Anita Blake – Nacht der Schatten

von Laurell K. Hamilton

erscheint auf Deutsch im Oktober 2011 im Bastei Lübbe Verlag
399 Seiten, Taschenbuchformat

Preis: EUR 9,99

Fazit

Anita am Rande ihrer selbst.

Da Anita während eines Kampfes von einem ihrer eigenen Leoparden schwer verletzt wurde, schwebt sie jetzt in der Gefahr, selbst zum Leoparden zu werden. Voller Wut, dass Anita ihm somit vielleicht entrissen wurde, nimmt Richard den Schuldigen gefangen und will ihn exekutieren lassen. Denn wenn Anita ein Leopard wird, kann sie nicht mehr die Lupa des Werwolfrudels sein. Doch Anita will ihren Leoparden um jeden Preis zurück erobern, und sei es, dass sie sich Richard und den Werwölfen in einer Prüfung stellen muss. Gleichzeitig werden sämtliche Gestaltwandler der Stadt immer noch von einem unbekannten Entführer bedroht, der verängstigte Gestaltwandler aller Art veranlasst, Anita um Hilfe zu bitten. Mitten in ihrer Sorge ob ihrer eigenen möglichen Verwandlung und der Dreiecksliebesgeschichte zwischen ihr, Jean-Claude und Richard, muss sich Anita jetzt auch der Tatsache stellen, dass sie mit Micah, dem Anführer eines anderen Leopardenrudels, einen Seelenverwandten gefunden hat.

Nacht der Schatten setzt nahtlos an den Ereignissen von Jägerin des Zwielichts an, es fängt sogar nicht einmal mehr neu mit Kapitel eins an. Völlig ausgeschlossen, dass Neueinsteiger hier an dieser Stelle irgendetwas von der Hintergrundgeschichte verstehen. Für alle, die der Serie chronologisch folgen, gibt es hier den zweiten Teil von "Narcissus in Chains", in dem Anita sich einmal mehr zum Retter aller aufschwingt. Grundsätzlich bietet diese Hälfte mehr Action und weniger Erotikszenen, leidet aber auch unter einer flatterhaften und fremdgesteuerten Anita.

Was hat mir gefallen?
Es gibt wieder eine große Anzahl an unterschiedlichsten paranormalen Kreaturen, die schillernd und anschaulich beschrieben sind. Extreme Abartigkeiten und blutige Details blitzen immer mal wieder hervor, haben aber auch teilweise ihren Reiz. Gut fand ich die Gruppendynamik innerhalb Anitas Leopardenrudels und all die kleinen Gestaltwandlertypischen Eigenheiten, die die Autorin ständig beschreibt. Die Kampfszenen haben Nacht der Schatten auch keinesfalls geschadet und Anita war insgesamt nicht ganz so sexlastig wie vorher. Der Leoparden Nimir-Raj Micah ist eine interessante Person, deren androgyne, metrosexuelle Art zwar nicht mein Ding ist, doch er kann durch charismatisches Auftreten punkten. All diese Punkte hätten diesen Teil sogar zu einer GUT Wertung bringen können...

Aber:
Die Auflösung der Konfliktsituation zwischen Richard und Anita hat mir überhaupt nicht gefallen. Eine enttäuschende Wendung, die sich anfühlt, als würde Laurell Hamilton ihren gehegten Charakter Richard wie Müll wegschmeißen. Ich konnte auch Anitas Einstellung zu Richard überhaupt nicht mehr nachvollziehen, da sie fast schon schizoid von Minute zu Minute wechselt. Mal liebt sie ihn, dann verachtet sie ihn wieder, dann tut er ihr leid, dann will sie ihn töten etc etc. Zwar bezeichnet sich Anita selbst mehrfach als soziopathisch, doch für mein eigenes Lesevergnügen hat das gar nichts beigetragen.
Die "Ardeur", das unkontrollierte Verlangen, das Anita regelmäßig überkommt, weil sie Jean-Claudes "Leiden" übernommen hat, ist in meinen Augen eine armselige Begründung der Autorin, Seiten mit Orgienhaften Sexszenen zu füllen, deren Lieblosigkeit der Sympathie mit den Charakteren nachhaltig schadet. Zwar dosiert sie diese Szenen in Nacht der Schatten etwas, postiert Anita aber wieder als sexuellen Spielball zwischen Micah, Jean-Claude, Asher, Nathananel und weiteren. Und schließlich komme ich manchmal wirklich nicht mit diesen Gefühl zurecht, dass man den Eindruck hat, die Autorin will ihren Figuren im Roman WIRKLICH weh tun. Die Folterszenen sind dermaßen genüsslich ausgeschlachtet (üble Formulierung ich weiß), dass man Anita das Grauen darüber nicht so recht abnehmen mag, denn im Hintergrund kam es mir immer so vor, als hätte Frau Hamilton zu viel Spaß daran.

Ab dem letzten Drittel des Buches kam dann so ein bisschen Wehmut bei mir auf, schließlich habe ich Anita jetzt ein paar Jahre lang verfolgt und die ersten Teile waren richtige Kracher. Was soll nur aus ihr werden? Wohin geht der Weg? Hierzu ein Zitat der Autorin aus einem Interview mit Dionne Charlet, New Orleans Literature Examiner vom 04.10.2011 (gefunden auf der Homepage der Autorin): (...)I would have bet good money that she would never date Jean-Claude, let alone be living with him. I might have bet that she would be happily married to Richard Zeeman, our local Ulfric, wolf king and junior high science teacher, but that so hasn't worked as I planned. I didn't know the character of Micah Callahan even existed in the form that he insisted on being written, and had no idea how important he would be to Anita. Nathaniel Graison was the one that Anita and I fought the longest against loving, and now he totally has her heart. I never foresaw that Anita would have a U. S. Marshal's badge and be a ‘real’ law officer. I never planned on Edward, assassin to the monsters, would be a major guest star in the series, and one of Anita's closest friends. I guess, what I'm saying is that when I've been this surprised by my own characters and world, all bets are off, I have little idea of what will happen to Anita next. I've been wrong too often to hazard a guess anymore.”

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