Magie im Blut

von Devon Monk

erscheint auf Deutsch im Oktober 2010 im Heyne Verlag
390 Seiten, Taschenbuchformat

Preis: EUR 8,99

Fazit

Etwas bemühter erster Teil mit einer distanzierten Heldin, aber durchaus entwickelbar.

Allie Beckstrom lebt in einer Welt, aus der die Magie nicht mehr wegzudenken ist. Magie wird durch Städte geleitet, gespeichert und vielfältig eingesetzt. Als Tochter eines der reichsten Konzerngiganten der Region könnte Allie eigentlich ein schönes, ruhiges Leben führen. Doch sie hat sich von ihrem manipulativen und distanzierten Vater entfernt und seinen Ratschlägen und Beeinflussungen den Rücken gekehrt. Jetzt schlägt sie sich als "Spürhund" durch, und verdient ein wenig Geld mit Aufträgen bei denen sie verübte Magie auf ihren Initiator zurückführen kann. Leider bringt das Wirken von Magie auch immer Nachteile mit sich, so leidet Allie an Gedächtnisverlust und ständigen körperlichen Schmerzen.

Eines Tages wird sie zu einem kleinen Jungen gerufen, der durch Magiekontamination in Lebensgefahr gebracht wurde. Allie erkennt im Tätermuster überrascht ihres Vaters Signatur wieder und will ihn wutschnaubend zur Rede stellen. Also trifft sie sich nach Jahren wieder mit ihm und muss zusehen, wie er jede Schuld von sich weist. Aber Allie lässt nicht locker. Zusammen mit dem geheimnisvollen Zayvion Jones macht sie sich auf die Suche nach dem wahren Täter und gerät dabei selbst in Lebensgefahr.

Der Auftakt zu dieser neuen Urban Fantasy Serie hat es (bei mir) nicht leicht gehabt, immerhin gibt es schon ruhmreiche Vorgänger, z. B. Rachel Morgan oder Marla Mason. Nachdem sich dann Allie Beckstrom auf den ersten Seiten auch als quengelige, Kaffeesüchtige und chaotische Heldin entpuppt hat, stellte sich bei mir leichte Enttäuschung ein. Sie führt das typische Leben einer Querulantin mit allen zynischen Ecken und Kanten, die so ein Charakter nun eben hat. Zerwürfnis mit der Familie, wenige Freunde, ein schlecht bezahlter Job, ständig Probleme mit ihrer Gesundheit durch die Magieschuld, das zeichnet Allie aus. Erschwerend kam hinzu, dass mir sämtliche Nebenfiguren zu Beginn sehr unsympathisch waren, inklusive dem betont geheimnisvoll gehaltenen Zayvion Jones. Vertrauen ist etwas, das sich Allie nicht leisten kann und so ist hinter jeder Ecke ein potentieller Feind.

Der Ich-Erzählstil ist für Urban Fantasy ja bereits fast Standard, brilliert hier aber nicht unbedingt durch Authentizität und Nähe zur Hauptfigur. Die Autorin neigt ein wenig zu ausschweifenden Zustandsbeschreibungen, alles riecht oder stinkt irgendwie und wabert magisch durch die Gegend. Manchmal greift sie aber auch interessante Details auf und schafft so eine spannungsgelanden Atmosphäre. Zynisch und gut platziert ist Allies Humor, der in trockenen, kurzen Kommentaren ans Tageslicht kommt. Nicht sehr gut gefallen hat mir der Perspektivenwechsel hin zum "Bösen", der zwar sehr stark verschleiert ist, aber kurz nach dem Start des Romans sofort ins Auge fällt. Die meiste Zeit jedoch spielt die Handlung rein aus Allies Sicht.
Nach dem meiner Meinung nach etwas zähen Anfang entwickelt sich die Story aber recht gut und hebt sich stellenweise positiv aus der simplen "Kick-ass-Heldin-sucht-Verbrecher" Masche heraus. Allies Beziehung zu Zayvion bleibt undurchsichtig und spannungsgeladen. Es gibt einige prickelnde Szenen, auf Romantik wird generell aber wenig Wert gelegt. Es wird auch nicht allzu explizit, dabei aber sprachlich klischeefrei und wohlüberlegt.

Überhaupt gewinnt Magie im Blut ab der Hälfte zunehmend an Substanz und Erzähltiefe, Allie ist mir zwar bis zum Schluss etwas fremd geblieben, sie manövriert sich aber dann doch ganz ordentlich durch die Widrigkeiten. Die Dialoge werden besser, treffender und mitreißender. Bald war meine Neugier darüber geweckt, was es nun mit Zayvion auf sich hat und welche Position Allie im großen Machtspiel um die Magie einnehmen wird. Auch gibt es für sie eine persönliche Entwicklung und ihre Kräfte sind noch lange nicht alle aufgedeckt oder gar genutzt. Das macht Lust auf die Folgebände.
Bis zum Schluss schwergetan habe ich mich allerdings mit der von Devon Monk konstruierten Welt, in der die Magie für fast alle nutzbar gemacht wurde. Magie fließt durch Kupferrohre und kann mittels Blitzableiter gefangen werden? Magie ist hier irgendwie wie ein Gift, dessen Anwendung demjenigen schadet und daher immer gefährlich ist. Schließlich geht es, den Schaden - illegalerweise - auf jemand anderen zu projizieren. Auch die Art, wie Magie mittels Mantras und Handbewegungen ausgelöst wird und dann in Form von Glyphen "in der Luft hängt", finde ich etwas ungeschickt dargestellt. Aber nun gut, immerhin finden sich die Hauptcharaktere einigermaßen in dieser Welt zurecht.
Insgesamt ein recht ansehnlicher Serienauftakt mit einigen Schwächen, die hoffentlich in den Folgebänden ausgebügelt werden. Ein weiterer ist ja schon angekündigt, ich hoffe inständig, dass trotz sinkender Verkaufszahlen im Urban Fantasy Bereich hier keine Welle von Serieneinstellungen folgt.

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