Teufelskreise

von Linda Robertson

erscheint auf Deutsch im März 2011 im Egmont Lyx Verlag
400 Seiten, Taschenbuchformat

Preis: EUR 9,95


ISBN 10: 3802583515

ISBN 13: 978-3802583513
Übersetzt von Stefanie Zeller

Fazit

Ganz unterhaltsamer Urban Fantasy Mix, der aber nicht aus der Masse heraussticht.

Persephone Alcmedi ist eine begabte Hexe, dennoch hält sie sich mit Tarotkartenlegen und dem Schreiben einer Werwolf-Kolumne über Wasser. Seitdem ihre Großmutter Demeter, genannt Nana, bei ihr eingezogen ist, kommen noch mehr Stress und Geldsorgen auf sie zu. Eigentlich müsste ihr der Auftrag von der Hohepriesterin Vivian, den Mörder der kleinen Lorrie zu fassen und zu töten, gerade recht kommen, denn Persephone bräuchte das Geld. Doch sie zögert, denn Auftragsmord verstößt gegen ihre moralischen Prinzipien und gegen die Lehren der weißen Magie. Doch die Wut auf den Mörder siegt und Persephone möchte das kleine Mädchen schützen, das so plötzlich ihrer Mutter beraubt wurde.

Als Freundin der Werwölfe macht es Persephone auch nichts aus, dass Lorries Mutter ein Werwolf war. Da sie aber ahnt, dass dieser Auftrag lebensgefährlich werden könnte, bittet sie sowohl den attraktiven Werwolf Johnny, als auch die Ermittlerin Theo um Hilfe. Die Spur führt zu einem mächtigen Vampir und seinem Untergebenen Goliath. Dann passiert Theo ein schrecklicher Unfall und Persephone wird klar, dass sie sich und alle, die ihr etwas bedeuten, in Gefahr gebracht hat.

Gute Kritiken des des Originals und meine Begeisterung für alles, was Urban Fantasy ist, haben keinen Zweifel daran gelassen, dass ich Teufelskreise lesen muss.
Leider stellte sich bereits nach wenigen Seiten eine Ernüchterung ein, die auch nicht mehr nachließ. Die Autorin hat es geschafft, eine Geschichte, die durchaus Potential gehabt hätte, mittels unlogischer Wendungen und unsympathischer Figuren zu einem nichtssagenden Einheitsbrei zu machen, der streckenweise einfach nur langweilig ist. In Persephones Welt leben Hexen, Vampire und Werwölfe neben den Menschen, sie haben ihre Existenz offenbart, kämpfen aber mit zahlreichen Vorurteilen. Vor allem die Werwölfe, die sich zu Vollmond immer verwandeln, müssen sich freiwillig in Zwinger begeben. Persephone hat netterweise ihren Keller dafür zur Verfügung gestellt und serviert dort auch Frühstück am nächsten Morgen. So lernte sie auch Johnny kennen, obwohl sie sich anfangs vor seinen unheimlichen Tättowierungen fürchtete.

Ich merke schon, dass ich selbst beim Schreiben der Rezension ins Schwafeln gerate, was wohl daran liegt, dass in diesem Buch vorrangig nur geschwafelt wird. Unter all diesen Oberflächlichkeiten liegt zugeschwallt eine ganz ernste, ergreifende Story um einen Mord, eine Protagonistin, die ihre Vergangenheit bewältigen möchte, Konflikte und Vorurteile zwischen Menschen, Vampiren und Werwölfen und eine ganz zarte Liebesgeschichte. Leider gibt es keinen Roten Faden und die Figuren gleiten der Autorin scheinbar aus der Hand. Manchmal hatte ich den Eindruck, sie wusste überhaupt nicht, was sie mit ihren Helden anfangen soll, also erfand sie allerlei Albernes um von ihrer schlechten Storyline abzulenken. So debattiert Persephone ewig und drei Tage mit ihrer Großmutter, regt sich über den Hund Poopsie auf, verliert sich in Monologen über ihre Kindheit und was sie nun eigentlich von dem ach so unheimlichen Johnny halten soll, dessen Annäherungsversuche sie trotz allem interessieren.

Als dann der Mordauftrag auf Persephone zukommt, sie in Gewissenskonflikte gerät und die Story eine gewisse Dynamik entwickelt, hatte ich schon gehofft, dass das Anfangsgeplänkel einfach nur Startschwierigkeiten waren. Doch schnell bremst sich die Story selbst wieder aus, viel zu viele Personen geraten in das Zentrum der Aufmerksamkeit, haben Unwichtiges zu sagen und machen alberne Sprüche. Immer mehr verzettelt sich die Autorin in Klischees und Diskussionen und verliert meiner Meinung nach das Wesentliche aus den Augen. Zudem gab es einige haarsträubende Situationen, die einfach gar nicht gingen, zum Beispiel (Achtung leichter Spoiler): Als Persephone den wahren Täter entlarvt, wird "er" an einen Stuhl gefesselt und jeder, der da ist, darf sich mal im Foltern üben. Vor den Augen einer ohnehin schon traumatisierten Zehnjährigen reißt Persephone der Schuldigen grob an den Haaren, schlägt sie, knebelt sie etc.
Die Moralität, die ganz deutlich mit diesem Roman vermittelt werden soll, hat sich durch solche Fauxpas einfach nur verabschiedet. Diese unangenehme Charakterschwäche haben aber zahlreiche Figuren, auch der anfangs so saloppe und liebenswerte Johnny hält nicht unbedingt, was er verspricht. Oft hatte ich das Gefühl, die Autorin legt ihren Personen einfach etwas in den Mund, weil es jetzt zur Situation passt, und nicht, weil es ihre Art wäre. Rasch waren mir dann alle, inklusive Persephone unsympathisch. Und wenn die Figuren sich in ihrer eigenen Geschichte nicht authentisch bewegen, kann man auch als Leser nicht den Funken überspringen spüren. Daher fand ich auch die Magie, sämtliche Rituale und alles, was Persephones Hexendasein ausmacht, schlichtweg lächerlich. Sie spricht Mantras in Reimen, hat Visionen in ihren Meditationen und errichtet Bannkreise. Aber eine "magische" Person ist sie nicht, ihr haftet nichts Übersinnliches an und ich war von der Plattheit ihrer Auslegungen oft enttäuscht.

Sehr ernüchternd ist auch der Hauch - und es ist wirklich nur ein Hauch - einer Liebesgeschichte, die diesen Roman würzen soll. Zwischen Johnny und Seph ist etwas, was man vielleicht als pubertäre Anziehungskraft bezeichnen könnte, da gibt es keinen Tiefgang sondern nur Erwähnungen von Oberflächlichkeiten. Hier ein knackiger Po, da seine männlichen Attribute. Doch der Mann Johnny hat überhaupt keinen Rahmen um sich zu entwickeln und Seph achtet auch nicht darauf. Wahllos geht sie von anfänglicher Skepsis zu teeniehafter Schwärmerei über. Da helfen auch all ihre Monologe über die scheinbare Überwindung von Vorurteilen nichts.
Außerdem, und das ist mittlerweile bei mir schon eine persönliche Aversion, NERVEN mich diese Anspielungen auf amerikanische Popkultur. Wir trinken keinen Kaffee, nein, es heißt ja Chocolate Chip latte von der berühmten Kette XYZ. Ständig werden Markennamen von Kleidungsstücken, Schmuck, Parfum oder Einrichtung erwähnt, alles muss hip sein oder irgendwie stylish. Man glaubt gar nicht, wie sehr mich dieser Pseudo-Sex-and-the-City-Stil ankotzt, wenn es gleichzeitig um einen Mord geht.

Ich hatte eigentlich vor, nur 1 oder 2 Sterne zu vergeben, aber es gibt 3 für die darunterliegenden, guten Ansätze. Vielleicht kommt im zweiten Teil ja mehr heraus.

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