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...oder lieber Romantasy?

Kitty Katt: Aliens in Armani

von Gini Koch

Erscheinungsdatum: Oktober 2011
Verlag: Piper
Ausgabe: Taschenbuch, ca. 400 Seiten
Preis: EUR 8.95


Romantik Erotik Spannung Action Anspruch Humor Preis/Leistung
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Bunter, völlig überdrehter Sci-Fi-Romantasy Comic.

    

Eines schönen Tages wird die schlagfertige und mutige Marketingmanagerin

Katherine Katt, genannt Kitty, Zeuge eines Ehestreits auf öffentlicher Straße, während dessen sich der Mann in ein Monster verwandelt und wild unschuldige Zivilisten abschlachtet. Kurzerhand schnappt sich Kitty ihren teuren Füller und stürzt sich auf das Monster. Durch ihren heldenhaften Einsatz werden alle gerettet und sie gerät ins Zentrum der Aufmerksamkeit von seltsamen, in Armani Anzüge gekleidete Herren.

Ehe sie sich's versieht, findet sich Kitty in einer Limousine auf dem Weg ins Einsatzzentrum der Aliens wieder. Denn, so erfährt sie, handelt es ich bei den schicken - und allesamt höchst attraktiven - Männern um Aliens vom Planeten Alpha Centauri, die auf der Erde in einer Art Menschheits-Schutz-Mission sind. Kitty ist erschrocken, als sie lernt, dass außerirdischen Parasiten die Menschen befallen und zu willenlosen Sklaven machen. Zum Glück gibt es die übersinnlich starken und schnellen Aliens, die alles tun, um die Parasiten aufzuhalten. Gleich zu Beginn ist Kitty fasziniert von dem charmanten und sexy Jeff Martini, der ihr von der ersten Minute an Heiratsanträge macht. Da weiß Kitty noch nicht, dass sie in einen gefährlichen und aufregenden Krieg verwickelt werden wird...

Ich hatte alle "Vorbereitungen" getroffen, um diesen Roman zu mögen:

1. ich wollte nichts davon ernst nehmen, 2. ich wollte nicht nach logischen Schlussfolgerungen suchen, 3. ich wollte großzügig über pseudocoole Lückenfüllerdialoge hinwegsehen und 4. war ich sogar bereit, ultra-nervige Sidekicks zu ertragen. Allesamt gute - und notwendige! - Voraussetzungen, um mit Aliens in Armani Spaß zu haben. Leider haben meine besten Vorsätze nicht ganz gereicht, aber dazu gleich. Grundsätzlich wird man durch dieses Buch extrem gut unterhalten, es gibt skurrile, lustige und auch einige ernste Momente. Ein ordentlicher Schuss - teilweise sehr seichte - Romantik/Erotik und haarsträubende Einfälle der Autorin bringen Tempo und reichlich Abwechslung.

Natürlich hat der Roman ein wenig den "Genre-Pionier-Bonus", denn es ist der erste Sci-Fi-Romantasy, den ich je gelesen habe. Also war ich ganz gespannt, wie die Autorin die Herkunft der Aliens erklärt und all das Warum und Wieso drumherum. Jeff Martini und seine Mitstreiter vom Planeten Alpha Centauri waren mir auch ganz sympathisch, auch wenn sie mir trotz ihrer tollen Fähigkeiten definitiv zu "menschlich" rüberkamen. Und alle sind supersexy und männlich und laufen in Armani Anzügen herum... na ja. Ich will nicht spoilern, daher nur ganz kurz zur Hintergrundgeschichte: die Begründung der Autorin, warum die Aliens auf die Erde kamen und wie das mit den Parasiten und der Alpha Centauri Gesellschaftsstruktur zusammenhängt, ist für mich eines der größten Mankos dieses Buches. Ich habe nicht viel erwartet, bei weitem nicht, aber die wirren Erklärungsversuche mit religiösen und politischen Inhalten hätte sich Gini Koch auch sparen können. Es gibt viele viele Passagen, die man hätte streichen können in diesem Buch und das hätte dem Lesefluss eher gut getan.

Genauso wenig gelungen ist die Darstellung der Parasiten und warum sie die Menschen befallen und sie aber nur teilweise und temporär verwandeln etc. Gini Koch ergeht sich hier in Interpretationen und das schlimme ist, das wir das alles anhand von Monologen der Hauptfigur erfahren müssen. Kitty erzählt alles als Ich-Erzähler, und obwohl sie - unfassbar - gewitzt und fix ist, wälzt sie das Thema Herkunft und Legitimation des Alienproblems ewig lange herum.

Kitty selbst ist eine toughe Frau, die weder auf den Mund gefallen ist noch Berührungsängste hat. Zwischendurch fand ich sie leider ein wenig schlampig, auch leicht in sexueller Hinsicht. Natürlich müssen die weiblichen Hauptfiguren keine streng monogamen Moralapostel sein, um mir zu gefallen, doch Kitty hat so etwas lässiges, oberflächliches an sich, das mir stellenweise nicht so passte. An ihrer Seite ist der ewig baggernde Charmeur Jeff, der im Grunde genommen charakterlos ist. Er ist zwar ein Empath und damit fähig, sämtliche Gefühle anderer Wesen zu spüren, er selbst bleibt aber ziemlich blass und voller abgegriffener Sprüche. Gleich zu Beginn hat er wohl entschieden, dass er Kitty heiraten wird und dabei bleibt er dann auch. Und da er hübsch anzusehen ist, hat Kitty auch nichts dagegen, mit ihm in die Kiste zu steigen. Und sein Cousin Christopher? Ja, der ist auch nicht schlecht. Ob er genauso gut im Bett ist? So überdurchschnittlich schlau und spontan Kitty im Bezug auf Gegenstände ist, die man als Waffen benutzen könnte, so minderbemittelt stellt sie sich in emotionalen Dingen an. Große Teile des Romans sind wie eine Mischung aus Sex-and-the-City und Man in Black oder Independence Day. Dass die Autorin von Comics begeistert sein muss, beweist ihre übertriebene und bildhafte Sprache in allen überdrehten Kampfszenen der Aliens mit den Parasiten. Da kommen irrwitzige Kreaturen daher, riesige Schnecken werden mit Salzwasser (das aus Kampfjets der Army gegossen wird) besiegt und Haarspray ist überhaupt das beste Mittel gegen Riesenmonster. Kittys Mut und Handlungsfähigkeit fand ich dabei außerirdischer als alle Talente der wirklichen Aliens.

Soweit so gut, das hätte wirklich noch für eine gute Bewertung gereicht. Und dann hat sich die Autorin entschlossen, Kittys Familie in den Plot zu nehmen. Mit Mum und Dad und den drei Hunden und zwei Katzen kommt der Moralapostel hinzu und es endet in zahllosen, für mich überflüssigen Mutter-Tochter Dialogen. Bald zieht Gini Koch eine hanebüchene Begründung nach der anderen aus der Tasche um Kittys Eltern von zwei ganz normalen Menschen zu quasi global wichtigen Superhelden zu machen. Ein sehr lästiger Einsatz von Superlativen presst die Story immer weiter in ein anstrengendes Paralleluniversum und je mehr Geschütze aufgefahren wurden, desto unsympathischer wurde mir Kitty. Die Liebesszenen - vor allem aber die romantischen Momente - hingegen sind gut gelungen, die angedeutete Dreiecksgeschichte ist zwar nichts neues, aber ok. Zum Humor: ich habe nicht ein einziges Mal gelacht, vielleicht die Augen verdreht höchstens. Irgendwie ist das nicht meine Art Humor...Dennoch werde ich dem zweiten Teil wohl noch eine Chance geben.

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Kitty Katt

Aliens in Armani




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Boo, 30. September 2011, 19:21