Fallen Angels – die Ankunft

von J. R. Ward

erscheint auf Deutsch im Februar 2010 im Heyne Verlag
580 Seiten, broschiertes, größeres Taschenbuchformat

Preis: EUR 14,95


ISBN-10:
 345326664
ISBN-13: 978-3453266643
Übersetzt von Astrid Finke

Fazit

Überzogener, auf Klischees basierender Mystery-Roman für Fans der Autorin.

Jim Heron hat sein altes Leben hinter sich gelassen und arbeitet jetzt auf der Baustelle des vermögenden Geschäftsmannes Vin diPietro. Durch einen unglücklichen Unfall kommt Jim zu Tode, doch damit ist längst nicht alles vorbei. Er öffnet die Augen und währt sich im Himmel - da erblickt er einige seltsame Männer, die ihm erklären, dass er jetzt eine neue Rolle als entscheidender Krieger im Kampf zwischen Himmel und Hölle einnehmen wird. Gott und Luzifer haben vereinbart, dass die Weltherrschaft an diejenige Seite geht, die sieben Seelen auf der Erde für sich gewinnen kann. Jims erste Aufgabe ist es, ausgerechnet seinen Boss, Vin, auf die "gute" Seite zu ziehen. Ohne große Erklärungen katapultieren die Engel ihn wieder auf die Erde und Jim findet sich im Krankenhaus wieder. Sofort macht er sich an die Arbeit und versucht, Vin näher kennen zu lernen. Dabei lernt er auch Vins attraktive Freundin Devina kennen - und ist schockiert. Die verführerische Frau ist genau die, die er vor ein paar Tagen im Club Iron Mask nicht nur gesehen sondern auch "getröstet" hat. Mit der Beziehung zwischen Devina und Vin kann etwas nicht in Ordnung sein. Ist es Jims Aufgabe, das zu regeln? Dann gibt es noch die alleinerziehende Marie-Therese, die im Iron Mask als Prostituierte arbeitet um ihre Schulden zu begleichen. Zusammen mit ihrem Sohn ist sie vor ihrem gewalttätigen Ex-Mann geflohen. Was hat ihr Schicksal mit Vin zu tun? Jims Aufgabe gestaltet sich schwieriger als erwartet.

Es ist mir nicht leicht gefallen, das Buch nur als mittelmäßig einzustufen, immerhin hat man bei dieser Autorin stets die fantastische Black Dagger Serie als Referenz im Kopf. Genauer gesagt, die ersten Teile der Black Dagger Serie. Die letzten Teile haben mir nicht mehr so gut gefallen und diese Tendenz scheint sich jetzt auch bei ihrer neuen Reihe fortzusetzen. J. R. Wards Stil ist hier auch unverwechselbar zu erkennen: ausgeschmückter, ausgefallener Schreibstil in einer eigenwilligen Mischung aus derb-saloppem Jargon und blumigen Beschreibungen mit unzähligen Adjektiven und Metaphern. Die Autorin versucht permanent, das Rad neu zu erfinden und bringt Vergleiche, die sonst wohl keiner gewagt oder auch nur daran gedacht hätte. Wo mich dieser Schreibstil am Anfang noch begeistert hat, finde ich ihn in diesem vorliegenden Übermaß größtenteils nur noch aufgesetzt und anstrengend. Alles, jede noch so kleine Sekunde der Handlung wird dadurch überbewertet und hochstilisiert, das Ganze verliert jegliche Natürlichkeit. Auch wenn J. R. Ward mit der Figur des Jim Heron versucht, eine vordergründig "normal-bodenständige" Person als Hauptcharakter zu bringen, gelingt es ihr nicht, ihn mir sympathisch zu machen. Klar sind alle Personen dieses Buch "tortured heros" und versuchen sich mit ihren grauenhaften Vergangenheiten zu überbieten. Aber Jim Heron ist überdies auch noch unnahbar und rigoros - und das nicht mehr nur in dem Maße, dass es ihn interessant und geheimnisvoll macht. Auch die weiteren gefallenen Engel haben mir charakterlich überhaupt nicht gefallen. Die Gegenspielerin Devina ("Dev-il-ina" - wie geistreich) fand ich unspektakulär und durchsichtig. Insgesamt war mir für einen Paranormalen Roman einfach zu wenig "Paranormales" vorhanden. Es ist wie eine Geschichte aus einer US-Daily Soap, die mit ein wenig Mystery gewürzt wurde um auf der modernen Para-Welle mitzuschwimmen. Durch möglichst wenige Informationen versucht die Autorin eine mysteriöse, geheimniskrämerische Stimmung aufzubauen, die ich aber eher unangenehm und unnötig fand. Auch die permanenten Szenenwechsel können nicht verschleiern, dass in den 580 Seiten einfach zu wenig Inhalt ist.
Mit Vin und Marie-Therese bekommt man eine vorhersehbare Pretty Woman Love Story geboten, die vor Klischees nur so strotzt. Jims Rolle in dieser Liebesgeschichte bleibt hölzern und am Rande und eigentlich wollte ich gar nicht, dass er sich da einmischt mit seiner rohen Art. Die Sexszenen sind prickelnd und ausnahmslos gelungen - das kann sie wirklich, die liebe Frau Ward. Leider konnte mich der Rest nicht überzeugen. Die Lektüre hat sich bereits zu Beginn gezogen und kann auch am Ende mit keinen großen Überraschungen aufwarten. Da es sieben Todsünden gibt, werden wohl noch 6 Teile folgen, in denen sich die Autorin hoffentlich noch steigert!
Wenigstens bin ich froh, dass sich der Verlag dieses Mal gegen eine Teilung in zwei Extra-bände entschieden hat, wobei der Preis von EUR 14,95 auch kein Pappenstiel ist.

Jäger der Dämmerung

von Cynthia Eden

erscheint auf Deutsch im April 2011 im Heyne Verlag.
Taschenbuch, Broschur, 432 Seiten

Preis: EUR 7,99

Fazit

Schnöder, mit Erotik gepuschter Thriller ohne Reiz und Spannung.

Seit sie von einem besessenen Gestaltwandler-Stalker verfolgt wird, der glaubt, sie sei seine Gefährtin, ist Erin auf der Flucht. Nichts wünscht sie sich mehr als ein normales Leben, so normal, wie sie es als Wolfshybride führen könnte. Beziehungen mit Menschen scheitern immer an ihrer Spezies-typischen, rauhen Art, auch wenn Erin sich nicht verwandeln kann. Als Staatsanwältin versucht Erin, in einer neuen Stadt ein neues Leben aufzubauen. Gleich nach wenigen Tagen begegnet sie dem attraktiven, verwegenen Kopfgeldjäger Jude. Er riecht sofort, dass Erin nicht menschlich ist und auch Erin kann sich seiner Anziehungskraft nicht erwehren. Jude arbeitet für die Agentur Night Watch, die sich der Suche nach paranormalen Kriminellen verschrieben hat. Als Jude und Erin sich näher kommen, wagt Erin zu hoffen, dass Jude ihr gegen den Stalker helfen kann...

Hier wurde leider soziemlich jedes vorhandene Potential verschenkt. Was ein spannender paranormaler Krimi mit sexy Gestaltwandlern hätte werden können, kommt bei mir nur noch als zäher, klischeelastiger CSI-Miami Verriss an, der mit stereotypen und lieblos platzierten Charakteren langweilt. Warum nur "eher schlecht" und nicht "übel"? Die - häufig eingestreuten - Sexszenen sind nicht gar so schlecht und Jude ist ein ultramaskuliner Tigerwandler-Macho, der ein bisschen was fürs "Auge" darstellt. Die ersten 50 Seiten waren sogar relativ unterhaltsam. Die Agentur Nightwatch fand ich auch sehenswert, ich hätte gern noch mehr über sie erfahren.

Nun, das war es dann aber auch schon an Positivem über diesen Roman. Aller Kritik voran: der Schreibstil der Autorin ist g-r-a-u-e-n-h-a-f-t. Mit stakkatohaft kurzen Sätzen, die oft nur zwei oder drei Worte haben, stottert sie die Geschichte zusammen, stolpert über Szenenwechsel, lässt ihre Figuren dümmliche Monologe führen und leiert immer und immer wieder das gleiche Vokabular herunter. Ständiges Einstreuen von Aufregern wie "NEIN!", "Verdammt!", "Beschädigt. Zerbrochen" etc. in die ohnehin zerklüfteten Absätze führt dazu, dass das Lesen extrem unflüssig wird. Und: warum muss man die Figuren immer "für den Leser" wiederholen lassen, was gesagt bzw. damit gemeint wurde? Irgendwann kommt man sich blöd vor bei Konstruktionen wie: "Du willst es wissen?" Ja, sie wollte es wissen. "Ja, ich will es wissen." "Dann sage ich es dir." Er sagte es ihr. "Ja, sag es mir." Versteht ich was ich meine? *Kopf-gegen-die-Wand-hau*

Die Protagonistin Erin ist eine vom Schicksal und ihrer bösen Kindheit - und auch noch von ihren Genen - gebeutelte, dennoch ultrastarke und erfolgreiche Frau, die total unnahbar ist. Sie fühlt sich "Beschädigt. Zerbrochen", und hat außerdem ein dunkles Geheimnis, das sie keinem erzählen kann. Sie träumt von einem normalen, menschlichen Leben, will aber insgeheim animalischen Sex. Wie passend, dass 20 Seiten später der hart im Nehmende Tigerwandler Jude auftaucht und sie ruckzuck verführen kann. Ab dem Zeitpunkt der ersten Erotikszene müssen wir uns als Leser dann permanent Selbstverleugnungen von Erin anhören, dass sie ihn ja niemals lieben könnte, dass das alles nichts bedeutet blabla. Viel mehr braucht man über diese Liebesgeschichte auch nicht erzählen, denn man kann sich denken, dass irgendwann die Seelenentblößung und Vergangenheitsbewältigung folgt und direkt in ein Ich-liebe-dich-für-immer-und-seit-dem-ersten-Augenblick-aber-ich-war-zu-dumm-es-zu-merken-Happy-End übergeht (sorry für diese Wortkonstruktion).

Parallel zu dieser Handlung läuft eine zähe, vermurkste und uninteressante Jagd nach dem Stalker, in die sich unzählige Randfiguren einmischen und alle ihr nicht witzige Sprüchlein ablassen müssen. Komprimiert hätte die Handlung auch auf 100 Seiten gepasst. Der Böse ist dermaßen überzogen dargestellt, ist wohl omnipräsent und übermächtig, kann Erin überall hin folgen, kommt aber nie an sie heran. Ich hasse es, wenn die Bösen immer nur im Dunklen hocken, vor sich hinsabbern und ihre Zeit mit Monologen verplämpern, wie sie am Ende triumphieren werden. Da hat es eindeutig an Substanz gefehlt und ein vorhersehbares Ende wird hier künstlich in die Länge gezogen bis auch noch der geduldigste Leser mit zehn Sexszenen zwischen Erin und Jude vollgestopft wurde. Es wird zwar nicht an expliziten Worten wie Schw... und f... gespart, aber ein Kribbeln kam kaum auf. Und so animalisch und wild, wie ständig behauptet wird, dass Erin es will, ist der Sex auf keinen Fall. Nichts, was andere Autoren mit weniger Worten schon wesentlich besser hinbekommen hätten. So geht dieser Titel unter im Sumpf des Sex-and-Crime Trash und ich werde es mir gut überlegen, ob ich dem zweiten Teil noch eine Chance gebe.