in Herz aus Eis platziert Eve Kenin ihre Geschichte in die ferne Zukunft, in der die Erde ein unwirtlicher Ort voller Gefahren und Verbrechen geworden ist.
Tatiana kennen wir schon ansatzweise aus dem ersten Teil, nun bekommt sie ihre eigene, spannende Story, die sich absolut flüssig und unterhaltsam liest.
Eine vom Leben gezeichnete, misstrauische und starke Frau gerät an einen verschlossenen, dominanten und doch einfühlsamen Mann - eine unwiderstehliche Konstellation. Eve Kenin nutzt dieses Potential auch wohlweislich aus und kreiert Dialoge voller zarter Anzüglichkeiten und eine ständige Phase der Annäherung die in gut platzierten Liebesszenen gipfelt. Diese stehen aber niemals im Vordergrund, in erster Linie ist Herz aus Feuer ein actionreicher Sci-Fi-Abenteuerroman, der von seiner Heldin lebt. In einer wechselnden neutralen Erzählperspektive bekommt der Leser mit, was Tatiana und Tristan erleben, und bis zum Schluss hebt sich die Autorin den Showdown auf. Voller Wendungen, in unaufdringlichem, klaren und leicht kühlen Schreibstil, ist das Buch schnell gelesen und macht Lust auf mehr. Man sollte natürlich ein wenig auf technische Begriffe, ein apokalyptisches Setting und jene Story-Elemente stehen, die allesamt mit Genforschung, Waffen, synthetischen Lebensmitteln etc. zu tun haben. Die Welt, die Eve Kenin baut, kommt weitestgehend ohne Bäume, Sonnenuntergänge und Tiere aus, wirkt daher stellenweise etwas klinisch und irgendwie tot. Aber die Figuren sind sehr lebendig und ich mochte die toughe, zielstrebige Tatiana, die sich in ihrer Mission von (fast) nichts beirren lässt.

Fallen Angels – die Ankunft

von J. R. Ward

erscheint auf Deutsch im Februar 2010 im Heyne Verlag
580 Seiten, broschiertes, größeres Taschenbuchformat

Preis: EUR 14,95


ISBN-10:
 345326664
ISBN-13: 978-3453266643
Übersetzt von Astrid Finke

Fazit

Überzogener, auf Klischees basierender Mystery-Roman für Fans der Autorin.

Jim Heron hat sein altes Leben hinter sich gelassen und arbeitet jetzt auf der Baustelle des vermögenden Geschäftsmannes Vin diPietro. Durch einen unglücklichen Unfall kommt Jim zu Tode, doch damit ist längst nicht alles vorbei. Er öffnet die Augen und währt sich im Himmel - da erblickt er einige seltsame Männer, die ihm erklären, dass er jetzt eine neue Rolle als entscheidender Krieger im Kampf zwischen Himmel und Hölle einnehmen wird. Gott und Luzifer haben vereinbart, dass die Weltherrschaft an diejenige Seite geht, die sieben Seelen auf der Erde für sich gewinnen kann. Jims erste Aufgabe ist es, ausgerechnet seinen Boss, Vin, auf die "gute" Seite zu ziehen. Ohne große Erklärungen katapultieren die Engel ihn wieder auf die Erde und Jim findet sich im Krankenhaus wieder. Sofort macht er sich an die Arbeit und versucht, Vin näher kennen zu lernen. Dabei lernt er auch Vins attraktive Freundin Devina kennen - und ist schockiert. Die verführerische Frau ist genau die, die er vor ein paar Tagen im Club Iron Mask nicht nur gesehen sondern auch "getröstet" hat. Mit der Beziehung zwischen Devina und Vin kann etwas nicht in Ordnung sein. Ist es Jims Aufgabe, das zu regeln? Dann gibt es noch die alleinerziehende Marie-Therese, die im Iron Mask als Prostituierte arbeitet um ihre Schulden zu begleichen. Zusammen mit ihrem Sohn ist sie vor ihrem gewalttätigen Ex-Mann geflohen. Was hat ihr Schicksal mit Vin zu tun? Jims Aufgabe gestaltet sich schwieriger als erwartet.

Es ist mir nicht leicht gefallen, das Buch nur als mittelmäßig einzustufen, immerhin hat man bei dieser Autorin stets die fantastische Black Dagger Serie als Referenz im Kopf. Genauer gesagt, die ersten Teile der Black Dagger Serie. Die letzten Teile haben mir nicht mehr so gut gefallen und diese Tendenz scheint sich jetzt auch bei ihrer neuen Reihe fortzusetzen. J. R. Wards Stil ist hier auch unverwechselbar zu erkennen: ausgeschmückter, ausgefallener Schreibstil in einer eigenwilligen Mischung aus derb-saloppem Jargon und blumigen Beschreibungen mit unzähligen Adjektiven und Metaphern. Die Autorin versucht permanent, das Rad neu zu erfinden und bringt Vergleiche, die sonst wohl keiner gewagt oder auch nur daran gedacht hätte. Wo mich dieser Schreibstil am Anfang noch begeistert hat, finde ich ihn in diesem vorliegenden Übermaß größtenteils nur noch aufgesetzt und anstrengend. Alles, jede noch so kleine Sekunde der Handlung wird dadurch überbewertet und hochstilisiert, das Ganze verliert jegliche Natürlichkeit. Auch wenn J. R. Ward mit der Figur des Jim Heron versucht, eine vordergründig "normal-bodenständige" Person als Hauptcharakter zu bringen, gelingt es ihr nicht, ihn mir sympathisch zu machen. Klar sind alle Personen dieses Buch "tortured heros" und versuchen sich mit ihren grauenhaften Vergangenheiten zu überbieten. Aber Jim Heron ist überdies auch noch unnahbar und rigoros - und das nicht mehr nur in dem Maße, dass es ihn interessant und geheimnisvoll macht. Auch die weiteren gefallenen Engel haben mir charakterlich überhaupt nicht gefallen. Die Gegenspielerin Devina ("Dev-il-ina" - wie geistreich) fand ich unspektakulär und durchsichtig. Insgesamt war mir für einen Paranormalen Roman einfach zu wenig "Paranormales" vorhanden. Es ist wie eine Geschichte aus einer US-Daily Soap, die mit ein wenig Mystery gewürzt wurde um auf der modernen Para-Welle mitzuschwimmen. Durch möglichst wenige Informationen versucht die Autorin eine mysteriöse, geheimniskrämerische Stimmung aufzubauen, die ich aber eher unangenehm und unnötig fand. Auch die permanenten Szenenwechsel können nicht verschleiern, dass in den 580 Seiten einfach zu wenig Inhalt ist.
Mit Vin und Marie-Therese bekommt man eine vorhersehbare Pretty Woman Love Story geboten, die vor Klischees nur so strotzt. Jims Rolle in dieser Liebesgeschichte bleibt hölzern und am Rande und eigentlich wollte ich gar nicht, dass er sich da einmischt mit seiner rohen Art. Die Sexszenen sind prickelnd und ausnahmslos gelungen - das kann sie wirklich, die liebe Frau Ward. Leider konnte mich der Rest nicht überzeugen. Die Lektüre hat sich bereits zu Beginn gezogen und kann auch am Ende mit keinen großen Überraschungen aufwarten. Da es sieben Todsünden gibt, werden wohl noch 6 Teile folgen, in denen sich die Autorin hoffentlich noch steigert!
Wenigstens bin ich froh, dass sich der Verlag dieses Mal gegen eine Teilung in zwei Extra-bände entschieden hat, wobei der Preis von EUR 14,95 auch kein Pappenstiel ist.

Magie im Blut

von Devon Monk

erscheint auf Deutsch im Oktober 2010 im Heyne Verlag
390 Seiten, Taschenbuchformat

Preis: EUR 8,99

Fazit

Etwas bemühter erster Teil mit einer distanzierten Heldin, aber durchaus entwickelbar.

Allie Beckstrom lebt in einer Welt, aus der die Magie nicht mehr wegzudenken ist. Magie wird durch Städte geleitet, gespeichert und vielfältig eingesetzt. Als Tochter eines der reichsten Konzerngiganten der Region könnte Allie eigentlich ein schönes, ruhiges Leben führen. Doch sie hat sich von ihrem manipulativen und distanzierten Vater entfernt und seinen Ratschlägen und Beeinflussungen den Rücken gekehrt. Jetzt schlägt sie sich als "Spürhund" durch, und verdient ein wenig Geld mit Aufträgen bei denen sie verübte Magie auf ihren Initiator zurückführen kann. Leider bringt das Wirken von Magie auch immer Nachteile mit sich, so leidet Allie an Gedächtnisverlust und ständigen körperlichen Schmerzen.

Eines Tages wird sie zu einem kleinen Jungen gerufen, der durch Magiekontamination in Lebensgefahr gebracht wurde. Allie erkennt im Tätermuster überrascht ihres Vaters Signatur wieder und will ihn wutschnaubend zur Rede stellen. Also trifft sie sich nach Jahren wieder mit ihm und muss zusehen, wie er jede Schuld von sich weist. Aber Allie lässt nicht locker. Zusammen mit dem geheimnisvollen Zayvion Jones macht sie sich auf die Suche nach dem wahren Täter und gerät dabei selbst in Lebensgefahr.

Der Auftakt zu dieser neuen Urban Fantasy Serie hat es (bei mir) nicht leicht gehabt, immerhin gibt es schon ruhmreiche Vorgänger, z. B. Rachel Morgan oder Marla Mason. Nachdem sich dann Allie Beckstrom auf den ersten Seiten auch als quengelige, Kaffeesüchtige und chaotische Heldin entpuppt hat, stellte sich bei mir leichte Enttäuschung ein. Sie führt das typische Leben einer Querulantin mit allen zynischen Ecken und Kanten, die so ein Charakter nun eben hat. Zerwürfnis mit der Familie, wenige Freunde, ein schlecht bezahlter Job, ständig Probleme mit ihrer Gesundheit durch die Magieschuld, das zeichnet Allie aus. Erschwerend kam hinzu, dass mir sämtliche Nebenfiguren zu Beginn sehr unsympathisch waren, inklusive dem betont geheimnisvoll gehaltenen Zayvion Jones. Vertrauen ist etwas, das sich Allie nicht leisten kann und so ist hinter jeder Ecke ein potentieller Feind.

Der Ich-Erzählstil ist für Urban Fantasy ja bereits fast Standard, brilliert hier aber nicht unbedingt durch Authentizität und Nähe zur Hauptfigur. Die Autorin neigt ein wenig zu ausschweifenden Zustandsbeschreibungen, alles riecht oder stinkt irgendwie und wabert magisch durch die Gegend. Manchmal greift sie aber auch interessante Details auf und schafft so eine spannungsgelanden Atmosphäre. Zynisch und gut platziert ist Allies Humor, der in trockenen, kurzen Kommentaren ans Tageslicht kommt. Nicht sehr gut gefallen hat mir der Perspektivenwechsel hin zum "Bösen", der zwar sehr stark verschleiert ist, aber kurz nach dem Start des Romans sofort ins Auge fällt. Die meiste Zeit jedoch spielt die Handlung rein aus Allies Sicht.
Nach dem meiner Meinung nach etwas zähen Anfang entwickelt sich die Story aber recht gut und hebt sich stellenweise positiv aus der simplen "Kick-ass-Heldin-sucht-Verbrecher" Masche heraus. Allies Beziehung zu Zayvion bleibt undurchsichtig und spannungsgeladen. Es gibt einige prickelnde Szenen, auf Romantik wird generell aber wenig Wert gelegt. Es wird auch nicht allzu explizit, dabei aber sprachlich klischeefrei und wohlüberlegt.

Überhaupt gewinnt Magie im Blut ab der Hälfte zunehmend an Substanz und Erzähltiefe, Allie ist mir zwar bis zum Schluss etwas fremd geblieben, sie manövriert sich aber dann doch ganz ordentlich durch die Widrigkeiten. Die Dialoge werden besser, treffender und mitreißender. Bald war meine Neugier darüber geweckt, was es nun mit Zayvion auf sich hat und welche Position Allie im großen Machtspiel um die Magie einnehmen wird. Auch gibt es für sie eine persönliche Entwicklung und ihre Kräfte sind noch lange nicht alle aufgedeckt oder gar genutzt. Das macht Lust auf die Folgebände.
Bis zum Schluss schwergetan habe ich mich allerdings mit der von Devon Monk konstruierten Welt, in der die Magie für fast alle nutzbar gemacht wurde. Magie fließt durch Kupferrohre und kann mittels Blitzableiter gefangen werden? Magie ist hier irgendwie wie ein Gift, dessen Anwendung demjenigen schadet und daher immer gefährlich ist. Schließlich geht es, den Schaden - illegalerweise - auf jemand anderen zu projizieren. Auch die Art, wie Magie mittels Mantras und Handbewegungen ausgelöst wird und dann in Form von Glyphen "in der Luft hängt", finde ich etwas ungeschickt dargestellt. Aber nun gut, immerhin finden sich die Hauptcharaktere einigermaßen in dieser Welt zurecht.
Insgesamt ein recht ansehnlicher Serienauftakt mit einigen Schwächen, die hoffentlich in den Folgebänden ausgebügelt werden. Ein weiterer ist ja schon angekündigt, ich hoffe inständig, dass trotz sinkender Verkaufszahlen im Urban Fantasy Bereich hier keine Welle von Serieneinstellungen folgt.

Shadowblade – Dunkle Fesseln

von Diana Pharaoh Francis

erscheint auf Deutsch im November 2010 im Knaur Verlag
432 Seiten, HC Klappenbroschur (nicht gebunden)

Preis: EUR 14,95

Fazit

Harter, spannender Urban Fantasy / Fantasy Roman mit einer facettenreichen Heldin.

Max ist eine Shadowblade, eine lebende Waffe. Einst war sie eine ganz normale junge Frau mit Familie und Freunden, bis sie auf die charismatische Giselle traf. Dass diese eine mächtige Hexe ist, erfährt Max zu spät: da hatte sie schon den seltsamen Fragen ob sie ewig leben wolle und unbesiegbar sein kann JA gesagt. Unter Schmerzen und Folter zwingt Giselle Max einen Bannzauber auf, der sie dazu bringt, die Hexe zu beschützen und sei es unter Einsatz ihres Lebens. Seither wehrt sich Max gegen diese Unterjochung, sie ist aufmüpfig und trotzig und plant ständig, wie sie Giselle töten und sich damit befreien kann.
Dann jedoch zieht ein welterschütternder Krieg am Horizont auf, in den alle Hexen verwickelt sind. Eine Prophezeihung wird ausgesprochen, dass Max in diesem Kampf eine entscheidende Rolle spielen wird. Max erhält den Auftrag, einen seltsamen magischen Angriff zu untersuchen und beobachtet, wie die Shadowblades einer verfeindeten Hexe versuchen, einer Wintergreisin den Zauberstab zu entreißen. Es kommt zum Kampf, in dem Max nur besteht, weil sie der Wintergreisin hilft. Hier passieren zwei entscheidende Dinge: Max erhält als Dank von der Wintergreisin ein magisches Hagelkorn, das einen Wunsch erfüllen kann. Und sie trifft Alexander, den Prime der Shadowblades der Hexe Solange. Sofort geschieht etwas zwischen Max und Alexander, eine tiefe Anziehungskraft. Doch er ist ihr Feind und sie hat den Auftrag, ihre Herrin zu beschützen.

hadowblade hat mich von der ersten Seite an gepackt und durch das hohe Erzähltempo und die spannende Story nicht mehr losgelassen. Kleine Längen im Mittelteil sind verschmerzbar und stören nicht sehr. Man merkt gleich am Anfang, dass hier eine härte Gangart eingelegt wird und lernt die Hauptfigur Max als eine zynische, todesmutige und kalte Frau kennen, die keine Kompromisse macht. In treffenden, gut gewählten Worten präsentiert uns die Autorin eine im wahrsten Sinne des Wortes gequälte Heldin, die ihre Gefühle tief in sich eingeschlossen hat. Hass und Rachsucht beherrschen ihr Denken und obwohl sie von Grund auf sehr loyal ist, will Max doch nichts anderes, als ihre Freiheit und eine Strafe für Giselle.
Nach kürzester Zeit gibt es schon die ersten Kämpfe, die allesamt blutig, brutal und fantastisch beschrieben sind. Eine Waffenliebhaberei ist hier - ganz ähnlich wie bei Dante Valentine - deutlich zu erkennen. Alle Waffen werden beim Namen genannt, erläutert und natürlich muss Max immer wie ein wahres Arsenal herumlaufen. Doch natürlich steckt in Max mehr als eine eiskalte Tötungsmaschine, ansonsten hätte die Story nicht mehr viel Inhalt. Aber vorerst ist die Autorin sehr zurückhaltend mit Gefühlsausdrücken und bleibt es auch mehr oder weniger bis zum Schluss. Nicht, dass es in Max drin eiskalt wäre, vielmehr brodelt es regelmäßig in ihrem Inneren und sie leidet unter unzähligen Gewissenskonflikten und Sehnsüchten, die sie sich nicht erlauben kann und will. Nach außen hin jedoch bleibt sie oft undurchdringlich und starr. So schwierig es ist, einen solch komplexen Hauptcharakter darzustellen, so bewundernswert gelingt es der Autorin. Trotz all ihrer Härte ist Max eine faszinierende, vielschichtige Person mit unglaublich viel Potiential. All ihre Interaktionen mit Haupt- und Nebenfiguren sind gut platziert und fern von Oberflächlichkeiten. Es wird nicht unbedingt viel gesprochen in diesem Roman, aber wenn, dann mit Nachdruck. Derbe Ausdrücke und Schimpfworte gibt es zu Hauf, aber auch einen feinen, bissigen Humor.
Viel Zeit verbringt man auch damit, Landschafts- und Zustandsbeschreibungen zu lesen. Auf Atmosphäre wird viel Wert gelegt und die Autorin erschafft neue Redewendungen, interessante Fantasy-Inhalte und Kreaturen und eine apokalyptische Hintergrundgeschichte, die von viel Arbeit und Kreativität zeugen. Das Thema "die magische Welt will die Menschen vernichten" ist jetzt zwar nicht neu, aber hervorragend umgesetzt. Dabei kommt in diesem ersten Teil noch nicht viel von jenem großen Krieg ans Tageslicht, es zeichnet sich jedoch ein ultimativer Showdown ab.
Die Erzählperspektive wechselt zwischen Max und Alexander hin und her, bleibt aber immer neutral in der dritten Person. Ab und zu gibt es Überschneidungen der Ereignisse, einmal aus Max und einmal aus Alexanders Sicht, das ist ein faszinierendes Stilmittel. Überhaupt habe ich sprachlich rein gar nichts auszusetzen und ein Hauptgrund für meinen postiven Gesamteindruck macht in jedem Fall der flüssige Erzählstil und die tolle Ausarbeitung der Hauptfiguren aus. Max und Alexander geraten ständig aneinander, misstrauen sich, streiten sich, nähern sich, helfen sich und all das ohne Klischees. Es gibt in ihrer zwischenmenschlichen Geschichte einige Überraschungen, die unvorhersehbar platziert sind. Von Romantik ist allerdings nicht viel zu sehen in diesem Roman, es gibt nur ganz am Rande ein kleines Aufblitzen. Vorrangig konzentriert sich die Story auf Max Rolle als Giselles Shadowblade, auf ihre Position in der Gruppe, ihren Konflikt mit der Hexe und natürlich auf das Abenteuer, das alle erleben. Zartbesaitet sollte man hier allerdings nicht sein, es gibt explizite Folterszenen und viel Blut. Teilweise war es mir zu sehr darauf angelegt, brutal zu wirken, nur deswegen - und eventuell wegen dem kleinen Hänger in der Mitte des Buches - keine Top Wertung. Ansonsten kann ich Shadowblade uneingeschränkt für alle Fans von Urban Fantasy empfehlen, vor allem für Anhänger von Dante Valentine, Elizabeth Phoenix, Anita Blake und anderen "toughen" Kämpferinnen.
Noch ein Wort zur Aufmachung: 14,95 EUR für ein Taschenbuch, und sei es noch so stabil und großformatig, ist viel Geld. Schimmernde Applikationen auf dem Cover und ein schöner Druck machen zwar was her, sind aber für mich kein Muss. Ich frage mich auch, wie man auf die Idee kommt, eine schwarzhaarige Frau abzubilden, denn Max ist weißblond...

Jäger der Dämmerung

von Cynthia Eden

erscheint auf Deutsch im April 2011 im Heyne Verlag.
Taschenbuch, Broschur, 432 Seiten

Preis: EUR 7,99

Fazit

Schnöder, mit Erotik gepuschter Thriller ohne Reiz und Spannung.

Seit sie von einem besessenen Gestaltwandler-Stalker verfolgt wird, der glaubt, sie sei seine Gefährtin, ist Erin auf der Flucht. Nichts wünscht sie sich mehr als ein normales Leben, so normal, wie sie es als Wolfshybride führen könnte. Beziehungen mit Menschen scheitern immer an ihrer Spezies-typischen, rauhen Art, auch wenn Erin sich nicht verwandeln kann. Als Staatsanwältin versucht Erin, in einer neuen Stadt ein neues Leben aufzubauen. Gleich nach wenigen Tagen begegnet sie dem attraktiven, verwegenen Kopfgeldjäger Jude. Er riecht sofort, dass Erin nicht menschlich ist und auch Erin kann sich seiner Anziehungskraft nicht erwehren. Jude arbeitet für die Agentur Night Watch, die sich der Suche nach paranormalen Kriminellen verschrieben hat. Als Jude und Erin sich näher kommen, wagt Erin zu hoffen, dass Jude ihr gegen den Stalker helfen kann...

Hier wurde leider soziemlich jedes vorhandene Potential verschenkt. Was ein spannender paranormaler Krimi mit sexy Gestaltwandlern hätte werden können, kommt bei mir nur noch als zäher, klischeelastiger CSI-Miami Verriss an, der mit stereotypen und lieblos platzierten Charakteren langweilt. Warum nur "eher schlecht" und nicht "übel"? Die - häufig eingestreuten - Sexszenen sind nicht gar so schlecht und Jude ist ein ultramaskuliner Tigerwandler-Macho, der ein bisschen was fürs "Auge" darstellt. Die ersten 50 Seiten waren sogar relativ unterhaltsam. Die Agentur Nightwatch fand ich auch sehenswert, ich hätte gern noch mehr über sie erfahren.

Nun, das war es dann aber auch schon an Positivem über diesen Roman. Aller Kritik voran: der Schreibstil der Autorin ist g-r-a-u-e-n-h-a-f-t. Mit stakkatohaft kurzen Sätzen, die oft nur zwei oder drei Worte haben, stottert sie die Geschichte zusammen, stolpert über Szenenwechsel, lässt ihre Figuren dümmliche Monologe führen und leiert immer und immer wieder das gleiche Vokabular herunter. Ständiges Einstreuen von Aufregern wie "NEIN!", "Verdammt!", "Beschädigt. Zerbrochen" etc. in die ohnehin zerklüfteten Absätze führt dazu, dass das Lesen extrem unflüssig wird. Und: warum muss man die Figuren immer "für den Leser" wiederholen lassen, was gesagt bzw. damit gemeint wurde? Irgendwann kommt man sich blöd vor bei Konstruktionen wie: "Du willst es wissen?" Ja, sie wollte es wissen. "Ja, ich will es wissen." "Dann sage ich es dir." Er sagte es ihr. "Ja, sag es mir." Versteht ich was ich meine? *Kopf-gegen-die-Wand-hau*

Die Protagonistin Erin ist eine vom Schicksal und ihrer bösen Kindheit - und auch noch von ihren Genen - gebeutelte, dennoch ultrastarke und erfolgreiche Frau, die total unnahbar ist. Sie fühlt sich "Beschädigt. Zerbrochen", und hat außerdem ein dunkles Geheimnis, das sie keinem erzählen kann. Sie träumt von einem normalen, menschlichen Leben, will aber insgeheim animalischen Sex. Wie passend, dass 20 Seiten später der hart im Nehmende Tigerwandler Jude auftaucht und sie ruckzuck verführen kann. Ab dem Zeitpunkt der ersten Erotikszene müssen wir uns als Leser dann permanent Selbstverleugnungen von Erin anhören, dass sie ihn ja niemals lieben könnte, dass das alles nichts bedeutet blabla. Viel mehr braucht man über diese Liebesgeschichte auch nicht erzählen, denn man kann sich denken, dass irgendwann die Seelenentblößung und Vergangenheitsbewältigung folgt und direkt in ein Ich-liebe-dich-für-immer-und-seit-dem-ersten-Augenblick-aber-ich-war-zu-dumm-es-zu-merken-Happy-End übergeht (sorry für diese Wortkonstruktion).

Parallel zu dieser Handlung läuft eine zähe, vermurkste und uninteressante Jagd nach dem Stalker, in die sich unzählige Randfiguren einmischen und alle ihr nicht witzige Sprüchlein ablassen müssen. Komprimiert hätte die Handlung auch auf 100 Seiten gepasst. Der Böse ist dermaßen überzogen dargestellt, ist wohl omnipräsent und übermächtig, kann Erin überall hin folgen, kommt aber nie an sie heran. Ich hasse es, wenn die Bösen immer nur im Dunklen hocken, vor sich hinsabbern und ihre Zeit mit Monologen verplämpern, wie sie am Ende triumphieren werden. Da hat es eindeutig an Substanz gefehlt und ein vorhersehbares Ende wird hier künstlich in die Länge gezogen bis auch noch der geduldigste Leser mit zehn Sexszenen zwischen Erin und Jude vollgestopft wurde. Es wird zwar nicht an expliziten Worten wie Schw... und f... gespart, aber ein Kribbeln kam kaum auf. Und so animalisch und wild, wie ständig behauptet wird, dass Erin es will, ist der Sex auf keinen Fall. Nichts, was andere Autoren mit weniger Worten schon wesentlich besser hinbekommen hätten. So geht dieser Titel unter im Sumpf des Sex-and-Crime Trash und ich werde es mir gut überlegen, ob ich dem zweiten Teil noch eine Chance gebe.

Hexengift

von T. A. Pratt

erscheint auf Deutsch im Mai 2010 im Blanvalet Verlag
414 Seiten, Taschenbuchformat

Preis: EUR 8,95

ISBN-13: 9783442266906
ISBN-10: 3442266904
 
Übersetzt von Michael Pfingstl

Fazit

Marla ist einfach cool! Lesen!!

Als Magieroberhaupt der Stadt Felport ist die multi-talentierte Hexe Marla ständig im Stress. Aktuell wird sie in die städtische Irrenanstalt gerufen, wo die seit Jahren im künstlichen Tiefschlaf liegende Gedankenmanipulatorin Genevieve ausgebrochen ist. Marla vermutet sofort, dass jemand Genevieve bei der Flucht geholfen hat und sie als Druckmittel gegen Marla und Felport einsetzen will, denn Genevieve ist sehr mächtig: sie kann die Realität verändern. Nebenbei muss sich Marla auch noch um einen entlaufenen Meister-Attentäter kümmern, der seinen Amtskollegen entwischt ist und sich wahrscheinlich in Marlas Territorium aufhält. Die Gefahren lauern an jeder Ecke und Marla weiß, dass ihr Posten als magisches Oberhaupt der Stadt von vielen beneidet oder gar gehasst wird. Also herrscht sie mit rüder Dominanz und straffem Aktionismus.

Um die vielen Aufgaben in den Griff zu bekommen entschließt sich Marla, einen weiteren Assistenten neben Rondeau einzustellen und gabelt den ordnungsliebenden Ted von der Straße auf, der sich als sehr nützlich herausstellt. Und dann bekommt Marla noch Verstärkung von dem attraktiven Liebesflüsterer Joshua, dessen umwerfende Ausstrahlung sofort bleibenden Eindruck bei der ansonsten kühlen Marla hinterlässt. Zusammen mit seinem Charisma will sie ihre Machtposition bei den anderen Zauberern stärken, wird aber zunehmend selbst von Joshuas Charme eingewickelt. Dann überschlagen sich die Ereignisse: Genevieves Traumwelt gerät immer mehr in die Wirklichkeit und bringt auch ihre Alpträume ins Leben. Manifestiert als mächtiger Zauberer, wird ihr größter Alptraum nun auch eine Bedrohung für Felport. Und Marla selbst gerät ins Zielfernrohr des verschollenen Attentäters...

Der zweite Teil der Serie um die toughe Magierin Marla Mason ist eine rasante, spannende und vor allem wendungsreiche Urban Fantasy Geschichte, die absolut überzeugen kann. Der präzise, leicht ironische Schreibstil präsentiert die Charaktere sehr anschaulich und ich war immer wieder begeistert vom Einfallsreichtum des Autors und dem schier unendlichen Vorrat an Vokabeln um die magische Welt und deren Kreaturen zu beschreiben.

Von Anfang an herrscht ein hohes Erzähltempo, welches auch komplett bis zu letzten Seite durchgehalten wird. Es ist zwar eine typische "wir-jagen-den-Bösewicht" Handlung, aber ohne vorhersehbar oder klischeehaft zu sein. Allen voran ist Marla, die einfach nur genial ist. Sie ist stur, etwas brutal, extrem pragmatisch, zielgerichtet und zynisch. Ihre Loyalität zu ihrer Stadt ist beeindruckend und obwohl sie über große Kräfte verfügt, kommt sie nicht abgehoben daher. Sie ist derart bodenständig und teils sogar fast schon schäbig, dass man ihr eher noch die Rolle einer abgerissenen Einzelkämpferin zuordnet, als die einer mächtigen Hexenmeisterin. Wo sie im ersten Teil ausschließlich ihre grobe Seite zeigt, kommt in Hexengift in der Beziehung zu Joshua auch eine andere Seite Marlas hervor, die sehr interessant und verletzlich ist. Es entsteht aber keine großartig romantische Handlung! Es geht vorrangig um Action, Kampf und Strategie. Dabei wechselt die Erzählperspektive regelmäßig zwischen Marla und ihren Gegenspielern, so dass man die ganze Handlung aus mehreren Blickwinkeln mitbekommt. Das nimmt aber keinesfalls die Spannung sondern bringt eher noch mehr Farbe in das Ganze.

Es gibt wirklich wenige Bücher, die keine nervigen Nebencharaktere und/oder erzählerische Längen haben und so unterhaltsam sind wie die Romane um Marla Mason. Sie kann locker mithalten mit Kate Daniels, Rachel Morgan und den Charakteren von Kelley Armstrong. Was absolut überzeugend an diesem Buch ist, ist das ausgereifte Gefühl des Autors für mitreißende Dialoge, die gerade so lang sind um die Infos zu vermitteln, aber trotzdem so kurz wie möglich um nicht ins Wiederholen zu geraten. Nichts ist nerviger als wenn die Charaktere untereinander alles ständig wiederholen, so als ob sie den Leser für begriffstutzig halten würden...
Rür Romantasy-Fans und solchen, die Urban Fantasy mögen, welche recht nah an der Realität liegt (keine Fabelwesen und Parallelwelten etc.) ist Hexengift nicht so gut geeignet, aber wer auf spannende Action und klischeefreie Figuren steht, sollte einen Blick auf Hexengift werfen. Ich jedenfalls freue mich schon auf den nächsten Teil.